"Unsere Jugendsprache ist obszön, unschön und amerikanisiert - sie zeigt, wie versaut und unappetitlich unsere Kultur geworden ist! Die Jugend hat sich völlig verändert. Vulgäre, obszöne Ausdrücke sind an der Tagesordnung. Das fördern die Medien, die offen mit der Fäkalsprache umgehen. In TV-Shows werden Jugendliche von Leuten wie Dieter Bohlen fertig gemacht. Gleichzeitig kupfern diese 'alten Herren' ihre Sprache von den Jugendlichen ab, weil sie cool sein wollen. Bei mir ist das Wort 'geil' verboten - das Wort ist aufdringlich."
(Powelz 2010)
So lautet die Aussage Götz Georges, der als Kommissar Schimanski vor allem aufgrund seiner rohen Sprachverwendungsweise, bekannt geworden ist. Ein paradoxer Umstand, wenn man die von Fäkal- und Schimpfworten geprägte, Sprache der Figur in den 80er-Jahren bedenkt. Tatsächlich ist seitdem fast ein Viertel Jahrhundert vergangen und „Vulgäre und obszöne Ausdrücke“ sind aus unserer heutigen Medienlandschaft nicht mehr weg zu denken und erst recht keine Randerscheinung mehr, meint der Ex-Tatort-Kommissar.
Wurde Schimanskis Sprache damals noch aufgrund seiner Exzentrik als markiert und durch diesen Umstand gerechtfertigt als Sonderfall gesehen, spricht die deutsche Schauspielerin Mimin Anneke Kim Sarnau auf Nachfrage innerhalb einer Pressekonferenz, bezüglich ihrer von Fluchworten durchzogenen Sprache, davon, dass sie sich als Prolet auf hohem Niveau verstehe (Rösch, 2010). Die britische Aufsichtsbehörde Ofcom berichtet währenddessen von einer wachsenden Akzeptanz des Fernsehpublikums gegenüber der Vulgärsprache. Ausdrücke dieser, wie Scheiße und Schwuchtel, seien mittlerweile gängig (Zettel, 2010).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
3. Hypothese(n) und Methodik
4. Ergebnisse und Auswertung
5. Zusammenfassung und Forschungsausblick
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Entwicklung der Vulgärsprache innerhalb der deutschen Fernsehkrimireihe „Tatort“ über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren, um zu prüfen, ob sich eine zunehmende Legitimierung dieser Sprachform im öffentlich-rechtlichen Fernsehen feststellen lässt.
- Vergleichende Analyse von Tatort-Episoden aus verschiedenen Jahrzehnten
- Differenzierung zwischen verschiedenen Gebrauchsweisen der Vulgärsprache
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Vulgärsprache und sozialen Rollenbildern
- Analyse der Akzeptanz vulgärsprachlicher Äußerungen im Kontext des Fernsehpublikums
- Identifikation von emotionaler, reflektierter und inflationärer Vulgärsprache
Auszug aus dem Buch
4. Ergebnisse und Auswertung
Im nun Folgenden sollen die Ergebnisse in Form der Verwendungsweisen der Vulgärsprache anhand der erstellten Transkripte interpretiert werden. Es hat sich im Lauf der Erarbeitung gezeigt, dass sich vier Gebrauchsweisen anhand der gesichteten Episoden bestimmen lassen. Diese sind: I.) emotionale Vulgärsprache II.) inflationär-unreflektierte Vulgärsprache III.) reflektierte Vulgärsprache a)emotional reflektiert b)metasprachlich-kulturell reflektiert
Um vor allem den zeitlichen Aspekt in der Darstellung herausarbeiten zu können, kann diese Darstellung jedoch nicht chronologisch abgearbeitet und mit Beispielen belegt werden. Vielmehr muss man von dem Vorkommen der Gebrauchsweisen in ihrer Zeit auf die zunehmende Akzeptanz der Vulgärsprache durch das Aufkommen neuer Verwendungsweisen schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der zunehmenden Vulgärsprache in den Medien ein und formuliert das Ziel der Arbeit, diese Entwicklung anhand der Fernsehreihe „Tatort“ zu untersuchen.
2. Wissenschaftlicher Hintergrund: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie „Tabu“ und „Vulgärsprache“ und bettet das Thema in den Kontext soziokultureller Sprachnormen ein.
3. Hypothese(n) und Methodik: Es werden die Forschungsfrage und die methodische Vorgehensweise erläutert, wobei die Auswahl von vier spezifischen Tatort-Episoden als Datengrundlage dient.
4. Ergebnisse und Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die Identifikation und Analyse der verschiedenen Gebrauchsweisen von Vulgärsprache, unterteilt in emotionale, reflektierte und inflationäre Formen.
5. Zusammenfassung und Forschungsausblick: Hier werden die Kernergebnisse der Untersuchung resümiert und ein Ausblick auf weiterführende Forschungsbedarfe gegeben.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachquellen und Literatur zur linguistischen Analyse.
7. Anhang: Enthält die detaillierten gesprächsanalytischen Transkripte der untersuchten Szenen.
Schlüsselwörter
Tatort, Vulgärsprache, Medienlinguistik, Sprachwandel, Tabu, Fernsehkommunikation, Soziolekt, Diskursanalyse, Gesprächsanalyse, Sprachnorm, Krimi, Kommunikation, Emotion, Legitimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse der Vulgärsprache in der deutschen Fernsehkrimireihe „Tatort“ und deren Wandel über verschiedene Jahrzehnte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Tabubrüchen, der Veränderung von Sprachnormen im Fernsehen und der Kategorisierung verschiedener Formen des vulgären Sprachgebrauchs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass eine zunehmende Legitimierung und Akzeptanz vulgärsprachlicher Äußerungen in der Fernsehkommunikation stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, der auf der Sichtung und gesprächsanalytischen Transkription von ausgewählten Szenen aus vier verschiedenen Tatort-Folgen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die methodische Herleitung und die systematische Auswertung der identifizierten Vulgärsprachtypen (emotional, reflektiert, inflationär).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachwandel, Vulgärsprache, Tabu, Medienlinguistik und Gesprächsanalyse.
Was unterscheidet „reflektierte“ von „inflationärer“ Vulgärsprache laut dem Autor?
Bei der reflektierten Vulgärsprache sind sich die Sprecher des Tabubruchs bewusst und setzen ihn gezielt ein, während bei der inflationären Form die Vulgärsprache ungesteuert und oft an unpassenden Orten ohne bewusste Wahrnehmung gebraucht wird.
Warum spielt die Figur des Kommissars Schimanski in der Analyse keine Rolle?
Der Autor schließt Schimanski bewusst aus, da sein spezieller, exzentrischer Charakter einen Sonderfall darstellt und die Untersuchung auf die Darstellung von Normalität bzw. Tendenzverschiebungen abzielt.
Welche Rolle spielen die Transkripte im Anhang?
Die Transkripte dienen als empirische Datenbasis, um die im Hauptteil getroffenen interpretativen Aussagen linguistisch zu belegen und nachvollziehbar zu machen.
- Quote paper
- Christian Luther (Author), 2011, Die Vulgärsprache in der Krimireihe „Tatort“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188262