Im Sportspiel Fußball kommt der gezielten und fundierten Ausbildung technischer Fertigkeiten eine besondere Bedeutung zu. Dazu ist eine systematische Trainingsplanung und -steuerung erforderlich. Diese ist insbesondere für den Jugendfußballbereich zu fordern, um die jungen Spieler gezielt auszubilden und auf das Fußballspielen auf möglichst hohem Niveau vorzubereiten. Da sich Trainingsziele und -inhalte stets an dem aktuellen Entwicklungs- und Leistungsstand eines Sportlers orientieren müssen, sind, im Sinne einer systematischen Trainingsplanung, regelmäßige Kontrollen des aktuellen Leistungsstandes unabdingbar. Ebenso müssen eingesetzte Trainingsmethoden durch regelmäßige Lernzielkontrollen überprüft werden. Doch wie können solche Leistungsüberprüfungen und Lernzielkontrollen auch im Amateur- und Jugendbereich sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand eingesetzt werden?
Während in der einschlägigen Fachliteratur eine immense Anzahl an Publikationen, die sich mit der Verbesserung der fußballspezifischen Leistungsfaktoren beschäftigen, zu finden ist, ist die Zahl der Autoren, die sich mit den leistungsdiagnostischen Aspekten dieser Sportart auseinandersetzen, vergleichsweise sehr gering. Für einige der fußballspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten existieren bislang keine geeigneten wissenschaftlich überprüften Diagnoseverfahren. Daher wird die Bestimmung des individuellen Leistungsniveaus eines Spielers in der Regel allein dem subjektiven Urteil des Trainers überlassen. Dieses ist aufgrund seiner Subjektivität jedoch nicht überprüfbar und kann, trotz Erfahrung und Fachkompetenz des Trainers, fehlerbehaftet sein.
Ziel der Diplomarbeit war die Konstruktion und Evaluation eines fußballspezifischen sportmotorischen Tests, mit dem auf ökonomische Weise exakte Daten über das technische Niveau zur An- und Mitnahme flacher Bälle mit der Fußinnen- und -außenseite, unter Berücksichtigung der Beidfüßigkeit, gewonnen werden können. Dadurch soll Trainern aller Leistungsklassen eine Möglichkeit bereitgestellt werden, die Leistung ihrer Spieler bezüglich der im Sportspiel Fußball enorm wichtigen Basistechniken zur Ballan- und -mitnahme, ergänzend zu ihrem subjektiven Trainerurteil, bestimmen zu können und ggf. entsprechende Trainingsmaßnahmen abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Problemstellung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Leistungsdiagnostik im Sport
2.1.1 Zum Begriff „sportliche Leistung“
2.1.2 Zum Begriff „Leistungsdiagnostik“ im Sport
2.1.3 Aufgabenbereiche der Leistungsdiagnostik im Sport
2.1.4 Bereitstellung von Normprofilen
2.2 Diagnostische Methoden im Sport
2.3 Sportmotorische Tests
2.3.1 Definition und Aufgabenbereiche sportmotorischer Tests
2.3.2 Klassifizierung sportmotorischer Tests
2.3.3 Zur Aussagekraft sportmotorischer Tests
2.3.3.1 Hauptgütekriterien
2.3.3.2 Wechselbeziehungen zwischen den Hauptgütekriterien
2.3.3.3 Nebengütekriterien
2.3.3.4 Probleme sportmotorischer Testverfahren
2.4 Motorische Ontogenese und Konsequenzen für die Ausbildung im Jugendfußball
2.5 Faktoren der Leistungsfähigkeit im Sportspiel Fußball
2.5.1 Technik im Sportspiel Fußball
2.5.2 Taktik im Sportspiel Fußball
2.5.3 Kondition im Sportspiel Fußball
2.5.4 Zur Bedeutung der Ballan- und -mitnahme im Sportspiel Fußball
3 Forschungsstand und Hypothesenformulierung
