Was ist eigentlich Gewalt? Gewalt ist nicht nur körperlich. Sie beginnt schon beim Beschimpfen, setzt sich in Beleidigungen, Bedrohungen und Mobbing fort, endet in Vandalismus, Körperverletzung, Raub und Mord. Gewalt kann politisch motiviert sein, aber auch fremdenfeindlich und religiös. Es gibt Gewalt aus Eifersucht, aus Habgier, aus Machtgier oder einfach aus Hass. Gewalt ist ein gesellschaftliches Phänomen. Sie ist ein Instrument zur Machtausübung und wird zu verschiedenen Zwecken eingesetzt. Oft wird Gewalt mit noch mehr Gewalt bekämpft. Auch Schüler wenden Gewalt an. Dabei gebrauchen Jungen Gewalt eher als Selbstschutz, während Mädchen eher durch psychisch-emotionale Einflüsse, wie Stress, Leistungsdruck oder Eifersucht, aggressiv werden. Jungen haben wesentlich öfter eine rachebasierte Einstellung zu Gewalt, während bei Mädchen die Konfliktlösung deutlich häufiger im Mittelpunkt steht. Gewalt ist also ein für Schüler und Schülerinnen relevantes Thema. Doch was kann man gegen Gewalt tun?
„Maßnahmen gegen die Gewalt“ ist eine der „Geschichten vom Herrn Keuner“ von Bertold Brecht. Sie wird oft in der Schule eingesetzt. Dies kann mit ihrer Kürze, aber auch mit ihren sprachlichen und inhaltlichen Besonderheiten begründet werden. In dieser Arbeit soll das Lehrangebot zu diesem Text untersucht werden. Dazu soll die Geschichte zunächst literaturwissenschaftlich analysiert werden. Dabei wird zuerst die Gattungsfrage geklärt, dann werden die Besonderheiten des Textes untersucht. Danach sollen die Einsatzmöglichkeiten des Textes im Unterricht thematisiert werden. Schließlich sollen zwei Aufgaben aus den Lehrbüchern „Texte und Methoden“ und „Texte, Themen und Strukturen“ analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturwissenschaftliche Analyse des Textes
2.1 Die Gattungsfrage
2.2 Wer ist Herr Keuner?
2.3 Besonderheiten des Textes
3. Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
4. Aufgabenanalyse
5. Schlussfolgerung
6. Bibliographie
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Lehrangebot zur Erzählung „Maßnahmen gegen die Gewalt“ von Bertold Brecht in ausgewählten Schulbüchern der Jahrgangsstufe 11. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese komplexe Kurzgeschichte in Lehrwerken aufbereitet wird und inwieweit die dort enthaltenen Aufgaben das inhaltliche Verständnis sowie die Kompetenzentwicklung der Schüler fördern.
- Literaturwissenschaftliche Einordnung der Keuner-Geschichten
- Strukturelle und inhaltliche Analyse der Erzählung
- Didaktische Eignung des Textes für den Unterricht
- Evaluation von Lehrbuchaufgaben hinsichtlich ihrer Wirksamkeit
- Vergleich zweier verschiedener Lehrwerkkonzepte
Auszug aus dem Buch
2.3 Besonderheiten des Textes
Bei der Geschichte „Maßnahmen gegen die Gewalt“ handelt es sich um eine Rahmenerzählung. Man könnte auch sagen, dass die Handlung auf zwei Ebenen stattfindet. Außerdem verändert sich die Stimme, mit der erzählt wird. Zuerst beginnt ein extradiegetischer heterodiegetischer Erzähler, der von Herrn Keuner berichtet, der eine Rede in einem Saal hält und sich gegen die Gewalt ausspricht. Es wird im Präteritum erzählt, was der Geschichte etwas Märchenähnliches verleit. Nun tritt die personifizierte Gewalt auf. Dies scheint eine Person oder ein Gruppe zu sein, die politische Macht besitzt. Herr Keuner ändert nun abrupt seine Meinung und spricht sich plötzlich für die Gewalt aus. Dabei wird nicht klar, ob er seine Meinung verbirgt, weil er Angst hat und feige ist, oder weil es eine geschickte Strategie von ihm ist, ihr scheinbar zuzustimmen und sie dann im Geheimen zu sabotieren.
Als ihn später seine Schüler, denn er scheint Lehrer zu sein, darauf ansprechen antwortet er: „Ich habe kein Rückgrad zum Zerschlagen. Gerade ich muss länger leben als die Gewalt.“ Diese Aussage ist zunächst mehrdeutig. Einerseits kann sie bedeuten, dass er keine Rückgrad hat, also sich sehr leicht beeinflussen lässt oder andererseits, dass sein Rückgrad nicht zum Zerschlagen gedacht ist, sondern dazu weiterzuleben und im Geheimen widerstand zu leisten. Außerdem möchte er nicht sein Leben riskieren wegen seiner politischen Meinung. Erst durch den zweiten Satz wird klar, dass die zweite Bedeutung die richtige ist. Sein Leben ist ihm zu wertvoll um es leichtfertig zu riskieren. In einem direkten Kampf gegen „die Gewalt“ sieht er keine Gewinnchancen für sich, allerdings hofft er sie durch seine Geduld am Ende doch zu besiegen, indem er länger lebt als „die Gewalt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Gewalt als gesellschaftliches Phänomen ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Lehrangebot zur Erzählung von Brecht kritisch zu untersuchen.
