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Die Skandale und Prozesse und Arthur Schnitzlers "Reigen"

Titel: Die Skandale und Prozesse und Arthur Schnitzlers "Reigen"

Seminararbeit , 2007 , 19 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Michael Brandl (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Eines der bekanntesten und zweifellos wohl auch umstrittensten Werke Arthur Schnitz-lers ist der, als Theaterstück konzipierte, „Reigen“. In dieser Reihe von zehn Dialogen stellt Schnitzler „(…) die Gespräche von Paaren vor und nach dem intimen Beisammen-sein“ dar, was zur damaligen Zeit ungewöhnlich, und fast skandalös war. Selbst der Autor schrieb in einem Brief von 1897 an Olga Waissnix:

„Geschrieben hab ich den ganzen Winter über nichts als eine Scenenreihe, die vollkommen undruckbar ist, literarisch auch nicht viel heißt, aber, nach ein paar hundert Jahren ausgegraben, einen Theil unserer Cultur eigentümlich beleuchten würde.“

Offensichtlich war sich Schnitzler bereits zu diesem Zeitpunkt darüber im Klaren, dass er den „Reigen“ nicht problemlos würde veröffentlichen können. Vielmehr musste er damit rechnen, dass ihm von Großteilen der Gesellschaft eher Empörung und Ableh-nung über Thematik und Umsetzung entgegengebracht werden würden, als Lob. Doch hätte man selbst als Pessimist nicht damit rechnen können, welche Ausmaße die Protes-te, nach Veröffentlichung und besonders Bühnenadaption des Stückes nehmen würden.
Im Folgenden soll nun kurz auf die Entstehungsgeschichte des „Reigen“ und die Ent-wicklung der Skandale und Prozesse um das Stück eingegangen werden. Hierzu sollen vor allem die Reaktionen und Vorkommnisse in Berlin und Wien als Beispiele dafür dienen.
Danach soll versucht werden, mögliche Gründe für diese Entwicklung zu finden. Es soll insbesondere diskutiert werden, ob die Skandale und Prozesse politisch motiviert waren, oder ob die, teils heftigen, Reaktionen auf den „Reigen“ ihren Grund eher im Text selbst begründet werden, und der Inhalt somit den moralischen Vorstellungen der damaligen Zeit widersprach.
Besonderes Augenmerk soll dabei zum einen auf die vielen antisemitischen Aussagen in Bezug auf Schnitzler und den Reigen gelegt werden, und es soll auch die Frage erörtert werden, ob der Reigen als Politikum missbraucht wurde.
Auf der anderen Seite soll das Moralbewusstsein der damaligen Gesellschaft betrachtet, und untersucht werden, ob die Auffassungen von Moral und Sitte durch den pikanten Inhalt des „Reigen“ verletzt wurden.
Am Ende soll in einem kurzen Abschnitt versucht werden, eine Antwort auf die behan-delten Fragen zu finden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

II. Einleitung

III. Entstehungsgeschichte des „Reigen“, der Weg auf die Bühne, die Skandale und Prozesse

1. Entstehung und Veröffentlichung des „Reigen“

2. Der „Reigen“ in Berlin

2.1. Der Weg auf die Bühne

2.2. Der erste „Reigen“-Prozess

2.3. Der zweite „Reigen“-Prozess

3. Der „Reigen“ in Wien

3.1. Der Weg auf die Bühne

3.2. Proteste gegen den „Reigen“, Skandalaufführung und polizeiliches Aufführungsverbot

3.3. Endgültiges Aufführungsverbot durch Schnitzler

IV. Mögliche Hintergründe der Proteste, Skandale und Prozesse

1. Moral und Gesellschaft

1.1. Kollision des „Reigen“ mit der damaligen Moralvorstellung

1.2. Doppelmoral der Gesellschaft

2. Politische Hintergründe

2.1. Kontrolle und Bekämpfung sog. Schundliteratur

2.2. Antisemitismus und politischer Machtkampf

V. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte und die gesellschaftlichen sowie politischen Reaktionen auf Arthur Schnitzlers Theaterstück „Reigen“. Dabei wird analysiert, inwieweit moralische Bedenken der damaligen Zeit oder politisch motivierter Antisemitismus als Hauptursachen für die Skandale und Gerichtsprozesse anzusehen sind.

  • Historische Aufarbeitung der Veröffentlichung und Bühnenadaption des „Reigen“.
  • Analyse der gerichtlichen Auseinandersetzungen in Berlin und Wien.
  • Untersuchung der moralischen Konfliktlinien und der zeitgenössischen Doppelmoral.
  • Bewertung der Instrumentalisierung des Stücks im Kontext des aufkommenden Antisemitismus.

