[...] Droht
Deutschland der soziale Kollaps? Im Rahmen des Referatthemas „Internationale
Sozialstandards“ soll der Frage nachgegangen werden, ob das jahrzehntelang gelobte deutsche
Modell „Soziale Marktwirtschaft“ noch Vorbildcharakter für eine sozial verträgliche
Wirtschaftspolitik hat .
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, soll zunächst das Prinzip der Marktwirtschaft
erläutert werden (Kapitel I), um dann auf die besonderen Kriterien der Sozialen
Marktwirtschaft einzugehen (Kapitel II). Anschließend werde ich versuchen, einige
Erklärungsansätze für die derzeitigen Schwierigkeiten darzustellen und mich anschließend mit
möglichen Lösungsansätzen beschäftigen. (Kapitel III) Abschließend hoffe ich, auf die Frage
nach der Zukunft des Modells der Sozialen Marktwirtschaft eine Antwort geben zu können
(Schlussteil).
Dabei soll es in dieser Hausarbeit nicht um die Finanzierung einzelner Teilbereiche wie etwa
des immer wieder kritisierten Gesundheitswesens3 gehen, sondern um die generellen
Anforderungen an das System der Sozialen Marktwirtschaft. Daher geht es auch nicht um die
Frage, welche Reformen nötig sind und wie diese auszusehen haben, sondern ob und wie
Reformen überhaupt realisierbar sind. Dieses komplexe Thema kann im Rahmen einer
Hausarbeit nicht tiefgreifend genug behandelt werden. Daher werde ich versuchen, mich auf
die für meine Argumentation wichtigsten Gesichtspunkt zu konzentrieren.
3 “Die Regierung unternimmt alles, um Arbeitsplätze im Gesundheitswesen zu vernichten. Das widerspricht
nicht nur den selbst gesteckten Zielen in der Koalitionsvereinbarung, für mehr Beschäftigung zu sorgen. Die
Koalition gefährdet mit ihren konfusen Sparbemühungen auch massiv die Versorgung der Patientinnen und
Patienten“, so Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe zu den Plänen von
Bundesgesundheitsministerin Schmidt, die Budgets für Ärzte und Krankenhäuser im nächsten Jahr auf dem
Stand von 2002 einzufrieren. (…)“Diese Politik des Ausverkaufs führt zur völligen Demotivation der Berufe im
Gesundheitswesen, eine humane Patientenversorgung auf dem heutigen Niveau wird unmöglich gemacht. Das ist
dann tatsächlich der Kollaps im Gesundheitswesen.“ (Außerordentlicher Deutscher Bundesärtzetag am
18.02.2003 in Berlin, http://www.bundesaerztekammer.de/25/20021031/200210311.html).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1. Marktwirtschaft
1.1 Grundprinzipien der Marktwirtschaft
1.1.1 Knappheit und Zwang zum Wirtschaften
1.1.2 Wettbewerb und Preismechanismus
1.1.3 Vollkommener Wettbewerb
Kapitel 2. Soziale Marktwirtschaft
2.1 Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft
2.1.1 Soziale Marktwirtschaft vs. reine Marktwirtschaft
2.2 Der Wandel der Sozialen Frage
2.2.1 Ordoliberale Implementationsvorstellungen & -fehler
2.2.2 Implementationsfehler und Schlussfolgerungen
2.2.3 Wie macht man einen Staat „stark“?
2.2.4 Konzeptionelle Schwächen
Kapitel 3. Das föderalistische Problem
3.1 Pfadabhängigkeit und Wandel des deutschen Föderalismus: Einleitung
3.1.1 Historische Entwicklung des Föderalismus
3.1.2. Implementationsprobleme des Föderalismus
Schlussteil
Literatur
Verwendete Printmedienquellen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Vorbildcharakter des deutschen Modells der Sozialen Marktwirtschaft im Kontext aktueller wirtschaftlicher Krisen zu untersuchen und zu hinterfragen, ob dieses Modell für eine sozial verträgliche Wirtschaftspolitik noch zeitgemäß ist. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwiefern strukturelle Reformen vor dem Hintergrund des föderalen Systems in Deutschland realisierbar sind.
- Grundlagen der Marktwirtschaft und ihre Prinzipien
- Kriterien und ordnungspolitische Ansätze der Sozialen Marktwirtschaft
- Herausforderungen durch den Wandel der Sozialen Frage
- Die Rolle des Staates und das Konzept des "starken Staates"
- Strukturelle Blockadeprobleme des deutschen Föderalismus
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Wie macht man einen Staat „stark“?
