Rechnungen dienen den Historikern aller Epochen als Quellen für eine Vielzahl von Untersuchungsgegenständen. Dabei ist der Begriff an sich – zumindest in der heutigen Anwendung – ein relativ klar zu umreißender, das dtv-Lexikon definiert ihn beispielsweise so: „die dem Käufer einer Ware oder Dienstleistung vom Verkäufer überreichte Mitteilung über Menge, Art u. Preis der Ware oder Leistung u. die Zahlungsbedingungen.“ Für die Mediävistik ist dieser Begriff jedoch – wie sich im Verlauf dieser Hausarbeit zeigen wird – zu eng umrissen, vielmehr werden alle Arten von heute wohl eher als „Abrechnungen“ bezeichneten Quellen unter dem mittelalterlichen Rechnungsbegriff zusammengefasst. Mittelalterliche Rechnungen dienen den Mediävisten in vielen Bereichen und Fragestellungen als hilfreiche Quellen. So beschäftigte sich das Seminar, in dessen Rahmen diese Hausarbeit entstand, unter anderem mit Aufsätzen über Aspekte des adligen Lebens , dem Lebensmittelkonsum auf Reisen und der Organisation eines niederrheinischen Fürstenhofs .
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll nicht adliges, sondern städtisches Leben im Mittelpunkt stehen. Sie befasst sich mit den mittelalterlichen Rechnungen der Hansestadt Braunschweig. In einem ersten Teil wird dazu in einem Forschungsüberblick auf das bekannte mittelalterliche Rechungsmaterial Braunschweigs eingegangen. Dabei werden sowohl bekannte Rechnungsbestände benannt als auch deren Aussagekraft im Bezug auf unterschiedliche historische Fragestellungen anhand von Beispielen aus der Forschungsliteratur verdeutlicht. In einem zweiten Schritt stehen dann die in der zweiten und dritten Abteilung der Hanserecesse verzeichneten und im Anhang der Hausarbeit abgedruckten Auszüge aus den Braunschweiger Stadtrechnungen im Mittelpunkt. Sie umfassen die Jahre 1431 bis 1530 – teilweise aber mit erheblichen zeitlichen Lücken zwischen den einzelnen Jahren. Mit ihrer Hilfe sollen unter anderem die Beziehungen der Stadt Braunschweig zur Hanse, der Beteiligung Braunschweigs an den Hansekriegen, aber auch das Gesandtenwesen der mittelalterlichen Hansestadt verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Forschungsüberblick
2. Braunschweiger Außenpolitik in den Braunschweiger Stadtrechnungen
a) Ausgaben für Städteversammlungen in Braunschweig
b) Ausgaben für Gesandte
c) Kriegsausgaben
d) Zusammenfassung
III. Ergebnisse
A. Auszüge aus den Braunschweiger Stadtrechnungen (Hanserecesse)
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die mittelalterlichen Stadtrechnungen der Hansestadt Braunschweig, um Erkenntnisse über städtisches Leben, Außenpolitik und die Beteiligung an historischen Ereignissen wie Hansekriegen zu gewinnen, wobei die methodische Herangehensweise die Analyse von Rechnungsbeständen und deren Aussagewert in der Forschung fokussiert.
