Ernst Moritz Arndt wurde schon zu Lebzeiten eine Legende. Seine Begeisterung für den Nationalismus, aber auch seine Abneigung gegenüber den Franzosen fand durchaus starken Widerhall im Volk.1 Heute gilt Arndt als einer der umstrittensten Autoren. 1999 erweckte ein Artikel in der „Zeit“ („Fataler Patron“ von Jörg Schmidt) großes Aufsehen und löste eine jahrelange Debatte aus. Fortan wurde sich kritisch mit Arndts Gedankengut auseinandergesetzt. Die Vorwürfe, es handle sich bei ihm um einen Antisemit und einen Vorbereiter des Nationalsozialismus, wurden immer lauter. Darauf folgte ein Meinungsstreit, um den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der sich erst im vergangenen Jahr legte. Andere sehen in Arndt den Mann, der die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Vorbereitung der Reichseinigung ermöglichte.2
Diese Hausarbeit soll Arndt gewidmet sein. Der Essay „Germanien und Europa“ soll dabei vorgestellt und analysiert werden. Außerdem wird ein Blick auf Arndt als Franzosenhasser geworfen. Hierbei wird sich mit nationalen Stereotypen in der deutschen Literatur auseinandergesetzt. In Verbindung damit wird am Ende der vorliegenden Arbeit die Thematik, die in der Vorbemerkung angeführt wurde, wieder aufgegriffen und näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Zur ambivalenten Persönlichkeit von Ernst Moritz Arndt
A Einleitung
I Lebenslauf
II Napoleon-Kritik in „Germanien und Europa“
III Ernst Moritz Arndt als Franzosenhasser
IV Nationale Stereotype
V Rassist, Antisemit und Vorläufer des Nationalsozialismus?
B Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Persönlichkeit von Ernst Moritz Arndt im Kontext seiner Schriften zwischen Aufklärung und Moderne. Ziel ist es, Arndts komplexe Haltung zu analysieren, die einerseits durch patriotisches Engagement für nationale Einigung und Bauernbefreiung geprägt war, andererseits durch einen ausgeprägten Hass gegen Franzosen und Juden sowie rassistische Tendenzen gekennzeichnet ist, die ihn zu einer umstrittenen Figur der deutschen Literaturgeschichte machen.
- Analyse des Essays "Germanien und Europa" als zentrale Quelle.
- Untersuchung von Arndts Rolle als "Franzosenhasser" und die Instrumentalisierung nationaler Stereotype.
- Kritische Beleuchtung des Vorwurfs, Arndt sei ein Rassist, Antisemit und Vorläufer des Nationalsozialismus.
- Kontextualisierung von Arndts Wirken vor dem Hintergrund der zeitgenössischen politischen Machtlosigkeit Deutschlands.
Auszug aus dem Buch
III Ernst Moritz Arndt als Franzosenhasser
Nicht selten wird Arndt als Rassist, Nationalist, Antisemit und Franzosenhasser gesehen. In seinen frühen Schriften, wie zum Beispiel seinen Reiseberichten, war dies jedoch noch nicht der Fall. Hier stand der junge Schriftsteller den Franzosen noch offen und unvoreingenommen gegenüber. Auch die Französische Revolution verstand er als ein durchaus positives Ereignis. Erst als die 1789 proklamierten Ideale verraten wurden, erkennt er Napoleons wahres Gesicht. Der Hass, den er auf den „listigen und blutdürstigen Tyrann“ entwickelt, projiziert er plötzlich auf das gesamte französische Volk. Ab diesem Zeitpunkt schürt er tatsächlich den Hass des Volkes auf die Franzosen, um das Volksgefühl der Deutschen zu stärken: Arndt wird zum Hassprediger.
