Die Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit sich die Tugenden, die dem Kaiser Traian im Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN zugesprochen werden, im größten Bauprojekt des Kaisers, dem Forum Traiani, wiederfinden. Der Arbeit liegt die These zugrunde, dass Traian als erster Adoptivkaiser, der zudem aus den Provinzen stammte, verschiedene propagandistische Möglichkeiten zur Legitimation seiner Herrschaft nutzte und nutzen musste. Insbesondere der Titel optimus princeps stand für große Leistungen Traians und war gleichzeitig eine Verpflichtung, diese auszubauen.
Im Hinblick auf den Titel des optimus princeps werden die Tugenden virtus, pietas, clementia und civilitas herausgegriffen, um zu untersuchen, wie diese direkt und indirekt im Forum Traiani dargestellt werden.
Die Analyse beginnt mit der Lage des Forums sowie mit dessen Architektur und Bestandteilen, bevor das Forum und die Märkte eingehender auf die o. g. Tugenden untersucht werden.
Das Fazit schließt mit einer Bewertung der Analyse sowie mit verschiedenen Ausblicken bezüglich weiterer Untersuchungsfelder.
Gestützt wird die Arbeit durch zahlreiche Abbildungen im Anhang.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tugenden im Panegyrikus Plinius’ des Jüngeren
3. Das Forum Traiani in Rom
3.1. Die Lage des Forum Traiani
3.2. Architektur und Bestandteile des Forums
3.3. Architektur als Propaganda im Forum und den Märkten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die kaiserlichen Tugenden, die Plinius der Jüngere in seinem Panegyrikus für Kaiser Traian hervorhebt, in dessen monumentalem Bauprojekt, dem Forum Traiani, architektonisch und propagandistisch umgesetzt und legitimiert wurden.
- Analyse des Tugendkanons (virtus, pietas, clementia, civilitas) im Panegyrikus
- Untersuchung der architektonischen Gestaltung des Forum Traiani als Herrschaftslegitimation
- Vergleich zwischen literarischer Überlieferung und archäologischen Quellen
- Darstellung der Verbindung von militärischen Erfolgen und ziviler Wohltätigkeit
- Propagandistische Funktion öffentlicher Bauten und deren Verbreitung via Münzprägung
Auszug aus dem Buch
3.3. Architektur als Propaganda im Forum und den Märkten
Nachdem im vorangehenden Kapitel das Forum mit seinen Bestandteilen beschrieben und augenscheinliche Tugenden und Propagandamaßnahmen bereits genannt wurden, sollen in diesem Kapitel die einzelnen Bestandteile des Forums sowie die Traiansmärkte auf Hinweise auf die Tugenden virtus, pietas, clementia und civilitas untersucht werden. Dabei ist insbesondere der Sieg über die Daker von 105/106 von großer Bedeutung für den Bau und die inhaltliche Gestaltung des Forums.
So wurde vor dem Bau des Forums öffentlich gemacht, dass die Kosten für dieses enorm große Forum mit seiner künstlerischen Ausstattung nicht von Rom und seinen Bürgern getragen wurde, sondern ex manubiis finanziert wurden. Dies zeigt sich auch im Dach der Kolonnaden mit verschiedenen Inschriften, die den Wortlaut „EX MANVBIIS“ enthalten. Die Finanzierung dieses Prestigeprojekts durch die Kriegsbeute des Kaisers zeigt, dass dessen virtus nicht nur charakterlich ausgeprägt, sondern zudem sehr erfolgreich umgesetzt wurde.
Die Abtragung des Hügelzugs kann als weitere Machtdemonstration Traians angesehen werden. Wie PLINIUS in seinem Panegyrikus erwähnt, scheint es, als könne Traian der Natur seinen Willen aufzwingen (vgl. Kapitel 2). Dass die Abtragung nicht nur als eine von vielen Baumaßnahmen aufgefasst wurde, zeigt die Inschrift der Traianssäule. Diese gibt Auskunft darüber, dass ihre Größe der des abgetragenen Hügels entspreche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Fragestellung, wie sich die im Panegyrikus des Plinius dem Kaiser Traian zugeschriebenen Tugenden im architektonischen Programm des Forum Traiani widerspiegeln.
