Diese Seminararbeit soll einen Einblick in die Arbeit eines der erfolgreichsten Sozialunternehmen der Welt geben, der Grameen Bank.
Die Grameen Bank (zu deutsch Dörfliche Bank), gegründet 1983 in Bangladesch, zählt nicht nur aufgrund ihrer Größe (16.000 Mitarbeiter; 6.700 Millionen US-Dollar Kreditvolumen) zu den bekanntesten Mikrofinanzinstituten (MFI) der Welt, sondern hat die Mikrofinanz in den 80er Jahren durch ihr sehr innovatives Kreditvergabesystem, dem Group Lending geprägt.
Die Arbeit greift oft auf theoretische Konzepte und Erkenntnisse über Anreizstrukturen und Group Lending in der Mikrofinanz auf und stellt diese in den Kontext der praktischen Umsetzung durch Grameen und das Restrukturierungsprogramm Grameen II.
Dieses hat sich die Bank nach einer langen Zeit der Kontinuität bzw. des Stillstands – je nach Perspektive – im Jahre 2000 verordnet und dadurch ihr Gesicht signifikant verändert, vor allem auch, was die Gestaltung von Anreizstrukturen angeht.
Für die Mikrofinanz kann man Anreizprobleme auf drei Ebenen, von denen diese Arbeit zwei aufgreift, identifizieren: Zwischen Geldgeber und MFI, zwischen dem MFI und seinen Mitarbeitern und zwischen MFI und Kreditnehmern.
Abschnitt 2 stellt in kurzer Form die wichtigsten Neuerungen durch Grameen II vor und bereitet damit den ständigen Vergleich theoretischer Erkenntisse mit der Tätigkeit der Bank vor. Abschnitt 3 befasst sich mit den Anreizproblemen in der Beziehung zum Kunden, wie Moral Hazard und Adverse Selection, beschreibt, welche Antworten Grameen auf diese Herausforderungen gefunden hat und wo unter Umständen Verbesserungsbedarf besteht. Kapitel 4 widmet sich mit der gleichen Vorgehensweise der Moral Hazard Problematik in der Beziehung zu den eigenen Mitarbeitern.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EINFÜHRUNG IN DAS GRAMEEN GENERALISED SYSTEM (GRAMEEN II)
3 THEORETISCHES FUNDAMENT UND PRAKTISCHE UMSETZUNG DER KREDITVERGABE UNTER GRAMEEN II
3.1 UMGANG MIT MORAL HAZARD PROBLEMEN
3.2 UMGANG MIT ADVERSE SELECTION PROBLEMEN
3.3 BEWERTUNG DER MAßNAHMEN
4 ANREIZSTRUKTUREN IN DER MITARBEITERFÜHRUNG
4.1 DAS GRUNDPROBLEM - FINANZIELLE TRAGFÄHIGKEIT VS. SOZIALE MISSION
4.2 STEUERUNGSINSTRUMENTE - LOW UND HIGH-POWERED INCENTIVES
4.3 GRAMEENS POSITIONIERUNG UND IDEEN IN DIESEM ZIELKONFLIKT
5 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeitsweise und die strategische Neuausrichtung der Grameen Bank durch das Programm "Grameen II". Ziel ist es, die Effizienz des innovativen Kreditvergabesystems sowie die Ausgestaltung von Anreizstrukturen in der Mitarbeiterführung im Kontext zwischen finanzieller Tragfähigkeit und sozialer Mission kritisch zu analysieren.
- Analyse des Kreditvergabesystems unter Grameen II
- Umgang mit Moral Hazard und Adverse Selection Problemen
- Trade-off zwischen sozialer Mission und finanzieller Profitabilität
- Evaluierung von Low-Powered und High-Powered Incentives in der Mitarbeiterführung
Auszug aus dem Buch
3.1 Umgang mit Moral Hazard Problemen
Für die Mikrofinanz lassen sich zwei Arten von Moral Hazard ausmachen: 1. Ex-Ante (vor Gewinnrealisierung des Projekts): Der Kreditnehmer strengt sich nicht in dem Maße an, wie er fähig wäre, und beeinträchtigt damit den Projekterfolg. 2. Ex-Post (nach Gewinnrealisierung des Projekts): Der Kreditnehmer zahlt den Kredit nicht zurück.
Im Gruppensystem Grameens gibt und gab es prinzipiell keine gemeinsame Haftung für Zahlungsrückstände Einzelner. Allerdings existiert für jedes Gruppenmitglied ein sehr starker Anreiz, 1. gewissenhaft seine Partner auszusuchen (Selbstselektion), 2. diese beständig auf ihre Zahlungsfähigkeit zu überwachen, 3. und im Falle eines Zahlungsrückstands für andere einzustehen.