„Ich will den Hass gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für eine lange Zeit, ich will ihn für immer. […] Dieser Hass glühe als die Religion des deutschen Volkes, als ein heiliger Wahn in allen Herzen und erhalte uns immer in unsrer Treue, Redlichkeit und Tapferkeit.“
Es könnte sein, dass Arndt sich durch den Franzosenhass, den er mit den Deutschen teilt, in seinem Schaffen bestätigt füllt. Er empfindet Gefallen daran die Stimme des Volkes zu sein und publiziert eine Hasspredigt nach der anderen. (Erst im vierten Teil von „Geist und Zeit“ distanziert er sich wieder davon und „kehrt zur distanzierten Zeitkritik zurück“.)
Zusammenfassung der Kapitel
Zur ambivalenten Persönlichkeit von Ernst Moritz Arndt: Einführung in die Person Arndts und die fachliche Kontroverse um sein Werk.
A Einleitung: Vorstellung des Themas und der Zielsetzung der Arbeit sowie ein kurzer Abriss über die Ambivalenz Arndts.
I Lebenslauf: Biografischer Überblick über Arndts Leben, seinen Werdegang als Dichter und sein politisches Engagement.
II Napoleon-Kritik in „Germanien und Europa“: Analyse von Arndts kritischer Auseinandersetzung mit Napoleon in seinem Essay.
III Ernst Moritz Arndt als Franzosenhasser: Untersuchung der Entwicklung und Gründe von Arndts Hass auf das französische Volk.
IV Nationale Stereotype: Analyse der von Arndt genutzten Feindbilder und kulturellen Stereotype in der Literatur.
V Rassist, Antisemit und Vorläufer des Nationalsozialismus?: Kritische Diskussion der rassistischen und antisemitischen Aspekte in Arndts Schriften sowie deren Verbindung zum Nationalsozialismus.
B Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Arndts Werk und seiner historischen Bedeutung unter Berücksichtigung der Ambivalenzen.
Schlüsselwörter
Ernst Moritz Arndt, Nationalismus, Franzosenhass, Napoleon Bonaparte, Nationale Stereotype, Antisemitismus, Rassismus, Germanien und Europa, Befreiungskriege, Literaturgeschichte, Feindbilder, Patriotismus, Ideologie, politische Geschichte, Rezeptionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Persönlichkeit und dem Werk des Schriftstellers Ernst Moritz Arndt, wobei besonders die Diskrepanz zwischen seinen patriotischen Idealen und seinem ausgeprägten Hass auf Franzosen und Juden untersucht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Hauptthemen sind die Nationalismus-Debatte, die literarische Konstruktion von Feindbildern, nationale Stereotype sowie die kritische Aufarbeitung von Arndts Wirken im Kontext von Rassismus und Antisemitismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Arndts ambivalentes Erbe einzuordnen und zu analysieren, ob und inwieweit seine Schriften als Vorläufer nationalsozialistischen Gedankenguts zu verstehen sind oder ob eine Kontextualisierung aus seiner Zeit heraus notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Primärquellen, insbesondere des Essays "Germanien und Europa", ergänzt durch Sekundärliteratur zur historischen Einordnung und Rezeptionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biografische Informationen, eine Werkanalyse von "Germanien und Europa", die Untersuchung von Arndts Hasspredigten sowie die Auseinandersetzung mit der Verwendung rassistischer und antisemitischer Topoi.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalismus, Franzosenhass, Stereotype, Antisemitismus, Rassismus, Befreiungskriege und die historisch-kritische Kontextualisierung.
Inwiefern distanzierte sich Arndt später von seinen Hassschriften?
Arndt kehrte gegen Ende seines Lebens von seiner extremen Obsession zurück und wandte sich wieder einer distanzierteren Zeitkritik zu, wenngleich sein früherer Hass sein Erbe langfristig prägte.
Wie unterscheidet der Autor Arndts Antisemitismus von dem der Nationalsozialisten?
Die Arbeit stellt heraus, dass Arndts Antisemitismus im 18. und 19. Jahrhundert religiös und wirtschaftlich motiviert war und nicht mit der ideologischen, rassistischen Vernichtungslogik des 20. Jahrhunderts gleichgesetzt werden darf.
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- Francoise Stoll (Author), 2011, Zur ambivalenten Persönlichkeit von Ernst Moritz Arndt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196303