1. Einleitung
In Zeiten, in denen jeder, der Zugang zum Internet hat, über mindestens eine E-Mail-Adresse verfügt, füllen häufig unerwünschte E-Mails, sogenannte Spam-Mails das Postfach. Darunter finden sich allzu häufig auch Scam-E-Mails. Unter Scams versteht man betrügerische E-Mails, die unter verschiedenen Vorwänden Geldbeträge vom Empfänger erbitten. Als Belohnung für die Kooperation mit den Betrügern winkt am Ende eine verlockend große Geldsumme, die jedoch nur mithilfe des zuvor erbetenen Vorschusses erlangt werden kann.
Mittlerweile hat sich jedoch eine Gegenbewegung zu den sogenannten Scammern gebildet: E-Mail-Nutzer, die der Betrugsmails müde wurden, fingen an, auf Scam-EMails zu antworten und die Betrüger in teils monatelange Gespräche zu verwickeln. Dabei erhofften sie sich einerseits, diese somit von tatsächlichen Opfern abzulenken
und ihre Zeit zu verschwenden, andererseits machte es ihnen Spaß, mit den Betrügern zu spielen und sie teilweise auf das Schlimmste zu veralbern.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen des Scambaitings unter dem Begriff der interkulturellen Kommunikation näher zu betrachten und die kulturellen Beziehungen zwischen den Scammern, die größtenteils aus dem westlichen Afrika stammen und
den Scambaitern, die den westlichen Industriekulturen angehören, zu erforschen.
Um die Frage nach dem möglichen kulturellen Unverständnis der Scammer für die westliche Kultur zu beantworten, soll auf Basis der inhaltlichen Analyse eines Scambaiting-Dialogs eine mögliche Aussage darüber getroffen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORIE
2.1 Definitionen
2.1.1 Scamming
2.1.2 Scambaiting
2.1.3 Kultureller Hintergrund der Scammer, 419er, Nigeria-Connection
2.1.4 Kultureller Hintergrund der Scambaiter
2.2 Vorstellung des Materials
2.3 Gegenwärtiger Forschungsstand
2.4 Theorie der qualitativen Inhaltsanalyse
3 ANALYSE
3.1 Einordnung in ein Kommunikationsmodell
3.2 Regelgeleitetheit: Einteilung des Texts
3.3 Analyse nach Kategorien
3.3.1 Verlangen/ Auffordern
3.3.2 Verständnis/ Unverständnis
3.4 Gütekriterien
4 RESULTATE
5 FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Scambaitings aus der Perspektive der interkulturellen Kommunikation, um zu erforschen, ob das Verhalten afrikanischer Betrüger auf kulturellem Unverständnis gegenüber westlichen Gepflogenheiten oder auf kalkulierter Betrugsabsicht basiert.
- Definition und Funktionsweise von Scamming und Scambaiting
- Analyse kultureller Hintergründe der beteiligten Akteure
- Empirische Untersuchung anhand eines konkreten Korpus von E-Mail-Korrespondenzen
- Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Untersuchung von Kommunikationsmustern
- Evaluation der kulturellen Kompetenz von Scambetrügern in interkulturellen Dialogen
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
In Zeiten, in denen jeder, der Zugang zum Internet hat, über mindestens eine E-Mail-Adresse verfügt, hat auch beinahe jeder schon einmal einen Account infolge eines überquillenden Postfaches geschlossen. Der Grund? Nach einer kurzen Phase der Aktivität wird eine Adresse im Web schnell bekannt - und das nicht nur unter Geschäftsfreunden und Bekannten. Die Folge: Unerwünschte E-Mails, sogenannte Spam-Mails füllen das Postfach. Darunter finden sich allzu häufig auch Scam-E-Mails. Unter Scams versteht man betrügerische E-Mails, die unter verschiedenen Vorwänden Geldbeträge vom Empfänger erbitten. Als Belohnung für die Kooperation mit den Betrügern winkt am Ende eine verlockend große Geldsumme, die jedoch nur mithilfe des zuvor erbetenen Vorschusses erlangt werden kann.
Erschreckenderweise fallen auch nach Jahren des mittlerweile bekannten Scam-Betruges immer noch mitfühlende Menschen auf die Betrüger herein, die sich oft auf Mitleid pochende Hintergrundgeschichten einfallen lassen.
