Im Zuge der immer weiter heran schreitenden Globalisierung, vom Unternehmen zum Konzern, in einer Welt der Arbeitsteilung, in der Prozesse über den Gewinn oder Ver-lust entscheiden, sind Verrechnungspreise auch Transfer Prices genannt ein, wichtiger Erfolgsfaktor. Verrechnungspreise stehen im Fokus, wenn Unternehmen im Konzern-verbund agieren sowie im Einzelunternehmen. Die Aufteilung von Gewinnen und Ver-lusten in Abhängigkeit der verschiedenen länderspezifischen Regelungen und Besteue-rungen hinsichtlich der Steueroptimierung stellen eine Herausforderung dar. Desweite-ren sind Verrechnungspreise nicht nur aus steuerlichen Gesichtspunkten in Bezug auf die Einkunftsabgrenzung nach Ihrer Funktion wichtig. Zudem dienen auch diese in be-triebswirtschaftlicher Sicht als Planung- und Koordinationsinstrument. Dadurch, dass Verrechnungspreise die Anforderung haben externe und interne Funktionen zu erfüllen, kann es zu Zielkonflikten kommen. Konzerne und einzelne Unternehmen sind meistens in ergebnisverantwortliche Divisionen organisiert, damit eine dezentrale Planung und Steuerung durch die Bereichsmanager möglich wird. In diesem Sinne stellen Verrech-nungspreise ein Koordinationsinstrument dar, das versucht einen fiktiven Marktmecha-nismus im Unternehmen zu erzeugen . Dienstleistungen und Güter im Wertschöpfungs-prozess zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen bzw. Konzernunternehmen müssen bewertet werden, damit diese Leistung den einzelnen Leistungseinheiten zuge-rechnet werden kann. Durch die Bewertung von Leistungen ergibt sich der Erfolg einer Leistungseinheit. Daraus lässt sich ableiten, dass die Erfolgsermittlungsfunktion von signifikanter Bedeutung ist und zudem zu Konflikten innerhalb der Unternehmen führen kann. Außerdem ist zu bemerken, dass theoretische Ansätze eine hohe Diskrepanz zu den in der Praxis angewendeten Methoden zur Verrechnungspreisermittlung aufweisen. In der Praxis lässt sich beobachten, dass die Gesamtunternehmenssicht tendenziell verloren geht und Profit Center –Denken bzw. Bereichsdenken in den Vordergrund rückt. Der Ursprung dieser Problematik sind Zielvereinbarungen, die oft an quantitativen Ergebnissen gekoppelt werden. Diese lassen den Gesamtwertschöpfungsprozess außer Acht. Aus dieser Problematik lässt sich erkennen, dass die Steuerung und Planung mit Hilfe von Verrechnungspreisen und die Anwendung in der Praxis für Unternehmen eine besondere Herausforderung darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Seminararbeit
1.2 Definition: Verrechnungspreis
2. Grundlagen und Funktionen von Verrechnungspreisen
2.1. Koordination
2.2. Erfolgsermittlung
2.3. Zielkonflikte
2.4. Sonstige Funktionen
2.5. Steuerrechtliche Rahmenbedingungen
3. Heraus- und Anforderungen bei der Bildung von Verrechnungspreisen
3.1. Marktpreisorientierte Verrechnungspreise
3.2. Kostenorientierte Verrechnungspreise
3.3. Zweistufiger Verrechnungspreis
3.4. Verhandelbare Verrechnungspreise
4. Ermittlungsmethoden von Konzernverrechnungspreisen
4.1. Transaktionsbasierte Methoden
4.2. Gewinnbasierte Methoden
5. Verrechnungspreise in der Praxis
5.1. Rahmenbedingungen
5.2. Einsatz in der Praxis
5.3. Dokumentation
5.4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht die Bedeutung von Verrechnungspreisen als zentrales Instrument für die Planung, Koordination und Erfolgsermittlung in divisionalen Organisationsstrukturen und Konzernen, wobei insbesondere die Diskrepanz zwischen theoretischen Ansätzen und der praktischen Anwendung sowie die steuerrechtlichen Anforderungen beleuchtet werden.