- Analyse des mittelalterlichen Rechnungsbestands der Hansestadt Braunschweig
- Untersuchung der außenpolitischen Beziehungen Braunschweigs anhand von Stadtrechnungen
- Rolle und Finanzierung des Gesandtenwesens im Spätmittelalter
- Beteiligung der Stadt an kriegerischen Konflikten und deren finanzielle Abbildung
- Bewertung der Aussagekraft von Rechnungsbüchern als historische Quelle
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Rechnungen dienen den Historikern aller Epochen als Quellen für eine Vielzahl von Untersuchungsgegenständen. Dabei ist der Begriff an sich – zumindest in der heutigen Anwendung – ein relativ klar zu umreißender, das dtv-Lexikon definiert ihn beispielsweise so: „die dem Käufer einer Ware oder Dienstleistung vom Verkäufer überreichte Mitteilung über Menge, Art u. Preis der Ware oder Leistung u. die Zahlungsbedingungen.“ Für die Mediävistik ist dieser Begriff jedoch – wie sich im Verlauf dieser Hausarbeit zeigen wird – zu eng umrissen, vielmehr werden alle Arten von heute wohl eher als „Abrechnungen“ bezeichneten Quellen unter dem mittelalterlichen Rechnungsbegriff zusammengefasst. Mittelalterliche Rechnungen dienen den Mediävisten in vielen Bereichen und Fragestellungen als hilfreiche Quellen. So beschäftigte sich das Seminar, in dessen Rahmen diese Hausarbeit entstand, unter anderem mit Aufsätzen über Aspekte des adligen Lebens, dem Lebensmittelkonsum auf Reisen und der Organisation eines niederrheinischen Fürstenhofs.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den weiteren Rechnungsbegriff der Mediävistik und führt in die Thematik der mittelalterlichen Stadtrechnungen Braunschweigs ein.
II. Hauptteil: Der Hauptteil bietet zunächst einen Forschungsüberblick zu den Archivbeständen und widmet sich dann intensiv der Braunschweiger Außenpolitik, dem Gesandtenwesen und Kriegsausgaben.
III. Ergebnisse: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die städtischen Einnahmen und Ausgaben zusammen und betont die Notwendigkeit, Rechnungen mit anderen Quellen zu ergänzen.
A. Auszüge aus den Braunschweiger Stadtrechnungen (Hanserecesse): Dieser Anhang dokumentiert zahlreiche, teils kommentierte Auszüge aus den Stadtrechnungen von 1431 bis 1530.
Schlüsselwörter
Mittelalterliche Rechnungen, Braunschweig, Hansestadt, Stadtgeschichte, Finanzverwaltung, Außenpolitik, Gesandtenwesen, Hanserecesse, Kriegsausgaben, Stadtrechnungen, Archivbestände, Mittelalter, Stadtarchiv Braunschweig, Handelsgeschichte, Städtetag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den mittelalterlichen Rechnungen der Stadt Braunschweig und analysiert deren Potenzial als historische Quelle für verschiedene Lebensbereiche und politische Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Finanzverwaltung der Stadt, die Braunschweiger Außenpolitik, das Gesandtenwesen sowie die städtischen Ausgaben für Kriege und Bündnisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Aussagewert von Rechnungsbüchern für historische Fragestellungen zu evaluieren und aufzuzeigen, wie sie zur Rekonstruktion städtischer Außenbeziehungen beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quellenkritische Analyse der im Stadtarchiv Braunschweig vorhandenen Bestände sowie der edierten Auszüge in den Hanserecessen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Forschungsüberblick zu den Quellen und eine detaillierte Untersuchung der Außenpolitik, unterteilt in die Kosten für Städtetage, Gesandtschaften und Kriegsausgaben.
Wie lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist eine historische Quellenstudie, die durch die Verwendung von Originalrechnungen einen tiefen Einblick in die administrative und politische Praxis des spätmittelalterlichen Braunschweigs bietet.
Was ist die Bedeutung des „Krichwerks“ in den Rechnungen?
Die Rubrik „Krichwerk“ dokumentiert Ausgaben für kriegerische Konflikte, umfasst aber in den Stadtrechnungen häufig auch die Kosten für die Entsendung von Gesandten in diesen Konfliktkontexten.
Was verraten die Rechnungen über das Gesandtenwesen?
Die Rechnungen belegen nicht nur die Reiseziele und die namentlich genannten Gesandten, sondern auch die finanzielle Aufwandsentschädigung, die für diese diplomatischen Missionen gezahlt wurde.
- Quote paper
- Sven-Friedrich Pape (Author), 2011, Mittelalterliche Rechnungen der Stadt Braunschweig , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189999