Die Europäische Union wurde 1951 durch Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande als Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet um den Frieden im Europa zu sichern. Im Laufe der Zeit wurde die EU um zahlreiche Mitglieder erweitert.
Am 1. Mai 2004 nahm die EU, nach langen Verhandlungen, zehn weitere Beitrittsstaaten, darunter Polen, die Slowakische Republik, Slowenien, die Tschechische Republik, Ungarn sowie Malta und Zypern, auf. Die alten und die neuen EU-Staaten nutzten den Zusammenbruch des Ostblocks Ende der neunziger Jahre als große historische Chance für ein vereinigtes Europa.
Die größte Erweiterung der Europäischen Union war für alle Beteiligten eine große Herausforderung und brachte nicht nur Vorteile sondern auch Risiken für die beteiligten Länder. Vor dieser Vereinigung Europas wurden viele Diskussionen im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit, einer der Grundfreiheiten der EU-Bürger, geführt.
EU-Bürger genießen innerhalb der Europäischen Union vier Grundfreiheiten, unter anderem die Personenverkehrsfreiheit (Arbeitnehmerfreizügigkeit und Niederlassungsfreiheit). Die Grundfreiheiten sind als primäres Recht durch alle Mitgliedstaaten anzuwenden. Vor allem Deutschland und Österreich forderten die Einführung von Übergangsfristen für die Arbeitnehmer aus den neuen osteuropäischen Mitgliedstaaten, um die Arbeitsmärkte vor einem Ansturm von Wanderarbeitnehmern aus diesen Ländern zu schützen. Die EU ist diesen Forderungen nachgekommen und führte bei der EU-Erweiterung 2004 Übergangsbestimmungen bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit ein.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen analysiert. Ziel ist es, die Chancen und Risiken, welche die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen mit sich bringt, zu identifizieren, diese zu erläutern und Folgerungen/ Konsequenzen zu erörtern.
• Welche Potenziale sind bei der vollständigen Öffnung der Arbeitsmärkte zu finden?
• Was für Risiken birgt die Arbeitnehmerfreizügigkeit für beide Länder?
0. Einleitung
1. Die Erweiterung der Europäischen Union im Jahr 2004
1.1.Der Weg Polens in die Europäische Union
1.2.Stimmungsbilder zum EU-Beitritt
2. Wirtschaftslage in Deutschland 2004 - 2011
2.1.Bevölkerung / Demografische Entwicklung
2.2.Wirtschaftswachstum und -struktur
2.3.Arbeitsmarkt
2.4.Sozialversicherungssystem
3. Wirtschaftslage in Polen 2004 - 2011
3.1.Bevölkerung / Demografische Entwicklung
3.2.Wirtschaftswachstum und -struktur
3.3.Arbeitsmarkt
3.4.Sozialversicherungssystem
4. Regelungen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit
4.1.Übergangsbestimmungen in Deutschland für polnische Bürger
4.2.Übergangsbestimmungen für deutsche Bürger in Polen
4.3.Veränderungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit seit 2004 in Deutschland und Polen
5. Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Praxis
5.1.Erfahrungen mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Großbritannien
5.2.EURES-Netzwerk als beratende Institution für Wanderarbeitnehmer
5.3.Volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland
6. Ausblick auf die künftige Entwicklung
6.1.Studien und Prognosen der Zuwanderung nach Deutschland
6.2.Chancen der Arbeitnehmerfreizügigkeit
6.3.Risiken der Arbeitnehmerfreizügigkeit
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen nach der EU-Osterweiterung. Das Ziel ist es, die Chancen und Risiken zu identifizieren, die mit der vollständigen Öffnung der Arbeitsmärkte verbunden sind, und daraus resultierende Konsequenzen für beide Länder abzuleiten.
- Historischer Kontext der EU-Erweiterung 2004
- Wirtschaftliche Analyse von Deutschland und Polen im Zeitraum 2004-2011
- Regulatorische Rahmenbedingungen und Übergangsbestimmungen
- Praktische Auswirkungen der Freizügigkeit (Fallbeispiel Großbritannien)
- Prognosen zur künftigen Zuwanderung und Entwicklung
Auszug aus dem Buch
1.1. Der Weg Polens in die Europäische Union
Polen hat als sozialistischer Staat keine Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft aufbauen können. Bis Mitte der achtziger Jahre wurde die Europäische Gemeinschaft durch die polnische Regierung nicht anerkannt. Polen war verpflichtet sich den politischen Vorgaben der damaligen Sowjetunion unterzuordnen. Erst nach dem Amtsantritt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, hatte sich die Lage geändert. Durch seine Glasnost- und Perestroika- Politik erlaubte Gorbatschow, dass unter anderem Polen 1988 separate Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft aufnehmen konnte. Doch die ersten Versuche der Annäherung blieben erfolglos.
