Bei diesem Text handelt es sich um Reflexionen verschiedener Passagen aus Martin Heideggers Fragment gebliebenem Werk "Sein und Zeit", welche im Rahmen eines Seminars gelesen und diskutiert wurden. Ziel war es, den Inhalt der besprochenen Passagen verständlich und klar darzulegen, sodass ein guter Einstieg in die Phänomenologie und das Denken Heideggers möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
§§ 7 und 8
§§ 25 – 27
§§ 43 – 47
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit dient als Stundenreflexion zu ausgewählten Passagen aus Martin Heideggers Hauptwerk "Sein und Zeit". Ziel ist es, die zentralen ontologischen Konzepte Heideggers – wie Phänomenologie, Hermeneutik, das In-der-Welt-sein, das Mitsein und das Phänomen der Sorge – anhand einer interpretativen Auseinandersetzung mit dem Primärtext und ergänzender Sekundärliteratur zu erschließen und verständlich darzulegen.
- Grundlagen der phänomenologischen Methode nach Heidegger
- Die Struktur des In-der-Welt-seins und das Mitdasein
- Die Bedeutung der Sorge als existenziales Grundmoment
- Der Zusammenhang von Wahrheit, Sein und Zeitlichkeit
- Das "Man" als alltägliche Seinsweise des Daseins
Auszug aus dem Buch
§§ 7 und 8
In Paragraph sieben führt Heidegger seinen Phänomenologiebegriff anhand etymologischer Auslegungen der griechischen Termini φαινομενον (phainomenon) und λογος (logos) aus. Heidegger legt den Begriff lógos als „Rede“ aus; und noch im selben Absatz kritisiert er, dass „die vielfältigen und willkürlichen Interpretationen der nachkommenden Philosophie“ (S&Z, S.32) (nämlich der der antiken Philosophie folgende) die eigentliche Bedeutung von Rede ständig verdecken: Lógos wird „immer ausgelegt als Vernunft, Urteil, Begriff, Definition, Grund, Verhältnis“ (S&Z, S.32). Auch wenn man lógos mit „Aussage“ übersetzen würde, diese jedoch als Urteil verstehen würde, wäre laut Heidegger „mit dieser scheinbar rechtmäßigen Übersetzung die fundamentale Bedeutung doch verfehlt.“ (S&Z, S.32)
Weiters schreibt Heidegger: „λογος als Rede besagt vielmehr soviel wie δηλουν, offenbar machen das, wovon in der Rede »die Rede« ist.“ (S&Z, S.32) Wenn der Rede immer schon das δηλουν vorausgeht, dann bedeutet das, dass das worüber in der Rede die Rede ist schon vorher offenbar sein muss. Dazu diskutierten wir im Proseminar ein Beispiel aus GA 45 um die „vierfach gegliederte Offenheit“ verständlich zu machen. Nämlich: Damit mir etwas als unverborgen erscheint, muss es sich zeigen (es muss offenbar sein). Aber auch ich muss offen sein, um das sich Zeigende wahrzunehmen; auch der Bereich, in dem es sich zeigt muss offen sein, sowie das sich Zeigende auch für andere offenbar sein muss. Heidegger versucht immer wieder auf diese ontologische Differenz hinzuweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
§§ 7 und 8: Heidegger erläutert seinen Phänomenologiebegriff durch die etymologische Analyse der Begriffe Phainomenon und Logos, wobei er den Logos als „Rede“ und „Sehenlassen“ bestimmt. Er verdeutlicht die Notwendigkeit der Destruktion philosophischer Traditionen, um das Seiende in seiner eigentlichen Seinsweise erfahrbar zu machen.
§§ 25 – 27: Diese Kapitel untersuchen die Konstitution des In-der-Welt-seins sowie die Struktur des Mitseins und Mitdaseins. Heidegger analysiert das „Man“ als alltägliche Seinsweise des Daseins und grenzt das Mitdasein von der bloßen Zuhandenheit ab, wobei die Fürsorge als spezifische Zugangsweise zum Anderen identifiziert wird.
§§ 43 – 47: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Realitätsproblem und dem traditionellen Wahrheitsbegriff. Heidegger weist darauf hin, dass Wahrheit eine ontologische Bedingung für die Erschlossenheit von Welt ist und zeigt, dass das Dasein stets „in der Wahrheit“ existiert.
Schlüsselwörter
Sein und Zeit, Dasein, Phänomenologie, Hermeneutik, In-der-Welt-sein, Mitsein, Sorge, Realität, Wahrheit, Existenz, Ontologie, Man, Entdecktheit, Fundamentalontologie, Jemeinigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine strukturierte Reflexion über zentrale Paragraphen aus Martin Heideggers Werk "Sein und Zeit" und erläutert dessen grundlegende philosophische Konzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Phänomenologie, die Analyse der Daseinsstruktur (In-der-Welt-sein), die Zwischenmenschlichkeit (Mitsein) sowie die Bedeutung von Sorge und Wahrheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die exegetische Aufarbeitung und das Verständnis der von Heidegger aufgeworfenen ontologischen Fragestellungen im Rahmen eines Proseminars.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutisch-interpretative Methode angewandt, bei der zentrale Textstellen aus "Sein und Zeit" analysiert, begrifflich geklärt und durch Rückgriff auf Sekundärliteratur in einen größeren philosophischen Kontext eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den Phänomenologie-Grundlagen, der Sozialontologie (Mitsein) sowie der Wahrheits- und Realitätsfrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dasein, Sein, Phänomenologie, Hermeneutik, Sorge, Mitsein, Man, Wahrheit und Existenzialität.
Was unterscheidet die "einspringend-beherrschende" von der "vorausspringend-befreienden" Fürsorge?
Die einspringend-beherrschende Fürsorge nimmt dem Anderen seine Sorge ab und stellt ihn damit in den Hintergrund, während die vorausspringend-befreiende Fürsorge dem Anderen hilft, in seiner eigenen Sorge frei und selbstständig zu werden.
Warum hält Heidegger den traditionellen Wahrheitsbegriff für unzureichend?
Heidegger kritisiert den adäquationstheoretischen Wahrheitsbegriff (Übereinstimmung von Aussage und Sache) als „verdinglicht“, da er den Vollzug des Daseins und die tiefere, existenzielle Grundlage von Entdecktheit außer Acht lässt.
Inwiefern ist das "Man" ein konstitutives Element des Daseins?
Das "Man" ist für Heidegger kein bloßes soziales Konstrukt, sondern ein Existenzial, das die alltägliche, anonyme Seinsweise des Daseins beschreibt, in der sich das Individuum in der Durchschnittlichkeit verliert.
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- Evelyne Fröstl (Author), 2009, Heidegger - Sein und Zeit: Stundenreflexionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/184018