Der tatsächliche Ablauf von Markt- und Verwaltungsprozessen in einer modernen Wirtschaft wird durch eine völlig unüberschaubare Zahl von Rechtsvorschriften kanalisiert, die ihrerseits noch dazu ständig verändert und durch neue Vorschriften ergänzt werden. Die Lösung der Ordoliberalen: Das gesamte wirtschaftlich relevante Recht sollte bestimmten Prinzipien genügen, die für Juristen leicht einsehbar sind und überall anwendbar. Dieser Filter reduziert dann die vorliegenden Möglichkeiten auf die zur Wirtschaftsordnung passenden.
So können durch Komplexitätsreduktion Entscheidungen verhindert werden, welche den Marktprinzipien zuwider laufen. Die Schaffung dieses Filters könnte durch die Verabschiedung der vielgenannten Wirtschaftsverfassung realisiert werden, welche (ähnlich wie das Grundgesetz) den Rahmen vorgibt und sich damit gleichzeitig externer Beeinflussung entziehen würde. Marktwirtschaft ist definitionsgemäß sozial, wenn sie im Gegensatz zur freien Marktwirtschaft über Institutionen verfügt, die auf die Korrektur von Fehlentwicklungstendenzen und bereits manifest gewordenen Koordinationsmängeln zugeschnitten ist, insbesondere auf die Abwehr von unsozial wirkenden Inflations- und Konzentrationstendenzen.
Dabei müssen Fehlentwicklungstendenzen zwar frühzeitig erkannt und behoben werden, damit diese durch sanfte Veränderungen ohne jede Nebenwirkungen bleiben. Andererseits dürfen sie aber auch erst dann behoben werden, wenn sie bereits manifest sind, damit vorschnelle Maßnahmen gegen spekulative Mängelbehauptungen vermieden werden. Man bewegt sich also auf einem schmalen Abwägungsgrad, dessen Verlassen schnell zu unvorhergesehen Implementationsproblemen führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1. Marktwirtschaft: Dieses Kapitel erläutert die fundamentalen Prinzipien der Marktwirtschaft, wie Knappheit, Wettbewerb und den Preismechanismus, als notwendige Grundlagen wirtschaftlichen Handelns.
Kapitel 2. Soziale Marktwirtschaft: Hier wird der Übergang von der reinen zur sozialen Marktwirtschaft analysiert, wobei besonders die ordnungspolitische Rolle des Staates sowie die Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Konzepte im Fokus stehen.
Kapitel 3. Das föderalistische Problem: Dieses Kapitel untersucht die Blockadewirkung des deutschen Föderalismus, die aus historisch gewachsenen Machtverhältnissen und der Pfadabhängigkeit institutioneller Strukturen resultiert.
Schlüsselwörter
Soziale Marktwirtschaft, Marktwirtschaft, Föderalismus, Wirtschaftsverfassung, Ordoliberalismus, Wettbewerb, Sozialstaat, Wirtschaftsordnung, Politikverflechtung, Reformunfähigkeit, Konjunkturzyklen, Wirtschaftsreformen, staatliche Lenkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Krise des deutschen Modells der "Sozialen Marktwirtschaft" vor dem Hintergrund aktueller ökonomischer Schwierigkeiten und der strukturellen Blockaden durch den deutschen Föderalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ordnungspolitischen Grundlagen der Marktwirtschaft, die konzeptionellen Herausforderungen der Sozialen Marktwirtschaft und die historischen sowie strukturellen Probleme des deutschen föderalen Systems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft noch einen Vorbildcharakter für eine sozial verträgliche Wirtschaftspolitik besitzt und ob notwendige Reformen unter den gegebenen föderalen Rahmenbedingungen umsetzbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf ordnungspolitischen Konzepten und politikwissenschaftlichen Theorien, wie beispielsweise der Theorie der Pfadabhängigkeit und Analysen zur Politikverflechtung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Prinzipien der freien und sozialen Marktwirtschaft dargelegt, gefolgt von einer tiefgehenden Kritik an den Implementationsfehlern des ordoliberalen Programms und einer Untersuchung des föderalistischen Systems als Reformhindernis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Soziale Marktwirtschaft, Föderalismus, Wirtschaftsverfassung, Reformunfähigkeit und Politische Blockade geprägt.
Welche Rolle spielt der Ordoliberalismus in der Argumentation des Autors?
Der Ordoliberalismus dient als theoretische Referenzgröße. Der Autor argumentiert, dass das ordoliberale Programm in Deutschland nie vollständig umgesetzt wurde, was er als einen der Gründe für die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ansieht.
Warum sieht der Autor den Föderalismus als "Blockademodell"?
Aufgrund der verfassungsrechtlich verankerten Mitentscheidungsrechte des Bundesrates und der oft gegenläufigen Interessen zwischen Bund und Ländern wird das politische System als ein "Blockademodell par excellence" beschrieben, das notwendige Reformen behindert.
- Arbeit zitieren
- Jörg Beilschmidt (Autor:in), 2003, Die Soziale Marktwirtschaft. Das Ende eines ehrgeizigen Modells, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/19665