Gewaltverbrechen sind heutzutage in allen Industrienationen noch immer an der Tagesordnung. Auffällig ist dabei stets, dass laut vorliegender Kriminalitäts- und Viktimisierungsdaten vor allem Vertreter des männlichen Geschlechts das Gewaltmonopol auf ihrer Seite haben. Gewalt ist dabei nicht nur gegenüber Frauen, welche somit zu Opfern hegemonialer Männlichkeit werden, auffällig, sie dient Männern auch zur Kontrolle anderer Männer. Geschlecht, Kriminalität und die Kontrolle derselben sollten hierbei nicht im traditionellen Verständnis einer männlichen Geschlechtsrolle oder der männlichen Sozialisation aufgefasst werden, schließlich gibt es bei weitem nicht nur die eine Dimension von „Geschlecht“, sondern derer viele verschiedenartige und nicht selten widersprüchliche Formen. Daher erscheint es wichtig, unterschiedliche kulturelle Traditionen miteinander zu vergleichen, in denen Männlichkeit ihren Ausdruck in Form von Gewalt verschiedenster Art findet.
Die vorliegende Arbeit werden existierende Formen hegemonialer Männlichkeit mit Hinblick auf die Männlichkeitsdarstellungen und Leitbilder von Männlichkeit verschiedener Kulturen im Hinblick auf deren Beeinflussung von Kriminalität und Gewalt, vor allem gegenüber dem weiblichen Geschlecht, untersucht. Dabei werden, von Deutschland ausgehend, Japan und Australien als Kulturbeispiele dienen, um der grundlegenden Frage ob und inwiefern Gewalt und Kriminalität in verschiedenen Gesellschaften durch die kulturspezifischen Darstellungen von Männlichkeit beeinflusst bzw. hervorgerufen werden. Dazu werden zunächst die historischen Grundlagen für die Männlichkeitsbilder der beiden Vergleichsländer untersucht, bevor vor allem das japanische Geschlechterverhältnis näher betrachtet und damit in Verbindung stehende, weit verbreitete Fehleinschätzungen aus Sicht der westlichen Welt offengelegt werden. Anschließend sollen Kriminalität und Gewalt, besonders sexueller Natur, näher betrachtet werden, um der Beantwortung der anfangs gestellten Frage näher zu kommen. Ein besonderes Exempel für gewalttätige Männergemeinschaften in heutigen Gesellschaften sollen hierbei Jugendgangs bilden.
Gliederung
Einleitung
A. Kulturspezifische Entwicklung der Leitbilder von Männlichkeit
I. Das australische Verständnis von Männlichkeit
a) Die Schaffung eines Männlichkeitsideals auf Grundlage des bushman
b) Der Australier der Zukunft, der Coming Man
II. Männlichkeit und Geschlechterverhältnis in Japan
a) Die andere Grundlage für Männlichkeit: Der tugendhafte samurai
b) Das japanische Geschlechterverhältnis aus westlicher Sicht
B. Kriminalität und Gewalt im Kulturvergleich
I. Sexuelle Gewalt vor dem Hintergrund kulturspezifischer Leitbilder von Männlichkeit
II. Kriminalität in Jugendgangs
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern kulturspezifische Leitbilder von Männlichkeit Gewalt und Kriminalität in verschiedenen Gesellschaften beeinflussen. Dabei liegt der Fokus auf einem Vergleich zwischen Australien und Japan, um zu analysieren, wie historische Männlichkeitsideale und soziokulturelle Entwicklungen das jeweilige Gewaltpotenzial sowie das Verständnis von Männlichkeit in der heutigen Gesellschaft formen.
- Historische Herleitung australischer Männlichkeitsmythen (bushman, digger, bushranger).
- Kulturelle Bedeutung des samurai-Leitbildes und dessen Wandel in Japan.
- Vergleich der Kriminalitätsraten, insbesondere im Bereich sexueller Gewalt.
- Analyse von Männlichkeitsdarstellungen in Jugendgangs beider Länder.
