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Das „erste Vaterland“

Entwicklung des zweisprachigen Schulwesens in SBZ und DDR zwischen 1945 und 1964

Titel: Das „erste Vaterland“

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Julian Nitzsche (Autor:in)

Russistik / Slavistik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die etwa tausendjährige Präsenz slawischer Bevölkerungsgruppen in deutschen Staatswesen war über Jahrhunderte geprägt von hierarchischer Dominanz des Deutschen über die verschiedenen slawischen Idiome – unter ihnen die sorbische bzw. wendische Sprache – und daraus resultierender Assimilation. So wurde die slawische Bevölkerung im heutigen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bereits in den ersten Jahrhunderten germanisiert; die vermutlich letzte Sprecherin einer autochthonen slawischen Sprache außerhalb der Lausitz – des Drawänopolabischen im Wendland – starb 1756. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung unter nationalsozialistischer Herrschaft, als selbst der bloße Gebrauch des Sorbischen in der Öffentlichkeit verboten, alle sorbischen Organisationen aufgelöst und die Verschickung der Sorben nach Osteuropa geplant wurde.

Nach 1945 wurde alles anders. So zumindest ist die allgemeine Bewertung jener historischen Entwicklungen, die die Sorben nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfassten; vor allem aber ist so bis heute die Meinung des überwiegenden Teils der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Die unmittelbare Nachkriegszeit und vor allem die erste Hälfte der 1950er Jahre waren tatsächlich eine Epoche des Aufbaus für die sorbische Sprache und Kultur, wie sich noch zeigen wird. Aber war die Nationalitätenpolitik des „ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden“ tatsächlich so perfekt, wie sie sich selbst sah? Waren die Sorben wirklich „die gehätschelte slawische Minderheit der DDR“, wie noch heute oftmals zu hören ist? Und warum halbierte sich dann ihre Zahl in den 40 Jahren DDR beinahe und sank damit so schnell wie nie zuvor?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbetrachtung

2. Rahmenbedingungen und Hintergründe

2.1 Wirtschaftliche Einflüsse

2.1.1 Braunkohleabbau als Spezifikum der Mittel- und Niederlausitz

2.2 Die „rote“ Domowina

3. Entwicklung des sorbischen Schulwesens

3.1 Sorbische Schule vor 1945

3.2 Erste Schritte

3.3 Institutionalisierung und Ausbau

3.4 Widerstände

3.5 Zwischen Religion und Sozialismus

3.6 Zentralisierung des Schulwesens 1959

3.7 Umschwung und Abbau

4. Fazit

5. Quellen und weiterführende Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung des zweisprachigen Schulwesens in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR zwischen 1945 und 1964. Dabei wird analysiert, inwieweit der theoretische Anspruch einer nationalen Gleichberechtigung der Sorben durch die SED-Politik tatsächlich eingelöst wurde und welche sozioökonomischen sowie politischen Faktoren diesen Prozess beeinflussten.

  • Wissenschaftliche Analyse der sorbischen Bildungspolitik in der DDR
  • Einfluss der wirtschaftlichen Transformation (Braunkohleabbau) auf sorbische Sprachräume
  • Verhältnis zwischen der Organisation Domowina und der SED-Parteiführung
  • Konflikte zwischen sozialistischer Ideologie, religiöser Identität und sorbischem Schulwesen
  • Langfristige Folgen der politischen Zentralisierung für das sorbische Schulnetz

Auszug aus dem Buch

3.2 Erste Schritte

Unmittelbar nach Kriegsende erfolgte am 10. Mai 1945 die Neugründung des Bundes Lausitzer Sorben, der Domowina, die 1937 verboten worden war. Verfolgte sie zunächst noch gemeinsam mit dem in Prag ansässigen Sorbischen Nationalausschuss das Ziel einer autonomen Lausitz unter tschechoslowakischem Protektorat, orientierte sie sich bereits gegen Ende 1946 in Richtung SED um, nachdem deutlich geworden war, dass die Sowjetische Militäradministration einer sorbischen Autonomie nicht wohlwollend gegenüberstand und dass die politischen Ziele der Domowina am ehesten von der SED unterstützt werden würden, während sich die anderen Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone indifferent bis ablehnend geäußert hatten. Besonders in der Oberlausitz spielten die Einsetzung des Domowina-Vorstandsmitgliedes Jan Cyž als Bautzener Landrat und des Vorsitzenden und ehemaligen Lehrers Pawoł Nedo als Schulinspektor sowie deren gute persönliche Beziehungen zur sowjetischen Kommandantur eine wichtige Rolle für die Entstehung des zweisprachigen Schulwesens. Das gravierendste Problem, welches dem zunächst im Wege stand, war der Mangel an Lehrkräften. Einerseits waren von jenen sorbischen Lehrkräften, die vor 1937 unterrichtet hatten, zahlreiche unter nationalsozialistischer Herrschaft gezielt in deutschsprachige Gebiete versetzt worden und bisher nicht zurückgekehrt; andererseits gab es viele Lehrer, die im Krieg gefallen waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbetrachtung: Einführung in die historische Marginalisierung der Sorben und Fragestellung nach der Realität ihrer Situation im sozialistischen Staat.

