1. Einleitung
[...] Hobbes stand also an der Nahtstelle vom klerikal beherrschten Mittelalter zur säkularen Neuzeit. Das war nicht nur im weithin römisch- katholisch bestimmten Kontinentaleuropa gefährlich , sondern auch in England, dessen besonderer Protestantimus eine Gemeinschaft von geistlicher und weltlicher Herrschaft vorsieht. Die geistliche Herrschaft in Frage zu stellen, bedeutete folglich die englische Krone und den Adel in Frage zu stellen. Letztlich war das Anlass für Hobbes Flucht aus England.
Hobbes grenzt sich mit seine Theorie allerdings auch klar von der klassischen philosophischen Tradition ab, insbesondere von Aristoteles‘ Polis-Theorie. Laut Hobbes ist es eine idealistische Verblendung, zu sagen, in der Antike seien die Menschen frei gewesen. Er geht davon aus, dass zwar die Staaten frei waren, der einzelne Bürger jedoch nicht. Herb führt an, dass es sich bei der Kritik an den griechischen Philosophen im Grunde um eine Kritik an ihren späteren Nachahmern handelt. Hobbes will klären, wie Herrschaft aus dem Naturzustand hergestellt werden kann und beschäftigt sich mit einem rechtsphilosophischen Grundproblem. Auch hier taucht der Angriff auf die bisherige Grundlage von Herrschaft von Gottes Gnaden durch die neu konstruierte Herrschaft aus dem menschlichen Naturzustand auf.
In seinem Staatskonstrukt, das er im Werk „Leviathan“ vorstellt, spielt die Freiheit der Untertanen eine erhebliche Rolle. Allerdings ist diese Freiheit, die Hobbes den Untertanen in seiner Staatstheorie nach Vertragsabschluss lässt, sehr eingeschränkt. In der politischen Partizipation der Untertanen – auch eine Art Freiheit- sah er die Ursache für Unruhen und Kriege:
„Aber die Menschen lassen sich von dem bestechenden Wort Freiheit leicht täuschen […] Und wird dieser Irrtum noch durch die Autorität von Leuten, die wegen ihrer Schriften über diesen Gegenstand berühmt sind, bestärkt, so ist es kein Wunder, wenn daraus Aufruhr und Staatsumwälzungen entstehen.“ [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hobbes Idee von Staat und Untertan
3. Freiheit im Naturzustand
4. Freiheit im Staat
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Anspruch auf individuelle Freiheit im politischen Staatsmodell von Thomas Hobbes. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit die Freiheit der Untertanen innerhalb des konstruierten Leviathan-Staates gewahrt bleibt oder zugunsten eines absolutistischen Friedensschutzes eingeschränkt wird.
- Die Transformation vom archaischen Naturzustand zum organisierten Staat.
- Die Rolle der Selbsterhaltung als primäres Motiv für den Vertragsabschluss.
- Die Definition und Begrenzung individueller Handlungsspielräume im staatlichen System.
- Die Kritik am Verhältnis von politischer Partizipation und Herrschaftssicherung.
- Die Bedeutung von Hobbes als Wegbereiter des modernen Rechtsverständnisses.
Auszug aus dem Buch
3. Freiheit im Naturzustand
Absolut frei sind die Menschen im Naturzustand, sie sind weder Untertanen noch Souverän und leben in Anarchie und Kriegszustand. Letzteren darf man sich aber nicht als Zustand fortlaufender Gewalt vorstellen, die Bereitschaft zum Kampf ist allerdings allseits bekannt. Die Menschen richten sich lediglich nach den sogenannten natürlichen Gesetzen, die „auch moralische Gesetze genannt“ werden, „da sie aus moralischen Tugenden wie Gerechtigkeit, Billigkeit und allen anderen Geisteshaltungen bestehen, die zu Frieden und Nächstenliebe führen“. Die natürlichen Gesetze sind Verbotsregen und unterscheiden sich somit vom natürlichen Recht. Dieses garantiert allen Menschen die Freiheit, die eigene Macht zur Selbsterhaltung einzusetzen. Doch Hobbes Konstrukt dieses Naturzustandes zeigt auch, dass die zugehörigen Bedingungen problematisch sind – die Freiheit des Menschen „scheitert, ungeachtet aller naturrechtlichen Vorgaben zu Harmonisierung, an der Freiheit der anderen.“ Es ist also fraglich, inwieweit die natürlichen Gesetze die Menschen zu deren Einhaltung verpflichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext von Thomas Hobbes’ Werk und ordnet den „Leviathan“ als Reaktion auf die politischen Umbrüche im England des 17. Jahrhunderts ein.
