Zeitgeschichtlich betrachtet werden im 18. Jahrhundert in ganz Deutschland langgültige Werte- und Normensysteme durch Ideen der französischen Revolution umgewälzt, Men-schen- und Bürgerrechte verkündet, die Privilegien des Adels abgeschafft und Kriege aus-getragen, unter denen die Bevölkerung leidet. Das Ansehen der Gesellschaft steht über allem anderen Erstrebenswertem und wird durch entscheidende Faktoren wie dem Beruf und die erfahrene Bildung, dem Benehmen, dem Personenkreis, mit dem man verkehrt, den Ansichten, die man vertritt und zuletzt durch die passende Heiratspartie gewonnen. Dies trifft jedoch nur für den männlichen Teil der Bevölkerung zu. Frauen gelten als Objekte, die durch die Vollziehung einer Heirat vom Besitz des Vaters in den Besitz des Ehemanns übergehen, denen keine Bildung zu Teil wird und die von der Gesellschaft als minderwer-tige Wesen betrachtet und nicht als volle Menschen anerkannt werden.
In diese Zeit werden Caroline Schlegel-Schelling, Bettina von Arnim, Sophie Mereau-Brentano und Karoline von Günderode hineingeboren. So unterschiedlich sie auch sind, cholerisch, melancholisch, sanguinisch oder phlegmatisch, haben sie doch eine Gemein-samkeit: Die Leidenschaft zu Schreiben. Sie vertreten die neue geistige Strömung in der Literatur, die partiell durch den Umbruch in Deutschland entstand und einen Gegensatz zum Zeitalter der Klassik, in welcher der Einklang von Vernunft und Göttlichem im Vor-dergrund steht - die Epoche der Romantik, eine Epoche voller Wunschdenken, Träume und Gefühle.
Im Folgenden werden die Lebensumstände der vier Romantikerinnen im teilweise zerrütte-ten und von gesellschaftlichen Umwälzungen geprägten Deutschland biographisch be-leuchtet und auf jeweils eines ihrer Werke, welche ihre Persönlichkeit bzw. ihren charakte-ristischen Schreibstil zum Ausdruck bringen, näher eingegangen, bevor ein abschließender Vergleich gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
A) Stellung der Frau in der Epoche der Romantik
B) Leben und Schreiben der vier Romantikerinnen
I. Caroline Schlegel- Schelling, geb. Michaelis
1) Biographie
2) Analyse des Briefes an Friedrich L. W. Meyer vom 29. Oktober 1791
II. Bettina von Arnim, geb. Brentano
1) Biographie
2) Analyse eines Briefes aus „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ vom 25. Mai 1807
III. Sophie Mereau- Brentano, geb. Schubart
1) Biographie
2) Analyse des Gedichtes „Unter Tränen geh ich nun allein“, 1803
IV. Karoline von Günderode
1) Biographie
2) Analyse des Gedichtes „Die eine Klage“, 1804
C) Vergleich in Leben und Schreiben, Auswirkungen auf die heutige Zeit
D) Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht die Lebensumstände und das literarische Schaffen von vier bedeutenden Vertreterinnen der Romantik – Caroline Schlegel-Schelling, Bettina von Arnim, Sophie Mereau-Brentano und Karoline von Günderode – und analysiert anhand ausgewählter Briefe und Gedichte ihre individuelle Suche nach Selbstbestimmung, persönlichem Glück und schriftstellerischer Emanzipation in einer von gesellschaftlichen Normen geprägten Zeit.
- Biographische Analyse der vier Romantikerinnen vor dem Hintergrund ihrer Zeit
- Untersuchung von ausgewählten Primärquellen (Briefe und Gedichte) im Hinblick auf ihren Schreibstil und Inhalt
- Reflexion über das Spannungsfeld zwischen weiblicher Rollenerwartung und dem Streben nach Unabhängigkeit
- Vergleichende Analyse der verschiedenen Lebensbewältigungsstrategien
- Betrachtung der heutigen Relevanz der Romantikerinnen als Vorbilder für Selbstverwirklichung
Auszug aus dem Buch
1.) Analyse des Briefes an Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer vom 29. Oktober 1791
In einem Brief vom 29. Oktober 1791, der an den Bibliothekar Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer adressiert ist, geht hervor, welch starke Persönlichkeit Caroline Schlegel-Schelling besitzt. Wie bereits in der Biographie erwähnt, kehrt sie nach dem Tod ihres Ehemannes von ihrem damaligen Wohnort Clausthal nach Göttingen zurück und beginnt eine Liebesbeziehung mit Georg Ernst Tatter, der dort die beiden Söhne des britischen Königs unterrichtet. Dieses Verhältnis dauert sechs Jahre an, wird jedoch im Geheimen gehalten. Darum versuchen ihre Bekannten, sie nach dem Ableben ihres Vaters, Johann David Michaelis, mit dem Geistlichen Josias Friedrich Christian Löffler zu verheiraten. Doch Caroline hat ihre eigene Vorstellung von ihrer Zukunft und verteidigt diese in ihrem Brief.