- Kritische Auseinandersetzung mit westlichen Interpretationsmustern japanischer Männlichkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Schaffung eines Männlichkeitsideals auf Grundlage des bushman
Trotz der großen Anzahl freier Siedler trug vor allem das Bild des im outback lebenden Ex-Sträflings, des bushman, zu der Bildung des kulturellen Leitbildes von Männlichkeit bei. Auf den ersten Blick dem nordamerikanischen Cowboy oder Trapper bzw. dem südamerikanischen Gaucho ähnelnd, unterschied sich der bushman jedoch nicht nur in Details von diesen. Die genannten Beispiele dienen wie der bushman als Vorlagen für den Entwurf eines freien, unabhängigen und ungebundenen Mannes der frontier society, wobei die Gestalt des australischen bushman jedoch durch seine Sträflingsherkunft sowie seine nomadisierende und bindungslose Existenz in einer Männergemeinschaft geprägt ist.
Zunächst von der neuen Oberschicht Australiens als unzivilisiertes und kriminelles Proletentum verabscheut, repräsentierten diese Landproleten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts für viele, meist radikale Autoren den Ausgangspunkt des weiß-australischen Nationalbewusstseins. Die ein entbehrungsreiches Leben führenden, in einer männlichen Gemeinschaft, in sogenannten huts, lebenden bushmen und ihre totale Bindungslosigkeit auf sozialer, familialer und kultureller Ebene, die als Ungebundenheit uminterpretiert wurde, bilden die Grundlage des australischen Männlichkeitsmythos.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung legt das Fundament für die Untersuchung von Männlichkeit als kulturelles Konstrukt und dessen Zusammenhang mit Gewaltphänomenen, indem sie die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen darstellt.
A. Kulturspezifische Entwicklung der Leitbilder von Männlichkeit: Dieses Kapitel analysiert die historischen Ursprünge der Männlichkeitsbilder in Australien und Japan und zeigt deren unterschiedliche soziokulturelle Prägungen auf.
B. Kriminalität und Gewalt im Kulturvergleich: Hier werden Kriminalitätsdaten sowie das Phänomen der Jugendgangs in beiden Ländern gegenübergestellt, um die Auswirkungen der verschiedenen Männlichkeitsleitbilder auf das reale Gewaltverhalten zu prüfen.
Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse des Kulturvergleichs zusammen und bestätigt, dass Männlichkeitsbilder kulturell stark variieren und das Verständnis von Kriminalität maßgeblich mitprägen.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Kulturvergleich, Australien, Japan, Gewalt, Kriminalität, bushman, samurai, Jugendgangs, Geschlechterverhältnis, Nationalbewusstsein, Sozialisation, Patriarchat, Kriminalitätsstatistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen kulturell geprägten Leitbildern von Männlichkeit und deren Einfluss auf die Ausübung von Gewalt und Kriminalität in verschiedenen Industrienationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung australischer Männlichkeitsmythen, das japanische samurai-Leitbild, der soziokulturelle Vergleich von Kriminalitätsraten sowie die Rolle von Jugendgangs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob und inwiefern Gewalt und Kriminalität durch kulturspezifische Darstellungen von Männlichkeit beeinflusst oder hervorgerufen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein kulturanthropologischer und historischer Vergleich angewandt, der vorhandene Kriminalitätsdaten, gesellschaftliche Leitbilder und soziologische Analysen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Männlichkeitsbilder in Australien und Japan, gefolgt von einem empirischen und vergleichenden Blick auf Kriminalität, sexuelle Gewalt und die Dynamiken in Jugendgangs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie hegemoniale Männlichkeit, Kulturvergleich, Geschlechterverhältnis und gesellschaftliche Sozialisation charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die Männlichkeitsideale in Australien und Japan?
Während das australische Ideal (bushman, digger) auf der Ungebundenheit des Einzelnen und einer "harten" Männlichkeit basiert, ist das japanische Ideal (samurai, salariiman) stärker an Loyalität, Disziplin und die Einordnung in Gruppenstrukturen gebunden.
Warum ist die Kriminalitätsrate in Japan laut der Untersuchung so viel niedriger?
Die Arbeit argumentiert, dass das japanische Verständnis von Männlichkeit, das weniger auf westlichem Durchsetzungszwang basiert, zu einer höheren Kompromissbereitschaft und kollektiveren Verhaltensweisen führt, was sich in geringeren Gewaltraten widerspiegelt.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Steve R. Entrich (Autor:in), 2008, Kulturspezifische Formen hegemonialer Männlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183910