"Customizing" (von engl. to customize = anpassen) wird definiert als "kundespezifische Anpassung einer Standardsoftware an die Bedürfnisse einer Kundenorganisation".
Das Customizing erfolgt durch Programmänderungen (Individualprogrammierungen) oder durch Setzen von Parametern, die Umfang und Aussehen (Konfigurierung) oder das Verhalten und die Ergebnisse (Parametrisierung) einer Standardsoftware beeinflussen.
Weltweit tätige Unternehmen müssen mit ihren Webseiten Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen ansprechen. Die Überzeugungskraft einer Webseite, jedoch auch von globalen Marken stehen in Zusammenhang mit der Kultur, denn diese wirkt sich wiederum darauf aus, wie der Einzelne Informationen wahrnimmt, verarbeitet und interpretiert.
Kulturelle Rahmenbedingungen, die einen Menschen umgeben, müssen daher unbedingt in die Überlegungen rund um die Gestaltung einer Webseite miteinbezogen werden.
Um einen zufriedenstellenden WebROI (d.h. return in investment) und eine möglichst hohe Konversionsrate (d.h. prozentuales Verhältnis zwischen Klicks auf einen Link und danach getätigten Käufen) zu erzielen, ist selbst bei globalen Marken das Customizing der entsprechenden Webseite äußerst vorteilhaft, da nur so maximale Kundenzufriedenheit, Kundenbindung sowie ein angenehmes Surf-Vergnügen gewährleistet wird.
In der folgenden Arbeit wird anhand von Beispielen veranschaulicht, wie die drei Kernfaktoren von Kultur, nämlich Wahrnehmung, Symbolik und Verhalten, sich auf die Akzeptanz von Webseiten auswirken und werden damit verbundene Probleme beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
I. Allgemeines
1) Was ist Customizing?
2) Der ROI des WWW
a) Was bedeutet ROI?
b) Vier Entwicklungsphasen nach Bryan Eisenberg
3) Konversionsrate
4) „Überzeugungskraft“ der Webseite und Kultur
5) Globale Marken – eine Ausnahme?
II. Was bedeutet Kultur?
1) Wahrnehmung
a) Wahrnehmung und Kultur
b) Wahrnehmung und Umwelt
c) Wahrnehmung und Sprache
d) Wahrnehmung und Farbe
e) Wahrnehmung und Webseiten
2) Symbolik
a) Symbolik und Kultur
b) Symbolik: Bedeutung für Webseiten
3) Verhalten
III. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und die Mechanismen der kulturellen Anpassung von Webseiten (Cultural Customization), um die Benutzerfreundlichkeit und Effektivität in einem globalen Kontext zu steigern. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie kulturell bedingte Unterschiede in Wahrnehmung, Symbolik und Verhalten die Gestaltung und den Erfolg von Webseiten beeinflussen.
- Bedeutung von Customizing und dem Web-ROI
- Kulturelle Einflüsse auf die Wahrnehmung von Design und Inhalten
- Herausforderungen der linguistischen und visuellen Äquivalenz bei der Übersetzung
- Einfluss kultureller Symbole und Zeichen auf die Usability
- Analyse des Kaufverhaltens in Abhängigkeit von kulturellen Werten
Auszug aus dem Buch
b) Wahrnehmung und Umwelt
In der kognitiven Psychologie vertritt man die Ansicht, dass die Wahrnehmung durch Gefühle, Motivationen, Erwartungen und die reale Welt beeinflusst wird. Dies geht sogar so weit, dass verschiedene Kulturen in einer unterschiedlichen realen Welt leben und sich dies auf die Wahrnehmung auswirkt.
Die „Carpentered World“ (gezimmerte Welt) Hypothese besagt, dass der Mensch eine Vorliebe für Vertikales und Horizontales hat, da er in einer gezimmerten Welt lebt und dadurch seine Erfahrungen ständig von senkrecht und waagerecht angeordneten Dingen bestimmt sind.
In der westlichen Welt sind die Menschen meist einer Realität konfrontiert, in der vor allem gerade Linien und rechte Winkel vorkommen (Räume, Häuser, Straßen, Schienen etc.). Eine solche Realität ist reich an mehrdimensionalen Eindrücken. Dies ist jedoch nicht überall auf der Welt der Fall. Die Unterschiede in der Wahrnehmung von Formen, Bildern etc. wurden anhand der „Carpentered World“-Hypothese belegt.
Die meisten Menschen der westlichen Welt leben in einer „gezimmerten“ Welt, die voll von geraden Linien, Winkeln und Quadern ist. Dieser kulturelle Hintergrund weckt in uns die „Müller-Lyer-Illusion“, bei der Menschen zwei Linien als unterschiedlich lang empfinden, obwohl beide Linien genau gleich lang sind.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Allgemeines: Dieses Kapitel definiert den Begriff Customizing, erläutert den ROI im Webkontext und diskutiert, warum kulturelle Anpassungen für global agierende Unternehmen essenziell sind.
II. Was bedeutet Kultur?: Hier werden die Kernfaktoren der Kultur – Wahrnehmung, Symbolik und Verhalten – detailliert analysiert und deren direkter Zusammenhang mit dem Design von Webseiten herausgearbeitet.
III. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Berücksichtigung kultureller Rahmenbedingungen bei der Webseitengestaltung eine Voraussetzung für hohe Konversionsraten und Kundenzufriedenheit ist.
Schlüsselwörter
Customizing, Web-ROI, Konversionsrate, Kulturelle Anpassung, Wahrnehmung, Carpentered World Hypothese, Sapir-Whorf-Theorie, Symbolik, Semiotik, Usability, Benutzerfreundlichkeit, Cultural Markers, Webseitendesign, Konsumentenverhalten, Interkulturelle Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Relevanz der kulturellen Anpassung von Webseiten für global tätige Unternehmen, um die Nutzererfahrung zu optimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstelle zwischen Webdesign und den kulturellen Dimensionen Wahrnehmung, Symbolik und menschliches Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie kulturelle Faktoren die Usability beeinflussen und warum Standardlösungen bei globalen Marken oft zu einer geringeren Konversionsrate führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Untersuchung psychologischer Hypothesen zur Wahrnehmung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Einflussfaktoren wie Sprache, Farben, räumliche Anordnung und kulturelle Symbole auf das Surfverhalten der Nutzer analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Customizing, Web-ROI, kulturelle Wahrnehmung, Usability und interkulturelles Marketing.
Warum wird die „Carpentered World“-Hypothese angeführt?
Sie dient als Beispiel dafür, wie die physische Umgebung einer Kultur die visuelle Wahrnehmung von Formen und Abständen prägt, was wiederum Auswirkungen auf das Verständnis von Web-Layouts hat.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Webseitengestaltung?
Sprache fungiert als kulturelles Codierungssystem, das nicht nur in der Übersetzung (Äquivalenz), sondern auch in der Wahl der Sortierreihenfolge und der Textlänge beachtet werden muss.
Warum sind globale Standard-Webseiten laut Autorin problematisch?
Weil sie die spezifischen mentalen Programme und kulturellen Erwartungen der lokalen Zielgruppen vernachlässigen, was zu einer geringeren Bindung führt.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des „Flow State“?
Der „Flow State“ wird als erstrebenswerter Zustand beschrieben, der nur erreicht werden kann, wenn die Webseite kulturell so gestaltet ist, dass keine Irritationen durch unverständliche Symbole oder Layouts entstehen.
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- MMag. Dr. Sabine Picout (Author), 2006, The Culturally Customized Website, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/185005