2. Rahmenbedingungen und Hintergründe: Analyse ökonomischer Einflüsse durch den Braunkohleabbau und die politische Einbindung der Domowina in das SED-System.

3. Entwicklung des sorbischen Schulwesens: Detaillierte Betrachtung des Aufbaus und der späteren Restriktion des Schulwesens von den ersten Nachkriegsschritten bis zur Zentralisierung.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der sorbischen Bildungsgeschichte als ambivalenter Prozess zwischen staatlicher Förderung und politischer Unterordnung.

5. Quellen und weiterführende Literatur: Verzeichnis der verwendeten Archivmaterialien, Fachliteratur und Zeitungsquellen.

Schlüsselwörter

Sorben, DDR, Bildungspolitik, Sorbischunterricht, Domowina, SED, Zweisprachigkeit, Lausitz, Braunkohleabbau, Minderheitenpolitik, Assimilation, Schulwesen, Sozialismus, Nationale Identität, Schulpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den politischen Rahmenbedingungen des zweisprachigen Schulwesens für die slawische Minderheit der Sorben in der SBZ und der DDR im Zeitraum von 1945 bis 1964.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Zentrum stehen der Aufbau sorbischer Bildungsstrukturen, die Rolle der Organisation Domowina unter SED-Einfluss, sowie der Einfluss ökonomischer Faktoren wie der Braunkohleindustrie auf die sorbische Sprachkultur.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den Diskrepanz zwischen dem offiziellen staatlichen Anspruch auf Gleichberechtigung der sorbischen Minderheit und der praktischen Umsetzung bzw. Einschränkung dieser Politik zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Archivdokumenten, gesetzlichen Regelungen und Fachliteratur zur sorbischen Geschichte.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die frühen Aufbaujahre nach 1945, die Institutionalisierung des Schulwesens, Widerstände gegen den Sorbischunterricht und die zunehmende Zentralisierung sowie den späteren Abbau dieser Errungenschaften.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie sorbische Minderheitenpolitik, sozialistischer Aufbau, Sprachförderung, institutionelle Bildung und staatliche Bevormundung charakterisiert.

Warum spielte das katholische Milieu eine besondere Rolle bei der Entwicklung des sorbischen Schulwesens?

Das katholisch geprägte Umfeld in der Oberlausitz bildete ein Zentrum sorbischer Identität, blieb jedoch skeptisch gegenüber der sozialistischen Ideologie, was zu Spannungen zwischen Lehrerschaft und Staat führte.

Welche Rolle spielte der Braunkohleabbau für die sorbische Sprache?

Der industrielle Braunkohleabbau führte zur Zerstörung sorbischer Siedlungsgebiete, zur massenhaften Abwanderung und zur Ansiedlung deutschsprachiger Arbeitskräfte, was den Erhalt der sorbischen Sprache in diesen Regionen massiv erschwerte.

Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten „Umschwung“ ab 1958?

Damit ist die Abkehr von einer konsequenten Zweisprachigkeit gemeint, ausgelöst durch innerparteiliche Machtwechsel in der SED, die schließlich zu restriktiveren Regelungen wie der 7. Durchführungsbestimmung von 1964 führten.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das „erste Vaterland“
Untertitel
Entwicklung des zweisprachigen Schulwesens in SBZ und DDR zwischen 1945 und 1964
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Slawistik)
Note
1,0
Autor
Julian Nitzsche (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V184182
ISBN (eBook)
9783656088318
ISBN (Buch)
9783656088639
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sorben ddr bildungspolitik sprachpolitik zweisprachigkeit lausitz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julian Nitzsche (Autor:in), 2011, Das „erste Vaterland“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184182
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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