„Immer wieder lässt sich beobachten, daß Mitglieder von Gruppen, die im Hinblick auf ihre Macht anderen, interdependenten Gruppen überlegen sind, von sich glauben, sie seien im Hinblick auf ihre menschliche Qualität besser als die anderen“ (Elias 1993, S. 7).
Dieses von Norbert Elias beschriebene soziologische Phänomen äußert sich in Fremdenfeindlichkeit, dem Thema der vorliegenden Hausarbeit. Es tritt immer dann auf, wenn Neuzugänge auf eine etablierte Gruppe treffen. Viele soziologische Klassiker haben sich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt.
Als Basis für die Hausarbeit habe ich die Theorien von Georg Simmel, im speziellen seine Ausführungen zum „Exkurs über den Fremden“ und Norbert Elias Theorien über „Etablierte und Außenseiter“ ausgewählt. Danach werde ich einen Bezug zum Fremden und zur Fremdenfeindlichkeit im modernen Europa ziehen sowie zur Aktualität der beiden Theorien Stellung nehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Fremde
2.1. Der Fremde als „Form der Vergesellschaftung“ von Georg Simmel
2.2. Der Fremde als „Marginal Man“ von Robert E. Park
2.3. Der Fremde aus sozialpsychologischer Sicht von Alfred Schütz
2.4. Der Fremde im modernen Europa
3. Fremdenfeindlichkeit
3.1. Die Figuration „Etablierte und Außenseiter“ von Norbert Elias und John L. Scotson
3.1.1. Vorstellung der Untersuchung in „Winston Parva“
3.1.2. Die Theorie zur Etablierten-Außenseiter-Figuration
3.1.3. Kritik und Erweiterungen der Theorie
3.2. Fremdenfeindlichkeit im modernen Europa
3.3. Hoffnung Zivilisierung
4. Zur Aktualität der Theorien von Georg Simmel und Norbert Elias
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe von Fremdenfeindlichkeit durch eine vergleichende Analyse der Theorien von Georg Simmel und Norbert Elias, um Mechanismen der Ausgrenzung gegenüber Fremden und Zuwanderern in der modernen Gesellschaft aufzuzeigen.
- Analyse des Fremdenbegriffs bei Simmel, Park und Schütz.
- Untersuchung der Etablierten-Außenseiter-Figuration nach Elias und Scotson.
- Diskussion von Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung im modernen Europa.
- Reflektion über Zivilisierungsprozesse und die Aktualität klassischer soziologischer Theorien.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Vorstellung der Untersuchung in „Winston Parva“
Anlass für die Untersuchung war ein Auftrag, in dem festgestellt werden sollte, warum die Delinquenzrate in einem Viertel im Vergleich zu den beiden anderen Vierteln höher war. Dabei handelte es sich um Zone 3, ein Viertel in dem besonders viele Fremde lebten. Die Untersuchungsmethode war teilnehmende Beobachtung.
Winston Parva hatte zum Untersuchungszeitpunkt in den 50er Jahren ca. 5000 Einwohner und war in drei Zonen aufgeteilt. In Zone 1 wohnte die wohlhabende Bevölkerung, die Mittelklasse. Zone 2, die älteste Zone, war ein Arbeiterviertel und wurde „das Dorf“ genannt, deren Bewohner „die Dörfler“. Zone 3 war ebenfalls ein Arbeiterviertel, die Bewohner gehörten derselben sozialen Schicht an, wie die Bewohner der Zone 2. Die Zone wurde erst 50 Jahre nach der Gründung von Winston Parva in den 30er Jahren von Zuwanderern besiedelt. Diese kamen kriegsbedingt aus verschiedenen Teilen Englands, um in den dortigen Fabriken zu arbeiten. Die Zone 3 wurde „die Siedlung“ genannt, deren Bewohner „die Siedler“, welche zum Untersuchungszeitpunkt seit ca. 20 Jahren dort wohnten. Zone 3 wurde von den Einheimischen als schmutzig empfunden, deshalb nannten sie sie auch „die Rattengasse“. Erstaunlich war, dass sich nicht vorrangig der Mittelstand gegenüber der Arbeiterklasse überlegen fühlte, sondern auch die Bewohner der Zone 2 gegenüber den Siedlern der Zone 3. Zone 1 und 2 verbündete sich also und bildeten in Elias Figuration „die Etablierten“, Zone 3 „die Außenseiter“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Phänomens Fremdenfeindlichkeit und stellt die theoretische Basis durch die Arbeiten von Georg Simmel und Norbert Elias vor.