2. Tugenden im Panegyrikus Plinius’ des Jüngeren: In diesem Kapitel werden die zentrale Rolle der Tugenden virtus, pietas, clementia und civilitas analysiert, die als Legitimation für das neue Herrschaftssystem des optimus princeps dienten.
3. Das Forum Traiani in Rom: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte archäologische und kontextuelle Untersuchung des Forums, seiner Lage und seiner Funktion als Propagandainstrument.
3.1. Die Lage des Forum Traiani: Es wird analysiert, wie die Platzwahl und die massiven Umbaumaßnahmen der Umgebung die städtebauliche Bedeutung und den Machtanspruch des Kaisers unterstrichen.
3.2. Architektur und Bestandteile des Forums: Die einzelnen Bauelemente wie die Basilica Ulpia, die Bibliotheken und die Traianssäule werden in ihrer architektonischen Form beschrieben und als Symbole kaiserlicher Ideale gedeutet.
3.3. Architektur als Propaganda im Forum und den Märkten: Dieser Abschnitt verknüpft die architektonischen Befunde direkt mit der propagandistischen Strategie, Traians Tugenden öffentlich und visuell wirksam zu inszenieren.
4. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst, wobei insbesondere die dominante Rolle der virtus und die bewusste Inszenierung der civilitas im Forum hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Traian, Forum Traiani, Panegyrikus, Plinius der Jüngere, Propaganda, Architektur, virtus, pietas, clementia, civilitas, optimus princeps, Herrschaftslegitimation, Dakerkriege, Basilica Ulpia, Traianssäule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der literarischen Darstellung des Kaisers Traian in einer Lobrede und dessen architektonischem Vermächtnis, dem Forum Traiani in Rom.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die römische Herrschaftslegitimation, der kaiserliche Tugendkanon und die symbolische Kommunikation durch Architektur und öffentliche Bauprojekte.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin geht der Frage nach, inwieweit sich die literarisch zugeschriebenen Tugenden wie virtus, pietas, clementia und civilitas im Forum Traiani wiederfinden und zur Propagierung des Titels "optimus princeps" genutzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der philologische Quellenanalysen (Panegyrikus des Plinius) mit archäologischen Untersuchungen (Baugeschichte, Münzdarstellungen) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Tugendbegriff bei Plinius sowie die baulichen Strukturen des Forums, wie die Lage, die Basilica Ulpia, die Bibliotheken und die Traianssäule, im Kontext ihrer propagandistischen Wirkung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Traian, Forum Traiani, Herrschaftslegitimation, Tugenden, Propaganda und der optimus princeps.
Inwiefern spielt der Vergleich mit Domitian eine Rolle für Traian?
Der Vergleich dient dazu, Traian durch die Gegenüberstellung seiner Tugenden mit der wahrgenommenen "tyrannis" Domitians als den moralisch überlegenen, idealen Kaiser zu stilisieren.
Warum wird die Abtragung des Hügelzugs für den Bau als so bedeutend erachtet?
Die massive landschaftliche Veränderung wird als gezielte Machtdemonstration gewertet, die verdeutlicht, dass der Kaiser in der Lage ist, der Natur seinen Willen aufzuzwingen, was wiederum seine virtus unterstreicht.
Wie trägt die Basilica Ulpia zur Legitimation bei?
Die Basilica fungiert nicht nur als Verwaltungsbau, sondern verkörpert durch ihre Größe und Ausstattung die civilitas Traians und seine Sorge um den florierenden Handel im Reich.
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- Ingrid Neteler (Author), 2011, Baukunst als Propaganda, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183234