Im Zuge dieser Arbeit soll die 1997 über Südkorea hereinbrechende Finanzkrise zusammen mit der damit verbundenen Rettungsaktion des Internationalen Währungsfonds dargestellt und analysiert werden. Im Mittelpunkt stehen die zur Überwindung der Krise durchgeführten Reformen und deren Auswirkungen auf die koreanische Wirtschaft und Gesellschaft, unter besonderer Berücksichtigung der in Südkorea vorherrschenden Unternehmensform des Chaebol. Dazu wird in den ersten beiden Kapiteln einen kurze Einführung in die wirtschaftlichen Verhältnisse Koreas gegeben, um den Ursprung aber auch die Überwindung der Krise, die in Kapitel 3 dargestellt werden, besser nachvollziehen zu können. In Kapitel 4 wird gezeigt, wie Krise und Reformen die Unternehmenswelt der Chaebol verändert haben. Außerdem wird angestrebt, dem Leser kleine Einblicke in die koreanische Gesellschaft geben zu können, in eine Nation, die sich seit Ende des Koreakrieges mehr und mehr durch ihre wirtschaftliche Leistung definiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas
2. Die Chaebol
3. Südkorea in der Krise
3.1. Ursache der Krise in Südkorea
3.2. Das Hilfsprogramm des IWF
3.3. Strukturanpassungsprogramme und deren Auswirkungen
3.3.1. Umschuldung von Krediten und Reformierung des Finanzsektors
3.3.2. Leistungs- und Handelsbilanz
3.3.3. Arbeitsmarktflexibilisierung
4. Auswirkungen des SAP-Programms auf die Chaebol
4.1. Strukturanpassungen innerhalb der Unternehmensfinanzierung
4.2. Umstrukturierung des Unternehmenssektors
4.3. Etablierung von Kontrollmechanismen
4.4. Abhängigkeiten zwischen Politik und Chaebol
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die südkoreanische Finanzkrise ab 1997 sowie die darauf folgende Rettungsaktion durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), wobei der Fokus insbesondere auf den Reformmaßnahmen und deren tiefgreifenden Auswirkungen auf die koreanische Wirtschaftsstruktur und die spezifische Unternehmensform der Chaebol liegt.
- Ursachenanalyse der südkoreanischen Finanzkrise
- Die Rolle und Reformierung der südkoreanischen Chaebol
- Auswirkungen der IWF-Strukturanpassungsprogramme
- Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik in Krisenzeiten
- Wechselwirkungen zwischen Staat, Politik und Wirtschaftselite
Auszug aus dem Buch
3.1. Ursache der Krise in Südkorea
Der ausschlaggebende Faktor für die Krise ist in Südkoreas wirtschaftlichen Beziehungen zum Ausland und somit in der Zahlungsbilanz, welche sich aus der Leistungs-, Kapital- und der Devisenbilanz zusammensetzt, zu finden. Kalinowski beschreibt den Umstand, der letztendlich zur Zahlungsunfähigkeit Koreas führte, als ein „Ungleichgewicht innerhalb der Zahlungsbilanz“45, da die drei Unterbilanzen, die sich gegenseitig ausgleichen und somit „null“ ergeben, zu große Differenzen zueinander aufwiesen. Obwohl sich Südkorea seit Beginn der 70er Jahre zu einer exportorientierten Wirtschaft entwickelt hat und auch als solche verstanden wird, überstiegen die Importe meist aufgrund des Bedarfs „der koreanischen Industrie an ausländischen Vorprodukten, Kapitalgütern und Technologie“46 die Exporte bei weitem, was zu einem Leistungsbilanzdefizit führte. Dieses Defizit der Leistungsbilanz wurde durch einen Kapitalstrom aus dem Ausland kompensiert und befand sich bis Anfang der 90er Jahre in einem vertretbaren Zustand. Allerdings wurde 1993 durch eine Reform des neugewählten Präsidenten Kim Young Sam die Auslandsverschuldung erleichtert47, was zur Folge hatte, dass sich der 1993 vorhandene Überschuss von 821 Mio. US$ innerhalb der Leistungsbilanz bis 1996 zu einem Defizit in Höhe von über 23 Mrd. US$ entwickelte (siehe Abbildung 4)48.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, die Finanzkrise von 1997, die Rolle des IWF sowie die Auswirkungen der Reformen auf die Chaebol und die koreanische Gesellschaft zu untersuchen.
