Die vorliegende Arbeit setzt sich vordergründig mit interkultureller Kommunikation in Organisationen am Beispiel der Wiener Polizei auseinander und geht der Frage nach, ob ihr Bekenntnis zu Diversität gelebte Vielfalt oder Vielfalt unter uniformierenden Einschränkungen, also Diversität in Uniform oder doch uniforme Diversität bedeutet.
Um eine Antwort zu finden, werden zuerst Organisationen im Allgemeinen beleuchtet, ihre Kultur, ihre Kommunikation und die Voraussetzungen für die erfolgreiche Implementierung von Diversitäts-Management, um die personelle Vielfalt optimal nutzen und fördern zu können. Denn Organisationen sind meist für die Bedürfnisse der Mehrheitsgesellschaft gestaltet. Wie aber müssen sie intern auf Vertreter etwaiger Minderheitengesellschaften reagieren? Müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, bestimmte Umstrukturierungen vornehmen oder sich einfach auf den Assimilationswillen der Betreffenden verlassen?
Die Wiener Polizei setzte in diese Richtung bereits einige wirkungsvolle Schritte – besonders mit der Rekrutierungsinitiative „Wien braucht dich!“, um Diversität über den Neuzugang in die Organisation zu bringen. Dabei und in der internen Umsetzung versucht sie einen eigenen, klaren Weg zu gehen, der sich deutlich von Bevorzugungen wie Benachteiligungen distanziert, den Nutzen von Kollegen anderer Herkunft in sprachlicher wie kultureller Hinsicht anerkennt und einzusetzen weiß, aber sich klar gegen Unterschiede jeglicher Art ausspricht. Letzteres liegt zum einen an der militärischen Tradition der Polizei, welche nicht zuletzt durch die Uniform und die ausgeprägte Hierarchie von Anfang an Unterschiedliches zu vereinheitlichen sucht und zum anderen an der ebenfalls hierarchisch ausgeprägten Kommunikation mit der Außenwelt, mit der Bevölkerung.
Vor diesem Hintergrund einer stark durch Uniformität geprägten Organisationskultur können sich Diversitätsbemühungen durchaus als schwierig erweisen. Denn vor allem ihre Lebbarkeit innerhalb der Polizei wird damit fraglich...