Im September 1989 unterzeichnete Polen das Abkommen über Handel und Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft. Ein Monat später wurde das Protokoll zwischen dem polnischen Staat und der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl unterschrieben. Im gleichen Jahr entschieden die G7-Staaten auf dem Pariser Gipfel, dass Polen und Ungarn mit wirtschaftlichen Hilfen unterstützt werden. Das Programm PHARE (Poland and Hungary Assistance for Restructuring their Economics) wurde ins Leben gerufen und sollte beide Länder bei dem Transformationsprozess von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft und bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage der Arbeit dar und erläutert die Struktur sowie die methodische Herangehensweise zur Analyse der Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen.
1. Die Erweiterung der Europäischen Union im Jahr 2004: Dieses Kapitel behandelt den historischen Prozess der EU-Osterweiterung und fokussiert dabei besonders auf den Beitrittsweg Polens sowie die dortige öffentliche Wahrnehmung des Beitritts.
2. Wirtschaftslage in Deutschland 2004 - 2011: Das Kapitel gibt einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland unter Berücksichtigung von demografischen Faktoren, Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarktdaten und dem Sozialversicherungssystem.
3. Wirtschaftslage in Polen 2004 - 2011: Hier werden analog zu Deutschland die demografischen Entwicklungen, das Wirtschaftswachstum, die Arbeitsmarktindikatoren sowie das Sozialversicherungssystem in Polen im Untersuchungszeitraum analysiert.
4. Regelungen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit: Dieser Abschnitt erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen der vier Grundfreiheiten der EU und die spezifischen Übergangsbestimmungen, die zwischen Deutschland und Polen vereinbart wurden.
5. Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Praxis: Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen der Freizügigkeit anhand von Erfahrungen aus Großbritannien, der Rolle des EURES-Netzwerkes und ersten Beobachtungen zur vollen Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes.
6. Ausblick auf die künftige Entwicklung: Hier werden verschiedene Studien und Szenarien zur künftigen Zuwanderung nach Deutschland präsentiert sowie Chancen und Risiken der Arbeitnehmerfreizügigkeit abgewogen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt Handlungsempfehlungen für die Gestaltung der Arbeitnehmerfreizügigkeit und die künftige Arbeitsmarktpolitik.
Schlüsselwörter
Arbeitnehmerfreizügigkeit, EU-Osterweiterung, Polen, Deutschland, Arbeitsmarkt, Migration, Wirtschaftswachstum, EURES, Sozialversicherung, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Übergangsbestimmungen, Arbeitslosigkeit, Integration, Beschäftigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen nach der EU-Osterweiterung im Jahr 2004.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die wirtschaftliche Lage in beiden Ländern zwischen 2004 und 2011, die rechtlichen Übergangsbestimmungen sowie die Chancen und Risiken der uneingeschränkten Mobilität auf dem Arbeitsmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu identifizieren, welche positiven Potenziale und möglichen Gefahren die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für den deutschen und polnischen Arbeitsmarkt mit sich bringt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine umfassende Literatur- und Datenanalyse sowie eine eigene Befragung polnischer Bürger, um das Mobilitätsverhalten und die Motivationen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die detaillierte Darstellung der regulatorischen Übergangsfristen, eine Analyse der Praxisbeispiele (Großbritannien) sowie einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Arbeitnehmerfreizügigkeit, EU-Osterweiterung, Arbeitsmarkt, Migration, demografischer Wandel und Fachkräftemangel.
Welche Rolle spielt das EURES-Netzwerk in der Arbeit?
EURES wird als zentrales Beratungs- und Informationsnetzwerk beschrieben, das die Umsetzung der Freizügigkeit unterstützt und sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern bei der Vermittlung hilft.
Welches Fazit zieht die Verfasserin hinsichtlich der "Angst vor Massenzuwanderung"?
Die Verfasserin kommt zu dem Schluss, dass die im Vorfeld der EU-Erweiterung geschürten Ängste vor einer massenhaften Zuwanderung unbegründet waren und sich der Zustrom in Grenzen hielt.
- Quote paper
- Gosia Reinicke (Author), 2012, Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193580