Mittlerweile hat sich jedoch eine Gegenbewegung zu den sogenannten Scammern gebildet: E-Mail-Nutzer, die der Betrugsmails müde wurden, fingen an, auf Scam-E-Mails zu antworten und die Betrüger in teils monatelange Gespräche zu verwickeln. Dabei erhofften sie sich einerseits, diese somit von tatsächlichen Opfern abzulenken und ihre Zeit zu verschwenden, andererseits machte es ihnen Spaß, mit den Betrügern zu spielen und sie teilweise auf das Schlimmste zu veralbern. Für diese Gegenspieler hat sich im englischen, sowie auch im deutschen Sprachraum der Begriff „Scambaiter“ etabliert. Ihre Ziele haben sich im Laufe der Zeit dahingehend entwickelt, dass viele „Trophäen“ sammeln, also kompromittierende Fotos oder Formulare, die sie sich von den Scammern schicken lassen und auf welchen diese sich hauptsächlich lächerlich machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Phänomen des Scamming sowie die Entwicklung der Gegenbewegung des Scambaiting und Formulierung der Forschungsfrage.
2 THEORIE: Darstellung des theoretischen Hintergrunds, inklusive Begriffsdefinitionen, Materialvorstellung und Erläuterung der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse.
3 ANALYSE: Anwendung der Inhaltsanalyse auf den E-Mail-Korpus unter Berücksichtigung von Kommunikationsmodellen, Textsegmentierung und Kategorienbildung.
4 RESULTATE: Auswertung der erhobenen Daten hinsichtlich der Aufforderungskonstruktionen und des Verständnisses des Betrügers.
5 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass die untersuchten Scammer nicht naiv handeln, sondern die Erfüllung von Anweisungen aktiv als Teil ihrer Betrugstaktik einsetzen.
Schlüsselwörter
Scamming, Scambaiting, interkulturelle Kommunikation, Nigeria-Connection, 419-Scam, qualitative Inhaltsanalyse, Betrugsmaschen, interkulturelle Kompetenz, E-Mail-Korrespondenz, Vorschussbetrug, Kommunikationsmodell, empirische Analyse, Internet-Betrug, kulturelle Hintergründe, Trophäen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Scambaitings, bei dem Internetnutzer gezielt auf betrügerische Scam-E-Mails antworten, um die Täter zu beschäftigen, zu verwirren oder vorzuführen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Mechanismen von Vorschussbetrug (Scamming), die Identität und Kultur der Betrüger sowie die Motivation und das Verhalten der sogenannten Scambaiter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die kulturelle Kompetenz von Scambetrügern zu erforschen und zu klären, ob deren Bereitschaft, absurde Forderungen zu erfüllen, auf einem mangelnden Verständnis westlicher Kulturen basiert oder eine kalkulierte Betrugstaktik darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, um den E-Mail-Dialog zwischen einem Scambaiter und einem Betrüger systematisch in Kategorien wie Aufforderungsverhalten und Verständnis zu untersuchen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung, die Einordnung der Kommunikation in Modelle, eine regelgeleitete Einteilung des Textmaterials sowie eine detaillierte Auswertung anhand deduktiv entwickelter Analysekategorien.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Scambaiting, interkulturelle Kommunikation, 419-Scam, qualitative Inhaltsanalyse und kulturelle Kompetenz.
Warum wurde ausgerechnet die Korrespondenz mit einem indischen Betrüger gewählt?
Obwohl der Großteil der Scams der Nigeria-Connection zugeschrieben wird, bot dieser Fallbeispiel-Dialog (Pastor Rao) eine stereotype Struktur, die für eine inhaltsanalytische Untersuchung des Phänomens sehr gut geeignet war.
Wie reagieren die Betrüger auf die absurden Anforderungen der Scambaiter?
Die Analyse zeigt, dass der Betrüger entgegen der Annahme einer kulturellen Unbeholfenheit sehr willig und schnell auf Forderungen (wie das Fotografieren mit Brot und Fisch) eingeht, da dies als notwendig für den erhofften finanziellen Erfolg angesehen wird.
Kann man die Ergebnisse verallgemeinern?
Nein, die Autorin weist explizit darauf hin, dass das ausgewählte Material für eine tiefgehende Untersuchung zwar instruktiv ist, jedoch nicht als vollständig repräsentativ für die gesamte Gruppe aller Scambetrüger betrachtet werden kann.
- Arbeit zitieren
- Pina Pohl (Autor:in), 2010, Scambaiting im Fokus interkultureller Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182835