Das Hauptseminar “Kelten und frühe Germanen zwischen Alpen und Nordsee” behandelte
die grundlegenden Veränderungen in Mitteleuropa in den Jahrhunderten um die Zeitenwende.
Insbesondere wurden Fragen der Chronologie im keltischen und germanischen
Gebiet im Zusammenhang mit den römischen Eroberungen im Raum nördlich der Alpen
bearbeitet. Im Rahmen dieser Hauptseminarsarbeit wird das Hunsrück-Nahe und Mittelrheingebiet
untersucht. Zeitlich steht die Entwicklung und Gliederung der Spätlatèneperiode
(SLT), ihre Abgrenzung zur vorangehenden Mittellatènezeit (MLT) und zur anschließenden
Älteren römischen Kaiserzeit (ÄRKZ) im Mittelpunkt des Interesses. Dabei
stützt sich diese Seminararbeit vornehmlich auf die Vorarbeiten von Alfred HAFFNER und
Andrei MIRON.1 Das Ziel der Untersuchung ist eine Gliederung des Fundmaterials und
darauf aufbauend, die Überprüfung der bestehenden Chronologieschemata dieses Gebiets
(vgl. 6). Dazu werden zunächst im Kapitel zum Arbeitsgebiet (2) die Grenzen (2.1) festgelegt
und auf die topographischen Grundzüge (2.2) eingegangen. Das anschließende
Kapitel zur Forschungsgeschichte (3) in der Region zielt weniger auf eine lückenlose
Darstellung der Forschungsbemühungen, als vielmehr auf eine Hinführung zum aktuellen
Forschungsstand. Im folgenden Teil der Arbeit werden die Befunde (4) getrennt nach
Gräbern (4.1) und Siedlungen (4.2) vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den
Gräberfeldern, die im Kontext der Erstellung regionaler Chronologien die wichtigste
Quellengattung darstellen, da die Chronologien überwiegend auf Kombinationsstatistiken
aus geschlossenen Fundzusammenhängen beruhen, während Streufunde aus Siedlungen,
auch wegen der oft unzureichend aufgenommenen stratigraphischen Zusammenhänge,
weniger zu zeitlichen Gliederungschemata beitragen können. Es folgt eine kurze Übersicht
über die chronologisch ansprechbaren Fundgattungen (5), die Aussagekraft haben
für eine chronologische Auswertung (6). Im Einzelnen soll in diesem Kapitel vor allem
auf die chronologischen Gliederungsvorschläge von HAFFNER (6.1) und MIRON (6.2) und
auf die absolutchronologischen Zusammenhänge eingegangen (6.4) werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Arbeitsgebiet
2.1 Grenzen des Arbeitsgebietes
2.2 Topographische Grundzüge des Arbeitsgebietes
3. Forschungsgeschichte
4. Die Befunde
4.1 Die Gräber
4.1.1.1 Lage, Erhaltungs- und Publikationsstand
4.1.1.2 Bestattungssitte
4.1.1.3 Ausstattung der Gräber
4.2 Siedlungen
5. Chronologisch ansprechbare Fundgattungen
6. Chronologische Auswertung
6.1 HAFFNERS Gliederung der Spätlatène und Übergangszeit
6.2 MIRONS Gliederung der Spätlatène- und Übergangszeit
6.3 Bewertung der Relativchronologien
6.4 Absolute Chronologie
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Gliederung der Spätlatèneperiode im Hunsrück-Nahe- und Mittelrheingebiet mit dem Ziel, das Fundmaterial neu zu gliedern und die bestehenden Chronologieschemata kritisch zu überprüfen.
- Analyse der chronologischen Gliederung der Spätlatènezeit (SLT).
- Gegenüberstellung und Bewertung der Ansätze von Alfred Haffner und Andrei Miron.
- Untersuchung von Grabfunden als primäre Quelle für die Erstellung regionaler Chronologien.
- Erörterung der Bedeutung von Leitformen, insbesondere der Nauheimer Fibel, für die Feinchronologie.
- Diskussion der absoluten Datierung auf Basis dendrochronologischer Daten.