3.1 Leistungsdiagnostische Testverfahren im Sportspiel Fußball
3.1.1 Konditionstests
3.1.2 Techniktests
3.1.3 Diagnostik kognitiv-taktischer Fähigkeiten
3.2 Hypothesenformulierung
4 Methodik
4.1 Versuchsplanung
4.1.1 Merkmalsstichprobe
4.1.1.1 Konstruktion des „Tests zur An- und Mitnahme flacher Bälle“
4.1.1.2 Testprofil
4.1.1.3 Aufgabenstellung
4.1.2 Personenstichprobe
4.2 Versuchsdurchführung
4.3 Datenverarbeitung
4.3.1 Deskriptive Darstellung der Daten
4.3.2 Statistische Verfahren zur Feststellung signifikanter Zusammenhänge und Unterschiede
4.3.3 Statistische Verfahren zur Überprüfung der Gütekriterien
4.3.4 Entwicklung von Normprofilen
5 Darstellung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse
5.1 Datenstruktur
5.2 Darstellung und Interpretation der wissenschaftlichen Hauptgütekriterien
5.2.1 Objektivität und Reliabilität des „Tests zur An- und Mitnahme flacher Bälle“
5.2.2 Validität des „Tests zur An- und Mitnahme flacher Bälle“
5.3 Interpretation des Zusammenhangs zwischen Alter und Spielklassenzugehörigkeit der Probanden und ihrer Testleistung
5.4 Trennschärfe des „Tests zur An- und Mitnahme flacher Bälle“
5.5 Darstellung und Interpretation der Normprofile
6 Diskussion
6.1 Diskussion der Untersuchungsmethoden
6.1.1 Datenerhebung
6.1.2 Datenverarbeitung
6.2 Diskussion der Untersuchungsergebnisse
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen fußballspezifischen sportmotorischen Test zur An- und Mitnahme flacher Bälle zu konstruieren und zu evaluieren, um Trainern eine objektive Ergänzung zu ihrer subjektiven Leistungsbeurteilung von Spielern bereitzustellen. Hierbei wird insbesondere untersucht, wie sich dieses Fertigkeitsniveau bei Jugendfußballern verschiedener Alters- und Leistungsklassen darstellt, um basierend darauf wissenschaftlich fundierte Normwerte abzuleiten.
- Konstruktion und praktische Umsetzung eines fußballspezifischen Testverfahrens
- Analyse der wissenschaftlichen Hauptgütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität)
- Untersuchung von Leistungsunterschieden in Bezug auf Alter und Spielklassenzugehörigkeit
- Entwicklung qualifikationsbezogener Normprofile für D- und C-Jugendfußballer
- Überprüfung der Eignung des Tests als ökonomisches Instrument zur Lernzielkontrolle
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Zum Begriff „Leistungsdiagnostik“ im Sport
Leistungsdiagnostik ist das Verfahren und die Lehre der Leistungsdiagnose. Die Wörter Diagnose und Diagnostik stammen von dem griechischen Verb „diagignoskein“, welches übersetzt werden kann mit „gründlich kennenlernen“, „entscheiden“ und „beschließen“.
Carl (1992b, S. 277) definiert die Leistungsdiagnose im Sport als „…das Erkennen und Benennen des individuellen Niveaus einer sportlichen Leistung oder eines sportlichen Leistungszustandes“. Die Erfassung und Beurteilung sportlicher Leistungen erfolgt „…auf der Grundlage von Kennwerten, Kennlinien und Merkmalen des Leistungsvollzugs sowie von Kennwerten der wesentlichsten personalen Leistungsvoraussetzungen“ (Schnabel, Harre, Krug, 2008, S. 52). Trainingsmethodische Kontrollmethoden, wie Leistungskontrollen, sportmotorische Tests oder Beobachtungs- und Analyseverfahren, gehören ebenso zu den Instrumenten der Leistungsdiagnostik im Sport wie Untersuchungsverfahren der Biomechanik, Biochemie, Physiologie, Sportmedizin und Sportpsychologie (Schnabel, Thieß, 1986, S. 97).