2. Der Fremde: Dieses Kapitel analysiert verschiedene soziologische Definitionen des Fremden, unter anderem als „Form der Vergesellschaftung“ bei Simmel, als „Marginal Man“ bei Park und aus sozialpsychologischer Sicht bei Schütz.
3. Fremdenfeindlichkeit: Das Hauptkapitel behandelt die Figuration „Etablierte und Außenseiter“ anhand der Fallstudie „Winston Parva“, diskutiert Mechanismen der Stigmatisierung und überträgt diese auf aktuelle Entwicklungen im modernen Europa.
4. Zur Aktualität der Theorien von Georg Simmel und Norbert Elias: Dieses Kapitel reflektiert, inwieweit die klassischen Theorien heute noch zur Erklärung von Ausgrenzungsprozessen und gesellschaftlichen Konflikten beitragen können.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Verantwortung des Einzelnen sowie die Notwendigkeit gewaltfreier Konfliktlösungen in einer sich globalisierenden Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Georg Simmel, Norbert Elias, Etablierte und Außenseiter, Figuration, Migration, Stigmatisierung, Zivilisierungsprozess, Winston Parva, Integration, Vorurteile, soziale Ungleichheit, Ausgrenzung, Machtbalance, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht soziologische Ursachen für Fremdenfeindlichkeit, indem sie klassische Theorien von Georg Simmel und Norbert Elias auf das Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern anwendet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das soziale Konstrukt des „Fremden“, Prozesse der Stigmatisierung, Machtverhältnisse zwischen Gruppen sowie die Dynamiken von Migration und Zivilisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die theoretischen Ansätze von Simmel und Elias zu verstehen, wie und warum fremdenfeindliche Reaktionsmuster entstehen und wie diese im modernen europäischen Kontext einzuordnen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse soziologischer Klassiker sowie die Fallstudien-Methode (speziell die Untersuchung „Winston Parva“), um soziologische Muster zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst verschiedene Definitionen des Fremden diskutiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der „Etablierten-Außenseiter-Figuration“, die auf Fallbeispiele im modernen Europa angewendet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fremdenfeindlichkeit, Etablierte und Außenseiter, Stigmatisierung, soziale Figuration und Zivilisierungsprozesse charakterisiert.
Was genau beschreibt die „Etablierten-Außenseiter-Figuration“ nach Elias?
Sie beschreibt ein soziologisches Muster, bei dem eine alteingesessene Gruppe ihre Machtposition festigt, indem sie Neuankömmlinge pauschal stigmatisiert und als minderwertig darstellt, unabhängig von tatsächlichen objektiven Unterschieden.
Wie bewertet die Autorin die Aktualität der Theorien?
Die Autorin sieht Simmels Fremdenbegriff als nur noch teilweise passend, bewertet Elias' Analysen zur Figuration jedoch als von „frappierender Aktualität“ für das Verständnis heutiger Ausgrenzungsprozesse.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Verantwortung des Einzelnen?
Die Autorin betont, dass gesellschaftliche Konflikte zwar als „vorprogrammiert“ in bestimmten Figurationen erscheinen mögen, der Einzelne jedoch nicht von der Verantwortung für sein Handeln entbunden ist und der Ausgrenzung bewusst entgegenwirken kann.
- Arbeit zitieren
- Andrea Dellitsch (Autor:in), 2010, Soziologische Hintergründe für Fremdenfeindlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/190269