Die Herstellung von Produkten besonders hoher Qualität ist einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile, die ein Unternehmen innehaben kann. Eine hervorstehende Rolle spielt hier das Qualitätsmanagement, dass mittlerweile in jedem Teilbereich des Unternehmens zum Tragen kommt. In Entwicklung, Einkauf, Arbeitsvorbereitung, Fertigung bis hin zum Vertrieb wird Qualitätsmanagement betrieben oder durch ein zentrales Qualitätsmanagement unter die Lupe genommen. Dabei darf das Qualitätsmanagement sich nicht darauf beschränken, am Ende des Fertigungsprozesses oder nach Erbringung der Dienstleistung das Endergebnis zu prüfen. Es müssen prophylaktische Maßnahmen im Vorfeld ergriffen werden, damit Qualität am Ort der Entstehung von Produkten bzw. Dienstleistungen produziert und geleistet wird. Dann bietet sich die Möglichkeit Fehler, Kosten und Entwicklungs- bzw. Fertigungszeit zu verringern. Der Verband der Automobilindustrie und internationale Institute für Normung haben das Thema Qualitätsmanagement aufgegriffen und Normen sowie Richtlinien publiziert. Die Realisierung in der Praxis ist eine besondere Herausforderung, die sich jeder Automobilkonzern und dessen Zulieferer stellen müssen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Besonders die Vorgaben der Normen und Richtlinien bezüglich der Audits der internen Herstellprozesse spielen eine immer wichtiger werdende Rolle. Die Aufgabe besteht darin einen übergreifenden Leitfaden für sämtliche Herstellprozesse zu entwickeln, der eine einheitliche Vorgehensweise ermöglicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aufgabenstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
1.3 Kurzergebnis
2 Grundlagen des Qualitätsmanagements
2.1 Begriffsbestimmung
2.1.1 Qualität
2.1.2 Qualitätsmanagement
2.1.3 Freigabe
2.2 Prämissen, Aufgaben und Relevanz des Qualitätsmanagements
2.3 Ziele des Qualitätsmanagements
2.4 Total Quality Management (TQM)
2.4.1 Begriffsbestimmung Total Quality Management
2.4.2 Aspekte des Total Quality Management
2.4.3 Realisierung eines Total Quality Managements
2.5 Normanforderungen an die Freigabe
2.5.1 Geltende Normen
2.5.2 Leitfaden nach ISO 9001:2000
2.5.3 Forderungen nach ISO/TS 16949
2.5.4 Forderungen nach VDA Band 6
3 Methoden des Qualitätsmanagements
3.1 Grundlagen zu den Qualitätsmanagementmethoden
3.1.1 Mathematische Grundlagen
3.1.2 Grundlagen der Mess- und Prüfmittel
3.2 Quality Function Deployment
3.3 Fehlermöglichkeits- und Einfluss-Analyse (FMEA)
3.4 Statistische Versuchsplanung (DoE)
3.5 Statistische Prozessregelung (SPC)
3.5.1 Six Sigma
3.5.2 Vorläufige Prozessfähigkeit oder Maschinenfähigkeit
3.5.3 Prozessfähigkeit
3.5.4 Prozessanalyse
3.6 Qualitätsaudit
3.6.1 Auditarten
3.7 Kritische Betrachtung
3.7.1 Beurteilung der Normanforderungen und Grundlagen
3.7.2 Ergänzende Begriffsdefinition
4 Qualitätsmanagement bei Mercedes-Benz Cars
4.1 Das Center Qualitätsmanagement Produktion
4.2 Die Center Qualitätsmanagement der Mercedes-Benz Werke
5 Ist-Analyse des Freigabeprozess bei Mercedes-Benz
5.1 Begriffsdefinitionen
5.2 Ablauf der Vorserienproduktion:
5.3 Q-Freigabe
5.3.1 QM-Freigabe
5.3.2 QM-Freigabe Produkt
5.3.3 QM-Freigabe Prozess
5.4 Analyse des IST- Zustandes
6 Konzept für die Freigabe
6.1 Anforderungen an das neue Konzept
6.2 Q-Freigabe Produktion
6.3 Prozessablauf der QM-Freigabe Prozess
6.4 Messgrößen der QM-Freigabe Prozess
6.4.1 Serienabsicherung
6.4.2 Arbeitsdokumente
6.4.3 Personal
6.4.4 Teilebereitstellung
6.4.5 Prüfmittelfähigkeit
6.4.6 Anlagen und Betriebsmittel
6.4.7 Mehrarbeitsaufwand
6.4.8 Qualitätsfähigkeitsnachweis
6.5 Durchführung des Prozessaudits
6.6 Bewertung des Auditergebnisses
6.7 Zentrale Koordinations- und Lenkungsfunktion
7 Praxiserprobung des neuen Leitfadens
8 Fazit und Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen standardisierten Leitfaden zur Freigabe von Herstellprozessen bei Mercedes-Benz Cars zu entwickeln, um eine einheitliche, qualitätsorientierte Vorgehensweise sicherzustellen. Dabei wird analysiert, wie bestehende Normanforderungen und interne Richtlinien in einen praxisnahen, werksübergreifenden Prozess überführt werden können, der sowohl die Prozessstabilität als auch die Produktqualität kontinuierlich verbessert.
