Die vorliegende Arbeit betritt das weite Feld der Behandlung einer Alkoholabhängigkeit. Die Frage, ab wann der Genuss von Alkohol zu einer behandlungsbedürftigen Krankheit wird, stellt sich nicht nur dem einen oder anderen Konsumenten, sondern auch vielen Fachleuten. Die damalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing schildert im Drogen- und Suchtbericht 2009, dass sich die Krankheit der Alkoholabhängigkeit über mehr als zehn Jahre „...vom riskanten Konsum alkoholischer Getränke über den schädlichen Konsum hin zu einer manifesten Abhängigkeit“ (Bätzing 2009, S. 46) entwickeln kann. Aufgrund erheblicher Verträglichkeitsunterschiede zwischen den Konsumenten ist es nicht nur eine Frage der konsumierten Menge, ob eine Alkoholabhängigkeit entsteht. Mit der Menge des Alkohols steigt jedoch das individuelle Risiko, alkoholbedingt zu erkranken sowie für sich und Andere physischen, psychischen und sozialen Schaden zu verursachen. Die Einstellung in der Bevölkerung zum Thema Alkohol ist ambivalent und viele Menschen wissen wenig über das Phänomen der Alkoholabhängigkeit. Das Thema wird unter den Konsumenten nicht ernst genug genommen, wodurch bis zu einer effektiven Behandlung oft viele Jahre vergehen.In der Fachwelt wird die Thematik der Alkoholabhängigkeit seit einigen Jahrzehnten umfassend untersucht und ausführlich dokumentiert. Die vorliegende Diplomarbeit fügt hier einen neuen und aktuellen Baustein ein: Das aus den USA stammende verhaltenstherapeutische Konzept des Community Reinforcement Approach zur Behandlung alkoholabhängiger Menschen wird als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit im deutschen Suchthilfesystem beleuchtet.
Hierbei wird das Konzept des Community Reinforcement Approach, das erst seit wenigen Jahren vereinzelt im bestehenden komplexen Suchthilfesystem in Deutschland umgesetzt wird, mit der Sozialen Arbeit im multiprofessionellen Team eben dieses Systems verknüpft. Der Community Reinforcement Approach hat in Deutschland bisher kaum Fuß gefasst, wodurch zum Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit im Rahmen dieses Ansatzes insgesamt wenig Erfahrungsberichte aus der Praxis existieren.
Die vorliegende Diplomarbeit möchte in diesem noch recht jungen Arbeitsfeld folgende Frage beantworten:
Wie passfähig sind der Community Reinforcement Approach und die Soziale Arbeit im Rahmen der Tätigkeit im deutschen Suchthilfesystem?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alkoholabhängigkeit
2.1 Das Phänomen der Alkoholabhängigkeit
2.1.1 Geschichte der Alkoholabhängigkeit als Krankheit
2.1.2 Begriffsbestimmungen: Abhängigkeit – Missbrauch – Sucht
2.2 Epidemiologie der Alkoholabhängigkeit
2.3 Ätiologie der Alkoholabhängigkeit
2.3.1 Das sozialwissenschaftliche Erklärungsmodell
2.3.2 Die psychologischen Erklärungsmodelle
2.3.2.1 Das lerntheoretische Erklärungsmodell
2.3.2.2 Das kognitive Erklärungsmodell
2.3.2.3 Das psychoanalytische Erklärungsmodell
2.3.2.4 Das persönlichkeitstheoretische Erklärungsmodell
2.3.3 Das (neuro-)biologische Erklärungsmodell
2.3.4 Das biopsychosoziale Erklärungsmodell
2.4 Folgeschäden der Alkoholabhängigkeit
2.4.1 Psychische Folgeschäden
2.4.2 Soziale Folgeschäden
2.4.3 Physische Folgeschäden
2.5 Behandlung der Alkoholabhängigkeit
2.5.1 Behandlungsphasen
2.5.2 Suchthilfesystem
2.5.2.1 Suchthilfe in der Kontaktphase
2.5.2.2 Suchthilfe in der Phase der Entgiftung
2.5.2.3 Suchthilfe in der Phase der Entwöhnung
2.5.2.4 Suchthilfe in der Phase der Nachsorge
2.5.3 Prinzipien und Ziele der Behandlung
2.5.4 Therapieansätze in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen
