Vespasian war ein völliger Neuling, der zu Beginn nichts vorzuweisen hatte. Zudem löste er eine Dynastie ab, deren Begründer Augustus alle anderen Versuche, eine neue Dynastie zu etablieren in den Schatten stellen musste. Und dennoch gelang es Vespasian, diese Herausforderung, neben anderen, erfolgreich zu meistern.
Die Frage die sich dabei stellt, ist: Wie schafft man es, einen Neuankömmling in der höchsten Politik soweit zu profilieren, dass er allgemein anerkannt ist, sich als Kaiser etabliert und sogar eine neue Dynastie letztendlich gründet? Der Kaiser musste außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen, sonst könnte ihm bald ein anderer seine Stellung als primus inter pares streitig machen. Dargestellt wurde in diesem Fall bei Vespasian die außergewöhnliche Fähigkeit als die einer transzendenten Verbindung zur Götterwelt, die sich in der Fähigkeit der Vollbringung von Wunderheilungen zeigt.Die moderne Geschichtsforschung jedoch ordnet die Erzählung derartiger Geschehnisse als Fähigkeit zur geschickten politischen Inszenierung (religiöser Art) ein.
Es ist klar, dass dies nicht im gesamten Umfang, und schon gar nicht in einer Proseminarshausarbeit bearbeitet werden kann. Deshalb soll nur ein Teil des Ganzen betrachtet werden.3 Hierzu bietet sich die Erzählung der Wunderheilungen Vespasians in Alexandria an, von der uns die drei senatorischen Schriftsteller Cassius Dio, Sueton und Tacitus berichten.
Zuerst wende ich mich dabei dem historischen Kontext zu, in den das Ereignis eingebettet ist. Dann folgt eine Synopse und inhaltliche Darstellung der drei Berichte, dem sich die Erläuterung der Bedeutung von dem Ort und Gottheit anschließt. Im Anschluss folgt die Analyse der Begebenheit bezüglich der Strategen und der Auswirkung auf die Zeitgenossen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Geschichtliche Hinführung
III. Die Darstellung der von Vespasian vorgenommenen Heilungen
IV. Bedeutung von Ort, Gottheit
IV. 1 Der Ort: Alexandria
IV. 2 Gottheit: Serapis
V. Analyse der Heilungsbegebenheit
V. 1 Die möglichen Strategen
V. 2 Die Wahrnehmung der Begebenheit
VI. Zusammenfassung
VII. Quellen- und Literaturverzeichnis
VII. 1 Quellen
VII. 2 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und die politische Funktion der Wunderheilungen Vespasians in Alexandria. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie Vespasian durch die gezielte Inszenierung dieser Heilungserzählungen seine Herrschaft als neuer, unbelasteter Kaiser legitimieren und sein Ansehen festigen konnte.
- Historischer Kontext der Machtübernahme Vespasians
- Die politische Rolle der Stadt Alexandria als legitimatorischer Schauplatz
- Bedeutung des Gottes Serapis als Mittler und Identifikationsfigur
- Analyse der beteiligten Akteure und der medienwirksamen Strategie
- Wahrnehmung der Wundererzählungen in der römischen Oberschicht
Auszug aus dem Buch
II. GESCHICHTLICHE HINFÜHRUNG
Vespasian wurde am17. November 9 n. Chr. in einer Familie geboren, die unbekannt und ohne besondere Vorfahren war. Nach dem Vorbild seines älteren Bruders und den Wünschen seiner Mutter folgend schlug er die senatorische Laufbahn ein. Zunächst besonders militärisch sehr erfolgreich zog er sich jedoch nach einer Reise als Begleiteter Neros dessen Zorn zu, sodass er sich, um sein Leben fürchtend, zurückzog. Als jedoch 66 n. Chr. der jüdische Aufstand aus brach und ein geeigneter, aber für den schwächelnden Kaiser politisch ungefährlicher Mann, der das Kommando übernehmen konnte, gesucht wurde, war Vespasian, der militärisch Bewährte, aber ohne senatorischen Familienhintergrund, genau der Richtige.
