Das Thema meiner Hausarbeit ist ‚Ethik in der Sozialen Arbeit am Beispiel des Schwangerschaftsabbruches‘. Da die Legalisierung des
Schwangerschaftsabbruches eine ethisch brisante und sozialwissenschaftlich relevante Frage ist, möchte ich im Folgenden einige Standpunkte und Erkundungen dazu zusammentragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Zentrale Fragestellungen
1.3 Methodische Vorgehensweise
2 Definitionen
2.1 Schwangerschaftsabbruch
2.2 Ethik
3 Schwangerschaftsabbruch
3.1 Entwicklung und Stand der gesetzlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruches
3.2 Zur Zahl der Schwangerschaftsabbrüche
4 Ethik in der Sozialen Arbeit
4.1 Die berufsethischen Prinzipien des DBSH
4.2 Ethische Theorieansätze - ein Überblick
4.2.1 Deontologische Ethik
4.2.2 Teleologische Ethik (Utilitarismus)
5 Anwendung ethischer Theorieansätze am Beispiel des Schwangerschaftsabbruchs
5.1 Anwendung des deontologischen Theorieansatzes
5.2 Anwendung des teleologischen Theorieansatzes
6 Schlussfolgerungen für die Profession Soziale Arbeit
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Relevanz und Rechtfertigbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen im Kontext der Sozialen Arbeit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Profession zwingend einer ethischen Orientierung bedarf, um in komplexen moralischen Konfliktsituationen kompetent und reflektiert handeln zu können.
- Ethische Grundlagen und Theorieansätze in der Sozialen Arbeit
- Gesetzliche Entwicklung und aktuelle Statistiken zum Schwangerschaftsabbruch
- Berufsethische Prinzipien des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit (DBSH)
- Anwendung von Deontologie und Utilitarismus auf den Schwangerschaftsabbruch
- Reflexion der professionellen Haltung von Sozialarbeitern in Konfliktberatungsstellen
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Deontologische Ethik
Die deontologische Theorie kommt aus dem griechischen, „to deon“ bedeutet das Gesollte, das Notwendige. Diese Theorie „(…) beurteilt eine Handlung im Hinblick auf ihren moralischen Charakter allein danach, ob sie einem anerkannten moralischen Prinzip folgt, gleichgültig welche Auswirkungen z.B. auf menschliches Glück eine solche Handlung hätte.“ Sie stellt also die Absicht einer Handlung in den Vordergrund.
Wichtigstes Beispiel dieser Ethik ist die Lehre Immanuel Kants (1724-1804), mit seiner Definierung des kategorischen Imperativs. Seine Aussage lautet: „Handle so, dass als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte.“ Kants Annahme besteht also darin, dass der Hintergedanke (die Maxime) einer Handlung moralisch ‚gut‘ sein muss, um verallgemeinert die Grundlage für sämtliches gutes Handeln zu sein.
Dieser Hintergedanke ist nun die sogenannte Gesinnung. Deshalb wird diese Ethik auch Gesinnungsethik genannt. Die Gesinnung ist ein individuelles Phänomen, da sie im Gegensatz zur Moral und Sitte nicht kulturell vererbt wird, sondern sich im Kleinkindalter individuell entwickelt. Antrieb der Gesinnung ist das Gewissen, welches auch in diesem Lebensstadium geformt wird. Die Gesinnung rechtfertigt letztendlich eine Entscheidung einer Person. Sie ist ungebunden von dem tatsächlichen Erfolg einer Handlung und hat als einzigen Impuls, dass das Gewissen Gutes tun möchte.
