Detaillierte Untersuchung zum Gebot der Bruderliebe im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. Der Gegenstand der Untersuchung
1.2. Die Vorgehensweise
2. ÜBERBLICK ÜBER VERSCHIEDENE, IN DER FORSCHUNG VERTRETENE POSITIONEN
2.1. Bultmann: Das Liebesgebot ist im eschatologischen Sinn als „neu“ zu verstehen
2.2. Käsemann: Das johanneische Liebesgebot ist Ausdruck einer Konventikelethik
2.3. Lattke: Das Joh versteht unter Liebe „ Einheit im Wort“
2.4. Segovia: Die joh. Schriften sind verschiedenen Stadien der Geschichte zuzuordnen.
2.5. von Wahlde: Die joh. Gebote sind vor dem Hintergrund einer Krise innerhalb der johanneischen Gemeinde zu sehen.
2.6. Augenstein: Das Gebot der gegenseitigen Liebe im C.J. ist kein speziell joh. Liebesgebot, sondern eine Interpretation des alttest.. Liebesgebotes von Lev. 19,17.
2.7. Carson: Das joh. Liebesgebot ist die Ordnung für die neue messianische Gemeinschaft und in seinem Maßstab durch die Liebe Christi bestimmt
3. DER ALTTESTAMENTLICHE HINTERGRUND
4. DAS LIEBESGEBOT IM FRÜHJUDENTUM
4.1. Qumran
4.2. Testamente der zwölf Patriarchen
5. DER SYNOPTISCHE BEFUND
6. EXEGESE: DAS LIEBESGEBOT IM JOHANNESEVANGELIUM
6.1. Joh 13,12-17: Das Beispiel der Fußwaschung
6.1.1 Einleitung: Kontext und historischer Hintergrund von Joh 13
6.1.2 Joh 13, 12-17: Das Beispiel der Fußwaschung
6.1.3 Joh 13, 34f.: Das neue Gebot, einander zu lieben
6.2. Joh 15,1-17: Das Liebesgebot im Zusammenhang mit der Weinstockrede
6.2.1 Joh 15, 1-11: Die Befähigung des neuen Gebotes
6.3. Joh 17, 20-26 Liebe und Einheit
7. EXEGESE: DAS LIEBESGEBOT IN DEN JOHANNESBRIEFEN
7.1. 1Joh 2,7-11 : Das alte und neue Gebot der Bruderliebe
7.2. 1Joh 3,11-15 : Das Gegenteil der Bruderliebe: Bruderhass
7.3. 1Joh 3,16-18 : Das Wesen der Bruderliebe
7.4. 1.Joh 3,23: Christusglaube und Bruderliebe
7.5. 1.Joh 4,7-12: Grundlagen der Bruderliebe
7.6. 1.Joh 4,19-21: Gottesliebe und Bruderliebe
7.7. 2Joh 4-6: Liebe und Gebote
8. DAS LIEBESGEBOT IM C.J.: EINE ZUSAMMENFASSUNG
9. TRADITIONSGESCHICHTLICHE EINORDNUNG
9.1. Altes Testament
9.2. Frühjudentum
9.3. Neues Testament
10. DIE BEDEUTUNG DES JOH. GEBOTES DER BRUDERLIEBE FÜR DIE GEGENWART
11. BIBLIOGRAPHIE
11.1. Primärliteratur
11.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das biblische Gebot der Bruderliebe im Corpus Johanneum (Johannesevangelium und Johannesbriefe), um dessen genauen Inhalt zu bestimmen, das Verhältnis von „neuem“ und „altem“ Gebot zu klären und die Ergebnisse für die Gegenwart nutzbar zu machen.
- Historisch-literarische Hermeneutik des johanneischen Liebesgebots
- Vergleich mit alttestamentlichen und frühjüdischen Traditionen
- Exegese zentraler Perikopen (Fußwaschung, Weinstockrede, Johannesbriefe)
- Untersuchung des "neuen" Gebots Jesu im Kontext der Gemeindesituation
- Praktisch-theologische Reflexion zur aktuellen Bedeutung der Bruderliebe
Auszug aus dem Buch
6.1.2 Joh 13, 12-17: Das Beispiel der Fußwaschung
Jesus wäscht den Jünger die Füße und verrichtet damit an ihnen einen Sklavendienst (V.12). Hinter dieser Handlung steht somit eine Haltung der Demut.
Direkt im Anschluss an die Waschung fragt Jesus, ob die Jünger verstanden haben, was Jesus mit dieser Handlung an ihnen getan hat (V.13).
Er beginnt die Interpretation seiner Handlung mit der Aussage, dass die Jünger ihn zu recht o` dida,skaloj( kai,\ o` ku,rioj nennen. Jesus unterstreicht damit seine eigentliche Stellung gegenüber den Jüngern. Er, der Lehrer und Herr der Jünger, hätte es niemals nötig gehabt, den Jüngern, die in Vers 16 als dou/loi bezeichnet werden, die Füße zu waschen.