Dort kämpfte er erfolgreich, bis Nero Selbstmord beging und der Kampf um die Nachfolge begann; hier hielt Vespasian ein und wartete die politischen Ereignisse ab. Letztendlich kam ihm dann seine politische Unbelastetheit, die er auch hier wahrte, zugute.
Die Kaisererhebungen der damaligen Zeit zeigten, „dass man auch außerhalb von Rom zum Kaiser gemacht werden konnte“. Auch Vespasian wurde außerhalb Roms zum Kaiser ernannt, und zwar als erstes durch die Legionen des Tiberius Alexanders, dem Praefekten von Ägypten, der sie am 1.Juli 69 n. Chr. den Eid auf Vespasian schwören ließ (was später als dies imperii gelten sollte), am 11.Juli sein eigenes Heer. Mucianus kämpfte dann auch gegen Vitellius für Vespasian, dieser „setzte inzwischen nach Alexandria über, um die Schlüsselpositionen von Ägypten fest im Griff zu haben“, was sich auf die Funktion Ägyptens für das ganze römische Reich als Kornkammer bezieht. An dieser Stelle setzen nun Sueton und Tacitus mit ihren Wundererzählungen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung nach der politischen Instrumentalisierung von Wunderheilungen zur Etablierung des Kaisers Vespasian.
II. Geschichtliche Hinführung: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Vespasians und die politischen Umstände seiner Ausrufung zum Kaiser in Alexandria.
III. Die Darstellung der von Vespasian vorgenommenen Heilungen: Es werden die Berichte von Sueton, Tacitus und Cassius Dio über die Heilung zweier Kranker durch Vespasian zusammengefasst.
IV. Bedeutung von Ort, Gottheit: Das Kapitel analysiert, warum Alexandria als Ort und Serapis als Gott strategisch günstig für Vespasians Legitimationsanspruch waren.
V. Analyse der Heilungsbegebenheit: Hier erfolgt die Untersuchung der Hintergründe, inklusive möglicher Mitwirkung der Priesterschaft sowie der unterschiedlichen Wahrnehmung der Wunder.
VI. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Heilungserzählungen eine erfolgreiche, medienwirksame Strategie zur Stärkung von Vespasians Autorität darstellten.
VII. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten antiken Quellenschriften und der modernen wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Vespasian, Alexandria, Wunderheilungen, Serapis, Legitimation, Kaiser, Flavier, politische Inszenierung, Sueton, Tacitus, römische Kaiserzeit, Propaganda, Machtanspruch, Religionsgeschichte, auctoritas.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wunderheilungen Vespasians in Alexandria und deren Rolle bei der politischen Legitimierung des Kaisers nach dessen Machtübernahme.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Einordnung der Machtübernahme, die symbolische Bedeutung von Alexandria und Serapis sowie die Analyse antiker Erzählstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Vespasian als politischer Neuling durch die Inszenierung religiös konnotierter Wunder sein Ansehen steigerte und seine neue Dynastie sicherte.
Welche wissenschaftlichen Quellen werden für die Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die senatorischen Schriftsteller Sueton, Tacitus und Cassius Dio sowie auf moderne Forschungsliteratur zur flavischen Ära.
Welche Aspekte werden im Hauptteil detailliert diskutiert?
Der Hauptteil befasst sich mit der geschichtlichen Ausgangslage, der symbolischen Bedeutung von Ort und Gottheit sowie der Analyse, ob und wie Vespasian und Priester als Strategen hinter den Berichten standen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie politische Legitimation, kaiserliche Inszenierung, Serapiskult und die historische Rolle der Flavier geprägt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Priesterschaft bei den Heilungen?
Die Autorin deutet an, dass die Serapispriesterschaft ein eigenes Interesse an den Heilungserzählungen gehabt haben könnte, um Einfluss auf den neuen Kaiser zu gewinnen.
Wird Vespasian in den Quellen als Gottheit dargestellt?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Vespasian von den Autoren eher als Stellvertreter oder Vermittler göttlicher Kräfte inszeniert wurde, nicht als Gott selbst.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Günter (Autor:in), 2011, Die Wunderheilungen Vespasians in Alexandria, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/188014