„It got drunk and now it's got a hangover”, mit diesen Worten versuchte George W. Bush einst vor geschlossener Gesellschaft zu erklären, wie die größte Volkswirtschaft der Erde in eine Rezession geraten konnte und mit ihr die Welt in die tiefste Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte stürzte. Mit „it“ hatte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten die Wall Street gemeint und sich genauer genommen auf die Finanzmärkte bezogen. Deren Zusammenbruch in den Jahren 2007 und 2008 hatte zur schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression geführt und weitreichende Auswirkungen auf die Realwirtschaft gehabt. Über ein Jahr sowie Hunderte von Milliarden schwere Rettungsprogramme vieler Länder später, scheint die Wirtschaftswelt langsam wieder etwas Luft holen zu können. Dabei sind die Nachwehen der Krise immer noch allgegenwärtig. Das Aus der niederländischen DSB Bank, durch einen Bank-Run ihrer Kunden hervorgerufen, die Pleite der US-Mittelstandsbank CIT oder die erst jüngst erfolgte Verstaatlichung der österreichischen Hypo Group Alpe Adria verbunden mit den Milliardenverlusten bei der BayernLB, sind nur drei Nachrichten, die im direkten Zusammenhang zur Finanzkrise stehen und mich während der Arbeit an meinen Ausführungen erreichten. Wer über die Ursachen der jüngsten Weltwirtschaftskrise schreiben möchte, schreibt daher gezwungenermaßen über die Gründe der Finanzkrise.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt sodann auch auf den Ausgangbedingungen und Verstärkungsmechanismen der Finanzkrise. Dabei soll deutlich werden, dass es für eine Finanzkrise in diesem Ausmaß wesentlich mehr braucht, als von Gier geblendete Bankenmanager, welche in den Medien gerne als die Hauptverantwortlichen der Krise abgestempelt werden. Vielmehr liegt ihr Ursprung in einem komplexen Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure und Faktoren, sowohl auf makroökonomischer als auch auf mikroökonomische Ebene, wobei sich Entwicklungen auf beiden Ebenen gegenseitig begünstigten und prozyklische Dynamiken zum Vorschein brachten. Nicht zuletzt soll deutlich gemacht werden, dass Defekte in den Finanzmärkten sowie allzu oft durch übertriebene Marktgläubigkeit provozierte Fehlentscheidungen in der Wirtschaftspolitik zur Verursachung und Verschärfung der Krise beigetragen haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Ausgangsbedingungen der Krise
2.1 Makroökonomische Ungleichgewichte
2.2 Die Zinspolitik der Federal Reserve
2.3 Unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte
2.4 Neue Finanzmarktinstrumente durch Verbriefung und Strukturierung
2.5 Fristentransformation durch Schattenbanken
2.6 Irrationale Märkte: Animal Spirits
3 Ausbruch und Ausbreitung der Krise
3.1 Die Immobilienblase platzt
3.2 Der Subprime-Markt gerät unter Druck
4 Verstärkungsmechanismen der Krise
4.1 Ein moderner Bankensturm
4.2 Der Fall (von) Lehman Brothers
4.3 Die Ohnmacht der Federal Reserve
5 Der Weg in die globale Rezession
6 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, den Verlauf und die Verstärkungsmechanismen der Weltwirtschaftskrise von 2007/2008. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Krise nicht durch Einzelereignisse, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel makroökonomischer Fehlentwicklungen und struktureller Defekte im Finanzsektor entstand.
- Makroökonomische Ungleichgewichte als Auslöser (z.B. globale Ersparnisüberschüsse)
- Die Rolle der Zinspolitik der Federal Reserve und das Entstehen von Spekulationsblasen
- Strukturelle Veränderungen der Finanzmärkte durch Verbriefung und Schattenbanken
- Die Eskalation der Krise durch Vertrauensverlust und Bankenstürme
- Die Übertragung der Krise auf die Realwirtschaft und die Grenzen der Krisenpolitik
Auszug aus dem Buch
2.4 Neue Finanzmarktinstrumente durch Verbriefung und Strukturierung
Die Verbriefung von Krediten, das heißt ihre Transformation in handelbare Wertpapiere, die den Besitzern das Recht an den Einnahmen aus den Forderungen garantieren, ist weder ein neues noch ein an sich schädliches Verfahren. Sie basiert auf der Idee, dass Risiken, die mit der Vergabe und Annahme von Krediten einhergehen weder an die Kreditgeber noch an die Schuldner, sondern an eine dritte Partei weitergereicht werden. Dieses Verfahren hatte mehrere Vorteile, die in der Vergangenheit zu einer enormen Ausweitung des Kreditschöpfungspotenzials beitrugen.
