Goethes Ballade „Erlkönig”, die seiner voritalienischen Weimarer Zeit zugehört, ist im Jahre 1782 entstanden und eröffnet das Singspiel Die Fischerin, mit dem Untertitel „auf dem natürlichen Schauplatz zu Tiefurth vorgestellt”.
Johann Gottfried Herder, der ein Freund Goethes war, übersetzte eine alte dänische Volksballade ins Deutsche, wobei er irrtümlich den Elfenkönig als Erlkönig verstand. Dieser Übersetzungsfehler wurde dann von Goethe übernommen. Hirschenauer schreibt dazu:
„Gerade das falsch als ‘Erlkönig’ wiedergegebene dänische Wort, ‘ellerkonge’, das ‘Elfenkönig’ heißt, hat Goethes wache Phantasie beflügelt, die in seinem Innern schon schlummernden naturmagischen Vorstellungen in einer neuen Form auszudrücken”.
Goethe nahm als Grundlage die Ballade „Erlkönigs Tochter” aus Herders Volkslieder-Sammlung (1778/79), überarbeitete sie sprachlich und daraus entstand Erlkönig. Herders Gedicht „Erlkönigs Tochter” ist von der magischen Verlockung und der den Menschen verderbenden Macht geprägt. Gleiches gilt Goethes Ballade „Erlkönig”.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Entstehung der Ballade „Erlkönig”
2. Die äußere Gestalt von „Erlkönig”
3. Der inhaltliche Aufbau des Gedichtes
4. Die Redesituationen und Wortgebrauch
5. Die Sinndeutung der Ballade
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich einer tiefgehenden literaturwissenschaftlichen Interpretation von Johann Wolfgang von Goethes Ballade „Erlkönig”, wobei insbesondere die Entstehungsgeschichte, der metrische Aufbau und die symbolische Bedeutung der Naturdarstellung analysiert werden.
- Genese der Ballade und Einflüsse durch Herder
- Analyse der äußeren Form, Metrik und Reimstruktur
- Struktur des inhaltlichen Aufbaus und der Redesituationen
- Interpretation der Sinndeutung und des Natur-Mensch-Verhältnisses
Auszug aus dem Buch
3. Der inhaltliche Aufbau des Gedichtes
Beim ersten Lesen behält das Gedicht etwas Mysterioses in sich. Man gerät in Schwierigkeiten bei der Unterscheidung der Stimmen. Erst beim zweiten, sogar späteren Lesen gewinnt man eine gewisse Orientierung bei der Rollenverteilung, und der künstlerisch hervorragend gegliederte Aufbau des Gedichtes sticht ins Auge. Der Leser nimmt wahr: „Das Gedicht ist die Szene, die eine abendliche See-, Fluß- oder Sumpflandschaft dem dichterischen Auge von selbst aufführt”.
Die Ballade beginnt mit einer rhetorischen Frage in dem einleitenden Erzählteil des Gedichtes: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?”. „Die Frage bewirkt, daß der Leser sich mit dem Fragenden identifiziert, und das Präsens signalisiert ihm, daß ihm keine Geschichte erzählt wird, sondern daß er Augenzeuge eines Geschehens werden soll. [...]. Danach verschwindet der Präsentator aus dem Gedicht, und die nächsten sechs Strophen, die das zentrale Geschehen darstellen, bestehen ausschließlich aus Dialogen [...]” (Gelfert 1996, S. 135f.).
In den darauffolgenden Zeilen wird diese Frage aufgelöst; ein Vater reitet zu später Stunde mit seinem Sohn. Es wird kein Grund für diese nächtliche Reise angegeben. Ob der Vater mit seinem Kind nach Hause oder zu einem Arzt reitet, bleibt dem Leser unbekannt. In der rhetorischen Frage wird durch „Nacht und Wind” im Leser ein Gefühl erweckt, so daß er eine angedeutete Gefahr instinktiv erkennen kann. Auch noch die Benennung „Erlkönig”, die ohne Artikel in Erscheinung tritt, steigert im Lesenden unbewußt das Gespür einer magischen und machtvollen Gestalt. Die unmittelbar in der Eingangsphase erzeugte Unruhe und die Ahnung einer implizit angedeuteten Gefahr berechtigen sich im folgenden: wohl in dem Arm, sicher, warm; hier spürt man intuitiv, daß der Dichter mit Wortspielen den Eindruck erweckt, daß irgendetwas nicht in Ordnung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Entstehung der Ballade „Erlkönig”: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Werks im Kontext von Goethes Singspiel „Die Fischerin” und thematisiert den Einfluss der dänischen Volksballade durch Herder.
2. Die äußere Gestalt von „Erlkönig”: Hier wird die formale Struktur der acht Strophen, das Metrum sowie der Wechsel zwischen Jamben und Daktylen zur Spannungssteigerung detailliert analysiert.
3. Der inhaltliche Aufbau des Gedichtes: Dieses Kapitel untersucht den dramatischen Aufbau des Werkes, die Rollenverteilung zwischen Vater, Sohn und Erlkönig sowie die Funktion der Rahmenstrophen.
4. Die Redesituationen und Wortgebrauch: Der Fokus liegt auf der Analyse der Dialogstruktur und wie die Sprache der Charaktere deren innere Verfassung und Eigenschaften widerspiegelt.
5. Die Sinndeutung der Ballade: Im abschließenden Kapitel werden verschiedene Interpretationsansätze zur Naturthematik, zum Konflikt zwischen Rationalismus und Irrationalismus sowie zum tragischen Ende des Knaben diskutiert.
Schlüsselwörter
Erlkönig, Johann Wolfgang von Goethe, Ballade, Volksdichtung, Naturmagie, Interpretation, Metrik, Motivik, Literaturwissenschaft, Vater-Sohn-Konflikt, Rationalismus, Irrationalismus, Symbolik, Verführung, Tod.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte literaturwissenschaftliche Analyse von Goethes berühmter Ballade „Erlkönig”, indem sie Entstehung, Form und inhaltliche Bedeutung beleuchtet.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Zentrale Themen sind die Naturmetaphorik, der Gegensatz zwischen rationaler Weltdeutung und übernatürlichen Mächten sowie die psychologische Dynamik zwischen den Handelnden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die ästhetische und inhaltliche Komplexität des Werks durch die Untersuchung von Erzählstruktur, Metrik und Symbolik transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine hermeneutische Interpretation angewandt, die durch den Vergleich mit Forschungsliteratur und die Analyse des poetischen Textes gestützt wird.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Ausarbeitung im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Gedichtaufbaus, die Untersuchung der wechselnden Sprecherrollen und die Deutung der symbolischen Sprache des Erlkönigs.
Welche Schlagworte charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen „Naturmagie”, „Dämonie”, „Verfremdung” und der „Widerspruch zwischen Rationalismus und Irrationalismus”.
Wie deutet die Arbeit die Vaterfigur im Gedicht?
Die Arbeit analysiert den Vater als rational handelnden Menschen, der versucht, sein Kind durch Vernunft vor der unheimlichen Natur zu schützen, letztlich jedoch an deren übernatürlicher Gewalt scheitert.
Wie wird das Ende der Ballade im Kontext des gesamten Werks interpretiert?
Der Tod des Kindes wird nicht einseitig als Tat des Erlkönigs, sondern als Auflösung in die unendliche Natur und als Scheitern der rationalen Weltansicht des Vaters begriffen.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium E. Ü. (Autor:in), 2002, Interpretation des Werkes "Erlkönig" von Johann Wolfgang von Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184251