Während die Menschen im Mittelalter nur sehr selten Bilder zu Gesicht bekamen, werden wir tagtäglich von Bildermassen geradezu überflutet. Doch sind es nur ganz bestimmte Bilder, die aus dem massenmedialen Alltag herausragen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen: die sogenannten Medienikonen. Um diese von den übrigen Bildern unterscheidbar zu machen, gibt es von wissenschaftlicher Seite Versuche, den Begriff der Medienikone zu definieren.
Benjamin Drechsel schlägt vor, den Begriff der politischen Medienikone einzuführen. Drechsel entwickelt in seinem Aufsatz „The Berlin Wall from a visual perspective: comments on the construction of a political media icon” ein Modell für die politische Medienikone anhand der Berliner Mauer. Der vorliegende Essay setzt sich mit der Frage auseinander, ob es sinnvoll ist, von politischen Medienikonen zu sprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung und theoretischer Rahmen
2.1 Eigenschaften der politischen Medienikone nach Drechsel
3. Analyse der Politisierung von Medienikonen
3.1 Fallbeispiel Marilyn Monroe
3.2 Probleme des Politikbegriffs
3.2.1 Das Beispiel der Berliner Mauer
3.2.2 Emanzipation als politischer Aspekt am Beispiel Josephine Baker
4. Kritische Würdigung der Kategorisierung
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das von Benjamin Drechsel entwickelte Konzept der „politischen Medienikone“. Ziel ist es zu hinterfragen, ob die vorgeschlagene Definition mittels des Kriteriums der „Politisierung“ geeignet ist, den Begriff der Medienikone trennschärfer zu definieren, oder ob dieser Ansatz durch die Vieldeutigkeit des Politikbegriffs an seine Grenzen stößt.
- Theoretische Fundierung des Ikonenbegriffs in den Visual Studies.
- Untersuchung der vier konstituierenden Merkmale politischer Medienikonen.
- Analyse der Bedeutung von Machtpolitik versus emanzipatorischer Politik.
- Kritische Überprüfung der Anwendung des Modells auf ikonische Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe und Josephine Baker.
- Bewertung der methodischen Eignung spezifischer Unterkategorien für die Ikonenforschung.
Auszug aus dem Buch
Zum Begriff der politischen Medienikone nach Benjamin Drechsel
Während die Menschen im Mittelalter nur sehr selten Bilder zu Gesicht bekamen, werden wir tagtäglich von Bildermassen geradezu überflutet. Doch sind es nur ganz bestimmte Bilder, die aus dem massenmedialen Alltag herausragen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen: die sogenannten Medienikonen. Um diese von den übrigen Bildern unterscheidbar zu machen, gibt es von wissenschaftlicher Seite Versuche, den Begriff der Medienikone zu definieren. Benjamin Drechsel schlägt vor, den Begriff der politischen Medienikone einzuführen. Drechsel entwickelt in seinem Aufsatz „The Berlin Wall from a visual perspective: comments on the construction of a political media icon“ ein Modell für die politische Medienikone anhand der Berliner Mauer. Der vorliegende Essay setzt sich mit der Frage auseinander, ob es sinnvoll ist, von politischen Medienikonen zu sprechen.
Benjamin Drechsel weist in seinem eben genannten Aufsatz auf die heterogene Verwendung des Ikonenbegriffs hin. In unterschiedlichen Zusammenhängen, je nach wissenschaftlichem bzw. populärwissenschaftlichem Feld, werde der Begriff anders verwendet. Auch die zahlreichen Arten von Ikonen und die Vermischung der einzelnen Typen von Medienikonen und Nicht-Ikonen, machen eine klare Definition notwendig. Im Konzept der politischen Medienikone sieht Drechsel eine Möglichkeit, den Begriff der Medienikone trennschärfer zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Bilderflut und Darstellung des Forschungsgegenstands sowie der Fragestellung zur Sinnhaftigkeit des Konzepts der politischen Medienikone.
2. Begriffsklärung und theoretischer Rahmen: Vorstellung der vier von Drechsel definierten Merkmale (Transmedialität, öffentliche Sichtbarkeit, Kanonisierung, Politisierung), die eine Medienikone konstituieren.
3. Analyse der Politisierung von Medienikonen: Untersuchung der engen Verknüpfung von Politisierung und Medienikonen anhand von konkreten Beispielen wie Marilyn Monroe und der Berliner Mauer sowie der Problematik des Politikverständnisses.
4. Kritische Würdigung der Kategorisierung: Reflexion über die Gefahren der inflationären Einführung von Unterkategorien für die wissenschaftliche Begriffsschärfe des Ikonenbegriffs.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass das Modell der politischen Medienikone zwar ein notwendiges Unterfangen zur Strukturierung darstellt, jedoch aufgrund der Unschärfe des Politikbegriffs methodisch unzureichend bleibt.
Schlüsselwörter
Medienikone, Politische Medienikone, Visual History, Benjamin Drechsel, Politisierung, Kanonisierung, Berliner Mauer, Marilyn Monroe, Josephine Baker, Bilddiskurse, Politikbegriff, Machtpolitik, Transmedialität, Ikonenforschung, Bildanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit der wissenschaftlichen Definition von Medienikonen und prüft kritisch den Ansatz von Benjamin Drechsel, bestimmte Bilder als „politische Medienikonen“ zu klassifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Bildwissenschaft (Visual History), das Verhältnis von Massenmedien und gesellschaftlicher Symbolbildung sowie die theoretische Problematik der Definition von Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Evaluation, ob Drechsels Konzept der politischen Medienikone geeignet ist, den schwammigen allgemeinen Ikonenbegriff trennschärfer zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, die theoretische Definitionen mit Fallbeispielen abgleicht und auf ihre logische Konsistenz prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale von Medienikonen, diskutiert das Fallbeispiel Marilyn Monroe unter dem Aspekt der Politisierung und hinterfragt das staatspolitische Machtverständnis von Drechsel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Medienikone, Politisierung, Visual History, Bilddiskurse und die kritische Analyse des Politikbegriffs.
Warum hält der Autor die Berliner Mauer als exklusives Beispiel für problematisch?
Der Autor argumentiert, dass Drechsels Fokus auf staatliche Machtpolitik zu eng gefasst ist und andere Formen von politischer Bedeutung, wie etwa Emanzipation, ignoriert.
Wie lässt sich Josephine Baker nach Ansicht des Autors in das Modell einordnen?
Obwohl sie eine Sexikone ist, kann sie als „emanzipationspolitische“ Ikone verstanden werden, was verdeutlicht, dass jede Ikone potenziell eine politische Dimension besitzt.
Führt die Einführung weiterer Unterkategorien von Ikonen zu mehr Klarheit?
Nein, der Autor warnt davor, dass eine zu starke Spezifizierung der Kategorien den eigentlichen Begriff der Medienikone entwertet und die analytische Kraft des Modells schwächt.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich des Konzepts?
Der Autor schließt, dass das Vorhaben zwar theoretisch sinnvoll ist, die gewählte Abgrenzung über das Kriterium der Politisierung jedoch „ins Leere führt“, da der Politikbegriff selbst zu unpräzise ist.
- Quote paper
- B.A. Lutz Feike (Author), 2011, Zum Begriff der "politischen Medienikone" nach Benjamin Drechsel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183481