Während des 30-jährigen Krieges wurden in Europa Kämpfe um die Religionsfrage ausgefochten, welche gleichzeitig an das europäische Mächtegleichgewicht gekoppelt waren. Das katholische Haus Habsburg, das über die kaiserliche Krone verfügte und zudem den spanischen Königsthron inne hatte, rang mit Frankreich, den Niederlanden, Schweden und Dänemark um die politische Vormachtstellung.
Im Jahr 1624 konzentrierten sich die spanischen Kräfte auf das befestigte Städtchen Breda in den südlichen Niederlanden. Diese strebten nun schon seit fast einem halben Jahrhundert die territoriale und konfessionelle Unabhängigkeit an. Tatsächlich konnte Breda ein knappes Jahr der Belagerung der spanischen Truppen, die von Spaniens fähigstem General und Ingenieur Ambrosio Spinola geführt wurden, stand halten. Da die Vorräte jedoch erschöpft waren, erklärte Justin von Nassau, ein berühmter General auf holländischer Seite, die Kapitulation Bredas zum 5. Juni 1625. Bemerkenswert ist dabei, dass Spinola den Niederländern einen ehrenvollen Abzug gewährte, indem er seiner Armee Respektlosigkeiten gegenüber den Einwohnern beziehungsweise die Plünderung der Stadt untersagte.1 Ein Bericht von Antwerpen von 1629 erzählt: „Er begrüßte und umarmte den Kommandanten von Nassau mit freundlichem Blick und rühmte mit noch freundlicheren Worte die Tapferkeit der Verteidigung“.
Von einer Schlüsselübergabe, wie sie in Velazquez‘ Werk „Die Übergabe von Breda“, auch genannt „Las Lanzas“, dargestellt ist, gibt es keine Berichte oder Beweise. Doch verewigte er dadurch eine ganz andere entscheidende Tatsache in seinem heute als erstes reines Historienbild bekannten Werk. In dieser richtungsweisenden Schlacht zwischen Spanien und den Niederlanden sowie dessen Ende standen sich zwei der fähigsten Generäle ihrer Zeit gegenüber, was sich nicht nur in ihren militärischen Fähigkeiten ausdrückte, sondern auch durch ihre Menschlichkeit bemerkbar gemacht haben soll. Genau diese Eigenschaften schätzten die Menschen, besonders im katholischen Spanien. Denn man sah die christlichen Eigenschaften wie Nächstenliebe und menschliche Größe durch die Kriegswirren eher verblasst und brachte daher der Nachsicht Spinolas um so mehr Anerkennung entgegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Hintergründe
3. Die Bildgestaltung
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit analysiert Diego Velázquez’ Historienbild „Die Übergabe von Breda“ (auch bekannt als „Las Lanzas“) hinsichtlich seiner historischen Einbettung, der künstlerischen Komposition und der Darstellung zwischenmenschlicher Versöhnung im Kontext des 30-jährigen Krieges.
- Historischer Kontext der Belagerung von Breda 1624/1625
- Analyse der Rolle von Ambrosio Spinola und Justin von Nassau
- Gestaltungsmittel und Bildaufbau des Werkes
- Die Darstellung von Menschlichkeit als Kontrast zu militärischer Gewalt
- Velázquez’ Position als Hofmaler und seine künstlerische Intention
Auszug aus dem Buch
Die Bildgestaltung
Das Gemälde „Die Übergabe von Breda“ teilt sich in drei Zonen im Bildaufbau: Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Der Vordergrund liegt dem Betrachter auf Augenhöhe auf einem Hügel, wo sich die beiden Generäle in der Mitte des Bildes begegnen und, bezeugt von ihren Truppen, die Schlüsselübergabe vollziehen. Der Hintergrund macht dabei der eigentlichen Stadt Breda Platz, die sich im Tal befindet. Verbunden werden die Bildteile durch den Mittelgrund. Hier sind die von rechts kommenden holländischen Truppen und die Bevölkerung Bredas zu sehen, welche gerade friedlich die Stadt verlassen.