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
Teil I: Theorie
2 Einleitung
3 Erkenntnisinteresse und Forschungsstand
4 Begriffsbestimmungen
5 Die Forschungsfragen
6 Kommunikationswissenschaftliche Theorien
6.1 Cultural Studies – der kulturell geprägte Mensch
6.2 Konstruktivismus – der Bedeutung konstruierende Mensch
6.3 Symbolischer Interaktionismus – der Bedeutung interpretierende Mensch
6.4 Interkulturelle Kommunikation – der Bedeutung vermittelnde Mensch
6.5 Soziale Wissensvorräte und Kulturkontakt – der Mensch im kulturellen Netz
7 Organisationen aus theoretischer Perspektive
7.1 Organisationen
7.2 Organisationskultur
7.3 Organisationskommunikation
8 Interkulturelle Kommunikation
9 Interkulturelle Orientierung und Öffnung
10 Diversität als Management-Konzept und Erfolgsfaktor
11 Methodische Vorgehensweise
Teil II: Empirie
12 Die Organisation Polizei
12.1 Die Aufnahme
12.2 Die Ausbildung
12.3 Die Organisationskultur der Polizei
13 Diversitäts-Management der Wiener Polizei
13.1 Herausforderungen und Probleme
14 Modelle aus dem internationalen Vergleich
14.1 Erfahrungen der deutschen Polizei
14.2 Erfahrungen der niederländischen Polizei
14.3 Erfahrungen der britischen Polizei
14.4 Erfahrungen der türkischen Polizei
15 Das Projekt „Wien braucht dich!“
15.1 Die Konzept-Entwicklung
15.2 Exkurs: Frauen in Uniform
15.3 Die Umsetzung
15.4 Interne Vorbereitung und Kommunizierung
15.5 Reaktionen auf „Wien braucht dich!“ innerhalb der Polizei
16 Der Umgang mit Kollegen anderer Herkunft
16.1 Vorteile von Kollegen anderer Herkunft
16.2 Nachteile oder Schwierigkeiten von Kollegen anderer Herkunft
17 Diversität in Uniform oder uniforme Diversität?
18 Integration innerhalb der Wiener Polizei
19 Die Zukunft von Kollegen anderer Herkunft
20 Neue Herausforderungen in Bezug auf „Wien braucht dich!“
20.1 Die Zukunft von „Wien braucht dich!“
21 Die Zukunft im Bereich Diversitäts-Management
22 Elf Schritte zum Wiener Diversitäts-Management
23 Conclusio
24 Hypothesen und Operationalisierungen
27 Anhang
27.1 Auswertung Führungspersonen und Verantwortliche
27.2 Präsentation der übrigen Ergebnisse aus der Befragung von Polizisten
27.3 Interviews mit Führungspersonen und Verantwortlichen
27.4 Interviews mit Polizisten
27.5 Ornigramm Landespolizeikommando Wien
27.6 Folder „Wien braucht dich!“
27.7 Kurzfassung
27.8 Abstract
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Bedeutung Diversität für die Wiener Polizei hat und wie interkulturelle Kommunikation innerhalb der Organisation gestaltet ist. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Projekts „Wien braucht dich!“ sowie der spezifischen Organisationskultur der Polizei, um zu klären, ob Diversität als bereichernde Vielfalt oder unter dem Zwang zur uniformierenden Assimilation gelebt wird.
- Interkulturelle Kommunikation in Organisationen
- Diversitäts-Management bei der Wiener Polizei
- Herausforderungen der interkulturellen Öffnung in einer militärisch geprägten Hierarchie
- Integration von Polizisten mit Migrationshintergrund
- Internationaler Vergleich von Polizeiorganisationen hinsichtlich Diversität
Auszug aus dem Buch
Die Organisationskultur der Polizei
Wie bereits theoretisch ausgeführt, spiegelt die Organisationskultur die Entwicklungsgeschichte einer Organisation wider. Die Polizei in Kontinentaleuropa steht demnach in einer militärischen Tradition. Für den Leiter des Zentrums für Grundausbildung, Brigadier Karl-Heinz Grundböck, ist „militärische Uniformität [...] etwas, dass ausschließlich im Innenverhältnis entsteht, in einer Hierarchie. Das heißt, über Hierarchie wird bestimmt, wie viel Abweichung zugelassen wird.“
Unterschiede werden hier vor allem durch die gleiche Kleidung, durch die Uniform ausgeschlossen. „Symbolisch steht die Uniform in dieser Kultur nicht nur als Mittel der Erkennbarkeit nach außen, sondern auch als Mittel der Abgrenzung und Ausdruck der Zusammengehörigkeit unter Ausschluss von Individualität.“
Die Uniform vereinheitlicht vor allem nach außen hin. Im Innenverhältnis wird Uniformität durch eine ausgeprägte Hierarchie erzielt. Ab dem Eintritt in die Organisation befinden sich die Mitglieder in bestimmten Verwendungsgruppen. Polizeischüler beginnen ihre Laufbahn als Vertragsbedienstete mit Sondervertrag in der Verwendungsgruppe E2c und führen den Dienstgrad „Aspirant“. Nach der Dienstprüfung wird ihnen der Amtstitel „Inspektor“ verliehen und sie werden als Exekutivbedienstete als „eingeteilte Beamte“ in der Verwendungsgruppe E2b geführt. In der Grundlaufbahn ist das Erreichen eines höheren Dienstgrades nach den Gehaltsstufen geregelt – sowie „Revierinspektor“ nach sechs Jahren Dienst ab dem Eintritt. Nach frühestens drei Jahren Außendiensterfahrung und dem Abschluss des Grundausbildungslehrgangs für dienstführende Polizeibedienstete ist ein Aufstieg in die Verwendungsgruppe E2a als „dienstführender Beamter“ möglich. Daran anschließen kann nach weiteren zwei Jahren Außendienst und der Absolvierung des FH-Bachelor-Studiengangs „Polizeiliche Führung“ der Aufstieg in die Verwendungsgruppe E1 als „leitender Beamter“ oder „Polizeioffizier“. Den Abschluss der Offiziersausbildung mit einem akademischen Grad gibt es seit Februar 2007.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Einführung in die Relevanz von Diversität bei der Wiener Polizei im Kontext der demografischen Entwicklung.