Bereits zu Beginn ihrer Rückantwort erklärt sie Meyer, dass er zwar unter guter Absicht gehandelt habe, indem er versuchte, sie auf die richtige Bahn zurückzulenken, doch sie folge ihren eigenen Fähigkeiten. Mit der Metapher „und wolltet mich auch wieder ins Gleis bringen“ (vgl. Z. 1) spricht Caroline die versuchten Arrangements einer Ehe zwischen ihr und Josias Löffler an. Zwar weiß sie, dass Meyer es nur gut mit ihr meint, doch lehnt sie sich dennoch dagegen auf. Sollte es ihr auch vorbestimmt sein (Z. 2), trotzt sie diesem Schicksal und will ihren eigenen Weg gehen (Z. 2).
Zusammenfassung der Kapitel
Stellung der Frau in der Epoche der Romantik: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen im 18. Jahrhundert und stellt die vier Romantikerinnen als literarisch tätige Individuen vor, die sich gegen die zeitgenössischen Normen auflehnten.
I. Caroline Schlegel- Schelling, geb. Michaelis: Nach der Darstellung ihres bewegten Lebenslaufs von Göttingen bis München erfolgt eine detaillierte Analyse ihres Briefes an Friedrich L. W. Meyer, der ihren starken Willen zur Unabhängigkeit und Selbstbestimmung belegt.
II. Bettina von Arnim, geb. Brentano: Das Kapitel beleuchtet Bettinas Kindheit, ihre Flucht in eine Traumwelt und ihre lebenslange Idealisierung Goethes, ergänzt durch eine Analyse ihres Briefes vom 25. Mai 1807, in dem sie ihr tiefes Bedürfnis nach Anerkennung und Ausdruck ausdrückt.
III. Sophie Mereau- Brentano, geb. Schubart: Nach der Schilderung ihres Lebens als erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter wird ihr Gedicht „In Tränen geh ich nun allein“ analysiert, das ihren Umgang mit Liebeskummer und die Hoffnung auf Heilung durch die Natur thematisiert.
IV. Karoline von Günderode: Der biographische Teil fokussiert sich auf die einsame Situation der Dichterin im Damenstift und ihren tragischen Freitod; das Gedicht „Die eine Klage“ wird als Ausdruck ihrer tiefen Verzweiflung und seelischen Zerrissenheit gedeutet.
C) Vergleich in Leben und Schreiben, Auswirkungen auf die heutige Zeit: Der vergleichende Schlussteil resümiert die unterschiedlichen Umgangsweisen der Frauen mit Schicksalsschlägen und stellt fest, dass ihr Streben nach Selbstverwirklichung und ihre literarische Eigenständigkeit auch heute noch als Vorbild dienen.
Schlüsselwörter
Romantik, Romantikerinnen, Frauenemanzipation, Selbstbestimmung, Literaturanalyse, Briefwechsel, Lyrik, Biographien, Sehnsucht, Unabhängigkeit, Geschlechterrollen, Schicksal, Ideale, gesellschaftliche Konventionen, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Lebensumstände und die literarische Arbeit von vier prominenten Romantikerinnen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts im Kontext ihrer gesellschaftlichen Stellung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Rolle der Frau in der Epoche der Romantik, das Streben nach beruflicher und persönlicher Emanzipation sowie der Umgang mit unerfüllter Liebe und gesellschaftlichem Druck.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Frauen trotz widriger Umstände ihre eigene Stimme fanden, ihre Träume vom Schreiben verwirklichten und welche Spuren dieses Streben in ihrem Werk hinterließ.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine biographische Analyse in Kombination mit der Interpretation ausgewählter Primärquellen (Briefe und Gedichte), um die Persönlichkeit und den Schreibstil der Autorinnen zu ergründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die jeweils einer der Romantikerinnen gewidmet sind, inklusive einer biographischen Einleitung und der fachlichen Analyse eines exemplarischen Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Romantik, Emanzipation, Selbstbestimmung, literarisches Schaffen und Identitätsfindung charakterisiert.
Warum spielt die Natur eine so große Rolle im Gedicht von Sophie Mereau-Brentano?
Die Natur dient im Gedicht als Spiegel der inneren Gefühlslage und als Quelle neuer Hoffnung; das Wasser symbolisiert dabei einen Entwicklungsprozess von der Trauer hin zum neuen Lebensmut.
Was macht das Schicksal von Karoline von Günderode besonders tragisch?
Ihr Schicksal ist besonders tragisch, da sie ihre hohe intellektuelle Unabhängigkeit im Inneren gegen die starren Zwänge der Außenwelt nicht auf Dauer aufrechterhalten konnte, was schließlich in Verzweiflung und Suizid mündete.
- Quote paper
- Karoline Kern (Author), 2010, „Ich fühle, was ich muss, weil ich fühle, was ich kann“ – Romantikerinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/195978