2. Hobbes Idee von Staat und Untertan: Dieses Kapitel erläutert das anthropologische Menschenbild Hobbes’ und erklärt die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Vertrages zur Vermeidung des Krieges aller gegen jeden.
3. Freiheit im Naturzustand: Der Autor analysiert hier die unbeschränkte, archaische Freiheit des Einzelnen, die aufgrund der menschlichen Natur zwingend in einen unsicheren und gewaltbereiten Zustand führt.
4. Freiheit im Staat: Hier wird untersucht, wie der Staat durch bürgerliche Gesetze zwar die individuelle Freiheit einschränkt, jedoch erst dadurch Sicherheit und Frieden für das Zusammenleben ermöglicht.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Hobbes mit seinem Konstrukt zwar die politische Partizipation zugunsten des Friedens minimiert, aber gleichzeitig den Grundstein für die moderne Vorstellung von Privat autonomie und das handelnde Individuum legt.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, politische Philosophie, Staatstheorie, Freiheit, Sicherheit, Souveränität, Selbsterhaltung, Untertan, Rechtsphilosophie, Partizipation, Moderne, Macht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Thomas Hobbes in seinem Werk „Leviathan“ das Verhältnis zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Notwendigkeit einer starken staatlichen Ordnung definiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Übergang vom Naturzustand zum staatlich organisierten Gemeinwesen sowie die Ausgestaltung und Begrenzung der Freiheitsrechte des Untertans.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, wie Hobbes das Spannungsverhältnis zwischen der Sicherheit des Staates und der individuellen Freiheit der Bürger auflöst und welche Rolle dabei die politische Partizipation spielt.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die Hobbes' Hauptwerk „Leviathan“ unter Einbeziehung relevanter politikwissenschaftlicher Forschungsliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert nacheinander die Bedingungen des Naturzustands, die Gründung des Staates durch den Vertragsschluss sowie die Einschränkungen und Verbleibschancen privater Freiheiten unter der Souveränität des Leviathans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Sicherheit, Souveränität, Privatautonomie und staatlicher Zwang.
Warum lehnt Hobbes die antike Polis-Theorie ab?
Hobbes betrachtet die antike Idee freier Bürger als idealistische Verblendung, da er der Ansicht ist, dass in der Antike lediglich der Staat als Ganzes frei war, nicht jedoch das Individuum.
Wie definiert Hobbes die „Freiheit im Staat“?
Hobbes versteht Freiheit im Staat negativ als den Spielraum, der durch das Schweigen der Gesetze in Bereichen wie Privatleben oder Handel gelassen wird.
Warum ist Widerstand gegen den Souverän bei Hobbes kaum möglich?
Da der Vertrag vom Volk unkündbar ist und der Souverän als unfehlbar in einem rechtsfreien Raum agiert, gibt es innerhalb des Modells keine legale Grundlage für einen Widerstand.
Inwiefern ist Hobbes ein Wegbereiter der Moderne?
Hobbes gilt als Wegbereiter, weil er das Individuum als Träger von Rechten und die staatliche Ordnung als rational konstruiertes Werk des Menschen – unabhängig von göttlicher Vorsehung – begreift.
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- Pola Sarah (Author), 2009, Frieden statt Freiheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184681