Der Engländer Thomas Hobbes (1588-1679) gehört zu den Begründern der neuzeitlichen politischen Philosophie. Angeregt durch die revolutionären Umwälzungen und Bürgerkriege, die er im 17. Jahrhundert beobachten musste, verfasste er 1651 sein Hauptwerk über den Staat, den 'Leviathan'. Der Leviathan ist ein unbesiegbares Ungeheuer der biblischen Mythologie (aus dem Buch Hiob) und symbolisiert bei Hobbes den allmächtigen Staat, dem sich jeder mit bedingungslosem Gehorsam unterwerfen muss.
Das Werk liefert den Beweis der Notwendigkeit des Staates und bildet den Rahmen, in dem später politikphilosophische Denker über Recht und Herrschaft reflektierten. Die Hauptthese des Werkes besagt, dass der Individualismus überwunden werden muss, um ein Gemeinwohl zu erlangen. Dies geschieht durch die Errichtung eines Staates. Im Gegensatz dazu steht die Annahme, dass der "Mensch von Natur aus ein politisches Lebewesen", ein Bürger (zoon politicon), "ist.", auf welche Aristoteles das alteuropäische Politikverständnis begründet. Seine Philosophie bietet keine Begründung der Notwendigkeit des Staates. Der größte Gegensatz besteht jedoch im Verständnis des dann errichteten Staates. Im aristotelischen Modell kommen die Menschen als politische Wesen zu einer großen politischen Gemeinschaft zusammen, sie machen die Politik. Im Hobbesschen Staat gibt es eine klare Trennung von Gesellschaft und Staat; sobald dieser errichtet ist zieht sich der Mensch aus dem politischen Geschehen zurück. Thematisiert wird bei Aristoteles auch die Qualität der Herrschaft, nicht die Existenz einer Herrschaft überhaupt. Hobbes dagegen will vor dem seiner Meinung nach unpolitischen Menschen Herrschaft zunächst einmal rechtfertigen. "Hobbes ersetzt die für den politischen Aristotelismus charakteristische normative Opposition zwischen guter und schlechter Herrschaft durch den fundamentaleren Gegensatz zwischen Anarchie und Herrschaftsordnung."
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. mechanisches Weltbild der Neuzeit
1.2. Hobbes und die Vernunft
rationale Argumentation aus Prinzipien
Faszination Geometrie
1.3. Hobbes und die Bürgerkriege
2. Hauptteil - Der Leviathan
2.1. Formelle Darstellung des Leviathan und argumentative Vorgehensweise
synthetisch - analytisches Prinzip
2.2. Anthropologie Hobbes - Die Natur des Menschen
2.3. Der Naturzustand
2.4. Naturrecht und Naturgesetz
2.5. Der Weg aus dem Naturzustand - 'Vertrag eines jeden mit jedem'
2.6. Der Staat als Notwendigkeit zur vollständigen Überwindung des Naturzustandes
2.7. Die Rechte des Souveräns
3. Schluss
3.1. Vergleich von Hobbes und Locke.
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Legitimierung des Staates bei Thomas Hobbes, insbesondere auf der Grundlage seines Hauptwerks "Leviathan", unter Berücksichtigung der geistesgeschichtlichen, methodischen und historischen Rahmenbedingungen.
- Analyse des mechanistischen Weltbildes und der wissenschaftlichen Methode bei Hobbes.
- Darstellung der Anthropologie und des Naturzustands als hypothetisches Ausgangskonstrukt.
- Untersuchung der Entstehung des Staates durch den "Vertrag eines jeden mit jedem".
- Vergleich der Staatstheorie von Thomas Hobbes mit der von John Locke.
