Diese Hausarbeit beschäftigt sich eingehend mit der Erziehung im Dritten Reich, welcher v.a. dahingehend Bedeutung zukam, dass sie den "Nachschub" an fähigen Nationalsozialisten der nächsten Generation heranzüchten sollte. Der Autor beleuchtet dazu zunächst die pädagogischen Theorien jener Zeit anhand von Aussagen und Vorstellungen Hitlers, Ernst Kriecks und Alfred Bäumlers. Nachdem dieses theoretische Grundgerüst dargestellt wurde, geht der Autor näher auf dessen Umsetzung und die institutionelle Erziehung während der NS-Herrschaft ein, indem er die Hitlerjugend, die deutsche Volksschule und die Napola anhand ihrer pädagogischen Merkmale analysiert. Schließlich wird im letzten Teil die Erziehung der Mädchen genauer ergründet. Dazu wird der Bund deutscher Mädchen (BDM) untersucht.
Diese Hausarbeit will schließlich untersuchen, inwiefern sich die Vorstellungen der oben genannten Theoretiker in der realen Umsetzung niedergeschlagen haben und kritisch hinterfragen, ob Anspruch und Wirklichkeit kompatibel gewesen sind. Genauer: Was von dem, das in der Theorie überlegt wurde, fand sich in der realen Erziehung wieder?
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
II) Erziehungstheorien nationalsozialistischer Denker
II.1: Theorien Adolf Hitlers
II.2: Theorien Ernst Kriecks
II.3: Theorien Alfred Bäumlers
III) Erziehungspraxis im Dritten Reich
III.1: Erziehung in der HJ
III.2: Erziehung in der Volksschule
III.3: Erziehung in der Napola
IV) Mädchenerziehung im Nationalsozialismus
IV.1: NS-Vorstellungen über Erziehung von Mädchen
IV.2: Mädchenerziehung im BDM
V) Schluss/Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Erziehungssystem während des Nationalsozialismus und analysiert, inwieweit die pädagogischen Vorstellungen maßgeblicher Theoretiker in der tatsächlichen institutionellen Erziehungspraxis umgesetzt wurden. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern Anspruch und Wirklichkeit des nationalsozialistischen Erziehungsmodells kompatibel waren.
- Pädagogische Grundtheorien von Hitler, Krieck und Bäumler
- Die Rolle der Hitlerjugend (HJ) und die Jugenderziehung
- Strukturen und Ziele der Erziehung in der Volksschule
- Besonderheiten und Elitenbildung in den Napola-Erziehungsanstalten
- Ideologisierte Mädchenerziehung durch den Bund deutscher Mädchen (BDM)
Auszug aus dem Buch
III.1: Erziehung in der HJ
Das Bemühen, die deutsche Jugend durch die HJ für die NS-Ideologie zu vereinnahmen, zeigte sich u.a. deutlich im „Gesetz über die Hitler-Jugend“ von 1936, wonach für die gesamte Erziehung in Deutschland außerhalb von Schule und Elternhaus allein die HJ zuständig war. Die aus diesem Gesetz abgeleitete Jugenddienstverordnung von 1939 sah sogar die Jugenddienstpflicht für alle Jungen und Mädchen zw. 10 und 18 Jahren vor32. Die Organisationsstruktur der HJ sollte der NS-Weltanschauung durch eine feste, straffe und mit konsequenter Härte durchgeführte Form eine Gestalt geben33. Man versuchte die propagierte „Volksgemeinschaft“ v.a. in den Lagern der HJ und des BDM zu realisieren: Man richtete diese oft in freier Natur ein. Man gestaltete den Tag nach festen rituellen Handlungen (z.B. Morgenappell) und war darum bemüht, dass in allen Lagern derselbe Ritus zeitgleich ablief. Dadurch sollte das Gefühl der „Volksgemeinschaft“ genauso bestärkt werden wie durch die Schulungsthemen (z.B. „Führer“, „Weltanschauung“)34. Die von Hitler 1938 geforderte Aufhebung des Standesdünkels35 sollte durch das obligatorische Tragen der Uniform im Lager und den Gebrauch des kameradschaftlichen „Du“ erreicht werden, sodass soziale Unterschiede im Zivilleben verdeckt und das Bestehen einer „wahren Gemeinschaft“ vorgespiegelt werden konnten36. Im Mittelpunkt der HJ-Arbeit stand die körperliche Ertüchtigung, z. B. in Form von sog. Reichssportwettkämpfen, ab 1936 trat dann zunehmend die vormilitärische Ertüchtigung in den Vordergrund, v.a. in Form von HJ-Sondereinheiten37.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Einleitung: Einführung in das Thema der NS-Erziehung mit einer Zielsetzung zur Untersuchung der Diskrepanz zwischen Theorie und praktischer Umsetzung.
II) Erziehungstheorien nationalsozialistischer Denker: Darstellung der pädagogischen Vorstellungen von Adolf Hitler, Ernst Krieck und Alfred Bäumler als theoretische Basis.
III) Erziehungspraxis im Dritten Reich: Analyse der institutionellen Praxis in der Hitlerjugend, der Volksschule sowie den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napola).
IV) Mädchenerziehung im Nationalsozialismus: Untersuchung des NS-Frauenbildes und der spezifischen Erziehung von Mädchen im Rahmen des BDM.
V) Schluss/Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Versuchs, eine allumfassende Erziehung im Sinne der NS-Ideologie zu implementieren, und Reflexion der tatsächlichen Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Erziehung, Hitlerjugend, BDM, Napola, Pädagogik, Volksschule, Rassenkunde, Charaktererziehung, Volksgemeinschaft, Ideologie, Körperertüchtigung, Elite, Wehrertüchtigung, NS-Staat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie und Praxis des nationalsozialistischen Erziehungssystems zwischen 1933 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die pädagogischen Theorien der NS-Ideologen, die Erziehung in der Hitlerjugend, das Schulwesen sowie die spezifische Mädchenerziehung im BDM.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, inwieweit die theoretischen Erziehungsvorstellungen in die reale Erziehungspraxis einflossen und ob Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturbasierte Analyse und Untersuchung pädagogischer Konzepte sowie institutioneller Umsetzungsprozesse im NS-Staat durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Erziehungstheorien, die Organisation der Hitlerjugend, den Lehralltag in Schulen und Napolas sowie die Rolle des Mädchenerziehungsprogramms.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Erziehung, Volksgemeinschaft, Rassenkunde, Körperertüchtigung und ideologische Formung.
Warum nahm die körperliche Ertüchtigung einen so hohen Stellenwert ein?
Körperliche Fitness galt als Basis für Charaktererziehung, Wehrhaftigkeit und die Schaffung einer "athletischen Jugend" gemäß der NS-Weltanschauung.
Welche Rolle spielten die Napola-Anstalten?
Die Napola dienten der gezielten Auswahl und Ausbildung einer zukünftigen nationalsozialistischen Führungselite.
War die einheitliche NS-Erziehung erfolgreich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Anspruch einer totalen Erziehung durch die Existenz oppositioneller Gruppierungen pädagogisch gesehen illusionär blieb.
- Quote paper
- Andreas Wollenweber (Author), 2012, Die Erziehung im Dritten Reich. Wurden nationalsozialistische Erziehungstheorien jemals umgesetzt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/194285