Die Arbeit legt folgende Schwerpunkte:
Einleitung - Entstehungshintergründe des Werks
War Poetry - Das War Requiem als Ausdruck von Brittens pazifistischer Haltung. Die geschickte dramaturgische Verbindung der War Poetry von Wilfred Owen mit dem liturgischen Requiem-Text, auch unter akutellem Bezug auf die Situation des Kalten Kriegs.
Brittens Musiksprache - Analyse einzelner Teile in der Diskussion um das bewußte Einsetzen bekannter Stilmittel und deren Wirkung unter Einbezug der Diskussion, ob es sich um eine epigonale Klangsprache handelt[...]
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Kompositionsanlaß und Rezeption
2. Wilfred Owen
3. Sassoon - Auden - Britten
4. Die Konzeption des War Requiems im Überblick
5. Recordare Jesu pie
5.1. Der Text
5.2. Die Großform
5.3. Die Melodieführung
5.4. Kleinformen
1. Das Vorspiel Z 39-40
2. Das Fugato Z 40-44
2.1. Die Melodiegruppen
2.2. Die Begleitgruppen
2.3. Die Verbindung der Themeneinsätze
2.4. Harmonie und motettische Verbindung der Stimmen
3. Das Nachspiel Z 44-45
4. Überleitung zum "Confutatis maledictis"
5.5. Zusammenfassung
5.6. Literatur. Brittens Handschrift im "Recordare Jesu pie"
6. Be slowly lifted up
6.1. Der Text
6.2. Die drei Gruppen
1. Die Schlagzeuggruppe
2. Die Rezitativ-/bzw. Akkordgruppe
3. Die Dies-irae-Gruppe
6.3. Gesamtkonzeption
7. The End
7.1. Stellung innerhalb des Werks
7.2. Das Gedicht
7.3. Die Musik
1. Z 93-94
1.1. 1. Klanggruppe
1.2. 2. Klanggruppe
2. Z 94-95
3. Z 95 - Ende
3.1. Die Fragen
3.2. Die Antworten
3.2.1. Das Alter
3.2.2. Die Erde
7.4. Zusammenfassung
8. Agnus Dei als verinnerlichter Höhepunkt
8.1. Die musikalische Form
1. Die Großform
2. Die ostinate Figur
3. Großes Orchester und Chor
4. Ökonomie der Parameter
8.2. Das Zentrum des Agnus Dei: At a Calvary near the Ancre
1. Die Melodie
2. Der musikalische Höhepunkt
3. Das Gedicht
8.3. Zusammenfassung
Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kompositionstechnik von Benjamin Britten in seinem "War Requiem" anhand ausgewählter Höhepunkte des Werks. Ziel ist es, die spezifische Art und Weise aufzuzeigen, wie Britten musikalische Traditionen mit pazifistischen Inhalten und der Lyrik von Wilfred Owen verknüpft, um eine eindringliche, für den Zuhörer verständliche Aussage gegen den Krieg zu formen.
- Analyse der kompositorischen Struktur und Ökonomie im War Requiem.
- Wechselwirkung zwischen liturgischen Texten und den Gedichten von Wilfred Owen.
- Die Rolle der Kammer- und Orchestergruppen in der Dramaturgie des Werks.
- Harmonische Konzepte, insbesondere der Einsatz von Bitonalität und dem Tritonus.
- Die Bedeutung der Klarheit und Durchsichtigkeit als künstlerisches Ideal Brittens.
Auszug aus dem Buch
Die Konzeption des War Requiems im Überblick
Gerade die Kathedrale von Coventry hat seit ihrer Zerstörung einen tief beeindruckenden Symbolcharakter, vor allem als Mahnmal und Begegnungsstätte der Völkerverständigung und des Friedens. Die Initiative schloß sich direkt an die Zerstörung der Stadt an und ging von dem unglaublich starken, ungebrochenen Willen der Bürger Coventrys aus. Rhetorisch stellt Britten zu seinem War Requiem auf diesem Hintergrund die Frage: "Womit hätte man also den Wiederaufbau dieser berühmten Kathedrale, deren Inschrift zu allen Zeiten 'Vater, vergib...' war, angemessener feiern können, als mit einer Vertonung dieser großartigen Totenliturgie - der Missa pro Defunctis?" Überraschend ist, wie gut beide Textebenen zusammenpassen, sich logisch auseinander zu ergeben scheinen. In keiner Weise erscheint die Kombination gewaltsam erzwungen, im Gegenteil, sie wirkt genial einfach, weil ihr Zusammengehören sich von selber versteht.
