1. Einleitung
„Sprache ist eine komplexe, hochentwickelte Fähigkeit, die sich ohne bewusste Anstrengung oder formale Unterweisung beim Kind ganz spontan entwickelt und sich entfaltet, ohne dass das Kind sich der zugrundeliegenden Logik bewusst wird; sie ist qualitativ bei allen Menschen gleich und von allgemeineren Fähigkeiten wie dem Verarbeiten von Informationen oder intelligenten Verhalten zu trennen.“
Sprache ist also in den Erbanlagen verankert, eine Fähigkeit, die man - im Normalfall - nicht erlernen muss.
In einer soziobiologischen Studie von Dunbar aus dem Jahr 1996 wurde festgestellt, das sich „die phylogenetische Entwicklung der Sprache an der kommunikativen Interaktion von zwei bis drei Individuen orientiert“ , d.h. kommen zu einem Gespräch Menschen hinzu, teilt sich die Gruppe quasi automatisch in mehrere 2er und 3er Gruppen auf. Denn, um in einer größeren Gruppe ein Gespräch zu führen, bedarf es rhetorischer Fähigkeiten, die wiederum nicht angeboren sind.
Hier kommen wir nun zur Gesprächsfähigkeit, die beim Menschen nicht genetisch veranlagt ist, die aber elementar ist, für jegliche mündliche Leistung.
„Gesprächsfähig sind Kinder, wenn sie sachangemessen und partnerbezogen miteinander sprechen. Sie finden sich in verschiedenen gegebenen Gesprächssituationen zurecht und können Sprecher- und Hörerrollen einnehmen, einen Gegenstand oder Sachverhalt richtig erfassen und verständlich wiedergeben, als Person authentisch sein und sich in Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen an vereinbarte Regeln halten. In schwierigen Situationen ergreifen sie die Möglichkeit zur Metakommunikation und thematisieren problematische Punkte.“
Dies bedeutet, ein grundlegendes Ziel muss es sein, Kinder gesprächsfähig zu machen. Mit der Gesprächsfähigkeit erlangen sie eine Befähigung, die wertvoll, ja elementar für ihr gesamtes schulisches, später berufliches, aber auch privates Leben ist. Will man eine Fähigkeit sinnvoll ausbilden, bedarf es einer permanenten Leistungskontrolle, um Stärken und Schwächen heraus zu finden, um diese dann wieder rum bestmöglichst zu unterstützen und zu fördern.
In dieser Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, wie man mündliche Kommunikation bewerten kann? Wo treten dabei Probleme auf? Wo liegen die Grenzen?
...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Lernbereich Sprechen
3. Kriterien der mündlichen Leistungserfassung
4. Funktionen der Bewertung mündlicher Schülerleistung
5. Bewertungshilfen bei der Beurteilung mündlichen Leistung
6. Probleme bei der Bewertung von mündlicher Kommunikation
7. Fazit
8. Literaturnachweis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen und methodischen Ansätze bei der Bewertung mündlicher Kommunikationsleistungen im Fach Deutsch. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie trotz der inhärenten Flüchtigkeit mündlicher Beiträge eine transparente und objektive Leistungsbeurteilung erfolgen kann.
- Grundlagen des Lernbereichs Sprechen im Deutschunterricht
- Kriterien für die Beurteilung mündlicher Interaktionen
- Funktionen und pädagogische Bedeutung der Leistungsbewertung
- Methodische Bewertungshilfen und Beobachtungsinstrumente
- Problemfelder wie Subjektivität und Wahrnehmungsfehler
Auszug aus dem Buch
3. Kriterien der mündlichen Leistungserfassung
Obwohl mündliche Leistungen schon viel länger erbracht werden müssen, als schriftliche, ist ihre Bewertung seit je her problematisch. Die Bewertung ist fehleranfällig, da subjektiv. Zurückzuführen ist dies vornehmlich auf zwei Gründe. Mündliche Leistungen werden nur selten schriftlich dokumentiert und sie beruhen auf der Beobachtung des Lehrers.
Bevor man sich mit den Kriterien der mündlichen Leistungserfassung beschäftigt, ist es notwendig signifikante Besonderheiten mündlicher Kommunikation zu beachten. Dies sind nach Becker-Mrotzek folgende Punkte:
• „Kommunikation ist multifunktional: Kommunizieren umfasst nicht nur das Vermitteln von Inhalten (Sprechen über Grammatik), sondern auch das Durchführen sprachlicher Handlungen (Erklären), die Organisation des Kommunikationsgeschehens (Einführen und Beenden von Themen, unterbrechen und Rederecht ergreifen), die Gestaltung der Kommunikationssituation (als formelle oder informelle Situation) und die Beziehungsarbeit (das Gegenüber als Schülerin/Kollegen/Kind behandeln).
