Das Spiel mit den Möglichkeiten hat in vielerlei Hinsicht seinen Reiz: es bietet Aussicht auf unterschiedlichste Varianten, auf uneingeschränktes Ausprobieren und Ungebundenheit. Im Leben haben wir meist nicht die Chance aus unendlichen Versuchen zu schöpfen, in der Literatur hingegen schon. Sie bietet uns unterschiedlichste Methoden zum Experimentieren, zum Spielen mit erörtern.
Ausschlaggebend ist hier der Begriff des Spiels, der die Vorgehensweise vorschreibt und den es zunächst zu erläutern gilt. Besonders zwei literarische Spielformen gelten als besonders beachtenswert: der experimentelle Roman und die Postmoderne. Beide Phänomene müssen zunächst untersucht und entschlüsselt werden, um schließlich auf die literarische Form des Cut-up näher eingehen zu können.
Die Technik umfasst in erster Linie das Zerschneiden von Text, der dann entweder zufällig oder gesteuert wieder zusammengesetzt wird, und so ein völlig neues Endprodukt liefert. Die Tradition des Cut-up geht relativ weit zurück, schon Tristan Tzara hat Wortschnitzel aus einem Hut gezogen und wieder neu zusammengefügt. Es waren jedoch William S. Burroughs und Brion Gysin, die die Methode revolutioniert und ausgefeilt haben. Vor allem Burroughs hat mit seinen Werken wie „Naked Lunch“ und der Nova Trilogy eine neue Tradition des Cut-up geschaffen.
Genauso interessant ist der deutschsprachige Raum mit seinen Künstlern der Beat-Generation. Besonders erwähnenswert ist hier Carl Weissner. Der Autor wurde zunächst als Übersetzer von Charles Bukowski bekannt, nun hat er nach langer Schaffenspause drei neue Werke in kürzester Zeit herausgebracht. Sein Werk „Manhatten Muffdiver“ erschien 2010 im Milena Verlag und wurde in der Reihe „exquisite corpse“ von Thomas Ballhausen herausgegeben.
Das Computerzeitalter hat auch vor Literatur keinen Halt gemacht, und sich seinen Weg in die unterschiedlichsten lyrischen Formen gebahnt. Digitale Generatoren schaffen für Cut-up das, was sonst die Schere übernehmen würden: sie zerteilen Text und setzen ihn neu zusammen. Die Möglichkeiten sind auch hier wieder zahlreich, und Varianten zur Befriedigung der Spiellust sind scheinbar grenzenlos. Vor allem im Bereich der digitalen Literatur ist das Spielprinzip nicht zu verleugnen, allein die Nähe zu Computerspielen spricht dafür, und ebenso die gebotenen Gelegenheiten zur Interaktivität. Ab diesem Zeitpunkt entspricht die folgende Handlung der Auslegung eines Spiels und erzeugt im besten Fall Lustgewinn.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Literatur als Spiel
2.1. Begriffsbestimmung
2.2.Formen des experimentellen Romans
2.4. Literarische Postmoderne
3. Cut-up
3.1.Ursprung und Entwicklung
3.2.Das Verfahren
4. William S. Burroughs
4.1.The Soft Machine
4.2.Cut-ups und mögliche Lesarten
5. Carl Weissner
5.1.Manhatten Muffdiver
5.2.Permutationen im Werk
5.3.Cut-up im österreichischem Raum
6. Digitale Cut-ups und permutative Generatoren
6.1.Einige Beispiele
6.1.1 Language is a virus
6.1.2. 23 degrees
6.1.3. Jim Andrews: stir fry texts
6.1.4. The Lazarus Corporation
7. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Cut-up Methode als literarisches Verfahren, ihre theoretische Einordnung in den experimentellen Roman und die Postmoderne sowie ihre praktische Anwendung durch Autoren wie W. S. Burroughs und Carl Weissner bis hin zu modernen digitalen Implementierungen.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen der Cut-up Technik
- Analyse des Werks "The Soft Machine" von William S. Burroughs
- Untersuchung der Cut-up Anwendung im Werk von Carl Weissner
- Rezeption und Weiterführung der Methode im österreichischen Raum
- Digitale Transformation der Cut-up Methode durch computergestützte Generatoren
Auszug aus dem Buch
3.1. Ursprung und Entwicklung
Als eigentlicher Begründer der Technik gilt der Maler und Schriftsteller Brion Gysin. Laut ihm befand er sich mit Burroughs in einem Pariser Hotelzimmer, als die ersten Cut-ups entstanden:
While cutting a mount for a drawing in room #25, I sliced through a pile of newspapers with my Stanley blade and thought of what I had said to Burroughs some six months earlier about the necessity for turning painters´techniques directly onto writing. I picked up the raw words and began to piece together texts which later appeared as „First Cut Ups“ in Minutes to Go. At the time I thought them hilariously funny and hysterically meaningful.9
Diese Beschreibung zeigt zwei Dinge die mit der Entdeckung einhergehen: einerseits beruhte sie auf Zufall, andererseits erzeugte sie Erheiterung, besitzt also Spielcharakter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor führt in das Thema ein und erläutert die Bedeutung des Spiels und des experimentellen Romans für das Cut-up-Verfahren.