Diese Anreize setzt GB dadurch, dass Zahlungsrückstände in der Gruppe oder im Center unter Grameen II mit einer Senkung der Kreditlinien sanktioniert werden und die Aufnahme neuer Kredite erschwert wird. Außerdem verpflichtet GB Kreditnehmer ein Sparkonto regelmäßig zu bedienen, das im Falle eines Zahlungsrückstands als Sicherheit herangezogen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung stellt die Grameen Bank als ein führendes Mikrofinanzinstitut vor und erläutert die Zielsetzung der Arbeit sowie die thematische Fokussierung auf Anreizprobleme.
2 EINFÜHRUNG IN DAS GRAMEEN GENERALISED SYSTEM (GRAMEEN II): Dieses Kapitel beschreibt die Hintergründe und die wesentlichen strukturellen Neuerungen des Grameen II Programms, welches zur Flexibilisierung des Kreditsystems eingeführt wurde.
3 THEORETISCHES FUNDAMENT UND PRAKTISCHE UMSETZUNG DER KREDITVERGABE UNTER GRAMEEN II: Hier werden die theoretischen Konzepte von Moral Hazard und Adverse Selection im Kontext der Mikrofinanz erläutert und deren praktische Anwendung in der Grameen Bank analysiert.
3.1 UMGANG MIT MORAL HAZARD PROBLEMEN: Das Kapitel untersucht, wie Grameen durch Gruppensysteme und Identifikationsmaßnahmen Moral Hazard Problemen bei den Kreditnehmern entgegenwirkt.
3.2 UMGANG MIT ADVERSE SELECTION PROBLEMEN: Es wird analysiert, wie das "Assortative Matching" innerhalb des Group Lending Modells hilft, Adverse Selection zu minimieren.
3.3 BEWERTUNG DER MAßNAHMEN: Dieses Kapitel bewertet die Wirksamkeit der neuen Grameen II Regelungen unter Berücksichtigung der Entwicklung von Kreditrisiken.
4 ANREIZSTRUKTUREN IN DER MITARBEITERFÜHRUNG: Diese Sektion widmet sich den Herausforderungen bei der Steuerung von Bankmitarbeitern und der Balance zwischen sozialen und finanziellen Zielen.
4.1 DAS GRUNDPROBLEM - FINANZIELLE TRAGFÄHIGKEIT VS. SOZIALE MISSION: Es wird der Zielkonflikt zwischen der Armutsbekämpfung und der Notwendigkeit finanzieller Profitabilität diskutiert.
4.2 STEUERUNGSINSTRUMENTE - LOW UND HIGH-POWERED INCENTIVES: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Anreiztypen und deren Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter.
4.3 GRAMEENS POSITIONIERUNG UND IDEEN IN DIESEM ZIELKONFLIKT: Abschließend werden die spezifischen Strategien von Grameen zur Mitarbeiterführung und zur Einbindung weicher Faktoren beleuchtet.
5 FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert über die Zukunftsfähigkeit der Grameen Bank als Sozialkonzern.
Schlüsselwörter
Grameen Bank, Mikrofinanz, Grameen II, Group Lending, Moral Hazard, Adverse Selection, Armutsbekämpfung, Finanzielle Tragfähigkeit, Anreizstrukturen, Assortative Matching, Sozialkonzern, Mitarbeiterführung, Kreditvergabe, Transformation, Soziale Mission.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Grameen Bank in Bangladesch und der Analyse ihrer strukturellen Anpassungen durch das Programm "Grameen II" im Hinblick auf ökonomische Anreiztheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Mikrofinanzierung, das Group Lending Modell, die Bewältigung von Informationsasymmetrien (Moral Hazard und Adverse Selection) sowie die Gestaltung von Anreizsystemen für Mitarbeiter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Grameen Bank theoretische Anreizkonzepte praktisch umsetzt, um den Zielkonflikt zwischen sozialer Mission und finanzieller Rentabilität zu lösen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die theoretische ökonomische Konzepte (Anreizstrukturen) mit praktischen empirischen Daten der Grameen Bank vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kreditnehmer-Bank-Beziehung (Moral Hazard/Adverse Selection) und die Analyse der Bank-Mitarbeiter-Beziehung (Anreizstrukturen in der Führung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Grameen II, Mikrofinanz, Moral Hazard, Group Lending und die Balance zwischen Sozialer Mission und Profitabilität.
Wie unterscheidet sich Grameen II von dem vorherigen System?
Grameen II führte eine Flexibilisierung des Kreditsystems ein, einschließlich individueller Kreditlinien, neuer Anlageprodukte und verbesserter Versicherungsmöglichkeiten, um auf Krisenzeiten besser reagieren zu können.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit der Anreizsysteme bei Grameen?
Der Autor bewertet die Mischung aus Low-Powered und High-Powered Incentives kritisch, da letztere die Gefahr bergen, das soziale Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation mit der Mission zu untergraben.
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- Frederik Gruissem (Author), 2009, Case Study: History and Recent Developments in Bangladeshs Grameen Bank, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182939