Vor diesem Hintergrund fordert Jesus die Jünger auf einander die Füße zu waschen. Durch das Verbum ovfei,lw , welches mit „verpflichtet sein“ zu übersetzen ist95, kommt die Verbindlichkeit dieser Aufforderung zum Ausdruck. Wenn schon der Herr den Jüngern die Füße gewaschen hat, so sind die Jünger untereinander erst recht dazu verpflichtet. Zahn bemerkt dazu: „Wie könnte einer, der sich als seinen Diener und Apostel oder Jesum als seinen Herrn und Auftraggeber bekennt sich selbst für gleiche Dienstleistung zu hoch halten.“96
Jesus selbst interpretiert sein Verhalten als u`po,deigma, als „Beispiel oder Vorbild“97 für die Jünger (V.14). An eben diesem Begriff hängt nun die inhaltliche Bedeutung der Fußwaschung. Er wird in der Forschung unterschiedlich gedeutet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Definiert den Gegenstand der Untersuchung und legt die historisch-literarische Vorgehensweise fest.
2. ÜBERBLICK ÜBER VERSCHIEDENE, IN DER FORSCHUNG VERTRETENE POSITIONEN: Stellt verschiedene exegetische Forschungsmeinungen zum johanneischen Liebesgebot dar.
3. DER ALTTESTAMENTLICHE HINTERGRUND: Analysiert Lev 19,17f. als alttestamentliche Grundlage der Bruderliebe.
4. DAS LIEBESGEBOT IM FRÜHJUDENTUM: Untersucht die Rolle der Liebe in den Schriften von Qumran und den Testamenten der zwölf Patriarchen.
5. DER SYNOPTISCHE BEFUND: Analysiert, wie das Doppelgebot der Liebe in den synoptischen Evangelien eingeführt und gedeutet wird.
6. EXEGESE: DAS LIEBESGEBOT IM JOHANNESEVANGELIUM: Führt eine detaillierte Exegese der Abschiedsreden, der Fußwaschung und der Weinstockrede durch.
7. EXEGESE: DAS LIEBESGEBOT IN DEN JOHANNESBRIEFEN: Exegese zentraler Stellen der Johannesbriefe zur Bruderliebe und zum Bruderhass.
8. DAS LIEBESGEBOT IM C.J.: EINE ZUSAMMENFASSUNG: Führt die Ergebnisse zur Neuheit und Eigenart des Liebesgebots im Corpus Johanneum zusammen.
9. TRADITIONSGESCHICHTLICHE EINORDNUNG: Vergleicht das Liebesgebot mit den Traditionen des AT, des Frühjudentums und des übrigen NT.
10. DIE BEDEUTUNG DES JOH. GEBOTES DER BRUDERLIEBE FÜR DIE GEGENWART: Reflektiert die exegetischen Ergebnisse für die heutige Glaubenspraxis und Gemeindesituation.
11. BIBLIOGRAPHIE: Listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Bruderliebe, Corpus Johanneum, Liebesgebot, Johannesevangelium, Johannesbriefe, Exegese, Fußwaschung, Weinstockrede, Nächstenliebe, Bruderhass, Selbsthingabe, urchristliche Ethik, Hermeneutik, Gottesliebe, Jüngerschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das biblische Gebot der Bruderliebe im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen, die zusammen als Corpus Johanneum bezeichnet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die inhaltliche Bestimmung des Gebots, die Frage nach seiner Neuheit im Vergleich zu alttestamentlichen und synoptischen Traditionen sowie die ethische Konkretisierung durch Jesu Vorbild.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Wesen des johanneischen Liebesgebots zu erfassen und zu klären, wie dieses Gebot für die heutige Gemeinde Jesu fruchtbar gemacht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor arbeitet mit einer historisch-literarischen Hermeneutik und führt eine selektive Exegese der für die Fragestellung relevanten Perikopen durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Exegese des Johannesevangeliums (insbesondere Fußwaschung und Weinstockrede) und der Johannesbriefe, wobei die Texte jeweils in ihrem Kontext analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Bruderliebe, Corpus Johanneum, Selbsthingabe, christologische Verwurzelung, Nachfolge und ethischer Lebenswandel sind zentrale Begriffe der Studie.
Wie unterscheidet sich das johanneische Liebesgebot vom alttestamentlichen Befund?
Während im Alten Testament die Nächstenliebe oft als Verhaltensregel für Volksgenossen fungiert, spitzt das Corpus Johanneum diese auf eine radikale, christologisch begründete Liebe untereinander zu, die Jesu eigene Selbsthingabe zum Maßstab hat.
Warum ist das "neue Gebot" für den Autor sowohl "neu" als auch "alt"?
Es ist "alt", da es in der Kontinuität des Willens Gottes steht (Zeit des Paradieses), aber "neu", da es erst durch Jesus Christus in seiner vollen, hingebungsvollen Qualität zur Erscheinung gebracht und erst durch ihn für die Gläubigen erfüllbar wurde.
- Arbeit zitieren
- Daniel Steffen Schwarz (Autor:in), 2005, Das Gebot der Bruderliebe im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187809