Auszug aus dem Buch

1.2. Doppelmoral der Gesellschaft

Einen weiteren Grund, der für die strikte Ablehnung des „Reigen“ verantwortlich sein könnte stellt Schnitzlers Darstellung des „(…) zeitgenössischen Pseudomoralismus (…)“ dar. Denn er beschrieb schonungslos die, zu dieser Zeit, scheinbar weit verbreitete und häufig tolerierte Doppelmoral der, vor allem bürgerlichen Gesellschaft. Viele Kritiker der damaligen Zeit warfen ihm bekanntlich vor, er würde Pornographie verbreiten und hätte sein Hauptaugenmerk auf Sexualität bzw. Erotik gelegt. Doch im Theater fiel während des Aktes der Vorhang, und im Buch wurde die Szene jedesmal durch Gedankenstriche entschärft. Man kann also davon ausgehen, „(…) daß Schnitzlers Interesse nicht so sehr dem Liebesakt selbst, sondern dem Verhalten gilt, das zu ihm führt und auf ihn folgt, dem Verhalten von zehn Figuren, deren sozialer Rang jeweils über die Strategien der Triebbefriedigung entscheidet“.

Schnitzler ging es „(…) nicht um die Befriedigung naiver Lüsternheit (…)“, sondern vielmehr darum, (…) psychische und soziale Unstimmigkeiten offenzulegen“. Und exakt diese Offenlegung wird, ganz besonders, im Dialog zwischen Ehemann und Ehefrau erkennbar.

Zusammenfassung der Kapitel

II. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk Arthur Schnitzlers ein und skizziert die geplante Analyse der Entstehungsgeschichte sowie der Skandale und Prozesse um den „Reigen“.

III. Entstehungsgeschichte des „Reigen“, der Weg auf die Bühne, die Skandale und Prozesse: Dieses Kapitel dokumentiert die schwierige Publikationshistorie und die kontroversen Theateraufführungen in Berlin und Wien, die zu massiven Protesten führten.

IV. Mögliche Hintergründe der Proteste, Skandale und Prozesse: Hier werden die moralischen Konflikte der Gesellschaft sowie die politischen Hintergründe, insbesondere der Antisemitismus und die Zensurbestrebungen, kritisch untersucht.

V. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass das Stück von moralischer Empörung zu einem politischen Politikum wurde, das vor allem für antisemitische Hetzkampagnen instrumentalisiert wurde.

Schlüsselwörter

Arthur Schnitzler, Reigen, Skandal, Zensur, Antisemitismus, Doppelmoral, Wiener Gesellschaft, Theaterprozess, Moralvorstellung, Bürgertum, Schundliteratur, Bühnenadaption, Politikum, Sexualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der wechselvollen Geschichte von Arthur Schnitzlers „Reigen“, von seiner Entstehung über die massiven Proteste und Gerichtsprozesse bis hin zum Aufführungsverbot.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Rekonstruktion der Aufführungen, der Analyse moralischer Wertekonflikte im bürgerlichen Milieu und dem Einfluss politischer Machtkämpfe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, zu ergründen, ob die heftigen Reaktionen auf das Stück primär aus moralischer Ablehnung des Inhalts oder durch politisch motivierte Instrumentalisierung gegen Schnitzler entstanden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin oder der Autor nutzt eine literaturhistorische und analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Primärquellen, Gerichtsdokumenten und zeitgenössischer Sekundärliteratur.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Skandale in Berlin und Wien sowie die tiefgehende Untersuchung der zugrundeliegenden moralischen und politischen Motive der Gegner.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schnitzler, Skandal, Doppelmoral, Antisemitismus und Zensur in der Wiener Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts definieren.

Wie verhält sich der Ehemann in dem analysierten Dialogabschnitt?

Der Ehemann präsentiert sich als moralisch überlegen und tadellos, während er gleichzeitig sein eigenes außereheliches Verhalten rechtfertigt, was die im Buch thematisierte Doppelmoral entlarvt.

Welche Rolle spielte der Antisemitismus bei den Protesten gegen den „Reigen“?

Laut Arbeit wurde der „Reigen“ massiv als politisches Instrument gegen Juden instrumentalisiert, wobei der antisemitische Kontext oft wichtiger war als der eigentliche literarische Inhalt des Werkes.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Skandale und Prozesse und Arthur Schnitzlers "Reigen"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar Arthur Schnitzler
Note
2,3
Autor
Michael Brandl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V196292
ISBN (eBook)
9783656222880
ISBN (Buch)
9783656224037
Sprache
Deutsch
Schlagworte
skandale prozesse arthur schnitzlers reigen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Brandl (Autor:in), 2007, Die Skandale und Prozesse und Arthur Schnitzlers "Reigen", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196292
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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