Für die Geschichte der frühen Neuzeit nimmt die Englische Revolution im 17. Jahrhundert mit Sicherheit einen großen Stellenwert ein. Zum einen ist sie die erste große Revolution auf europäischen Boden und zum anderen prägte sie die Entwicklung der späteren Weltmacht Großbritannien über viele Jahrhunderte entscheidend. Dass England zum damaligen Zeitpunkt, als sich die anderen europäischen Länder fest in der Hand absolutistischer Herrscher befanden, schon über eine parlamentarische Tradition verfügte, begründet allein schon die Vorreiterrolle des Inselreichs für die Geschichte Europas. Bereits 1257 sprach man dort von Parlamenten, einer Institution, die sich in ihren Grundzügen bis heute gehalten hat. Doch dass gerade hier ein Bürgerkrieg zwischen der Krone und dem Parlament stattfinden sollte, unterstreicht noch einmal die politische Fortschrittlichkeit Englands gegenüber den anderen europäischen Mächten.
Auch die Rolle der Armeen in diesem Krieg stellte einen großen Gegensatz zu den Söldnerheeren des Dreißigjährigen Krieges auf dem europäischen Festland dar. Doch was waren die Besonderheiten dieser Armee, die nicht mehr an einen Herrscher gebunden war, sondern an eine Institution? Bedurfte das Gelingen der Englischen Revolution einer „demokratischen“ Armee? Diese Fragen sollen den Schwerpunkt dieses Essays bilden und anhand einschlägiger Literatur untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Englische Revolution – eine historische Einordnung
3. New Model Army
4. Die Levellers – ihrer Zeit voraus?
5. Bedurfte es einer „demokratischen“ Armee?
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle der New Model Army während der Englischen Revolution zu untersuchen und zu analysieren, inwiefern diese Armee durch ihre neuartige Struktur, ihr Selbstverständnis und ihre politischen Ambitionen über die konventionellen Söldnerheere ihrer Zeit hinausging und den historischen Wandel maßgeblich beeinflusste.
- Historische Einordnung der Englischen Revolution als „Ur-Revolution“ Europas.
- Strukturelle und ideologische Besonderheiten der New Model Army.
- Die politische Rolle der Levellers und ihr Einfluss auf demokratische Grundwerte.
- Das Spannungsfeld zwischen militärischer Professionalität und politischer Machtausübung.
- Die langfristige Bedeutung der Englischen Revolution für das moderne Staats- und Demokratieverständnis.
Auszug aus dem Buch
3. New Model Army
Die Neuerungen der Revolution hatten nicht nur Auswirkungen auf die Politik, sondern auch auf das Militär. Im 17. Jahrhundert bestanden die Armeen meist aus Söldnerheeren, die ihren jeweiligen Herren nur aufgrund des Solds dienten, den er ihnen zukommen ließ. Nationalität oder innere Überzeugung trugen so nur äußerst selten zur Kampfmotivation der Soldaten bei. Auch die Armee des englischen Königs Karl I. bestand in ihrem Kern aus einem Söldnerheer, das zu großen Teilen gerade vom Kontinent zurückgekehrt war, wo der Dreißigjährige Krieg gerade zu Ende ging.
Das Parlamentsheer musste erkennen, dass sein Heer einer grundlegenden Reform bedurfte. Die organisatorischen Defizite der Parlamentstruppen wurden durch die Schaffung der New Model Army im Februar 1645 behoben. Sie war eine einheitlich organisierte Nationalarmee und sollte bald zu einem eigenständigen Faktor im Bürgerkrieg werden. Die Wort „Nationalarmee“, dass Haan und Niedhart hier verwenden steht schon allein im krassen Gegensatz zu den Söldnerheeren dieser Zeit. Das reorganisierte Parlamentsheer hingegen war bereit, jederzeit und überall für die Interessen des Parlaments zu kämpfen.
Ein wichtiger Faktor dabei war, dass mehr als die Hälfte der Soldaten aus Freiwilligen bestand, die den gerechten Streit gegen den König begeistert verfochten. Dass ein Freiwilliger im Kampf wesentlich motivierter und energischer auftritt als ein bezahlter Söldner, ist eine aus der Militärgeschichte wohlbekannte Tatsache. Dabei war die Aufstellung der New Model Army keinesfalls ohne Risiken. „Its building was one of the bravest acts Parliament performed in the entire war, and meant surrendering the military initiative for months at a time while it was formed. […] From the moment the legislation to create it was passed, it was obvious that the New Model would have to succeed quickly in the field or be voted out of existence.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Revolutionen im historischen Kontext und fokussiert sich auf die Englische Revolution als Vorreiterin für spätere demokratische Entwicklungen.
2. Die Englische Revolution – eine historische Einordnung: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene geschichtswissenschaftliche Perspektiven auf die Ursachen und den Charakter des Konflikts zwischen Krone und Parlament.
3. New Model Army: Hier wird die Transformation des Parlamentsheeres von einer Söldnertruppe zu einer ideologisch motivierten Nationalarmee und deren militärische sowie politische Bedeutung analysiert.
4. Die Levellers – ihrer Zeit voraus?: Das Kapitel behandelt die radikale Volksbewegung der Levellers und deren Forderungen nach Grundrechten, Religionsfreiheit und Volkssouveränität.
5. Bedurfte es einer „demokratischen“ Armee?: Im Fazit wird kritisch hinterfragt, inwieweit die New Model Army als demokratisch bezeichnet werden kann und welche Rolle sie bei der politischen Neuordnung Englands spielte.
Schlüsselwörter
Englische Revolution, New Model Army, Levellers, Parlamentarismus, Bürgerkrieg, Oliver Cromwell, Volkssouveränität, Demokratisierung, Putney Debates, Söldnerheer, Ideologie, politische Partizipation, Religionsfreiheit, Monarchie, Rechtsstaatlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung der New Model Army im Rahmen der Englischen Revolution des 17. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die Transformation des Militärwesens, die politischen Spannungen zwischen Parlament und Armee sowie die radikalen gesellschaftlichen Entwürfe der Levellers.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die Englische Revolution eine „demokratische“ Armee benötigte, um erfolgreich zu sein, und inwiefern die New Model Army diese Anforderungen erfüllte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, bei der verschiedene historische Fachquellen und zeitgenössische Interpretationen gegenübergestellt und ausgewertet werden.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der New Model Army, ihre ideologische Prägung durch ihre Soldaten, die politische Rolle der Levellers und den wachsenden Einfluss des Militärs auf die staatlichen Strukturen Englands.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Parlamentsherrschaft, Volkssouveränität, Professionalisierung des Militärs und frühneuzeitlicher Liberalismus charakterisiert.
Was waren die „Putney Debates“?
Dies waren wegweisende Diskussionen innerhalb der Armee, in denen politische Themen und Forderungen nach Mitspracherechten für Bürger ohne Besitz debattiert wurden.
Warum war die Armee für die Levellers so wichtig?
Die Levellers sahen in der politisierten Armee ein Forum, um ihre radikalen Forderungen nach Demokratie und Freiheit gegenüber der konservativen Parlamentsmehrheit durchzusetzen.
Welches Vermächtnis hinterließ die Bewegung der Levellers?
Obwohl die Levellers politisch scheiterten, legten ihre Forderungen nach Gleichheit vor dem Gesetz und Religionsfreiheit wichtige Grundsteine für spätere liberale Demokratien, insbesondere in den USA.
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- Nico Bäro (Author), 2008, Krieg und Revolution in England, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192997