2.5.4.1 Verhaltenstherapie
2.5.4.2 Psychoanalytische Therapie
2.5.4.3 Systemische Therapie
2.5.4.4 Soziotherapie
3 Soziale Arbeit in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen
3.1 Das Profil der Sozialen Arbeit in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen
3.1.1 Soziale Arbeit im Suchthilfesystem
3.1.2 Klinische Sozialarbeit
3.2 Aufgaben der Sozialen Arbeit im Suchthilfesystem
3.2.1 Soziale Arbeit in der Sucht- und Drogenberatungsstelle (Kontaktphase)
3.2.2 Soziale Arbeit in der Entzugsbehandlung
3.2.3 Soziale Arbeit in der Entwöhnungsbehandlung
3.2.4 Soziale Arbeit in der Nachsorge
3.3 Relevante Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen
3.3.1 Die drei klassischen Methoden
3.3.2 Lebensweltorientierung
3.3.3 Case Management
3.3.4 Empowerment
3.3.5 Beratung
4 Der therapeutische Ansatz des Community Reinforcement Approach
4.1 Was ist der Community Reinforcement Approach?
4.1.1 Assessment
4.1.2 Abstinenz-Konto
4.2 Behandlung nach dem Community Reinforcement Approach
4.2.1 Medikamentöse Behandlung
4.2.2 Behandlungsplan
4.2.3 Skills Training
4.3 Spezielle Bereiche in der Behandlung nach dem Community Reinforcement Approach
4.3.1 Rückfallprävention
4.3.2 Paartherapie
4.3.3 Arbeitsberatung
4.3.4 Beratung im sozialen und Freizeitbereich
5 Der Community Reinforcement Approach als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit
5.1 Die Schnittmenge des Community Reinforcement Approach und der Sozialen Arbeit
5.1.1 Community Reinforcement Approach und Lebensweltorientierung
5.1.2 Community Reinforcement Approach und Case Management
5.1.3 Community Reinforcement Approach und Empowerment
5.1.4 Community Reinforcement Approach und Beratung
5.2 Die Verortung der Sozialen Arbeit im Community Reinforcement Approach
5.3 Die Aufgaben der Sozialen Arbeit in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen nach dem Community Reinforcement Approach
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Passfähigkeit des US-amerikanischen verhaltenstherapeutischen Konzepts des "Community Reinforcement Approach" (CRA) als Tätigkeitsfeld für die Soziale Arbeit innerhalb des deutschen Suchthilfesystems, mit dem Ziel, praktische Anwendungsmöglichkeiten und die Rolle der Sozialarbeit im multiprofessionellen Team zu identifizieren.
- Grundlagen der Alkoholabhängigkeit, deren Ätiologie und biopsychosoziale Erklärungsmodelle.
- Strukturen und Phasen des deutschen Suchthilfesystems in der Behandlung.
- Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit in der Suchthilfe.
- Detaillierte Vorstellung des Community Reinforcement Approach (CRA) als therapeutischer Ansatz.
- Analyse der Schnittmengen und der Verortung der Sozialen Arbeit innerhalb des CRA.
Auszug aus dem Buch
4.1 Was ist der Community Reinforcement Approach?
„Der Community Reinforcement Approach (CRA) ist ein umfassendes verhaltenstherapeutisches Konzept zur Behandlung von substanzbezogenen Problemen“ (Meyers und Smith 2011, S. 16). Die Verstärkung von alternativen Verhaltensweisen zum Alkoholkonsum sowie die Orientierung am sozialen Umfeld des Patienten stehen hier im Vordergrund (vgl. Soyka und Küfner 2008, S. 391). Soyka und Küfner beschreiben den Therapieansatz des CRA als ein „... umfassendes behavioristisch ausgerichtetes Behandlungspaket“ (2008, S. 391) und bezeichnen ihn als einen „... gemeindeorientierten Verstärkungsansatz“ (ebd.). Dem stimmt Reker nicht bedingungslos zu, denn die direkte Übersetzung des Terminus Community Reinforcement Approach erscheint missverständlich (vgl. Reker 2011a, S. 236).