- Grundlagen und Funktionen von Verrechnungspreisen im Unternehmensverbund
- Methodische Ansätze zur Verrechnungspreisbildung (markt-, kosten- und verhandlungsorientiert)
- Herausforderungen bei der Ermittlung von Konzernverrechnungspreisen
- Praxisbezogene Umsetzung und Dokumentationspflichten
- Steuerrechtliche Rahmenbedingungen und der Fremdvergleichsgrundsatz
Auszug aus dem Buch
3.1. Marktpreisorientierte Verrechnungspreise
Verrechnungspreise können aus verschiedenen Perspektiven berechnet werden. Eine Perspektive ist die Verrechnungspreisbildung auf der Basis von Marktpreisen. Marktpreisorientierte Ansätze stützen sich auf eine dezentrale Organisationsstruktur mit autonomen Abteilungen bzw. Divisions. Die Theorie der marktpreisorientierten Verrechnungspreisbildung setzt voraus, dass die Bedingungen des vollkommenden Marktes im Unternehmen entsprechen. Für eine marktpreisorientierte Verrechnungspreisbestimmung sollten folgende Bedingungen eintreffen:
• Existieren eines Marktes für das Zwischenprodukt oder ein Substitut
• Unternehmensbereiche können den Marktpreis nicht beeinflussen
• Existieren eines einheitlichen Marktpreises
• Keine Beeinträchtigung des Marktpreises durch kurzfristige Preisgestaltung z.B. Kampfpreise
Treffen die genannten Merkmale zu oder sind fast erfüllt, dann kann der Marktpreis zur Bestimmung des Verrechnungspreises genutzt werden. Ein Zitat von den renommierten Professoren Robert Newton Anthony und Vijay Govindarajan von der Havard Business School lautet „If the market price exists[…] use it.“(Anthony, Dearden und Govindarajan, 1992).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Verrechnungspreisen als Erfolgsfaktor im Kontext der Globalisierung und Arbeitsteilung, inklusive der Zielsetzung der Arbeit.
2. Grundlagen und Funktionen von Verrechnungspreisen: Darstellung der internen Koordinations- und Erfolgsermittlungsfunktionen sowie steuerrechtlicher Rahmenbedingungen.
3. Heraus- und Anforderungen bei der Bildung von Verrechnungspreisen: Analyse verschiedener Preissysteme wie markt- und kostenorientierte Ansätze sowie zweistufige und verhandelbare Verrechnungspreise.
4. Ermittlungsmethoden von Konzernverrechnungspreisen: Erläuterung transaktionsbasierter und gewinnbasierter Methoden zur Bestimmung von Verrechnungspreisen im internationalen Konzernumfeld.
5. Verrechnungspreise in der Praxis: Bewertung der theoretischen Ansätze nach ihrer tatsächlichen Anwendbarkeit sowie Diskussion von Dokumentationsanforderungen und Praxisbeispielen.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreis, Controlling, Konzern, Koordination, Erfolgsermittlung, Transfer Prices, Fremdvergleichsgrundsatz, Marktpreis, Kostenorientierung, Gewinnermittlung, Steueroptimierung, OECD-Richtlinien, Profit-Center, Dokumentation, Unternehmenssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Planung und Steuerung von Unternehmen und Konzernen durch Verrechnungspreise sowie die damit verbundenen Herausforderungen in der Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Funktionen von Verrechnungspreisen, den verschiedenen Ermittlungsmethoden und der Anwendung im Unternehmensalltag unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Anwendung von Verrechnungspreisen zu schaffen und aufzuzeigen, wie diese zur Steuerung von dezentralen Einheiten eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung basierend auf Fachliteratur und aktuellen Studien, die durch eine praxisorientierte Analyse ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Methoden der Verrechnungspreisbildung sowie deren praktische Implementierung und Dokumentation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Verrechnungspreis, Controlling, Koordination, Erfolgsermittlung und Fremdvergleichsgrundsatz beschreiben.
Warum entstehen bei Verrechnungspreisen oft Zielkonflikte?
Zielkonflikte entstehen vor allem zwischen der Koordinationsfunktion (Anreize schaffen) und der Erfolgsermittlungsfunktion (verursachungsgerechte Zurechnung), da ein für die Koordination optimaler Preis oft nicht die tatsächliche Profitabilität eines Bereichs widerspiegelt.
Welche Bedeutung hat der Fremdvergleichsgrundsatz?
Dieser Grundsatz ist zentral für die steuerliche Akzeptanz von Verrechnungspreisen im internationalen Konzernumfeld, um Gewinnverschiebungen in Niedrigsteuerländer zu verhindern.
Wie unterscheidet sich die Praxis von der Theorie?
In der Praxis dominieren oft vollkostenorientierte Ansätze, während die Theorie teils marktorientierte Mechanismen bevorzugt, die jedoch in der Realität aufgrund fehlender vollkommener Märkte schwer umsetzbar sind.
Gibt es eine allgemeingültige Best-Practice-Lösung?
Nein, die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass es keine einheitliche Best-Practice-Lösung gibt, da das Verrechnungspreissystem immer individuell an die jeweilige Organisation angepasst werden muss.
- Quote paper
- Christian Boenigk (Author), 2011, Planung und Steuerung mit Verrechnungspreisen - Herausforderungen und Umsetzung in der Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190393