In der folgenden Arbeit möchte ich am Beispiel der deutschen Bankenaufsicht zeigen, dass aufgrund von Schwachstellen bei der Bankenregulierung eine Krise auf dem Finanzmarkt nicht verhindert werden konnte. Ferner möchte ich auf zwei aufsichtsrechtliche Maßnahmen zur Verbesserung der Bankenregulierung von Seiten der Politik eingehen.
Daher werde ich das Aufsichtssystem in Deutschland, wie es bisher praktiziert wird, vorstellen und die drei größten Regulierungsansätze – Vorschriften zu Eigenkapital und Liquidität sowie die staatliche Einlagensicherung – erläutern. Dabei werde ich Schwachstellen des Systems aufzeigen, die es Finanzinstituten ermöglichen, bestimmt. Vorschriften zu umgehen. Im Anschluss daran möchte ich das neue, internationale Regelwerk für strengere Eigenkapitalanforderungen, genannt Basel III, und einen deutschen Gesetzesentwurf zur Restrukturierung von Kreditinstituten vorstellen.
Ich werde die Begriffe „Bankenaufsicht“ und „Bankenregulierung“ synonym verwenden, da auch in der Literatur keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gemacht wird. Tendenziell meint man mit Bankenregulierung jedoch eher die Festlegung des gesetzlichen Rahmens, während Bankenaufsicht die eigentliche Überwachung der Tätigkeit der Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute beschreibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Bankenaufsicht in Deutschland
1.1 Die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
1.2 Eigenkapital
1.3 Liquidität
1.4 Einlagensicherung
1.5 Fazit
2. Entwürfe für eine verbesserte Bankenaufsicht
2.1 Basel III
2.2 Restrukturierung systemrelevanter Banken
2.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Schwachstellen in der deutschen Bankenaufsicht, die trotz regulatorischer Bemühungen das Entstehen der Finanzmarktkrise 2007 nicht verhindern konnten, und bewertet aktuelle politische Gegenmaßnahmen zur Stärkung des Finanzsystems.
- Analyse des deutschen Aufsichtssystems und seiner Regulierungsansätze
- Kritische Beleuchtung von Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften
- Bewertung der staatlichen Einlagensicherung und ihrer Vertrauensfunktion
- Diskussion internationaler Reformen durch das Basel III-Regelwerk
- Untersuchung deutscher Gesetzesentwürfe zur Abwicklung systemrelevanter Banken
Auszug aus dem Buch
1.2 Eigenkapital
Die Vorschriften zum Eigenkapital finden sich in §10 KWG und der Solvabilitätsverordnung. Danach setzt sich das Eigenkapital aus Kernkapital, Ergänzungskapital und Drittrangmitteln zusammen. Die Vorschriften zum Eigenkapital dienen weniger dem Bestandsschutz des Instituts als vielmehr dem Gläubigerschutz. Durch das vorhandene Eigenkapital sollen unerwartete Verluste aufgefangen werden und so der Fremdkapitalgeber vor dem Verlust seiner Einlage bewahrt werden.
Um genügend Eigenkapital vorweisen zu können, muss das spezifische Verlustrisiko eines Finanzinstituts quantifiziert werden. Dafür verwendet jedes Finanzinstitut sein eigenes, von der BaFin geprüftes Modell. Man muss sich allerdings fragen, ob die Aufsichtsbehörden genügend Kompetenz aufweisen, um diese Modelle zu prüfen. Die Modelle sind äußerst komplex und so konzipiert, dass das entsprechende Finanzinstitut möglichst geringe Eigenkapitalreserven vorhalten muss, ohne den rechtlichen Regelungen zu widersprechen. Man kann davon ausgehen, dass Menschen, die diese komplexen Zusammenhänge genau verstehen und entsprechende Modelle entwickeln, eher für ein sehr gut bezahlendes Finanzinstitut arbeiten werden als für ein deutlich niedrigeres Einkommen diese Modelle für die Aufsicht zu prüfen. Daher stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, den Finanzinstituten einen solchen Freiraum beim Umsetzten der staatlichen Vorschriften zu gewähren. Es wäre daher dringend nötig, dass die Aufsichtsbehörden gemeinsam ein einheitliches Modell zur Bestimmung des notwendigen Eigenkapitals entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bankenaufsicht in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert das bestehende deutsche Aufsichtssystem unter Beteiligung von Bundesbank und BaFin sowie die zentralen Regulierungsansätze wie Eigenkapital, Liquidität und Einlagensicherung.
2. Entwürfe für eine verbesserte Bankenaufsicht: Hier werden weiterführende Ansätze wie das internationale Basel III-Regelwerk und der deutsche Gesetzesentwurf zur Restrukturierung systemrelevanter Banken kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Bankenaufsicht, Bankenregulierung, Finanzmarktkrise, BaFin, Eigenkapital, Liquidität, Einlagensicherung, Basel III, Restrukturierung, Systemrelevanz, Aufsichtsarbitrage, Value-at-Risk, Moral Hazard, Solvabilitätsverordnung, Kreditwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum das deutsche Bankenregulierungssystem die Finanzkrise 2007 nicht verhindern konnte, und diskutiert Reformansätze zur Verbesserung der Stabilität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die operative Bankenaufsicht, Eigenkapitalanforderungen, Liquiditätsvorgaben sowie die Einlagensicherung und Abwicklungsmechanismen für systemrelevante Institute.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Schwachstellen im bestehenden Aufsichtssystem aufzudecken und zu beurteilen, ob aktuelle Reformvorschläge wie Basel III oder das deutsche Restrukturierungsgesetz ausreichen, um künftige Krisen zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Gesetzesanalyse, um das geltende Aufsichtsrecht kritisch zu evaluieren und die Wirksamkeit der Regulierungsansätze vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das deutsche Aufsichtssystem (Bundesbank/BaFin) und bestehende Regulierungsmechanismen detailliert vorgestellt. Daran schließt sich eine kritische Diskussion zu Basel III und zur geordneten Abwicklung systemrelevanter Banken an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Bankenaufsicht, Aufsichtsarbitrage, systemrelevante Banken, Eigenkapital und moral hazard.
Inwiefern hat sich die Einlagensicherung während der Krise verändert?
Aufgrund der Finanzmarktkrise wurde das Vertrauen durch staatliche Garantien gestärkt und die gesetzliche Sicherungsgrenze für Spareinlagen schrittweise signifikant erhöht.
Warum sind die VaR-Modelle laut der Arbeit problematisch?
Die Arbeit kritisiert, dass VaR-Modelle oft unzutreffende Annahmen treffen, Anreize für moral hazard setzen und bei extremen Krisenereignissen bei der Risikovorhersage versagen.
Was ist das zentrale Problem bei der Restrukturierung systemrelevanter Banken?
Das Hauptproblem liegt in der grenzüberschreitenden Tätigkeit komplexer Banken, die eine nationale Restrukturierung durch die BaFin erschwert, da nationale Gesetze bei ausländischen Tochtergesellschaften an ihre Grenzen stoßen.
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- Kristina Riedel (Author), 2010, Folgen der Finanzmarktkrise 2007 für die Bankenregulierung in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187898