Damit fällt auch die subjektive Beurteilung der sportlichen Leistung durch den Trainer unter den Bereich der Leistungsdiagnostik. Da diese jedoch in der Regel nicht objektiv und damit nicht überprüfbar ist, erscheint die zumindest teilweise Ersetzung oder Ergänzung des Trainerurteils durch objektivere Methoden der Leistungsdiagnostik sinnvoll (Letzelter, Letzelter, 1983, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit von objektiven Testverfahren im modernen Fußball, um die subjektive Trainerbeurteilung zu ergänzen und das Ziel der Arbeit, einen Test zur An- und Mitnahme flacher Bälle zu entwickeln, zu definieren.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die wissenschaftlichen Fundamente der Leistungsdiagnostik, sportmotorische Tests, motorische Ontogenese im Jugendalter sowie die leistungsbestimmenden Faktoren Technik, Taktik und Kondition im Fußball detailliert theoretisch aufgearbeitet.
3 Forschungsstand und Hypothesenformulierung: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende Testverfahren im Fußball, kritisiert deren Grenzen und leitet aus dem Forschungsstand die zu prüfenden Hypothesen der Arbeit ab.
4 Methodik: Es wird die Versuchsplanung beschrieben, die Konstruktion des neuen Tests inklusive Testprofil und -aufbau dargelegt sowie die statistischen Verfahren zur Datenverarbeitung und Gütekriterien-Überprüfung detailliert erläutert.
5 Darstellung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die erhobenen Daten, prüft die wissenschaftlichen Hauptgütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität) und entwickelt die angestrebten Normprofile für die verschiedenen Alters- und Leistungsklassen.
6 Diskussion: Hier werden die Untersuchungsmethoden kritisch hinterfragt, die erzielten Ergebnisse im Kontext der formulierten Hypothesen diskutiert und die Aussagekraft des entwickelten Testverfahrens bewertet.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Arbeit, stellt die erzielten Erkenntnisse dar und gibt Empfehlungen für weiterführende Untersuchungen sowie die praktische Anwendung des Tests im Jugendtraining.
Schlüsselwörter
Fußball, Leistungsdiagnostik, sportmotorische Tests, An- und Mitnahme, Techniktraining, Jugendfußball, Testgütekriterien, Normprofile, Trainingssteuerung, motorische Ontogenese, Validität, Reliabilität, Objektivität, Bewegungsfertigkeiten, sportliche Leistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Evaluation eines neuen, fußballspezifischen sportmotorischen Tests, der die Technik zur An- und Mitnahme flacher Bälle bei D- und C-Jugendfußballern objektiv messbar machen soll.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder umfassen die theoretischen Grundlagen der sportlichen Leistungsdiagnostik, die Bedeutung technischer Fertigkeiten für den Erfolg im Fußball sowie die statistischen Verfahren zur Überprüfung von Testgütekriterien wie Objektivität, Reliabilität und Validität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Konstruktion eines ökonomischen und aussagekräftigen Testverfahrens, das Trainern im Jugendbereich hilft, die Basistechniken der Ballannahme und -mitnahme neben dem subjektiven Trainerurteil fundiert zu beurteilen und entsprechende Trainingsmaßnahmen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung an 147 Spielern aus verschiedenen Leistungsklassen durchgeführt. Zur statistischen Auswertung wurden Korrelationsanalysen, einfaktorielle Varianzanalysen und t-Tests herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Darstellung der Testkonstruktion, die empirische Datenerhebung sowie die detaillierte Ergebnisdarstellung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Leistungsdiagnostik, Jugendfußball, sportmotorische Tests, Ballan- und -mitnahme sowie Testgütekriterien aus.
Warum ist eine elektronische Zeitmessung für diesen Test ungeeignet?
Der Autor argumentiert, dass der Test primär für den Amateur- und Jugendbereich konzipiert ist. Die Verwendung elektronischer Messanlagen wäre ökonomisch nicht sinnvoll, da sie den meisten Vereinen nicht zur Verfügung stehen, was die praktische Anwendbarkeit der entwickelten Normprofile gefährden würde.
Wie gehen die beteiligten Trainer mit der subjektiven Spielerbeurteilung um?
Die Trainer wurden durch standardisierte Schätzskalen dazu angeleitet, ihre Spieler objektiv auf Basis eines definierten Technik-Niveaus einzustufen, um so ein vergleichbares intervallskaliertes Außenkriterium für die statistische Validitätsprüfung zu erhalten.
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- Christoph Pinke (Author), 2009, Evaluation eines sportmotorischen Tests im Fußball zur An- und Mitnahme flacher Bälle, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191725