Auszug aus dem Buch
4.1.3 Ausstattung der Gräber
An erster Stelle unter den Beigaben steht die Gefäßkeramik (vgl. Tab. 3 und 4 zur Verteilung in Horath). In der SLT-Zeit dominiert bei der Keramik Drehscheibenware, häufig mit Glättverzierung, gegenüber handgeformten Gefäßen, die oft mit Pichungen verziert ist. Auffällig ist eine Häufung gleichartiger Typenkombination bei Bestattungen mit mehr als fünf Gefäßen, zusammengesetzt aus Flaschen, Terrinen, hohen Bechern oder Tonnen, niedrigeren Becherformen sowie Schalen und Schüsseln. In der SLT-Zeit wird die Waffenbeigabensitte (Schwert, Lanzen, Speere) wieder aufgegriffen, wobei die beigegebenen Waffen rituell zerstört werden, und es treten vermehrt Werkzeuge (Äxte, Beile) und Geräte (Hieb-, Rasiermesser) auf. Bei Männergräbern finden sich häufig eine Fibel, seltener zwei und nur vereinzelt drei Fibeln, meist aus Eisen, sonst aus Bronze, überwiegend nach MLT-Schema konstruiert. Bei Frauenbestattungen treten weit häufiger Fibeln vom SLT-Schema meist aus Bronze auf. Zu den mindestens zwei Fibeln vom SLT-Schema tritt meist noch eine Fibel vom MLT-Schema. Weitere Beigaben können Perlen, Körbchen-, Bommel-, Kamm- und Radanhänger, Spiral- und Hohlblecharmringe, Fingerringe, selten Münzen und Schlüssel sein. In der ÄRKZ werden nahezu alle Ausstattungs-gruppen weiterhin berücksichtigt, zu denen nun allerdings Terra Sigillata, Lampen, römische Münzen in großer Zahl, Glasgefäße mit Kosmetika (Wederath 2300, 1026), kosmetisches und medizinisches Gerät (Wederath 1539, 1600) und Terrakotten als spezifisch römische Beigaben hinzutreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, des Untersuchungsgebiets und des Forschungsziels bezüglich der chronologischen Gliederung der Spätlatèneperiode.
2. Das Arbeitsgebiet: Definition der geographischen Grenzen und Beschreibung der topographischen Charakteristika des untersuchten Raumes.
3. Forschungsgeschichte: Überblick über die Entwicklung der archäologischen Forschung im Hunsrück-Nahe-Raum und die Etablierung des aktuellen Forschungsstandes.
4. Die Befunde: Detaillierte Vorstellung des archäologischen Materials, gegliedert in Gräber und Siedlungen, mit Fokus auf Gräberfeldern als chronologische Basis.
5. Chronologisch ansprechbare Fundgattungen: Erläuterung der für die Chronologie wichtigsten Fundgruppen, insbesondere Keramik und Fibeln.
6. Chronologische Auswertung: Analyse der Gliederungsvorschläge von Haffner und Miron sowie Diskussion der relativen und absoluten Chronologie.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der chronologischen Möglichkeiten und Grenzen aufgrund des vorliegenden Fundmaterials.
Schlüsselwörter
Spätlatènezeit, Hunsrück-Nahe, Mittelrhein, Chronologie, Gräberfelder, Keramik, Fibeln, Nauheimer Fibel, Bestattungssitte, Siedlungsforschung, Alfred Haffner, Andrei Miron, Treverer, Eisenzeit, Archäologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Einordnung und zeitlichen Gliederung der Spätlatènezeit im Hunsrück-Nahe- und Mittelrheingebiet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Zentrum stehen die chronologische Auswertung des Fundmaterials, die Erstellung regionaler Feinchronologien und die Überprüfung bestehender Periodisierungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist eine präzise Gliederung des Fundmaterials sowie eine kritische Überprüfung und Synthese der bestehenden Chronologieschemata für das Untersuchungsgebiet.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Untersuchung stützt sich primär auf die Auswertung von Grabfunden, insbesondere durch Kombinationsstatistiken und horizontalstratigraphische Analysen der Keramik- und Fibelformen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Befunde (Gräber und Siedlungen), eine Analyse der chronologisch relevanten Fundgattungen sowie eine detaillierte chronologische Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Spätlatènezeit, Hunsrück-Nahe, Chronologie, Gräberfelder, Keramik, Fibelformen und Treverer.
Warum wird die Nauheimer Fibel in der Arbeit so intensiv diskutiert?
Die Nauheimer Fibel ist ein entscheidendes chronologisches Leitfossil für die Spätlatènezeit, dessen Verbreitung und zeitliche Einordnung wesentlich zur Feinchronologie des Raumes beiträgt.
Welche Rolle spielen die Gräberfelder von Wederath und Horath?
Diese Gräberfelder stellen aufgrund ihrer Größe und des guten Publikationsstandes die wichtigste Datenbasis für die Erstellung der regionalen Chronologien dar.
Wie ist die absolute Chronologie im Untersuchungsgebiet belegt?
Die absolute Datierung stützt sich auf wenige dendrochronologische Anhaltspunkte und Vergleiche mit historisch datierten Lagern, wobei die Datenlage als äußerst gering eingestuft wird.
Wie bewertet die Arbeit die Ergebnisse von Miron und Haffner?
Die Arbeit führt die Vorarbeiten von Haffner und Miron zusammen und verfeinert deren Gliederungssysteme durch eine detailliertere Analyse der Keramik- und Fibeltypen, weist jedoch auch auf die methodischen Grenzen bei der Phasentrennung hin.
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- M. A. Daniel Funke (Author), 2007, Kelten und frühe Germanen zwischen Alpen und Nordsee, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/183025