Auszug aus dem Buch
Der Naturzustand
Nachdem Hobbes nun den Menschen als einzelnes Individuum studiert und beschrieben hat, führt er ein radikales Gedankenexperiment durch: er stellt sich den Menschen zwar unter anderen Menschen, aber in einem Zustand vor, in dem es kein Gemeinwesen und auch keine bürgerliche Gesellschaft mit Regeln oder Gesetzen gibt. Blicken wir noch einmal auf Hobbes' mechanistisches Weltbild zurück, so finden wir wieder Parallelen zu Galilei; dieser führte bei seinen Falluntersuchungen ein ähnliches Gedankenexperiment durch, allerdings mit dem Unterschied, dass es sich nicht um einen Raum ohne Sitten und Gesetze handelte, sondern ohne Luft. Diesen Raum, diesen Zustand des Menschen nennt Hobbes den 'Naturzustand'. In ihm geht Hobbes von einer Mehrzahl von Menschen aus, die mit einer Gleichheit des Potentials ihrer Eigenschaften ausgestattet sind. Das bedeutet auch, dass jeder Mensch die für unsere Untersuchung bedeutendste Eigenschaft besitzt: er kann einen anderen Menschen töten. In diesem Zustand stellt der Mensch den größten Feind für seinesgleichen dar: "homo homini lupus - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf", so bringt Hobbes' berühmter Ausspruch dieses Phänomen auf den Punkt. Der Mensch strebt als erstes nach der Erhaltung seines eigenen Lebens und zweitens nach dem Besitz möglichst vieler Güter. Durch die egoistische Natur des Menschen sind drei Hauptgründe für Konflikte im Naturzustand gegeben: "Erstens Konkurrenz, zweitens Unsicherheit, drittens Ruhmsucht." Jeder Mensch möchte die Sicherung seines Glücks und seiner Macht den anderen vorwegnehmen, bevor diese ihn gefährden. Bevor also jemandes Besitz oder Leben angegriffen werden kann, ist jeder gezwungen, in anbetracht seiner eigenen Vernichtung, dem anderen zuvorzukommen, im Sinne von: 'Angriff ist die beste Verteidigung'. Der Mensch muss "in Antizipation der Gewalt Gewalt anwenden."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Person Thomas Hobbes und den historischen Kontext, sowie Vorstellung des mechanistischen Weltbildes als Basis seiner Philosophie.
2. Hauptteil - Der Leviathan: Detaillierte Herleitung der Staatsnotwendigkeit aus der anthropologischen Analyse des Naturzustands und der vertragstheoretischen Konstruktion der Souveränität.
3. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und komparative Betrachtung der Hobbesschen Theorie mit dem Ansatz von John Locke.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Staatslegitimierung, Naturzustand, Vertragstheorie, Souveränität, Mechanistisches Weltbild, Politische Philosophie, Vertrag eines jeden mit jedem, John Locke, Naturrecht, Naturgesetz, Anthropologie, Absolutismus, Gewaltenteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die philosophische Herleitung und Legitimierung des Staates durch Thomas Hobbes im "Leviathan".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das mechanistische Weltbild, die Natur des Menschen, der Naturzustand als Kriegszustand und die Errichtung eines absolutistischen Staates durch einen Gesellschaftsvertrag.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Hobbes auf Basis methodischer und anthropologischer Überlegungen die Notwendigkeit des Staates als Mittel zur Friedenssicherung deduziert.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Hobbes verwendet eine mathematisch orientierte, analytisch-synthetische Methode, die komplexe Phänomene in ihre einfachsten Bestandteile zerlegt und aus diesen wieder zusammensetzt.
Welcher Inhalt steht im Mittelpunkt des Hauptteils?
Im Hauptteil wird die formelle Struktur des Leviathan erläutert sowie der Prozess von der menschlichen Natur über den konfliktgeladenen Naturzustand bis hin zur staatsbegründenden Vertragsschließung analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leviathan, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, absolute Souveränität, Selbsterhaltung und der Vergleich mit John Locke.
Worin besteht der Hauptunterschied zwischen dem Naturzustand bei Hobbes und Locke?
Bei Hobbes ist der Naturzustand ein radikaler Kriegszustand ohne Moral und Eigentum, während Locke das Eigentumsrecht bereits im Naturzustand verankert sieht.
Warum lehnt Hobbes eine Gewaltenteilung ab?
Hobbes lehnt eine Gewaltenteilung ab, da er eine absolute, ungeteilte Macht als notwendig erachtet, um Frieden zu garantieren und das Entstehen von Konflikten sowie Anarchie wirksam zu verhindern.
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- Cana Nurtsch (Author), 2007, Die Legitimierung des Staates bei Thomas Hobbes auf der Grundlage des Leviathan, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183039