Diese vor Ihnen liegende Hausarbeit beleuchtet die mythisch-historische Figur Malinche, Malintzin oder auch Marina. Die Existenz dieser indigenen Figur ist für die Mexikaner eine Etappe des nationalen Ursprungs, entstanden angesichts des weiblichen Volksverrates, der allerdings aktuell von den Historikern neuuntersucht wird. Seine Rahmenbedingungen verschieben sich, sodass mittlerweile Begriffe wie Opfer, Sklave oder Unschuldige repetitiv den neuen Diskurs skizzieren.
Im Rahmen dieser Arbeit erhellen wir etappenweise den Mythos der Malinche und versuchen in ihr die hybride Gestalt des Cyborgs zu entdecken, begleitet vom Hintergrund der Historie, den uns Señor Bernal Díaz del Castillo anbietet. In diesem Themenhorizont erfolgt ein Auftreten der folgenden Wissenschaftler: den einleitenden Todorov, der in Malinche ein Zeichnen der Interkulturalität sah. Dicht begleitet von Donna Haraway und ihrer Sichtweise über die neue Konstitution der Gesellschaft, wobei in diesem Falle auch auf die Quellen Haraways eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer ist Malinche? – historische Forschung
3. Woher kommt die Erkenntnis über Malinche? - Quellenrahmen
3.1 Wie hat nach Díaz del Castillo Malinche dargestellt? - erste Biografie Malinches
3.2 Was sieht Todorov in Malinche? - Dolmetscher der kulturellen Zeichen
4. Ist Malinche ist der Ur-Cyborg? – Die Verwirklichung des Cyborgmanifestes
4.1. Womit beschäftigt sich die Neuerfindung der Natur von Donna Haraway? – das Manifest für Cyborgs
4.2. Wer ist für Haraway ein Cyborg? – Cherrie Moraga
5. Ist Malinche ein Cyborg der Urhistorie? – Todorovs Bestätigung
6. Schlussfolgerung
7. Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die mythisch-historische Figur Malinche und analysiert, inwiefern sie als hybride Gestalt eines "Cyborgs" im Sinne von Donna Haraway betrachtet werden kann. Dabei wird die historische Rolle Malinches als Dolmetscherin und Vermittlerin zwischen den Kulturen der Eroberer und der indigenen Bevölkerung unter Zuhilfenahme der Theorien von Tzvetan Todorov und Donna Haraway kritisch beleuchtet.
- Mythos und historische Realität der Malinche
- Die semiotische Rolle der Malinche als kulturelle Vermittlerin
- Anwendung des Cyborg-Konzepts auf historische Figuren
- Kritische Analyse des "Malinche-Komplexes"
- Diskursmacht und Identitätskonstruktion durch Sprache
Auszug aus dem Buch
3.2 WAS SIEHT TODOROV IN MALINCHE? - DOLMETSCHER DER KULTURELLEN ZEICHEN
„Die Eroberung Amerikas, Das Problem des Anderen“ entfaltet wirkungsgeschichtlich eine neue Sicht auf die Eroberung Mexikos. Neben der militärischen Überlegenheit der Spanier, dem entscheidunsfeigen Verhalten Moctezumas sowie den innerpolitischer Missverständigung der indigenen Völker, so sind die Tatsachen der Geschichtswissenschaften, stellt Todorov die semiotischen Faktoren in diese Reihe der Gründe des Sieges auf, die Formen der Kommunikation waren ausschlaggebend für den Sieg der Spanier.
Für den Wissenschaftler begegnen sich in dieser Zeit der Kolonialisierung zwei inkongruente Weltbilder; Das erste Imaginationsvermögen mit leitmotivischem Benehmen der Improvisation und Ereignishaftigkeit des Lebens, während die zweite Existenzsicht in einer kausalen Weltordnung an alte Rituale festgebunden scheint. Weitere ausgeprägte Differenz ist die Vorstellung der Zeit: Während die Spanier sich die Zeit linear vorstellen und ihre Lebensauffassung auf Ereignishaftigkeit basiert, denken die Indianer in einem zyklischen System, sodass ihre Ideale in einer repetitiven Weltordnung eingegliedert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die mythisch-historische Figur der Malinche ein und umreißt die Forschungsfrage, ob diese als hybrider Cyborg verstanden werden kann.
