Nigeria ist der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und zugleich der größte Rohölexporteur des Kontinents. Im weltweiten Vergleich liegt das OPEC-Mitglied an achter Stelle laut der Ener-gy Information Administration (vgl. EIA 2008). Seit dem Ölboom in den 1970er Jahren ist Erdöl das Hauptexportgut Nigerias, das dem Staat 95% seiner Einkünfte aus Devisengeschäf-ten (vgl. CIA World Factbook 2008) und etwa 80% der Staatseinnahmen beschert.
Doch von diesen 60 Milliarden US-Dollar sieht die Bevölkerung des Nigerdeltas, der Haupt-förderregion nigerianischen Erdöls, so gut wie nichts. Stattdessen wurde den Bewohnern durch die massive Umweltzerstörung, die durch die jahrzehntelange Erdölförderung entstan-den ist, ihre Lebensgrundlage entzogen. (vgl. Heiduk, Kramer 2005: 341). Auf der Rangliste des Human Development Index rangiert Nigeria auf Platz 159 von 177 Staaten (vgl. Saam 2008: 13). Nach amtlichen Angaben lebt mindestens die Hälfte der Bevölkerung Nigerias von weniger als einem Dollar pro Tag (vgl. ebd.), andere Schätzungen gehen von etwa zwei Drittel aus (vgl. Pomrehm 2006).
Im Jahresbericht 2005 von Amnesty International heißt es: “Die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Bewohner des Nigerdeltas […] wurden weithin nicht respektiert, sodass es zunehmend zu Spannungen […] kam” (Amnesty International 2005). Diese Span-nungen entladen sich einerseits in Anschlägen auf Pipelines und Förderanlagen, andererseits in Entführungen von Mitarbeitern von Ölfirmen. Laut Matthias Basedau vom Institut für Afrika-Kunde in Hamburg gibt es “eine Mixtur von Gründen für diesen Konflikt” (Trost 2006).
Im Folgenden werde ich die wichtigsten Gründe darlegen und aufzeigen, warum ein Einsatz von PMCs im Nigerdelta für die Ölkonzerne eine Option darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gründe für den Konflikt
3. Der Widerstand und seine Folgen
4. Rolle der USA
5. PMCs als Lösung?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Ursachen des Konflikts im nigerianischen Nigerdelta, der maßgeblich durch die Erdölförderung, massive Umweltzerstörung und Korruption befeuert wird. Dabei wird analysiert, wie sich die prekäre Sicherheitslage auf die Ölkonzerne auswirkt und inwiefern der Einsatz von Private Military Companies (PMCs) als Option zur Sicherung der Förderanlagen in Betracht gezogen wird.
- Sozioökonomische Folgen der Erdölförderung im Nigerdelta
- Die Rolle von Korruption und staatlicher Misswirtschaft
- Entwicklung militanter Widerstandsgruppen und deren Taktiken
- Einflussnahme der USA auf die nigerianische Sicherheitsstruktur
- Potenziale und Risiken des Einsatzes privater Sicherheitsfirmen
Auszug aus dem Buch
Rolle der USA
An einer weiteren Drosselung der Produktion haben neben Nigeria und den Ölkonzernen auch die USA kein Interesse, da Nigeria der fünftgrößte Lieferant der USA ist und von den USA als „Treibstoff-Reservetank“ (ebd.) betrachtet wird. Um die Sicherheit im Nigerdelta wiederherzustellen, setzt die nigerianische Regierung auch Streitkräfte des Militärs ein, die allerdings nach der jahrzehntelangen Militärdiktatur einen sehr schlechten Ruf genießen und in einem maroden Zustand gewesen sind. Einer Studie der US-amerikanischen PMC Military Professional Resources Incorporated (MPRI) aus dem Jahr 2000 zufolge, die jeweils zur Hälfte von Nigeria und den USA finanziert wurde, war 75% der militärischen Ausrüstung der nigerianischen Armee entweder defekt oder nicht einsatzfähig (vgl. Singer 2006: 103).