- Analyse der Grundlagen des Qualitätsmanagements und der relevanten Normen wie ISO 9001:2000 und ISO/TS 16949.
- Untersuchung der aktuellen Freigabeprozesse an verschiedenen Mercedes-Benz Standorten zur Identifikation von Diskrepanzen.
- Definition standardisierter Messgrößen und Bewertungskriterien für interne Herstellprozesse.
- Erstellung eines einheitlichen Konzepts für die Prozessfreigabe inklusive einer zentralen Koordinationsfunktion.
- Praxiserprobung und Evaluierung der neuen Methode zur Sicherstellung der Prozessstabilität.
Auszug aus dem Buch
3.3 Fehlermöglichkeits- und Einfluss-Analyse (FMEA)
Die Fehlermöglichkeits- und Einfluss-Analyse (FMEA) gehört zu den vorbeugenden Methoden des Qualitätsmanagements, um eine frühzeitige Fehlervermeidung in der planerischen Phase des Produktentstehungsprozesses durchzuführen. Dabei sollen potentielle Produktfehler und Mängel bei neuen Fertigungsverfahren bereits während der Planung aufgedeckt und durch Ableiten geeigneter Maßnahmen vermieden werden.
Zusätzlich ist mittels der FMEA einem Unternehmen möglich, vorliegendes Erfahrungswissen hinsichtlich Fehlerzusammenhänge und Qualitätseinflussfaktoren systematisch zu sammeln und verfügbar zu machen.
Gerade die Nutzung des Erfahrungswissens ist für eine prozesssichere Fertigung von entscheidender Bedeutung.
Je nach Schwerpunkt, Zielsetzung und Zeitpunkt der Durchführung werden verschiedene Arten der FMEA unterschieden:
- die Konstruktions- FMEA
- die System FMEA Produkt
- die System FMEA Prozess
Der Begriff der Konstruktions- FMEA wird seit 1996 vom VDA nicht mehr verwendet und formell wird nur noch zwischen System FMEA Produkt und System FMEA Prozess unterschieden.
Die System FMEA Produkt wird nach Fertigstellung eines Produktentwurfs durchgeführt. Die Aufgabe besteht in der Ermittlung potentieller Fehler des Entwurfs und sie nach ihrer Bedeutung zu bewerten und geeignete Lösungsmaßnahmen zu generieren. Das Ziel ist es einen aus konstruktiver Sicht fehlerfreien Entwurf zu erhalten, der zu einem fehlerfreien Produkt führen soll.
Die System FMEA Prozess betrachtet die potentiellen Fehlerquellen aus Sicht der Fertigung. Die FMEA wird nach Fertigstellung der Arbeitspläne zur Herstellung des Produktes durchgeführt. Ziel ist es hierbei die Schwachstellen in den Arbeitsplänen zu identifizieren und die Bedeutung zu bewerten und Abstellmaßnahmen zu initiieren (TIETJEN 2003: 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Qualitätssicherung in der Automobilindustrie ein und definiert das Ziel, einen einheitlichen Leitfaden für die Prozessfreigabe zu schaffen.