• Kommunikation ist multimodal: Die Gesprächsbeteiligten kommunizieren miteinander nicht nur verbal, also mittels dessen, was sie formulieren, sondern auch wesentlich durch ihre Art, wie sie etwas sagen (stimmliche bzw. parasprachliche Qualität des Gesagten) sowie durch ihre Mimik und Gestik (nonverbale Aktivitäten), die das Sprachliche begleiten. Komplementär dazu rekonstruieren die Zuhörenden aus dem Zusammenspiel von Formulierungen, Stimmlichen bzw. Parasprachlichem und dem Nonverbalen (Gestik/Mimik) das, was das Gegenüber gemeint haben könnte.
• Kommunikation ist ein Handlungsprozess, in dem die miteinander Kommunizierenden Interaktionsaufgaben übernehmen und auf je spezifische Weise bearbeiten.“13
Kommunikation ist eine Handlung, die Beteiligten agieren miteinander. Entsprechend dieser Interaktion folgen nun einige Kriterien zur Beurteilung dieser Handlung. Zweifelsohne können immer nur einige dieser Kriterien bei einer Beobachtung berücksichtigt werden, vornehmlich nur die, die dem Lernziel dienlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Gesprächsfähigkeit als grundlegende Kompetenz und definiert das Ziel, Probleme und Methoden der Bewertung mündlicher Kommunikation zu analysieren.
2. Der Lernbereich Sprechen: Dieses Kapitel erläutert die curricularen Vorgaben des Bildungsplans sowie die spezifischen kommunikativen Kompetenzen, die Schüler bis Ende der 4. Klasse erwerben sollen.
3. Kriterien der mündlichen Leistungserfassung: Hier werden die theoretischen Grundlagen für eine differenzierte Beurteilung gelegt, indem Merkmale wie Multimodalität und Multifunktionalität von Kommunikation thematisiert werden.
4. Funktionen der Bewertung mündlicher Schülerleistung: Das Kapitel diskutiert die vielfältigen Rollen von Noten, von der Rückmeldung über den Lernstand bis hin zur Selektions- und Disziplinierungsfunktion.
5. Bewertungshilfen bei der Beurteilung mündlichen Leistung: Fokus auf praktische Instrumente wie Beobachtungsbögen, Videoaufnahmen und Transkriptionen zur Überwindung der Flüchtigkeit des Gesprochenen.
6. Probleme bei der Bewertung von mündlicher Kommunikation: Eine kritische Betrachtung von Wahrnehmungsfehlern und Einflüssen wie dem Halo-Effekt oder Sympathie, die die Objektivität der Bewertung gefährden.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Disziplin und systematischer Beobachtung, um trotz Zeitmangels eine faire Bewertung zu ermöglichen.
8. Literaturnachweis: Verzeichnis der verwendeten fachdidaktischen und pädagogischen Literaturquellen.
Schlüsselwörter
Mündliche Kommunikation, Sprechen, Leistungsbewertung, Deutschunterricht, Bildungsplan, Gesprächsfähigkeit, Beobachtungsbogen, Kompetenzentwicklung, Feedback, Leistungsmessung, Subjektivität, Interaktion, Fachdidaktik, pädagogische Funktion, Transkription.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Problematik der Bewertung mündlicher Beiträge von Schülern im Fach Deutsch unter Berücksichtigung von Kriterien und methodischen Hilfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Bildungsplanvorgaben für den Bereich Sprechen, die theoretischen Kriterien für gelungene Kommunikation sowie die verschiedenen Funktionen und methodischen Ansätze der Leistungsfeststellung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, wie man mündliche Kommunikation objektiv bewerten kann, welche Grenzen dabei bestehen und wie Lehrer mit dieser Herausforderung umgehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um fachdidaktische Konzepte zur Leistungsbewertung zusammenzuführen und diese mit der Unterrichtspraxis und den Vorgaben des Bildungsplans zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kriterien für mündliche Leistungen, stellt verschiedene Funktionen der Benotung gegenüber und präsentiert konkrete Hilfsmittel wie Beobachtungsbögen und Transkriptionsverfahren zur systematischen Erfassung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Mündliche Kommunikation, Leistungsbewertung, Gesprächsfähigkeit und Beobachtungsbogen im Kontext des Deutschunterrichts.
Wie unterscheidet sich die Bewertung mündlicher von schriftlichen Leistungen laut Autorin?
Die Autorin hebt die "Flüchtigkeit des Gesprochenen" und die "konstitutive Interaktivität" hervor, die ein unmittelbares Festhalten und Archivieren deutlich schwieriger gestalten als bei schriftlichen Arbeiten.
Welche Rolle spielen subjektive Einflüsse bei der Bewertung?
Subjektive Faktoren wie der Halo-Effekt, Sympathie, das Geschlecht oder die eigene Beobachtungsbrille des Lehrers sind laut der Arbeit allgegenwärtige Fehlerquellen, denen man mit systematischer Beobachtung entgegenwirken muss.
- Arbeit zitieren
- Gitte Buck (Autor:in), 2010, Bewertung von mündlicher Kommunikation im Fach Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191666