Durch das Seminar „Der Übergang von der Hauptschule in die berufliche Ausbildung“, welches ich bei Frau Fink besuchte, bekam ich einen ersten Einblick in die Thematik Übergang – berufliche Ausbildung. Das Seminar weckte durch seine abwechslungsreiche Gestaltung mein Interesse, meine Aufmerksamkeit sowie meine Neugier, mehr über diesen Themenbereich zu erfahren. Zudem wurde mir bewusst, dass mich die Thematik als angehende Hauptschullehrerin direkt betrifft. Ich bin für die Gestaltung des Übergangs der Schülerinnen und Schüler von der Hauptschule in eine berufliche Ausbildung mit verantwortlich.
Seit der internationalen und nationalen PISA-Studie sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Blickwinkel der Bundesrepublik Deutschland gerückt. Zudem haben die Ergebnisse auch meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Diese haben eindeutig gezeigt, dass die Bildungsbenachteiligung von Migranten deutlich ausgeprägt ist und ihr relativer Schulmisserfolg über einen längeren Zeitraum stabil bleibt. Es ist daher nicht zu bezweifeln, dass Deutschland ein Problem mit der Chancengleichheit im Bildungssystem hat, welches insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund trifft.
Durch Praktika an verschiedenen Hauptschulen ist mir aufgefallen, dass sich überproportional viele Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Klassen befinden. Aufgrund des direkten Kontaktes mit Migranten setzte ich mich mit Fragen der Bildungsbenachteiligung auseinander und welche Auswirkungen die Herkunft von Jugendlichen auf die Bildungsbiografie der Jugendlichen hat. Daraus leitete sich die Thematik dieser Arbeit ab:
„Bildungsbenachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund untersucht am Beispiel der Bildungsbiografie von Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr.“
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Entwicklung der Migration in Deutschland
3.1 Gastarbeiter
3.2 Asylbewerber und das Asylrecht, Flüchtlinge
3.3 Aussiedler und Spätaussiedler
3.4 Definition: Migration, Migrationshintergrund
3.5 Integration
4. Bildungsdebatte und Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland
4.1 Die Bildungsdebatte der 60er und 70er Jahre
4.2 Bildungsexpansion
5. Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
5.1 Bildungsverhalten in Migrantenfamilien Eine Sekundäranalyse des sozio-ökonomischen Panels
5.2 Erkenntnisse aus PISA
6. Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien im deutschen Schulsystem
6.1 Verteilung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund nach Schulart
6.2 Niveau der Schulabschlüsse
6.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede
6.4 Erklärungsansätze für herkunftsspezifische Bildungsbenachteiligung
7. Zunehmende Chancenungleichheit für junge Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung
7.1 Bildungswege von Hauptschülerinnen und Hauptschülern, der Statusübergang zwischen Schule und beruflicher Ausbildung
7.2 Jugendliche mit Migrationshintergrund auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz
7.3 Ausländische Auszubildende nach Ausbildungsbereichen
7.4 Ausländische Auszubildende nach Geschlecht
7.5 Sinkende Ausbildungschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund – Erklärungsansätze
7.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
8. Berufsbildungssystem Berufsvorbereitungsjahr
8.1 Entwicklungslinie des Berufsborbereitungsjahres
8.2 Aufgaben und Ziele
8.3 Gliederung und Dauer
9. Zusammenfassung
9.1 Fragestellung
10. Methodisches Vorgehen im Überblick
10.1 Definition der Inhaltsanalyse
10.2 Unterscheidungsmerkmale qualitativer und quantitativer Analyse
10.3 Die qualitative Inhaltsanalyse
10.4 Begründung der Auswahl qualitativer Inhaltsanalyse
11. Datenerhebung
11.1 Interviews der Analyse
12.2 Beschreibung der Interviews
12. Datenauswertung
12.1 Grundtechniken qualitativer Inhaltsanalyse
12.2 Datenauswertungsmodell
13. Darstellung der Ergebnisse
13.1 (K1) Einreisealter
13.2 (K2) Erfahrungen entlang der Bildungsbiografie
13.3 (K3) Deutschkenntnisse
13.4 (K4) Funktion der Familie
13.5 (K5) Übergang
13.6 (K6) Berufsorientierung
13.7 (K7) Zukunftsperspektiven
14. Diskussion
15. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund am Beispiel ihrer individuellen Bildungsbiografien und ihres Übergangs in das Berufsvorbereitungsjahr, um die Faktoren zu identifizieren, die den Bildungserfolg und den Zugang zur beruflichen Bildung beeinflussen.
- Entwicklung der Migration in Deutschland
- Bildungsdebatten und Bildungsbenachteiligung
- Bildungsverhalten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
- Herausforderungen beim Übergang von Schule in Beruf
- Qualitative Analyse von Fallbeispielen im Berufsvorbereitungsjahr
Auszug aus dem Buch
Die kulturell-defizitäre Erklärung
Für den mangelnden Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien wurde ihre Herkunft aus vormodernen Gesellschaften als Ursache ausgemacht. Türkische Migranten haben eine traditionelle Haltung zum Wissen, welche autoritativ-sachgebunden ist, dagegen ist die moderne Haltung instrumentell und individualistisch. Demzufolge wird bei Migranteneltern Skepsis und Misstrauen gegenüber der deutschen Schule konstatiert.
Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund reproduzieren entweder die ablehnende Einstellung der Eltern zur Schule oder es findet durch die Selbstplatzierung der Jugendlichen ein Kultur- und Generationenkonflikt statt. Durch die Selbstplatzierung müssten die jungen Migranten ihren Bildungsweg eigenverantwortlich gestalten, hinsichtlich der Vertretung ihrer Interessen gegenüber schulischer Instanzen, ihre Berufs- und Bildungsziele konkretisieren sowie Entscheidungen bezüglich Schulformen und -laufbahnen treffen.
Eine ausreichende Selbstplatzierungsfähigkeit setzt ein gewisses Ausmaß an individueller Modernisierung, Individualisierung und damit Akkulturation voraus und befähigt somit Jugendliche in der deutschen Schule, trotz ihres kulturellen Erbes, erfolgreich zu sein. Durch den längeren Verbleib im deutschen Bildungssystem und die intensivere Auseinandersetzung mit modernen Persönlichkeitsidealen entwickeln die jungen Migranten Grundorientierungen der Lebensgestaltung, wodurch ein Generationenkonflikt entsteht, weil sie sich von den traditionellen Vorstellungen der Eltern entfernen.
Zusammenfassung der Kapitel
3. Entwicklung der Migration in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Migrationsphasen wie Gastarbeiter und Asylsuchende sowie deren Relevanz für die deutsche Gesellschaft.
4. Bildungsdebatte und Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland: Es wird die bildungspolitische Entwicklung der 60er und 70er Jahre beleuchtet, die auf Chancengleichheit zielte, jedoch soziale Ungleichheiten nicht vollständig abbauen konnte.
5. Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem: Hier werden Ergebnisse zur Bildungsbenachteiligung durch Sekundäranalysen und PISA-Daten präsentiert, die den starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg unterstreichen.
6. Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien im deutschen Schulsystem: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten zur Verteilung auf Schularten und die geschlechtsspezifischen Unterschiede, ergänzt um theoretische Erklärungsansätze.
7. Zunehmende Chancenungleichheit für junge Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung: Der Fokus liegt auf dem schwierigen Übergang von der Schule in die duale Ausbildung und den sinkenden Ausbildungschancen für Migranten.
8. Berufsbildungssystem Berufsvorbereitungsjahr: Einführung in die Struktur, Zielsetzung und Entwicklung des Berufsvorbereitungsjahres als Auffangbecken für benachteiligte Jugendliche.
10. Methodisches Vorgehen im Überblick: Darstellung der methodischen Wahl der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Untersuchung der vorliegenden Interviews.
13. Darstellung der Ergebnisse: Interpretation der Fallinterviews in Bezug auf Einreisealter, Bildungsbiografien und Unterstützung durch Familie und Schule.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Migration, Migrationshintergrund, Schulerfolg, Chancengleichheit, Berufsvorbereitungsjahr, Bildungsbiografie, PISA, duale Ausbildung, Qualitative Inhaltsanalyse, Sprachförderung, Bildungsdebatte, Integration, Lehrverhalten, Jugendliche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen und Auswirkungen der Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund innerhalb des deutschen Schul- und Berufsbildungssystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte in Deutschland, historische und aktuelle Bildungsdebatten, die Bedeutung von Sprache für den Bildungserfolg sowie die spezifischen Übergangsprobleme von der allgemeinbildenden Schule in die duale Berufsausbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch eine theoretische Fundierung und eine qualitative Analyse von Fallbeispielen zu ergründen, welche Auswirkungen die Herkunft auf die Bildungsbiografie hat und wie der Übergang in das Berufsvorbereitungsjahr und eine berufliche Ausbildung verläuft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring angewandt, um Interviews mit zwei Jugendlichen mit Migrationshintergrund systematisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen fachwissenschaftlichen Hintergrund über Migration und Bildung sowie einen empirischen Teil, der die Datenerhebung und die systematische Auswertung der Interviews präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Berufsvorbereitungsjahr, Chancengleichheit, Sprachförderung und Bildungsbiografie.
Warum spielt das Berufsvorbereitungsjahr eine besondere Rolle in der Analyse?
Das BVJ dient als zentrale Institution für Jugendliche, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz gefunden haben oder ihre Leistungen verbessern müssen, und bildet somit den Fokus der empirischen Untersuchung zur Integrationsleistung.
Welchen Einfluss hat das Lehrerverhalten laut den Interviewpartnern?
Die interviewten Jugendlichen berichten von Stigmatisierung und mangelnder Unterstützung in der Hauptschule, während sie die Betreuung im BVJ als motivierend und hilfreich erleben.
- Arbeit zitieren
- Katrin Fabritius (Autor:in), 2009, Bildungsbenachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189422