2 Grundlagen des Qualitätsmanagements: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Qualitätsmanagements, die zentralen Normen sowie die Konzepte des TQM für den Kontext der Automobilindustrie erarbeitet.
3 Methoden des Qualitätsmanagements: Dieses Kapitel beschreibt verschiedene Qualitätsmethoden, deren Einsatzmöglichkeiten und deren Relevanz für die Prozessbeurteilung.
4 Qualitätsmanagement bei Mercedes-Benz Cars: Es erfolgt eine Darstellung der Organisationsstruktur des Qualitätsmanagements bei Mercedes-Benz und dessen Kernaufgaben.
5 Ist-Analyse des Freigabeprozess bei Mercedes-Benz: Dieses Kapitel analysiert den derzeitigen Freigabeprozess und identifiziert die Unterschiede in der Anwendung durch die verschiedenen Werke.
6 Konzept für die Freigabe: Hier wird das neue, standardisierte Konzept für die Prozessfreigabe inklusive der Messgrößen und der zentralen Koordinationsfunktion detailliert beschrieben.
7 Praxiserprobung des neuen Leitfadens: Dieses Kapitel erläutert die praktische Anwendung und Evaluierung des neuen Konzepts anhand eines Beispielprozesses.
8 Fazit und Schlussfolgerungen: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der erzielten Vorteile durch das neue Konzept und einem Ausblick auf die zukünftige Prozessentwicklung.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Freigabeprozess, Automobilindustrie, Mercedes-Benz Cars, Prozessaudit, Prozessstabilität, FMEA, Total Quality Management, TQM, Serienproduktion, Prozessanalyse, Qualitätsfreigabe, Standardisierung, ISO/TS 16949, Prozessfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines standardisierten Leitfadens zur Freigabe von Herstellprozessen bei Mercedes-Benz Cars, um eine einheitliche Qualitätsbewertung über alle Fahrzeugwerke hinweg sicherzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind das Qualitätsmanagement in der Automobilproduktion, die Anwendung von Qualitätsnormen, die Analyse bestehender Freigabeprozesse und die Einführung standardisierter Messgrößen zur Sicherung der Prozessstabilität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Eliminierung von Diskrepanzen in der Prozessbewertung zwischen verschiedenen Produktionsstandorten durch ein neues, verbindliches Konzept zur Prozessfreigabe.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Ist-Analyse der bestehenden Prozesse durchgeführt, gefolgt von einer Ableitung neuer Bewertungskriterien auf Basis von Normvorgaben (wie ISO/TS 16949) und Prozessanalysemethoden wie dem Ishikawa-Diagramm.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Analyse des Ist-Zustands, die Konzeption des neuen Freigabeverfahrens sowie die Praxiserprobung und Evaluierung des neuen Leitfadens.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Qualitätsmanagement, Freigabeprozess, Prozessaudit, Prozessstabilität und Standardisierung charakterisieren.
Warum war ein neues Konzept für die Freigabe notwendig?
Die bisherige Praxis zeigte mangelnde Transparenz und uneinheitliche Bewertungsmethoden an verschiedenen Standorten, was einen Vergleich der Prozessreife zwischen unterschiedlichen Baureihen erschwerte.
Welche Rolle spielen die "Messgrößen" im neuen Konzept?
Die Messgrößen sind entscheidend, da sie eine objektive und vergleichbare Beurteilung der Herstellprozesse ermöglichen und damit als objektive Grundlage für die Erteilung oder Verweigerung der Prozessfreigabe dienen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung bei "rot" und "gelb"?
"Rot" bedeutet, dass der Prozess nicht kundenfähig ist und keine Freigabe erteilt wird; "gelb" signalisiert eine bedingte Kundenfähigkeit, bei der die Freigabe unter Auflagen und unter der Bedingung der Nachbesserung erfolgt.
- Quote paper
- Andreas Schrauth (Author), 2008, Entwicklung eines Leitfadens zur Freigabe von Herstellungsprozessen in der Automobilindustrie am Beispiel von Mercedes-Benz Cars, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/192538