Community soll, „... selbst wenn sich Ähnlichkeiten im alltagspraktischen Handeln aufdrängen ...“ (Reker 2011a, S. 236), nicht mit Gemeinde oder gemeindeorientiert übersetzt werden, denn diese Begriffe sind über die Gemeinde- bzw. die Sozialpsychiatrie in Deutschland traditionell anders belegt (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Alkoholabhängigkeit ein und stellt die Forschungsfrage nach der Passfähigkeit des Community Reinforcement Approach für die Soziale Arbeit in Deutschland.
2 Alkoholabhängigkeit: Dieses Kapitel erläutert das Phänomen der Alkoholabhängigkeit, deren Geschichte, Erklärungsmodelle (Ätiologie), Folgeschäden sowie das deutsche Suchthilfesystem.
3 Soziale Arbeit in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen: Hier werden das Profil, die Aufgaben sowie relevante Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit in diesem Fachbereich detailliert beschrieben.
4 Der therapeutische Ansatz des Community Reinforcement Approach: Dieses Kapitel stellt das verhaltenstherapeutische Konzept CRA, dessen Instrumente wie das Assessment und das Abstinenz-Konto, sowie spezielle Anwendungsbereiche dar.
5 Der Community Reinforcement Approach als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit: Hier wird die Schnittmenge zwischen CRA und Sozialer Arbeit analysiert, die Verortung der Sozialarbeit im CRA geklärt und deren Aufgaben abgeleitet.
6 Fazit und Ausblick: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Passfähigkeit des CRA als sinnstiftendes Tätigkeitsfeld für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Alkoholabhängigkeit, Soziale Arbeit, Community Reinforcement Approach, Suchthilfesystem, Verhaltenstherapie, Lebensweltorientierung, Case Management, Empowerment, Beratung, Suchtprävention, Rehabilitation, Patientenorientierung, Motivationsarbeit, multiprofessionelles Team, psychosoziale Betreuung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des verhaltenstherapeutischen "Community Reinforcement Approach" (CRA) als Handlungsrahmen für Fachkräfte der Sozialen Arbeit in der deutschen Suchthilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die biopsychosozialen Grundlagen der Alkoholabhängigkeit, das bestehende deutsche Suchthilfesystem, Methoden der Sozialen Arbeit sowie die Integration verhaltenstherapeutischer Ansätze in die sozialarbeiterische Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, zu analysieren, wie passfähig der CRA für die Soziale Arbeit im deutschen Kontext ist und welche spezifischen Aufgaben und Schnittmengen sich daraus für Sozialpädagogen ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Fachliteratur sowie Konzepte der Suchttherapie und Sozialen Arbeit integriert und vergleichend analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen der Sucht, die Rolle der Sozialen Arbeit (Profil und Aufgaben), die detaillierte Einführung in den CRA-Ansatz sowie die praktische Verknüpfung beider Felder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Alkoholabhängigkeit, Soziale Arbeit, Community Reinforcement Approach, Rehabilitation, Empowerment und Case Management beschreiben.
Wie unterscheidet sich der CRA von anderen Suchttherapien?
Der CRA fokussiert stark auf positive soziale Verstärker im Lebensumfeld des Klienten, anstatt sich primär auf die Defizite oder die reine Abstinenz als einziges Ziel zu konzentrieren.
Welche Rolle nimmt der Sozialpädagoge im CRA ein?
Der Sozialpädagoge fungiert als "Counseler", der den Patienten aktiv in der Planung unterstützt, als Schnittstellenmanager zur Vernetzung mit anderen Institutionen dient und den Prozess lösungsorientiert begleitet.
- Arbeit zitieren
- Dörthe Badenschier (Autor:in), 2011, Alkoholabhängigkeit. Community Reinforcement Approach als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183715