In der vorliegenden Arbeit wird versucht, die Ursprünge und die Entstehungsgeschichte der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen kurz darzustellen, um dann die Rolle der Klinik während der nationalsozialistischen Epoche zu untersuchen. Dies soll dazu dienen, die Rolle der Anstalt Wehnen auch chronologisch transparent darzustellen und mögliche bewährte Handlungsmuster hinsichtlich der Disziplinierung aufzuzeigen. Im dritten Kapitel erfolgt eine kurze biografische Einleitung und die Darstellung des stationären Aufenthalts sowie des Todes des Patienten Hermann I., woraus sich Erkenntnisse hinsichtlich des Umgangs mit schizophrenen Patienten
und die ärztliche Disziplinierung derselben in Wehnen ableiten lassen, die schließlich im vierten Kapitel untersucht werden sollen. Auch wird kurz und kontextualisierend auf die Rolle der nationalsozialistischen Landespolitik und der Oldenburger Landesbehörden hinsichtlich der Krankenmorde in Wehnen eingegangen werden, allerdings ohne eigenes Kapitel, da der Einzelfall im Zentrum dieser Arbeit steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen - ein historischer Abriss
2.1 Von der „Irrenanstalt zu Wehnen“ - die Ursprünge
2.2 Die Heil- und Pflegeanstalt in der nationalsozialistischen Epoche
3. Der Patient Hermann I. - ein Fallbeispiel
3.1 Vorgeschichte und Zeit bis zur stationären Aufnahme
3.2 Das Leben in der Anstalt
3.3 Das Sterben in der Anstalt
4. Die Behandlung und ärztlich angeordnete Disziplinierung von schizophrenen Patienten in Wehen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Umgang mit schizophrenen Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen während der Zeit des Nationalsozialismus, wobei die Mechanismen der ärztlichen Disziplinierung und das systematische Hungersterben anhand des Fallbeispiels des Patienten Hermann I. analysiert werden.
- Historische Entwicklung der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen
- Analyse von Patientenakten als Dokumentationsform
- Methoden der ärztlichen Disziplinierung und Ruhigstellung
- Einfluss nationalsozialistischer Rassenideologie auf die Anstaltspolitik
- Mechanismen des systematischen Krankenmords
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Leben in der Anstalt
Die erste körperliche Untersuchung ergab einen guten Allgemeinzustand des Patienten und auch die eingehendere Untersuchung von Muskulatur, Atemwegsorganen und sensomotorischem Nervensystem verlief ohne bemerkenswerte Auffälligkeiten. Beim ersten Gespräch, das ein Assistenzart führte, der nicht namentlich zu ermitteln ist, wurde schließlich die Einweisungsdiagnose bestätigt und mit dem Zusatz versehen „Die Untersuchung läßt keinen Zweifel am Vorliegen einer ausgeprägten Schizophrenie“. Hermann I. wird in dieser Anamnese als stark erregt und stark gestikulierend beschrieben, wobei er selbst stetig auf die ihn Verfolgenden, bestehend aus Spionen und Landesverrätern, hinweist. Bemerkenswert ist an dieser Stelle die Nachfrage des Patienten, „warum er hier sei, er hätte ja auch in Wilhelmshaven behandelt werden können“. An dieser Frage lässt sich erkennen, dass Hermann I. bereits zum Zeitpunkt seiner Aufnahme die im Titel der vorliegenden Arbeit zitierte Krankheitseinsicht vermissen lässt. Dies gründet sich darauf, dass er den aufgezählten Symptomen wie Erregung und Verfolgungswahn verständlicherweise eine andere, vermutlich auch beschwichtigendere Bedeutung beimisst, als die Anstaltsärzte.
Das Leben von Hermann I. in Wehnen lässt sich anhand der unregelmäßigen, aber doch kontinuierlich geführten Pflege- und Krankenberichte nachzeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Krankenmorde in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen ein und stellt das Fallbeispiel des Patienten Hermann I. als zentralen Untersuchungspunkt vor.
2. Die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen - ein historischer Abriss: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der Anstalt von 1858 bis in die Zeit des Nationalsozialismus nach und beleuchtet den Wandel der Behandlungsmethoden unter dem Einfluss der NS-Ideologie.
3. Der Patient Hermann I. - ein Fallbeispiel: Anhand der Patientenakte von Hermann I. werden seine Einweisung, sein Anstaltsleben unter Zwang und Disziplinierung sowie sein letztendlicher Tod dokumentiert und kritisch analysiert.
4. Die Behandlung und ärztlich angeordnete Disziplinierung von schizophrenen Patienten in Wehen: Hier wird der historische Umgang mit der Diagnose Schizophrenie reflektiert und kontrastiert, wie sich die Patientenbetreuung vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg verschlechterte.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie politische Veränderungen die Anstalt Wehnen in ein System der Unterdrückung verwandelten, und betont die Notwendigkeit des Gedenkens an die Opfer.
Schlüsselwörter
Wehnen, Nationalsozialismus, Schizophrenie, Krankenmord, Euthanasie, Patientenakte, Disziplinierung, Rassenideologie, Hungersterben, Fallbeispiel, Psychiatrie, Krankenpflege, Hermann I., Zwangssterilisation, NS-Gesundheitspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht den Umgang mit schizophrenen Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen zwischen 1937 und 1945.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Anstaltsgeschichte, die Veränderung der Pflegepraxis unter nationalsozialistischem Einfluss und die Dokumentation von Gewalt gegen Patienten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, anhand eines Fallbeispiels aufzuzeigen, wie Disziplinierung und systematische Vernachlässigung als Mittel des Krankenmords in der Anstalt Wehnen eingesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer aktenanalytischen Rekonstruktion der Lebensgeschichte des Patienten Hermann I. sowie der Auswertung regionalgeschichtlicher Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit vermittelt?
Der Hauptteil analysiert die Diskrepanz zwischen idealisierter Anstaltsgeschichte und der brutalen Realität der Krankenmorde, insbesondere die Rolle des Personals und der behandelnden Ärzte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wehnen, Euthanasie, Krankenmord, Schizophrenie und rassenbiologische Ideologie definieren.
Warum wird das Fallbeispiel Hermann I. als exemplarisch angesehen?
Hermann I. verkörpert die vielen psychiatrischen Opfer, deren Schicksal in offiziellen Akten durch fingierte Dokumentationen und medizinische Herabwürdigung verschleiert wurde.
Welchen Einfluss hatte der Zweite Weltkrieg auf die Anstalt?
Der Krieg führte zu Überbelegung, Personalmangel und einer weiteren Radikalisierung des Hungersterbens zur Ressourcenoptimierung.
Wie bewertet die Arbeit die ärztliche Rolle in Wehnen?
Die Arbeit kritisiert die Anstaltsleitung, insbesondere Dr. Carl Petri, für die Etablierung eines Systems, das den Tod von Patienten als Teil der NS-Gesundheitspolitik billigend in Kauf nahm.
- Arbeit zitieren
- Roman Behrens (Autor:in), 2011, „In seine Krankheit will er kein Einsehen haben“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187633