Verschwörungstheorien existieren schon seitdem es menschliches Zusammenleben gibt. Durch die Verbreitung im Internet haben sie nicht nur an ständiger Aktualität gewonnen, sondern werden auch wesentlich schneller und in viel größerem Ausmaß verbreitet, als dies davor möglich war. Doch gerade durch diese Veränderung in Kombination mit der langen Geschichte von Verschwörern, Verschwörungen und Verschwörungstheorien haben sich Definitionen vermehrt. Die große Variabilität des Themas wirft jedoch die Frage nach einer gelungenen, präzisen Definition auf, die dieser Differenziertheit gerecht wird.
Anhand einer Auswahl der Begriffe ̦Verschwörer̕ und ̦Verschwörung̕ unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Definitionsversuche, werde ich ausgehend von dieser Grundlage den Terminus der Verschwörungstheorien und die im Rahmen der Quellensichtung vorliegenden Definitionen verschiedener Theoretiker und Lexika ausführen und vergleichen.
Im Fazit wird die Frage nach der allgemeingültigsten Definition gestellt und ein eigener Versuch gewagt, eine solche aufzustellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Verschwörer
2. Verschwörung
3. Definitionen von Verschwörungstheorien im Vergleich
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Vielfalt an Definitionen rund um die Begriffe Verschwörer, Verschwörung und Verschwörungstheorie, um angesichts der zunehmenden Verbreitung solcher Theorien im Internet eine präzise und fundierte Begriffsbestimmung zu erarbeiten.
- Historische und soziologische Herleitung von Verschwörungsmythen
- Analyse der Rolle von Verschwörern und dem zugeschriebenen Machtpotenzial
- Untersuchung der Sündenbocktheorie im Kontext von Verschwörungstheorien
- Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Definitionen und Erklärungsansätze
- Erstellung eines eigenen, umfassenden Definitionsvorschlags
Auszug aus dem Buch
1. Verschwörer
Verschwörer oder Konspirateure als Handlungssubjekte einer Verschwörungstheorie arbeiten in Gruppen. Nach der Definition von Marc Lutter handelt es sich dabei um heterogene Verschwörergruppen mit einem „gewissenlosen Drang nach Macht“. Damit wird zugleich unterstellt, dass Verschwörer vorwiegend illegale, schadenstiftende und konkrete Ziele verfolgen und ihnen dabei nahezu jedes Mittel recht ist. Verschwörer arbeiten nach den Behauptungen der meisten Verschwörungstheoretiker nie allein, sondern bestehen teils aus mehreren Menschen bis hin zu ganzen Organisationen. Diese Gruppen und Organisationen handeln in einer „meist geheim geregelte[n] Übereinkunft“. Die Aussage Brian L. Keeleys, bei Verschwörern handele es sich um eine kleine Gruppe von Personen, wird durch viele Verschwörungstheoretiker nicht bestätigt, da beispielsweise auch die CIA oder ganze Geheimbünde als Verschwörer bezichtigt werden, Verschwörer zu sein, und da die eingängige Meinung von enormen Netzwerken ausgeht.
Häufig wird den Verschwörern großes Machtpotenzial zugeschrieben. Ihnen wird unterstellt, mit nahezu unerschöpflichen Mitteln ihre selbst gesetzten Ziele zu erreichen, auch „keinerlei logistische[n] Probleme“ können sie davon abhalten (vgl. totale Verschwörungstheorie, M. Lutter). Laut Dieter Groth zeigt sich bei den Verschwörern ein „konspirationstheoretisches Paradox“, denn Verschwörer sind mächtig und schwach zugleich: einerseits werden sie „perfekt[er], […] potenter, klüger, kompetenter“ als andere Menschen beschrieben, weisen eine hohe Gruppensolidarität auf und sind in der Lage geschichtliche Ereignisse enorm zu beeinflussen, andererseits können sie ihre unermessliche Macht nicht zu ihrem eigenen Nutzen verwenden. Die zugeschriebene Perfektion und Fehlerlosigkeit zeigt nur eine Lücke, nämlich die, dass die Verschwörer enttarnen und ihre bis dato geheimen Machenschaften an die Öffentlichkeit gerieten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Relevanz der Thematik vor dem Hintergrund des Internetzeitalters beleuchtet und das Ziel einer präzisen Definition formuliert.
1. Verschwörer: Das Kapitel befasst sich mit den Akteuren hinter Verschwörungstheorien, ihrer Gruppenstruktur, dem zugeschriebenen Machtpotenzial und dem religiösen Urbild des Teufels.
2. Verschwörung: Hier werden die etymologische Herkunft des Begriffs sowie die grundlegenden Merkmale einer Konspiration, wie Geheimhaltung und Gruppenbildung, erörtert.
3. Definitionen von Verschwörungstheorien im Vergleich: Dieser Abschnitt vergleicht unterschiedliche soziologische und theoretische Ansätze und kritisiert bestehende Lücken in den Erklärungsmodellen.
4. Fazit: Zusammenfassend wird ein eigener, integrierter Definitionsvorschlag für Verschwörungstheorien präsentiert, der die verschiedenen untersuchten Aspekte vereint.
Schlüsselwörter
Verschwörungstheorie, Verschwörer, Konspiration, Sündenbocktheorie, Marc Lutter, Dieter Groth, David Coady, Machtpotenzial, Erklärungsmuster, Definition, Weltverschwörung, Geschichte, Politik, Soziologie, Gruppendynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Verschwörungstheorien und versucht, durch den Vergleich existierender Begriffsbestimmungen zu einer präzisen Definition zu gelangen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Definition von Verschwörern als Akteure, das Wesen der Verschwörung an sich und die wissenschaftliche Einordnung der Theoriebildung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die bestehenden Definitionen kritisch zu hinterfragen und einen eigenen, umfassenden Definitionsvorschlag für Verschwörungstheorien zu entwerfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Quellen- und Literatursichtung verschiedener Theoretiker und Lexika, deren Ansätze miteinander verglichen und kritisch analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Verschwörer, das etymologische Verständnis von Verschwörung und einen detaillierten Vergleich soziologischer und theoriebasierter Definitionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Verschwörungstheorie, Konspiration, Sündenbocktheorie, Machtpotenzial und Erklärungsmuster.
Inwiefern beeinflusst das Internet laut Einleitung die Relevanz dieser Theorien?
Das Internet wird als Katalysator beschrieben, da es die Verbreitung von Verschwörungstheorien beschleunigt und ihren Einfluss auf die Gesellschaft massiv vergrößert hat.
Welches Paradoxon wird bei Verschwörern beschrieben?
Das „konspirationstheoretische Paradox“ besagt, dass Verschwörer einerseits als allmächtig und perfekt dargestellt werden, andererseits aber dennoch als schwach und fehlerhaft erscheinen, wenn ihre Machenschaften enttarnt werden.
Was besagt die Sündenbocktheorie im Kontext der Arbeit?
Sie erklärt, wie Frustration zu aggressivem Verhalten führt, das auf Minderheiten projiziert wird, um von eigenen Problemen oder mangelnder Legitimation abzulenken.
- Arbeit zitieren
- Hannah Weyhe (Autor:in), 2010, Verschwörer, Verschwörungen und Verschwörungstheorien: Definitionen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189892