Die Möglichkeit, Kreditrisiken auszulagern, indem man verbriefte Kreditportfolios direkt an einen Endinvestor veräußerte, senkte die Gesamtkosten der Kreditvermittlung und machte eine geringere Kapitalunterlegung der Banken notwendig. Eigenkapital, das aufgrund gesetzlicher Bestimmungen für bestehende Kredite bereit gehalten werden musste, konnte für andere Zwecke abgezogen werden, was neue Spielräume für die weitere Kreditvergabe eröffnete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Weltwirtschaftskrise ein und betont, dass ihr Ursprung in einem komplexen Zusammenwirken unterschiedlicher makro- und mikroökonomischer Faktoren liegt.
2 Die Ausgangsbedingungen der Krise: Dieses Kapitel analysiert die globalen makroökonomischen Ungleichgewichte, die expansive Zinspolitik der Federal Reserve und die Rolle neuer Finanzinstrumente wie Verbriefungen.
3 Ausbruch und Ausbreitung der Krise: Hier wird der Prozess beschrieben, wie das Platzen der US-Immobilienblase den Subprime-Markt unter Druck setzte und zur ersten Eskalationsstufe der Krise führte.
4 Verstärkungsmechanismen der Krise: Dieses Kapitel behandelt die Mechanismen, wie etwa moderne Bankenstürme und die Insolvenz von Lehman Brothers, die zur globalen Finanzkrise führten und die Wirksamkeit der Zentralbankpolitik infrage stellten.
5 Der Weg in die globale Rezession: Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft und die Mechanismen ihrer internationalen Ausbreitung, insbesondere auf Schwellenländer, stehen hier im Fokus.
6 Resümee und Ausblick: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Krisenursachen zusammen und diskutiert notwendige Lehren für die künftige Gestaltung der globalen Finanzordnung.
Schlüsselwörter
Weltwirtschaftskrise, Finanzkrise, Subprime-Krise, Immobilienblase, Federal Reserve, Verbriefung, Schattenbanken, Liquidität, Bankensturm, Lehman Brothers, Deleveraging, makroökonomische Ungleichgewichte, Animal Spirits, Zinspolitik, Kreditklemme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008, wobei ein besonderer Fokus auf den strukturellen Fehlern im Finanzsystem und der Geldpolitik liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen globale makroökonomische Ungleichgewichte, die Rolle von Zentralbanken, die Mechanismen der Kreditverbriefung sowie die psychologischen Faktoren von Marktblasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die Krise ein systemisches Versagen ist, das auf das Zusammenwirken von Gier, fehlerhaften Anreizstrukturen und einer politisch fehlgeleiteten Regulierung zurückzuführen ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Datenanalyse sowie der Anwendung finanzwissenschaftlicher Theorien, um die Entstehung und Dynamik der Krise zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ausgangsbedingungen, den Ausbruch der Krise im Immobilienmarkt und die verschiedenen Verstärkungsmechanismen, wie etwa den Zusammenbruch des Schattenbanksystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Verbriefung, Subprime-Hypotheken, Liquiditätskrise, Zentralbankpolitik und systemische Risiken sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Welche Rolle spielte die Federal Reserve bei der Entstehung der Krise?
Der Autor argumentiert, dass eine unangemessen expansive Zinspolitik unter der Ägide von Alan Greenspan ein Umfeld schuf, das riskante Finanzexzesse und eine Überhitzung am Immobilienmarkt geradezu provozierte.
Warum war der Zusammenbruch von Lehman Brothers ein Wendepunkt?
Der Untergang dieser Investmentbank löste eine systemweite Panik aus, da die Marktteilnehmer erkannten, dass Rettungsprogramme nicht mehr garantiert waren und die gegenseitigen Verflechtungen ein globales Risiko darstellten.
- Arbeit zitieren
- Master of Arts Thomas Rohm (Autor:in), 2010, Die Ursachen der neuen Weltwirtschaftskrise, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182955