2 Einleitung: Analyse des Wandels von einer Integrations- zu einer Diversitätspolitik in Wien.
6 Kommunikationswissenschaftliche Theorien: Theoretische Herleitung von Kultur und Kommunikation durch Cultural Studies, Konstruktivismus und Symbolischen Interaktionismus.
11 Methodische Vorgehensweise: Darstellung der qualitativen Experteninterviews und Befragungen als Grundlage der empirischen Forschung.
12 Die Organisation Polizei: Vorstellung der Organisationsstruktur und des Rekrutierungsprozesses der Bundespolizei.
15 Das Projekt „Wien braucht dich!“: Detaillierte Untersuchung des Projekts, der internen Vorbereitung und der Zielsetzung zur Diversitätsförderung.
16 Der Umgang mit Kollegen anderer Herkunft: Analyse der kollegialen Interaktionen und der wahrgenommenen Vor- und Nachteile von Diversität.
Schlüsselwörter
Diversitäts-Management, Wiener Polizei, Interkulturelle Kommunikation, Migration, Organisationskultur, Integration, Polizei, „Wien braucht dich!“, Organisationskommunikation, Kulturelle Vielfalt, Personalpolitik, Diskriminierung, Migrationshintergrund, Führungskräfte, Personalentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Diversitäts-Management der Wiener Polizei, insbesondere im Kontext der Rekrutierungsinitiative „Wien braucht dich!“, um zu klären, wie interkulturelle Vielfalt in einer traditionsreichen, hierarchisch organisierten Behörde integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Verankerung von Diversität und interkultureller Kommunikation, die Analyse der polizeilichen Organisationskultur sowie die empirische Untersuchung der Erfahrungen von Polizistinnen und Polizisten mit und ohne Migrationshintergrund.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, ein schlüssiges Bild darüber zu gewinnen, was Diversität für die Polizeiorganisation bedeutet: Handelt es sich um gelebte Vielfalt oder lediglich um Vielfalt unter strengen uniformierenden Einschränkungen?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet ein qualitatives Vorgehen, das Experteninterviews mit Führungskräften und problemzentrierte Interviews mit Polizistinnen und Polizisten umfasst, welche anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (u.a. Cultural Studies, Konstruktivismus) und eine empirische Analyse, die den Status quo, Herausforderungen und Zukunftsmodelle der Diversitätsbemühungen bei der Wiener Polizei beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind Diversitäts-Management, Organisationskultur, Migration, Integration, Polizei, interkulturelle Kompetenz und Organisationskommunikation.
Wie bewerten die befragten Polizisten das „Anderssein“ im Dienst?
Die Befragten bewerten das „Anderssein“ größtenteils als problemlos und möglich, sofern die dienstkonformen Grundregeln eingehalten werden und die fachliche Leistung im Vordergrund steht.
Wie verändert das Projekt „Wien braucht dich!“ die interne Kommunikation?
Das Projekt hat eine kaskadenartige interne Kommunikation über das Top-down-Prinzip ausgelöst, um Akzeptanz in der Belegschaft zu fördern, wobei die Führungskräfte hierbei als entscheidende Akteure fungieren.
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- Julia Riegler (Author), 2012, Diversität in Uniform oder uniforme Diversität? Interkulturelle Kommunikation in Organisationen - am Beispiel der Wiener Polizei, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196019