Dieses frühe Werk setzt sich exemplarisch anhand eines Münchner Stadtteils im Nordwesten mit der hochindustriellen Erschließung und deren Folgen durch ein auch umstrittenes Unternehmen auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund
3. Historische Einführung
3.1. Industrielle Revolution in Allach und Untermenzing
3.2. Entstehungsgeschichte Krauss-Maffei
3.2.1. Die J. A. Maffei AG
3.2.2. Krauss & Comp.
3.3. Zwei Fusionen
4. Machtübernahme des NS-Regimes
4.1. Auswirkungen für die Lokomotivfabrik Krauss + Comp. J. A. Maffei AG
4.1.1. Umsiedlung nach Allach
4.1.2. Rüstungsproduktion
4.1.3. Folgen für die Belegschaft
4.2. Auswirkungen für den Stadtteil
4.2.1. Die Eingemeindung von Allach und Untermenzing
4.2.2. Luftangriffe im II. Weltkrieg
4.3. Fremd- und Zwangsarbeit
5. Die „Stunde Null“
6. Von der Nachkriegszeit in die Gegenwart
6.1. Wohnungsbau und Gastarbeit
6.2. „Leopardensprünge“
6.3. Soziales Engagement
7. Jüngste Entwicklungen
8. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die tiefgreifende Wechselwirkung zwischen dem Industriekonzern Krauss-Maffei und seinem Standort Allach-Untermenzing. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie sich die unternehmerischen Entwicklungen und politischen Rahmenbedingungen, speziell während der NS-Zeit, auf die Stadtteilentwicklung, die Infrastruktur und die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung ausgewirkt haben.
- Historische Entwicklung von Krauss-Maffei und deren Fusionen
- Die Auswirkungen der NS-Machtübernahme auf Produktion und Belegschaft
- Zwangsarbeit und Infrastrukturveränderungen während des Zweiten Weltkriegs
- Nachkriegsentwicklung, Wohnungsbau und soziale Integration
- Transformation zum Rüstungskonzern und spätere Diversifizierung
Auszug aus dem Buch
4.3. Fremd- und Zwangsarbeit
Das düsterste Kapitel der Krauss-Maffei Vergangenheit begann 1940 mit dem Einsatz von 264 italienischen Fremdarbeitern und 607 französischen Zwangsarbeitern, die gefangengenommen und verschleppt wurden. 1941 war die Zahl der zivilen Fremdarbeiter auf 659, die der Kriegsgefangenen auf 701 gestiegen. Ein Jahr später war dann ein sprunghafter Anstieg zu verzeichnen: die Zahl der Fremd- und Zwangsarbeiter stieg auf 5013. Bei der Hälfte von ihnen handelte es sich um Franzosen, ein Drittel waren „Ostarbeiter“, den Rest bildete ein „Völkergemisch“ aus über 20 Nationen. Die Belegschaft von 8960 Arbeitern im Jahr 1942 bestand damit überwiegend aus Ausländern. Um die französischen und russischen Gefangenen unterzubringen, kam es daraufhin zur Errichtung von Barackenlagern in Allach-Untermenzing, die mit der Bezeichnung Lager I bis IV versehen wurden.
Lager I lag direkt beim Werksgelände an der Krauss-Maffei-Straße und es waren dort 664 französische Gefangene, 171 Deutsche, als auch 629 Ausländer diverser Nationen inhaftiert bzw. untergebracht, somit war es das größte dieser Lager. In den Lagern II und IV, die sich beide an der Ludwigsfelderstraße befanden und von denen noch heute nahe des Bahnübergangs Ruinen existieren, waren hauptsächlich Franzosen, Ostarbeiter und russische Kriegsinhaftierte eingepfercht. Das verbleibende Lager III schließlich, war nur mit Franzosen belegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitende Reflexion über die methodische Vorgehensweise und die Herausforderungen bei der Quellenbeschaffung zur Industriegeschichte.
2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Darstellung des allgemeinen industriellen Wandels in der Region München um die Jahrhundertwende.
3. Historische Einführung: Analyse der Ansiedlung der Industrie in Allach und Untermenzing sowie der Entstehungsgeschichte von Krauss & Comp. und der J. A. Maffei AG.
4. Machtübernahme des NS-Regimes: Untersuchung der Transformation zum Rüstungsbetrieb und der drastischen Auswirkungen auf das Leben der Zwangsarbeiter und der ansässigen Bevölkerung.
5. Die „Stunde Null“: Beschreibung der chaotischen Übergangsphase nach Kriegsende und der Neuausrichtung des Betriebs unter US-Verwaltung.
6. Von der Nachkriegszeit in die Gegenwart: Erörterung der städtebaulichen Expansion, des Wohnungsbaus und der strategischen Ausrichtung des Konzerns in der Nachkriegszeit.
7. Jüngste Entwicklungen: Überblick über die Globalisierung des Konzerns und die strukturellen Veränderungen in den 80er und 90er Jahren.
8. Schlusswort: Persönliche Bilanz des Autors über die Auseinandersetzung mit der lokalen Industriegeschichte und familiären Bezügen.
Schlüsselwörter
Krauss-Maffei, Allach-Untermenzing, Industriegeschichte, Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Stadtentwicklung, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Wirtschaftsgeschichte, München, Lokomotivbau, Firmengeschichte, Infrastruktur, Werkswohnungen, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Einfluss des Unternehmens Krauss-Maffei auf den Münchner Stadtteil Allach-Untermenzing im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die industrielle Expansion, die Rolle des Unternehmens im Dritten Reich, die Bedingungen der Zwangsarbeit sowie der städtebauliche Wandel der Region.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen der industriellen Entwicklung des Standortes und den soziologischen sowie städtebaulichen Veränderungen für die Gemeinde aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, ergänzt durch die Auswertung von Archivmaterial und ergänzenden mündlichen Berichten von Zeitzeugen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: Von den Anfängen als Lokomotivfabrik über die Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg bis hin zur wirtschaftlichen Neuordnung in der Nachkriegszeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Allach-Untermenzing, Krauss-Maffei, Zwangsarbeit, Stadtteilgeschichte, Rüstungsproduktion und industrieller Wandel.
Welche Rolle spielte die Zwangsarbeit für den Konzern?
Während des Zweiten Weltkriegs stieg die Abhängigkeit des Werkes von Zwangsarbeitern massiv an, was zu katastrophalen Lebensbedingungen in den errichteten Barackenlagern führte.
Wie veränderte sich Allach durch Krauss-Maffei?
Das Werk prägte das Stadtbild nachhaltig durch den massiven Bau von Werkswohnungen, die Ansiedlung von Arbeitskräften und die städtebauliche Erschließung vormals ländlicher Flächen.
Wie wird das Ende der Firmengeschichte im Text bewertet?
Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über den Verlust der firmenhistorischen Aufarbeitung vor Ort und die ungelöste moralische Last der Vergangenheit.
Welche spezifische Bedeutung hat die "Stunde Null" für Krauss-Maffei?
Sie beschreibt den radikalen Schnitt durch die US-Besatzung, die Entnazifizierung der Belegschaft und den mühsamen Prozess der Umstellung von Rüstungsgütern auf zivile Reparaturarbeiten.
- Arbeit zitieren
- Oliver Köller (Autor:in), 2002, Industriegeschichte Allach-Untermenzing am Beispiel des Betriebs Krauss-Maffei, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183840