Einleitung
La casa de los espíritus wurde 1982 von der chilenischen Autorin Isabel Allende geschrieben. Es ist von großer Bedeutung, dass dieser Allendes erster Roman war und direkt international sehr erfolgreich wurde. In einer spannenden Familiensaga, die über drei Generationen reicht, vereint sie Aspekte des Magischen Realismus und der politischen Entwicklungen Chiles im 20. Jahrhundert. Allein aus den gerade genannten Gründen erscheint eine Analyse des Romans äußerst interessant. Diese Arbeit wird sich allerdings auf die Figur Clara beschränken, da diese für sich schon viele bedeutende Gesichtspunkte mit sich bringt. So stellen sich uns zwei grundlegende Fragen: Welche Rolle spielt Clara innerhalb ihrer Familie und welche Bedeutung hat sie für den gesamten Roman?
In einem ersten Teil dieser Arbeit soll Claras Leben dargestellt werden, um so eine Basis für die weitere Analyse bieten zu können. Clara ist neben Esteban Trueba, einem reichen chilenischen Großgrundbesitzer, den sie im Laufe der Geschichte heiratet, sowie neben deren Tochter Blanca und Enkeltochter Alba eine der Protagonisten im Roman. Die Geschichte Claras geht von ihrer frühesten Kindheit bis zu ihrem Tod. Da diese sehr umfangreich ist, sollen in diesem Kapitel nur die bedeutungsvollsten Ereignisse aus ihrem Leben und die wichtigsten Personen aus ihrem sozialen Umfeld dargestellt werden. Auch aus diesem Grund scheint eine weitere Unterteilung des Kapitels in 1. Kindheit und Jugend, 2. Der Weg des Erwachsendwerdens und in 3. Die Veränderung sehr sinnvoll.
In dem zweiten Teil soll versucht werden, ein möglichst umfangreiches Bild von Claras Charakter zu schaffen. Hierzu soll nahe an dem spanischen Originaltext gearbeitet werden und so die besonderen Eigenschaften, die Claras Persönlichkeit auszeichnen, anhand von Zitaten erarbeitet und belegt werden.
In dem darauf folgenden Kapitel soll die über den Text hinausgehende Symbolik analysiert werden. Im Mittelpunkt der Symbolik steht natürlich Clara, aber auch ihr soziales Umfeld soll in diese Analyse miteinbezogen werden. Hier werden wir uns als allererstes der Frage widmen, ob und inwieweit Clara in diesem Roman als Symbol des bereits erwähnten realismo mágico gesehen werden kann. Des Weiteren teilen wir das soziale Umfeld Claras in eine Gruppe der Frauen und der Männer ein und erfahren so, insbesondere durch eine Untersuchung der Namen, wie sich die Symbolik hier verhält.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Claras Leben
1.1. Kindheit und Jugend
1.2. Claras Weg des Erwachsenwerdens
1.3. Die Veränderung
2. Claras Charakter
3. Die Symbolik in Claras Umfeld
3.1. Clara als Symbol des realismo mágico
3.2. Die weiblichen Figuren als Ausdruck des Lichtes
3.3. Die männlichen Figuren als Ausdruck der violencia
4. Konklusion: Die Rolle Claras in La casa de los espíritus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Figur Clara del Valle im Roman "La casa de los espíritus" von Isabel Allende. Dabei wird analysiert, wie Clara innerhalb ihrer Familie fungiert, welche Bedeutung sie für den Roman als Ganzes einnimmt und inwieweit sie als Symbol für den Magischen Realismus sowie als Gegenpol zur männlich dominierten Gewalt im Werk verstanden werden kann.
- Analyse der Lebensphasen Claras von der Kindheit bis zum Tod
- Charakterisierung von Claras Persönlichkeit und ihrer spirituellen Fähigkeiten
- Untersuchung von Clara als Verkörperung des "realismo mágico"
- Symbolische Interpretation der weiblichen Figuren als Lichtgestalten
- Gegenüberstellung männlicher Figuren als Ausdruck von Gewalt ("violencia")
Auszug aus dem Buch
3.1. Clara als Symbol des realismo mágico
Im Folgenden soll erläutert werden, warum Clara ein typisches Beispiel für den realismo mágico ist. Vorab soll jedoch kurz geklärt werden, was dieser Begriff meint. Der Terminus ‚Magischer Realismus’ wurde das erste Mal in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts von dem deutschen Kunsthistoriker Franz Roh benutzt. Er bezeichnete hiermit die neue Bewegung in der Malerei, die in der Zeit nach dem Expressionismus kam. Kurze Zeit später wurde er auch von dem Italiener Massimo Bontempelli verwendet. Seine Absicht war es, eine Literatur der Moderne zu begründen, in der es eine Welt hinter den Dingen geben und der Alltag als Wirklichkeit voller Geheimnisse dargestellt werden sollte, und gab dieser den Namen ‚Magischer Realismus’.
