Die Diskriminierung der Frau und die Ausgrenzung der weiblichen Sexualität aus dem Alltag sind die große Themen in García Lorcas Werken der Trilogie aus Bodas de Sangre, Yerma und La Casa de Bernarda Alba. Alle drei Werke drehen sich um die Frage, wie im dörflichen oder kleinstädtischen Umfeld die Ehre der Familie und der Frau aufrecht erhalten werden kann. Diese Frage wird am Beispiel von La Casa de Bernarda Alba, dem letzten dramatischen Werk García Lorcas, behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das traditionelle spanische Frauenbild und der Ehrenkodex
3. Darstellung dieses Frauenbildes in La Casa de Bernarda Alba
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das traditionelle spanische Frauenbild im frühen 20. Jahrhundert anhand von Federico García Lorcas Drama "La Casa de Bernarda Alba" und untersucht den Konflikt zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichen Ehrvorstellungen.
- Die Rolle des Ehrenkodex in der kleinbürgerlichen spanischen Gesellschaft
- Die Unterdrückung der weiblichen Sexualität und Individualität
- Die Kommunikationsdynamik zwischen Martirio, Adela und Bernarda
- Der gesellschaftliche Druck zur Aufrechterhaltung der Fassade
- Die Folgen von Regelbrüchen innerhalb eines repressiven Systems
Auszug aus dem Buch
Darstellung dieses Frauenbildes in La Casa de Bernarda Alba
Im Dialog zwischen Adela und Martirio tritt genau diese Situation zu Tage. Martirio steht in diesem Gespräch stellvertretend für den „maniatischen Ehrbegriff“ (Rogmann 1981: 98) und die unsichtbaren Bänder, die die Gesellschaft in ihren vorgegebenen Bahnen halten. Martirio, die selbst gerne die Frau von Pepe el Romano wäre, möchte auf der einen Seite verhindern, dass Pepe und Adele ihre Liebe ausleben, aber auf der anderen Seite auch die Ehre der Familie retten. (vgl. García Lorca 1992: 398) Damit bestätigt sie indirekt das traditionelle Frauenbild, indem sie ihr eigenes Ich dem Kodex unterordnet, und gleichzeitig seine Aufrechterhaltung fordert, in dem Sie auch Adele dazu überreden will, die Hochzeit von Angustias und Pepe einfach geschehen zu lassen.
Adele hingegen möchte sich mit diesem Schicksal nicht anfreunden. Martirio soll verstehen, dass die Liebe wichtiger ist als veraltete und verkrustete Ehrgesetze. Sie bringt Martirio dazu, ihre eigene Liebe zu Pepe zu gestehen. Doch Adeles Versuche Martirios innerstes anzukratzen, und ihre Gefühle zu Taten werden zu lassen, fruchten nicht. Mit den Worten „[m]i sangre ya no es la tuya, y aunque quisiera verte como hermana, no te miro ya más que como mujer“ (García Lorca 1992: 399) stellt Martirio klar, was Bernarda Alba schon zu Anfang des dritten Aktes klar feststellt: „Una hija que desobedece deja de ser hija para convertirse en enemiga“ (García Lorca 1992: 379). Adele ist für Martirio nun kein Teil der eigenen Familie mehr, sondern nur noch eine Konkurrentin in einem Kampf, der für beide Frauen nicht zu gewinnen ist. Regeln und Gesetze müssen befolgt werden. Wer sich daran nicht hält ist ein Feind.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Diskriminierung der Frau bei Lorca ein und stellt die Forschungsfrage nach der Aufrechterhaltung der familiären Ehre im dörflichen Umfeld anhand von "La Casa de Bernarda Alba".
Das traditionelle spanische Frauenbild und der Ehrenkodex: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen Kontext, in dem der Jungfrauenkult und der Machismo die Wahlfreiheit von Frauen massiv einschränken und zur Unterdrückung ihrer Individualität führen.
Darstellung dieses Frauenbildes in La Casa de Bernarda Alba: Anhand des Dialogs zwischen Adela und Martirio wird analysiert, wie die Protagonistinnen innerhalb des Systems zwischen privatem Glück und der erzwungenen Unterordnung unter den Ehrenkodex zerrieben werden.
Schluss: Das Fazit resümiert, dass im dörflichen Spanien der 1920er Jahre das seelische Wohl der Frau hinter die starren Gesetze der Ehre und gesellschaftliche Akzeptanz zurücktreten musste.
Schlüsselwörter
Federico García Lorca, La Casa de Bernarda Alba, spanisches Frauenbild, Ehrenkodex, Machismo, Unterdrückung, gesellschaftliche Normen, Individualität, Martirio, Adela, Familienehre, patriarchale Strukturen, 20er Jahre Spanien, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das traditionelle Bild der Frau in der spanischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts am Beispiel des Dramas von Federico García Lorca.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Ehrenkodex, der Machismo, die Unterdrückung weiblicher Sexualität und die daraus resultierenden sozialen Spannungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, wie der in der Gesellschaft verankerte Ehrenkodex die Handlungsspielräume der Protagonistinnen einschränkt und welche fatalen Folgen ein Ausbruch aus diesen Normen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Textes durch, wobei er insbesondere die Kommunikationssituation in der letzten Szene des Stücks betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet zunächst die theoretischen Grundlagen des spanischen Frauenbildes und analysiert anschließend die psychologischen und gesellschaftlichen Konflikte zwischen den Schwestern Martirio und Adela.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ehrenkodex, individuelle Freiheit, patriarchale Gesellschaft, Rollenkonflikte und die Analyse dramatischer Werke.
Wie steht Martirio zu den Ehrgesetzen?
Martirio fungiert als Verfechterin des "maniatischen Ehrbegriffs", indem sie ihre eigenen Wünsche unterdrückt und das System durch die Durchsetzung der Regeln gegen ihre Schwester verteidigt.
Warum versucht Bernarda die Wahrheit über Adela zu verschweigen?
Bernarda Alba versucht durch die Behauptung, ihre Tochter sei als Jungfrau gestorben, die Familienehre wiederherzustellen und den gesellschaftlichen Schein zu wahren.
- Arbeit zitieren
- Andreas Burger (Autor:in), 2012, Das traditionelle spanische Frauenbild in Federico García Lorcas La Casa de Bernarda Alba, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/191447