2. Literaturwissenschaftliche Analyse des Textes: Es erfolgt eine genaue Untersuchung der Gattungsfrage, der Rolle des Herrn Keuner sowie eine detaillierte Analyse der strukturellen Besonderheiten der Erzählung.
2.1 Die Gattungsfrage: Hier wird erörtert, warum die „Geschichten vom Herrn Keuner“ trotz didaktischer Einordnung schwer eindeutig als Fabel oder Parabel zu klassifizieren sind.
2.2 Wer ist Herr Keuner?: Dieses Kapitel beleuchtet die Figur Keuner als fiktive, lehrerhafte Instanz, die als Sprachrohr Brechts fungiert und den Leser zum Nachdenken anregen soll.
2.3 Besonderheiten des Textes: Die Analyse der Rahmenerzählung und des Wechsels der erzählerischen Ebenen verdeutlicht die Vielschichtigkeit des Textes.
3. Einsatzmöglichkeiten im Unterricht: Basierend auf Klafkis didaktischen Grundfragen wird die Eignung der Geschichte für den Unterricht ab der 8. bzw. 10. Klasse bewertet.
4. Aufgabenanalyse: Es wird untersucht, wie Lehrbücher wie „Texte und Methoden“ und „Texte, Themen und Strukturen“ das Werk didaktisch aufbereiten und welche Qualität die gestellten Lernaufgaben aufweisen.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Geschichte aufgrund ihrer Offenheit hervorragend für den Unterricht geeignet ist, kritisiert jedoch teilweise die Oberflächlichkeit der existierenden Aufgabenstellungen.
6. Bibliographie: Auflistung aller verwendeten Quellen, Dissertationen und Fachliteratur.
7. Anhang: Dokumentation der konkreten Aufgaben aus den untersuchten Lehrbüchern inklusive derer Lösungsvorschläge.
Schlüsselwörter
Bertold Brecht, Maßnahmen gegen die Gewalt, Herr Keuner, Parabel, Rahmenerzählung, Gewalt, Literaturunterricht, Aufgabenanalyse, didaktische Analyse, Oberstufe, Deutschunterricht, Textverständnis, Interpretation, Lesekompetenz, Handlungsentscheidungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die fachdidaktische Aufbereitung der Brecht-Erzählung „Maßnahmen gegen die Gewalt“ in zwei verschiedenen Schulbüchern für die 11. Jahrgangsstufe.
Welche Themenfelder stehen dabei im Fokus?
Zentrale Themen sind die literaturwissenschaftliche Einordnung der Geschichte, ihr didaktischer Wert für den Unterricht und die Angemessenheit der dazu entwickelten Aufgabenformate.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, ob das bestehende Lehrbuchangebot den Schülern dabei hilft, die inhaltliche Komplexität der Erzählung zu durchdringen und kritische Denkprozesse anzustoßen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Die Analyse erfolgt durch eine literaturwissenschaftliche Untersuchung des Primärtextes sowie eine didaktische Beurteilung mittels Klafkis Kriterien für Unterrichtsmodelle und einer vergleichenden Aufgabenanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die gattungsgeschichtliche Einordnung der Figur Keuner, die formale Analyse der Rahmenerzählung sowie die kritische Begutachtung der Aufgabenangebote in den Lehrwerken.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Brecht-Rezeption, didaktische Reduktion, Parabel-Analyse und Kompetenzorientierung im Deutschunterricht charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rahmenerzählung von der Binnenerzählung im Werk?
Die Rahmenerzählung zeigt Keuner in einer unmittelbaren Konfrontation mit politischer Gewalt, während die Binnenerzählung über Herrn Egge als exemplarisches, zeitlich entrücktes Spiegelbild fungiert, um die gleiche Problematik der Anpassung vs. des Widerstands zu verdeutlichen.
Warum bewertet die Autorin das Lehrbuch „Texte, Themen und Strukturen“ als besser geeignet?
Obwohl die Aufgaben in diesem Werk knapper sind, beziehen sie sich wesentlich direkter auf die inhaltlichen Schwerpunkte und den inneren Konflikt der Figuren, anstatt sich in rein formalen Strukturabfragen zu verlieren.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für den praktischen Einsatz im Klassenzimmer?
Sie empfiehlt, den Text als Ausgangspunkt für eine ganze Unterrichtsreihe zum Thema Umgang mit Gewalt zu nutzen, um neben Textkompetenz auch Sozial- und Selbstkompetenz bei den Schülern zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Katharina Ochsenfahrt (Autor:in), 2012, Analyse des Lernangebots zu „Bertold Brecht, „Maßnahmen gegen die Gewalt“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/194734