1. Die wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas: Dieses Kapitel zeichnet den wirtschaftlichen Aufstieg Südkoreas seit dem Ende des Koreakrieges nach und beleuchtet die Rolle staatlicher Lenkung sowie der Entstehung der Chaebol.
2. Die Chaebol: Hier wird die historische Entstehung und die besondere Bedeutung der großen koreanischen Familienkonglomerate (Chaebol) für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erläutert.
3. Südkorea in der Krise: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen der Asienkrise in Südkorea, das Hilfsprogramm des IWF und die strukturellen Reformen im Finanz- und Arbeitsmarktbereich.
4. Auswirkungen des SAP-Programms auf die Chaebol: Hier werden die spezifischen Reformmaßnahmen des IWF auf die Chaebol untersucht, insbesondere hinsichtlich ihrer Unternehmensfinanzierung, Struktur und der politischen Abhängigkeiten.
Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Fazit, dass die Krisenbewältigung primär auf der vorhandenen exportorientierten Industrie und dem Einsatz der Bevölkerung basierte, während die politische Macht der Chaebol weitgehend unberührt blieb.
Schlüsselwörter
Südkorea, Finanzkrise, IWF, Strukturanpassungsmaßnahmen, Chaebol, Reformen, Wirtschaftsentwicklung, Asienkrise, Unternehmensfinanzierung, Arbeitsmarktflexibilisierung, Staatsbankrott, Zahlungsbilanz, Kapitalabfluss, Wirtschaftsreformen, Exportwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Finanzkrise, die Südkorea 1997 traf, und untersucht, wie die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) auferlegten Rettungsmaßnahmen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur des Landes, insbesondere die Chaebol, nachhaltig veränderten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas, die Ursachen der Asienkrise, die Funktionsweise der Chaebol, die Rolle des IWF sowie die Auswirkungen von Reformprogrammen auf Unternehmensfinanzierung, Arbeitsmarkt und politische Machtstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit die Strukturanpassungsmaßnahmen des IWF zur Überwindung der Krise beigetragen haben und welche spezifischen Folgen sich daraus für die in Südkorea dominante Unternehmensform der Chaebol ergaben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, Wirtschaftsdaten und offiziellen Berichten, um die ökonomischen Zusammenhänge, Reformprozesse und deren Auswirkungen darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen der Krise, die Detaillierung der IWF-Hilfspakete, die Analyse der Strukturanpassungsprogramme in Finanz- und Arbeitsmarkt sowie die explizite Betrachtung der Auswirkungen dieser Reformen auf die Chaebol und deren Abhängigkeiten zum Staat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wesentlichen Schlüsselbegriffen gehören Südkorea, Finanzkrise, Chaebol, IWF, Strukturanpassungsmaßnahmen, Reformen, Exportwirtschaft und wirtschaftliche Transformation.
Wie hat sich die Abhängigkeit zwischen Politik und Chaebol durch die Krise verändert?
Obwohl der IWF das Ziel verfolgte, die Macht der Chaebol zu begrenzen, zeigt die Analyse, dass die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Staat und diesen Großkonzernen bestehen blieb, da die Regierung aus Gründen der Staatsstabilität und Wahlfinanzierung weiterhin auf die Chaebol angewiesen ist.
War die vom IWF geforderte Machtbegrenzung der Chaebol erfolgreich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Zielsetzung einer dauerhaften Machtbegrenzung der Chaebol durch das SAP-Programm weitgehend als gescheitert betrachtet werden kann, da die Chaebol nach der Krise ihre dominante Stellung in Politik und Wirtschaft sogar weiter ausbauen konnten.
- Quote paper
- Dominik Lehmann (Author), 2011, Analyse der Auswirkungen von Strukturanpassungsmaßnahmen des IWF in Südkorea während der Asienkrise unter besonderer Berücksichtigung der Unternehmensform des Chaebol, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/187624