Nach Lateinamerika gelangte diese Strömung als realismo mágico recht früh und fand dort aufgrund der mythisch-magisch geprägten Kulturen ihre breiteste Verwendung. Es kam dort zu einer Verschmelzung von magischen Anschauungsformen aus dem indianischen Weltbild mit den realistischen Vorstellungen Europas. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Juan Rulfo, Miguel Angel Asturias und Gabriel García Márquez.
Durch die Figur Clara bringt Isabel Allende auch Aspekte des realismo mágico in ihren Roman. Clara hat besondere, nicht-menschliche Fähigkeiten, die an dieser Stelle genau erläutert werden sollen: Clara kann Träume und Zeichen deuten und so bestimmt Ereignisse voraussagen. Sie sieht z.B. den Tod ihrer Schwester Rosa, den Tod ihrer Eltern und das Erdbeben in ihren Träumen voraus:
Fue entonces cuando Clara comenzó a tener pasadillas, a caminmar sonámbula por los corredores y despertar gritando. En el día andaba como idiotizada, viendo signos premonitorios en el comportamiento de las bestias: que las gallinas no ponen su huevo diario, que las vacas andan espantadas [...] Comenzó el cataclismo al as cuatro de la madrugada. Clara depertó poco antes con una pesadilla apocalíptica de caballos reventados, vacas arrebatadas por el mar, gente reptando debajo de las piedras y cavernas abiertas en el suelo donde se hundían casas enteras.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Roman von Isabel Allende vor und formuliert die zentrale Fragestellung zur Rolle und Bedeutung der Figur Clara innerhalb der Familiensaga.
1. Claras Leben: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Claras von ihrer wohlbehüteten Kindheit über ihren Übergang ins Erwachsenenalter bis hin zu ihrer lebensverändernden Erfahrung durch ein Erdbeben nach.
2. Claras Charakter: Hier wird Claras Persönlichkeit analysiert, wobei ihr heiteres Wesen, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Bescheidenheit und ihr Selbstbewusstsein gegenüber ihrem Ehemann im Vordergrund stehen.
3. Die Symbolik in Claras Umfeld: Dieses Kapitel untersucht Clara als Symbol des Magischen Realismus, interpretiert die Lichtsymbolik ihrer weiblichen Verwandten und stellt diese der Gewalt darstellenden männlichen Figuren gegenüber.
4. Konklusion: Die Rolle Claras in La casa de los espíritus: Das Abschlusskapitel resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Clara weit mehr als eine Protagonistin ist; sie fungiert als die "Seele des Hauses", deren Tod den Zerfall der Familie markiert.
Schlüsselwörter
Clara del Valle, La casa de los espíritus, Isabel Allende, Magischer Realismus, realismo mágico, Symbolik, Familiensaga, Weiblichkeit, Gewalt, violencia, Chile, Literaturanalyse, Geistige Fähigkeiten, Lichtmetapher, Charakterstudie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der zentralen Figur Clara aus dem Roman "La casa de los espíritus" von Isabel Allende und untersucht deren Bedeutung für die Familiensaga.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf Claras Lebenslauf, ihre charakterlichen Eigenschaften, die Einordnung in den Magischen Realismus sowie die symbolische Aufladung ihres Umfelds.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezielle Rolle von Clara innerhalb der Familie und ihre funktionale sowie symbolische Bedeutung für den gesamten Roman zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die eng am spanischen Originaltext arbeitet und diese mit Zitaten sowie theoretischen Begriffen zum Magischen Realismus belegt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Darstellung, eine detaillierte Charakterisierung der Figur und eine symboltheoretische Analyse ihrer familiären Umgebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "realismo mágico", "Clara", "Symbolik", "violencia" und "Isabel Allende".
Warum spielt Clara eine besondere Rolle für den Magischen Realismus?
Clara besitzt übernatürliche Fähigkeiten wie Hellsehen, Telepathie und Telekinese, die im Roman als fester Bestandteil der alltäglichen Realität ihrer Familie dargestellt werden.
Welchen Einfluss hat das Erdbeben auf Claras Charakter?
Das Erdbeben fungiert als Wendepunkt, der Clara aus ihrer geistigen Abwesenheit und ihrer "Kinderwelt" reißt und sie zwingt, erstmals Verantwortung für ihr Leben und ihre Familie zu übernehmen.
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- Lisa Elsner (Author), 2010, Die Rolle Claras in Isabel Allendes Familiensaga 'La casa de los espíritus', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183486