2. Literatur als Spiel: Dieses Kapitel verknüpft den Spielbegriff mit experimentellen literarischen Formen und ordnet die Cut-up Methode in den Kontext der Postmoderne ein.
3. Cut-up: Hier wird der Ursprung der Technik durch Gysin und Burroughs sowie das spezifische technische Verfahren der Schnittführung und Anordnung untersucht.
4. William S. Burroughs: Das Kapitel widmet sich dem Leben und Werk von Burroughs, insbesondere einer detaillierten Analyse seines Romans "The Soft Machine".
5. Carl Weissner: Der Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Autor Carl Weissner und seiner Verwendung der Cut-up Technik in Werken wie "Manhatten Muffdiver".
6. Digitale Cut-ups und permutative Generatoren: Die Analyse der Übertragung der Cut-up-Prinzipien auf digitale Medien und die Vorstellung spezifischer Online-Generatoren.
7. Nachwort: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse bezüglich der künstlerischen Bedeutung und der weiteren Entwicklung der Methode.
Schlüsselwörter
Cut-up, William S. Burroughs, Carl Weissner, Experimenteller Roman, Postmoderne, Brion Gysin, Permutation, Digitale Literatur, Sprachspiel, Intertextualität, Generative Literatur, Beat-Generation, Montage, Collage, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung, Theorie und Anwendung der Cut-up-Schreibtechnik in der Literatur des 20. Jahrhunderts und im digitalen Zeitalter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die spielerische Komponente des Schreibens, die Auflösung von Erzählkonventionen, die Rolle des Autors sowie die Transformation analoger Schnitttechniken in digitale Anwendungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Cut-up-Verfahren als experimentelle und postmoderne Technik zu entschlüsseln, kritisch zu bewerten und die Kontinuität dieser Methode über verschiedene Medien hinweg aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Definitionen (u.a. nach Huizinga, Ernst, Hassan) mit praktischen Textanalysen und einer Untersuchung digitaler Werkzeuge kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen, das Werk von William S. Burroughs, das Schaffen von Carl Weissner sowie die Entwicklung digitaler Textgeneratoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Cut-up, Postmoderne, Permutation, digitale Literatur und Burroughs.
Wie unterscheidet sich die Cut-up Technik bei Weissner von der bei Burroughs?
Während Burroughs das Verfahren radikal zur Dekonstruktion und als sprachkritisches Werkzeug einsetzte, verwendet Weissner die Technik in seinen späteren Werken oft als Montageelement, das stärker in eine narrative Struktur eingebettet scheint.
Welche Rolle spielt die digitale Technik für das moderne Cut-up?
Digitale Generatoren automatisieren den Schnittprozess, wodurch die Rolle des Autors minimiert und die Zufallskomponente bei der Textentstehung signifikant gesteigert wird.
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- BA Julia Rosenkranz (Author), 2011, Die Lust am Spiel mit den Möglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184170