Nachdem MPRI Empfehlungen zur „Reprofessionalisierung“ der Streitkräfte vorgelegt hatte, erhielt das Unternehmen anschließend auch den Auftrag in Höhe von 7 Millionen Dollar, diese Empfehlungen umzusetzen. Innerhalb des US-amerikanischen Programms Africa Contingency Operations Training Assistance (Acota), in dem afrikanische Soldaten unter US-Anleitung ausgebildet werden, gilt die Zusammenarbeit mit den militärischen Ausbildungszentren des Joint Combined Arms Training System (JCATS) als unverzichtbar (vgl. Abramovici 2004). Das erste JCATS-Zentrum ist im November 2003 in Abuja in Betrieb genommen worden und wird, wie alle weiteren auch, von MPRI geleitet (vgl. ebd.).
Damit haben es die Amerikaner geschafft, eine PMC in einem Land zu „installieren“, in dem es Konzernen verboten ist, private bewaffnete Sicherheitskräfte einzustellen (vgl. Heiduk 2005: 341). Damit sind allerdings noch nicht die Probleme behoben, denen die Ölkonzerne tagtäglich ausgesetzt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Ausgangslage Nigerias als bedeutender Rohölexporteur dar und erläutert die daraus resultierenden sozialen Spannungen sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Gründe für den Konflikt: Es werden die systemischen Ursachen beleuchtet, insbesondere die staatliche Kontrolle der Erdölerlöse durch Dekrete, die Umweltzerstörung durch Gasabfackeln und die grassierende Korruption.
3. Der Widerstand und seine Folgen: Dieses Kapitel analysiert das Auftreten militanter Gruppierungen wie der Mend und die wirtschaftlichen Einbußen der Ölkonzerne durch Sabotageakte und Entführungen.
4. Rolle der USA: Hier wird der strategische Einfluss der USA auf die nigerianische Sicherheitspolitik und die indirekte Integration privater Militärunternehmen (PMCs) untersucht.
5. PMCs als Lösung?: Das Abschlusskapitel bewertet den potenziellen Einsatz privater Sicherheits- und Militärfirmen als Maßnahme zur Steigerung der Fördersicherheit und reflektiert die politische Akzeptanz dieser Option.
Schlüsselwörter
Nigeria, Nigerdelta, Erdölförderung, Private Military Companies, PMCs, Konfliktmanagement, Ölkonzerne, Mend, Korruption, Umweltzerstörung, Sicherheitspolitik, Ressourcenfluch, Gas Flaring, MPRI, Rohölexport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Konfliktdynamik im nigerianischen Nigerdelta im Kontext der Erdölförderung und untersucht die Rolle privater Sicherheitsunternehmen als mögliche Lösungsoption für die gefährdeten Konzerne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sozioökonomischen Auswirkungen der Erdölwirtschaft, staatliche Korruption, der bewaffnete Widerstand lokaler Gruppen sowie die sicherheitspolitische Einflussnahme internationaler Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen des Konflikts darzulegen und kritisch zu hinterfragen, warum der Einsatz von Private Military Companies (PMCs) für Ölkonzerne in dieser Region als attraktive Option gilt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die aktuelle Berichte von Organisationen wie Amnesty International, Transparency International sowie wissenschaftliche Studien und Presseberichte integriert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und politischen Ursachen des Konflikts, die Auswirkungen auf die Bevölkerung und Umwelt sowie die Verflechtungen zwischen US-amerikanischen Programmen und der privaten Sicherheitsindustrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Nigerdelta, Erdölförderung, PMCs, Korruption, Ressourcenfluch und Konfliktdynamik fassen den Kern der Untersuchung prägnant zusammen.
Wie bewertet der Autor die Rolle der USA im Nigerdelta?
Der Autor sieht die USA primär durch ihre Interessen am nigerianischen Öl als "Treibstoff-Reservetank" motiviert und zeigt auf, wie durch Militärberatung und private Firmen ein Einfluss aufgebaut wurde, der die eigene Sicherheitsarchitektur Nigerias prägt.
Welchen Stellenwert nimmt die Korruption in der Argumentation ein?
Korruption wird als zentrales Element identifiziert, welches sowohl die staatliche Vernachlässigung der Bevölkerung als auch das riskante Handeln der Erdölkonzerne begünstigt und somit den Konflikt perpetuiert.
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- M.A. Jochen Kosel (Author), 2008, Erdöl, Gewalt & Korruption: Sind PMCs bald im Nigerdelta?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196796