Diese drei Bildreihen unterteilen das Gemälde in der Waagerechten und schaffen durch ihre Kombination mit individuell gestalteten Licht- und Schattenreflexen und einem farcettenreichen Farbauftrag den Effekt von Tiefe und Bewegung. Unterstützt wird der optische Zusammenhalt durch etliche Diagonalen und senkrechte Achsen.
Auf der linken Seite im Vordergrund stehen die Holländer. Sie sind zu neunt, wie die Spanier auf der rechten Seite, wirken locker, etwas schlicht und ihre plumpen Lanzen ragen ungeordnet in die Luft. Sie alle blicken auf das Geschehen vor ihnen, wo Nassau aus ihrer Mitte tritt und sich Spinola zuwendet. Eindeutig ist aus ihrer Haltung Erleichterung abzulesen, neben vielen anderen wunderbar wiedergegebenen Seelenzuständen. So wie Velázquez auf der Seite der Spanier, blickt ein Soldat mit geschultertem Gewehr den Betracher direkt an. Beide rahmen damit die Szene ein und der Bildbetrachter wird unweigerlich mit einbezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund des 30-jährigen Krieges und der Belagerung von Breda sowie die besondere Bedeutung des Gemäldes als frühes Beispiel eines reinen Historienbildes.
2. Die Hintergründe: Hier werden die Entstehungsumstände des Bildes für den Salón de los Reinos im Palas Buen Retiro sowie die Absichten des Malers und die Auswahl der dargestellten Charaktere beleuchtet.
3. Die Bildgestaltung: Das Kapitel analysiert den dreizonigen Bildaufbau, die symbolische Bedeutung der Lanzen, die Lichtführung sowie die psychologische Darstellung der Interaktion zwischen den Generälen.
4. Resümee: Das Schlusskapitel fasst zusammen, warum das Werk als richtungsweisend für die Historienmalerei gilt und wie Velázquez trotz seiner Rolle als Hofmaler eine menschliche Dimension der Versöhnung festhielt.
Schlüsselwörter
Diego Velázquez, Las Lanzas, Die Übergabe von Breda, Historienbild, 30-jähriger Krieg, Ambrosio Spinola, Justin von Nassau, Bildkomposition, Kunstgeschichte, Salón de los Reinos, Malerei, Breda, Spanien, Niederlande, Historienmalerei
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der ikonographischen und kompositorischen Analyse des Gemäldes „Die Übergabe von Breda“ von Diego Velázquez im Kontext der politischen und künstlerischen Rahmenbedingungen des 17. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Aufarbeitung des militärischen Konflikts, der formalen Bildanalyse der dreizonigen Komposition und der Interpretation der dargestellten menschlichen Interaktionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Velázquez durch seine realistische Darstellung und den Fokus auf Menschlichkeit und Versöhnung ein neues Verständnis für Historienbilder schuf, das über bloße heroische Schlachtendarstellungen hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Berichte, einer formalen Bildbetrachtung und dem Vergleich mit anderen Werken der Epoche basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der historischen Hintergründe der Auftragserteilung, die Rolle des Hofmalers sowie die detaillierte Beschreibung der künstlerischen Mittel wie Perspektive, Farbgebung und Personendarstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Historienmalerei, Velázquez, Breda, Spinola, Nassau, Bildaufbau, 30-jähriger Krieg und künstlerische Versöhnungsdarstellung.
Warum wird das Gemälde als erstes "reines Historienbild" bezeichnet?
Das Werk wird so bezeichnet, da es auf mythologische oder rein allegorische Überhöhungen verzichtet und stattdessen den Fokus auf eine historisch greifbare, psychologisch authentische Situation legt.
Welche Rolle spielen die titelgebenden „Lanzas“ (Lanzen) im Bildaufbau?
Die Lanzen fungieren als strukturierendes Element, das wie eine Mauer den Bildraum gliedert, die Überlegenheit der spanischen Armee betont und gleichzeitig den Blick auf den Hintergrund mit der Stadt Breda steuert.
- Quote paper
- Cosima Göpfert (Author), 2008, Velazquez‘ Werk „Die Übergabe von Breda“, auch genannt „Las Lanzas“. Hintergründe und Bildanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190689