2. Wer ist Malinche? – historische Forschung: Dieses Kapitel erörtert die historische Einordnung der Malinche und die Entstehung des sogenannten "Malinche-Komplexes" als Symbol der Unterwürfigkeit.
3. Woher kommt die Erkenntnis über Malinche? - Quellenrahmen: Es werden die primären historischen Quellen und die interpretativen Ansätze von Díaz del Castillo und Todorov vorgestellt.
4. Ist Malinche ist der Ur-Cyborg? – Die Verwirklichung des Cyborgmanifestes: Dieses Kapitel verknüpft die Theorie von Donna Haraway mit der Figur der Malinche und untersucht, inwiefern sie als Cyborg agierte.
5. Ist Malinche ein Cyborg der Urhistorie? – Todorovs Bestätigung: Hier werden Todorovs Ansätze genutzt, um die Rolle Malinches als Vermittlerin in einem transformativ-liminalen Prozess weiter zu untermauern.
6. Schlussfolgerung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Malinche durch ihre hybride Identität und ihre Kontrolle über die Kommunikation als eine Art Ur-Cyborg interpretiert werden kann.
7. Quellenverzeichnis: Auflistung aller verwendeten literarischen und historischen Quellen.
Schlüsselwörter
Malinche, Cyborg, Donna Haraway, Tzvetan Todorov, Conquista, Identität, Interkulturalität, Malinche-Komplex, Kommunikation, Dolmetscherin, Postmoderne, Hybridität, Doña Marina, Semiotik, Kulturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die historische Figur der Malinche und diskutiert die These, dass sie aufgrund ihrer hybriden Identität und ihrer Rolle als Vermittlerin zwischen den Kulturen als eine Form des "Cyborgs" interpretiert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Identitätsfindung Mexikos, feministische Theorieansätze der Postmoderne, semiotische Kommunikationsmodelle und die Dekonstruktion von Machtverhältnissen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Autorin?
Die Autorin untersucht, ob Malinche als "Ur-Cyborg" bezeichnet werden kann, da sie die Grenzen zwischen indigenen und spanischen Weltbildern durch ihre sprachliche Vermittlungstätigkeit maßgeblich verschob.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, die historische Primärquellen mit literaturwissenschaftlichen und feministischen Theorien von Haraway und Todorov kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung thematisiert?
Der Hauptteil behandelt die historische Rolle der Malinche, ihre Darstellung als "Verräterin" bzw. "Vermittlerin" und die Anwendung der Cyborg-Theorie auf ihr Handeln als Übersetzerin während der Eroberung Mexikos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Hybridität, Cyborg, Malinche-Komplex, Interkulturalität und Identitätskrise.
Welchen Stellenwert nimmt der sogenannte "Malinche-Komplex" ein?
Er dient als kritischer Bezugspunkt, um die historische und psychologische Last der Figur in der mexikanischen Identitätsbildung zu verstehen und diese als Ausgangspunkt für eine Neuinterpretation zu nutzen.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Donna Haraway von der von Tzvetan Todorov bezüglich Malinche?
Während Todorov den Fokus auf die semiotische Kompetenz und die Rolle der Malinche als Dolmetscherin innerhalb der historischen Eroberung legt, konzentriert sich Haraway stärker auf die Theorie des Cyborgs, wobei sie Malinche indirekt als Vorbild für eine post-gender Identität bzw. als hybrides Wesen begreift.
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- Marina Greb (Author), 2011, Malinche - Cyborg der Urzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189020