Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Es herrscht ein Krieg aller gegen alle. Es sind diese eingängigen (verkürzten) Sätze, mit denen nicht selten auf Thomas Hobbes Leviathan Bezug genommen wird. Die folgende Arbeit wird sich der Theorie des Naturzustands in Thomas Hobbes Leviathan widmen. Dabei soll im Folgenden nicht der Naturzustand bloß als ein Teil des von Hobbes konzipierten, triadisch aufgebauten Gedankenexperiments angesehen werden. Zweifellos ist der Naturzustand Teil dieser Triade, aber er ist eben nicht bloß Teil, sondern auch Grundlage der auf ihn folgenden, gedanklichen Schritte Hobbes. Zu unpräzise gestalten sich daher Untersuchungsansätze, die auf eine Beschreibung Hobbes Herrschaftsvertrag ausgerichtet sind, den Naturzustand, auf welchem dieser jedoch gründet, in nur wenigen Sätzen abhandeln. Die Notwendigkeit eines Vertrages als ein logischer Schluss wird nur dann verständlich, wenn die Grundlage des Gedankenexperiments – der Naturzustand – angemessen beschrieben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Naturzustand – ein weiter Begriff
3. Die Naturzustandstheorie bei Thomas Hobbes
3.1 Der Naturzustand als Kriegszustand
3.2 Gründe, Voraussetzungen und Konsequenzen
3.3 Probleme und Kritik
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert Thomas Hobbes' Theorie des Naturzustands, um zu verdeutlichen, warum diese als notwendige Grundlage für seinen Kontraktualismus und die daraus resultierende Notwendigkeit eines Herrschaftsvertrags fungiert. Dabei wird insbesondere hinterfragt, ob der Naturzustand lediglich ein pessimistisches Menschenbild widerspiegelt oder ob er ein rationales Gedankenexperiment darstellt, das ohne eine souveräne Ordnung in einen permanenten Kriegszustand führt.
- Die systematische Rekonstruktion des Naturzustandstheorems bei Hobbes
- Die Analyse der anthropologischen Prämissen (Egoismus, natürliche Gleichheit)
- Die Erläuterung des Naturzustands als logischer Kriegszustand (bellum omnium contra omnes)
- Die Auseinandersetzung mit kritischen Perspektiven zur Hobbesschen Naturzustandstheorie
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Naturzustand als Kriegszustand
Um von einem Kriegszustand innerhalb des Naturzustandes bei Thomas Hobbes Leviathan sprechen zu können, sollten zunächst die Voraussetzungen rekonstruiert werden, von denen Hobbes ausgeht, welche dann zu jeweils spezifischen Folgen für das menschliche Zusammenleben führen. An diesen Ausführungen soll im Folgenden auch deutlich werden, dass mit Kriegszustand bei Hobbes keine, wie üblich angenommen, tatsächlich andauernden Gefechte oder Schlachten gemeint sind. Viel mehr meint Hobbes mit Kriegszustand die permanente Bereitschaft zu kampfartigen Handlungen, die konstitutiv für das Wesen des Krieges innerhalb der Naturzustandstheorie sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Hobbessche Naturzustandstheorie ein und definiert das Ziel der Arbeit, eine präzise Rekonstruktion des Gedankenexperiments zu leisten.
2. Der Naturzustand – ein weiter Begriff: Dieses Kapitel verortet den Begriff des Naturzustandes historisch und begrifflich, um die Einordnung der Hobbesschen Theorie vorzubereiten.
3. Die Naturzustandstheorie bei Thomas Hobbes: Das Hauptkapitel untersucht die theoretischen Grundlagen, die den Naturzustand bei Hobbes als logische Notwendigkeit für einen Vertragsschluss erscheinen lassen.
3.1 Der Naturzustand als Kriegszustand: Hier wird erläutert, dass der Kriegszustand bei Hobbes nicht durch physische Schlachten, sondern durch die permanente Bereitschaft zur Aggression definiert ist.
3.2 Gründe, Voraussetzungen und Konsequenzen: Dieses Kapitel analysiert die Faktoren Egoismus, Konkurrenz und die natürliche Gleichheit der Menschen als Ursachen für den Konflikt.
3.3 Probleme und Kritik: Die kritische Auseinandersetzung beleuchtet Einwände gegen das Hobbessche Menschenbild und die vermeintliche Inkohärenz seiner Argumentation.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die anhaltende Relevanz der Hobbesschen Theorie für moderne politische Fragestellungen.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Naturzustand, Leviathan, Kontraktualismus, Kriegszustand, bellum omnium contra omnes, Selbsterhaltung, Vernunft, politische Philosophie, Staatstheorie, Gesellschaftsvertrag, Anthropologie, Macht, Souveränität, Machtkonkurrenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Naturzustandstheorie von Thomas Hobbes, wie sie im Leviathan dargelegt wird, und untersucht deren Funktion als Fundament für seine politische Vertragstheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Rekonstruktion der Naturzustandsvoraussetzungen, die Analyse der Kriegszustandskonzeption und die kritische Würdigung der anthropologischen Basis bei Hobbes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Hobbes' Konzeption des Naturzustands als Abstraktionsprodukt und rationales Gedankenexperiment präzise nachzuzeichnen, um die logische Notwendigkeit des Herrschaftsvertrags zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine philosophische Rekonstruktion und Textanalyse, die sich auf das Werk Leviathan und die einschlägige politikwissenschaftliche Sekundärliteratur stützt.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden die Voraussetzungen für den Kriegszustand – wie Egoismus und natürliche Gleichheit – sowie die Kritik an diesen Annahmen durch Autoren wie Nida-Rümelin und Macpherson behandelt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Naturzustand, Kriegszustand, Selbsterhaltung, Kontraktualismus und Souveränität charakterisiert.
Warum ist der Naturzustand bei Hobbes kein historischer Ort?
Hobbes konstruiert den Naturzustand als Abstraktionsprodukt, das die menschliche Natur ohne staatliche Institutionen isoliert betrachtet, um die Notwendigkeit von Ordnung zu deduzieren.
Kann der Mensch bei Hobbes auch friedfertig handeln?
Ja, Hobbes argumentiert, dass die menschliche Vernunft nicht nur in den Kriegszustand führt, sondern durch die Einsicht in die Notwendigkeit der Selbsterhaltung auch den Weg zum Vertragsschluss und zur zivilisierten Ordnung ebnet.
- Quote paper
- Moritz Schneider (Author), 2012, Naturzustandstheorie in Thomas Hobbes 'Leviathan', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/193089