Wie in seinen Opern folgt Britten einem großen dramatischen Hauptstrang, der aus kleineren, in sich geschlossenen Abschnitten (wie Szenen eines Dramas) besteht. Der Konflikt besteht darin, daß die apokalyptischen Visionen der Kirche (u.a. Dies irae und Libera me) in Frage gestellt werden. Zwischen Tradition und persönlichem Erlebnis entsteht eine Kluft: Die christliche Kultur versagt angesichts der Kriegsgreuel. Das Kriegsgeschehen entzieht sich den daran beteiligten Individuen, scheinbar läuft es unbeeinflußt vom Willen des Menschen ab. Liturgie und Gedichtsebene treten dann in ein besonders deutliches Spannungsverhältnis. Die direkte Konfrontation der weltlichen Geschehnissen enthobenen Liturgie mit der plastischen Realität enthält zwangsläufig Kritik, Kritik an der Sinnlosigkeit, aber auch an unbeeindruckter Passivität. Der Gegensatz wird im Requiem aeternam und im Agnus Dei besonders deutlich. Im ersten Satz ist er im Sinn einer Thematik-Exposition vorgestellt, während das Agnus Dei innerer Ruhepol des ganzen Werks ist und die Gegensätzlichkeit miteinander verschmilzt. Das Untätigsein wird angeprangert, jedoch mit Distanz betrachtet, nicht aus dem Kriegsgeschehen heraus wie im ersten Gedicht. Entsprechend hat die im Requiem aeternam verwendete "Anthem" große Nervosität und Hektik, während "At a Calvary" ruhig dahinfließt und sich über der Passacaglia des Agnus-Dei-Textes entfaltet.
Zusammenfassung der Kapitel
Kompositionsanlaß und Rezeption: Beschreibt die Entstehung des Werks im Kontext des Wiederaufbaus der Kathedrale von Coventry und dessen breite gesellschaftliche Rezeption.
Wilfred Owen: Analysiert das Wirken und die Weltanschauung des Dichters Owen und den Einfluss seiner Kriegserlebnisse auf seine Lyrik.
Sassoon - Auden - Britten: Beleuchtet die literarischen und persönlichen Einflüsse, die Britten durch Autoren wie Siegfried Sassoon und W.H. Auden prägten.
Die Konzeption des War Requiems im Überblick: Bietet einen Gesamtüberblick über die dramatische Struktur und das Zusammenwirken von Liturgie und moderner Lyrik.
Recordare Jesu pie: Detaillierte musiktheoretische Analyse der Text- und Klangstruktur dieses Abschnitts.
Be slowly lifted up: Untersucht die dramatische Zuspitzung und die spezifische Instrumentation dieses musikalisch hochverdichteten Abschnitts.
The End: Analysiert die Stellung und Bedeutung des Gedichts "The End" innerhalb des Requiem-Textes und die damit verbundene Tonsprache.
Agnus Dei als verinnerlichter Höhepunkt: Erläutert die Form der Passacaglia und die Verknüpfung von spirituellem und weltlichem Leid.
Schlüsselwörter
Benjamin Britten, War Requiem, Wilfred Owen, Liturgie, Passacaglia, Tritonus, Bitonalität, Kriegslyrik, Kompositionstechnik, Kathedrale von Coventry, Frieden, Agnus Dei, Musikgeschichte, Pazifismus, Chormusik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die musikalische und konzeptionelle Struktur von Benjamin Brittens War Requiem und dessen kritische Auseinandersetzung mit dem Krieg.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von christlicher Liturgie zu moderner Kriegspoesie, die pazifistische Überzeugung des Komponisten und die kompositorische Ökonomie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifische musikalische Sprache Brittens im War Requiem zu entschlüsseln, die es ermöglicht, komplexe pazifistische Botschaften einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert musiktheoretische Werkanalysen, insbesondere zu Harmonik und formaler Gestaltung, mit einer inhaltlichen Interpretation der vertonten Gedichte.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf eine detaillierte Untersuchung einzelner Sätze (wie Recordare Jesu pie, Be slowly lifted up, The End und Agnus Dei), um Brittens Kompositionsprinzipien beispielhaft zu illustrieren.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bitonalität, Passacaglia, Kriegslyrik und die besondere instrumentale Zuordnung (Kammerorchester vs. großes Orchester) geprägt.
Welche Rolle spielt der Tritonus im War Requiem?
Der Tritonus fungiert als ein zentrales, strukturgebendes Intervall, das sowohl harmonische Spannung erzeugt als auch die thematische Einheit des Werks über verschiedene Sätze hinweg sichert.
Wie integriert Britten Owens Lyrik in das traditionelle Requiem?
Britten nutzt die Gedichte von Owen, um die traditionellen liturgischen Texte zu konfrontieren, zu kontrastieren oder um eine neue, tiefere Deutungsebene des menschlichen Leids zu eröffnen.
- Quote paper
- Sabine Krasemann (Author), 1992, Untersuchungen zu Benjamin Brittens 'War Requiem', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183568