„Die Anwendung der Ethik fällt relativ einfach aus: Der ethisch handelnde Mensch hat seine Gesinnung zu prüfen, und muß (sic!) sich fragen, ob sie auf eine offene Fragestellung eine zufriedenstellende Antwort liefert.“
Daraus ergeben sich sogleich die Konsequenzen dieser Ethik. Es zählt nur die Absicht einer Handlung, der Erfolg, die Folgen und die Nebenfolgen bleiben unberücksichtigt. Die Schuld für den Misserfolg ist in der Umwelt zu suchen. Da die Gesinnung individuell ist, gibt es keine universell gültige Gesinnungsethik.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, Formulierung der Problemstellung, der zentralen Fragestellungen und des methodischen Vorgehens.
2 Definitionen: Begriffliche Klärung der zentralen Termini „Schwangerschaftsabbruch“ und „Ethik“ als Basis für die weitere Untersuchung.
3 Schwangerschaftsabbruch: Übersicht zur historischen Entwicklung der gesetzlichen Regelungen in Deutschland sowie Analyse aktueller statistischer Daten.
4 Ethik in der Sozialen Arbeit: Darstellung der berufsethischen Prinzipien des DBSH und theoretischer Überblick über deontologische und teleologische Ethikansätze.
5 Anwendung ethischer Theorieansätze am Beispiel des Schwangerschaftsabbruchs: Praktische Anwendung der zuvor erläuterten Theorieansätze auf die ethische Bewertung von Schwangerschaftsabbrüchen.
6 Schlussfolgerungen für die Profession Soziale Arbeit: Diskussion der Notwendigkeit ethischer Reflexionskompetenz für die Handlungspraxis der Sozialen Arbeit.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende persönliche Bewertung des Autors zur ethischen Problematik des Schwangerschaftsabbruchs und Resümee der Arbeit.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Schwangerschaftsabbruch, Ethik, Deontologie, Utilitarismus, Moral, DBSH, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, §218, Indikationsregelung, Berufsstand, Beratung, Reflexion, Handlungswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Dimension von Schwangerschaftsabbrüchen im Kontext der Sozialen Arbeit und hinterfragt, ob die Profession eine explizite ethische Orientierung für ihre tägliche Praxis benötigt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Entwicklung des §218, der theoretischen Fundierung durch deontologische und teleologische Ethik sowie der Anwendung dieser Theorien auf die spezifische Praxis der Sozialarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass Soziale Arbeit eine ethische Orientierung benötigt, und zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen ein Schwangerschaftsabbruch ethisch gerechtfertigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen Kenntnisstand (Gesetze, Statistiken) mit ethischen Theorieansätzen verknüpft und diese auf die Handlungspraxis der Sozialen Arbeit reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die Analyse der rechtlichen Historie und Datenlage, die Vorstellung der DBSH-Prinzipien und ethischer Theorien sowie deren Anwendung auf das Beispiel des Schwangerschaftsabbruchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziale Arbeit, Ethik, Schwangerschaftsabbruch, Deontologie, Utilitarismus, Gesinnungsethik und Berufsethik.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Schwangerschaftsabbruchs?
Der Autor positioniert sich kritisch gegenüber der aktuellen Praxis, insbesondere hinsichtlich der Fristenregelung und der Möglichkeiten einer Selektion von Kindern mit Behinderungen, betont jedoch die Notwendigkeit der Hilfe für Frauen in Notlagen.
Welchen Stellenwert nimmt die Gesinnungsethik in der Argumentation ein?
Die Gesinnungsethik wird als zentraler Reflexionsrahmen für Sozialarbeiter genutzt, um zu prüfen, ob das eigene Handeln im Einklang mit dem Gewissen und ethisch reflektierten Werten steht.
Warum wird der Utilitarismus als schwierig für die Bewertung angesehen?
Der Autor argumentiert, dass die teleologische Folgenabwägung oft an Grenzen stößt, da die Interessen aller Betroffenen (einschließlich des Embryos) kaum vergleichbar sind und die langfristigen Folgen einer Entscheidung oft unvorhersehbar bleiben.
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- Gabriele Lorenz (Author), 2011, Ethik in der Sozialen Arbeit am Beispiel des Schwangerschaftsabbruches, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189123