Die Arbeit zeigt auf, dass Otfrid von Weißenburg ein äußerst durchdachtes literarisches Programm angewendet hat, um die Verwendung der Volkssprache, anstelle des üblichen Latein, in seinem Werk zu legitimieren. Das Programm und sein äußerst raffiniertses Vogehen dabei werden genau beschrieben und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Datierung des Evangelienbuches
2. Die Volkssprache zur Zeit der Entstehung des Evangelienbuches
3. Das Evangelienbuch Otfrid von Weißenburgs
3.1. Allgemeiner Überblick
3.2. Aufbau des ersten Kapitels
3.3. Untersuchung der Legitimierungsstrategie Otfrids von Weißenburg
4. Der weitere Verlauf der Verwendung der Volkssprache im Mittelalter
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Legitimierungsstrategien, mit denen Otfrid von Weißenburg im ersten Kapitel seines Evangelienbuches die Verwendung der Volkssprache rechtfertigt. Dabei wird untersucht, wie der Autor formale und inhaltliche Argumente, wie den Rückgriff auf lateinische Metrik sowie den Bezug auf Gott und die antiken Vorbilder Griechen und Römer, nutzt, um das Schreiben in der Volkssprache zu etablieren.
- Legitimierung der Volkssprache im Mittelalter
- Strukturelle Analyse des ersten Kapitels des Evangelienbuches
- Adaption lateinischer Metrik im Fränkischen
- Die Rolle der Volkssprache in der christlichen Missionierung
- Historischer Kontext der fränkischen Sprachentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.3. Untersuchung der Legitimierungsstrategie Otfrids von Weißenburg
Mit diesem Punkt soll der Versuch unternommen werden, sowohl die spezielle Situation der Volkssprache als auch die inhaltlichen Erklärungen Otfrids zur Verwendung der Volkssprache, in enger Verknüpfung zur äußeren Gestaltung des Textes, in Verbindung zu setzen. Anschließend soll durch die ausgefeilte Legitimierungsstrategie des Autors, die hier angewandt wird herausgefiltert werden können.
Da weiter oben die Situation der Volkssprache bereits ausführlich und die äußere Form in groben Zügen dargestellt wurden, werde ich den Fokus hier auf die inhaltliche Betrachtung legen. Diese soll aber an geeigneten Stellen durch die anderen Merkmale ergänzt werden.
Nimmt man zunächst eine grobe Gliederung des Inhalts im ersten Kapitel vor, zeichnet sich folgendes Bild ab. In den Versen 1 bis 32 beschreibt der Autor lediglich die Art und Weise des Schreibens sowie die damit verbundenen Absichten der Griechen und Römer. Es schließt sich in Vers 34 dann die Frage an, warum also die Franken nicht in der Lage seien „in fränkischer Sprache Gottes Lob zu verkünden“27. Hierauf schließen sich in den Versen 35 bis 50 unmittelbar die Antwort, nämlich, dass sich die Sprache noch nicht den Regeln beuge28 und eine Anweisung zur Rezeption und Reproduktion biblischer Texte in der Volkssprache für den Rezipienten an. In den Versen 51 bis 56 folgt ein Rückblick auf die Entstehung der Bibeltexte, an den sofort wieder die Frage aus Vers 34 anknüpft. Ab Vers 57 liest sich diese Kapitel wie eine Art Ermutigungsschreiben. Hier hebt Otfrid die fränkischen Taten und Eigenschaften hervor und preist sie, bis er sich in Vers 112 wieder dem eigentlichen Thema, seinem Evangelienbuch und der Legitimierung der darin verwendeten Volkssprache, zuwendet29.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Datierung des Evangelienbuches: Dieses Kapitel erörtert den Entstehungszeitraum des Evangelienbuches unter Berücksichtigung verschiedener Forschungsmeinungen, um eine solide Arbeitsgrundlage zu schaffen.
2. Die Volkssprache zur Zeit der Entstehung des Evangelienbuches: Der Abschnitt skizziert die politische und sprachliche Situation zur Zeit des Fränkischen Reiches sowie die bildungspolitischen Bemühungen unter Karl dem Großen.
3. Das Evangelienbuch Otfrid von Weißenburgs: Hier erfolgt eine Übersicht zum Werk, eine detaillierte Analyse des Aufbaus des ersten Kapitels sowie eine tiefgehende Untersuchung der angewandten Legitimierungsstrategien für die Volkssprache.
4. Der weitere Verlauf der Verwendung der Volkssprache im Mittelalter: Das Kapitel bietet einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der volkssprachlichen Literatur nach Otfrid bis hin zur Investiturstreit-Zeit.
Schlüsselwörter
Otfrid von Weißenburg, Evangelienbuch, Volkssprache, Legitimierungsstrategie, Mittelalter, Fränkisches Reich, Metrik, Christentum, Latein, Literaturtradition, Missionierung, Frühmittelalter, Philologie, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Otfrid von Weißenburg im ersten Kapitel seines Evangelienbuches begründet und legitimiert, sein Werk in der Volkssprache und nicht auf Latein zu verfassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der deutschen Volkssprache, mittelalterliche Legitimierungsstrategien in der Literatur sowie die metrische Gestaltung des Evangelienbuches.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifische Argumentationsweise und die formellen Strategien Otfrids herauszuarbeiten, mit denen er die Verwendung des Fränkischen im christlichen Kontext rechtfertigte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Textanalyse sowie den Abgleich mit historisch-politischen Rahmenbedingungen, um die Intention des Autors im Kontext seiner Zeit zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau des ersten Kapitels, die Adaption lateinischer Versmaße für das Fränkische sowie den direkten Bezug des Autors zum Rezipienten und zum göttlichen Wort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Volkssprache, Evangelienbuch, Otfrid von Weißenburg, Legitimierung, Metrik und die Geschichte der deutschen Literatur.
Welche Rolle spielt die Metrik in Otfrids Legitimierungsstrategie?
Otfrid übernimmt die römische Metrik, um zu beweisen, dass die fränkische Sprache ebenso kunstvoll und regelkonform wie das Lateinische sein kann, was den Vorwurf der Minderwertigkeit entkräftet.
Warum bezieht sich Otfrid auf antike Völker?
Er verweist auf Griechen und Römer, um zu zeigen, dass auch diese Völker ihre Identität und ihre kühnen Taten in der eigenen Sprache festhielten, und legitimiert damit den Anspruch der Franken, Gottes Lob in ihrer Muttersprache zu verkünden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Bedeutung des Evangelienbuches?
Die Autorin stellt fest, dass Otfrids Bemühungen zwar zu seiner Zeit singulär blieben, aber ein wichtiges, wegbahnendes Fundament für das spätere deutsche Schrifttum darstellten.
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- Julia Eder (Author), 2010, Die Volkssprache des Mittelalters in der Epik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183449