Die Urbanisierung nach 1800 beschreibt einen Prozess, „in dessen Verlauf die Bevölkerung ländli-cher Räume die Berufs- und Sozialstruktur, sowie die Verhaltensweisen der Stadtbewohner an-nimmt.“2 Zudem wird dadurch ein ansteigender Anteil der in der Stadt lebenden Bevölkerung ei-nes Gebietes, Landes oder Staates angezeigt.3
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten etwa 90% der Menschen in dörflichen Siedlungen und übten landwirtschaftliche Tätigkeiten vor allem zur Selbstversorgung aus. Mit der Erfindung und Nutzung der Dampfkraft zu Anfang des 20. Jahrhunderts begann in Europa die industrielle Revolution. Durch neue Technologien konnten innovative Produktionsverfahren z.B. zur gezielten Kohleförderung betrieben werden. Zudem erhöhte der Ausbau von Verkehrswegen und Eisen-bahnstrecken die Mobilität und förderte die Kommunikation. Im Zuge dessen entwickelte sich auch die Schwer- und die Textilindustrie, die zu den bedeutenden Wirtschaftfaktoren heranwuch-sen. Neue Erkenntnisse in der medizinischen Forschung ermöglichten den Menschen ein längeres Leben und führten langfristig zu einem enormen Bevölkerungswachstum in Europa.
Sowohl der enorme Arbeitskräftebedarf in den Stadtregionen, als auch der enorme Versor-gungsmangel der ländlichen Gebiete lockte viele Menschen in die zentralen Städte. In der Hoff-nung auf ein finanziell besseres Leben kam es zu einer regelrechten ‚Landflucht‘, bei der die Men-schen in die Städte pilgerten und dort zumeist als Fabrikarbeiter eine Anstellung fanden. Diese Entwicklungen führten zu einem explosionsartigen Anwachsen der Städte.4 Im Laufe der nächsten Jahrzehnte verfestigten sich diese Strukturen und führen zur Entwicklung von zentralen Großstäd-ten.
Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsannäherung „Großstadt“ (Katrin Oberster)
1.1 Heutige Definition
1.2 Entwicklung der Großstadt
1.3 Leben in einer Großstadt Anfang des 20. Jahrhunderts
2 Ästhetische Auseinandersetzung mit der Großstadtthematik Anfang des 20. Jahrhunderts (Eva Uhl)
2.1 „Epochen der Großstadt“
2.1.1 Expressionismus
2.1.2 Neue Sachlichkeit
2.2 Beispiele für das Thema „Großstadt“
2.2.1 Lyrik
2.2.2 Bildende Kunst
3 Bertolt Brecht und de Großstadtlyrik
3.1 Bertolt Brechts Verhältnis zur Großstadt (Katrin Oberster)
3.1.1 Grundzüge expressionistischer Großstadtlyrik
3.1.2 Brechts Verhältnis zur Großstadt
3.2 Tabellarischer Vergleich zweier Großstadtgedichte Brechts (Eva Uhl)
4 Anhang
4.1 Großstadt in der Lyrik
Gedicht 3: Wolfgang Borchert: Großstadt (1949)
4.2 Großstadt in der Bildenden Kunst
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die thematische Auseinandersetzung mit der modernen Großstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit besonderem Fokus auf die literarischen und künstlerischen Werke von Bertolt Brecht und anderen zeitgenössischen Vertretern der Weimarer Republik.
- Definition und Entwicklung des modernen Großstadtbegriffs
- Ästhetische Strömungen im Kontext der Großstadt: Expressionismus vs. Neue Sachlichkeit
- Analyse von Brechts persönlichem und künstlerischem Verhältnis zur Großstadt Berlin
- Vergleichende Untersuchung von Lyrik und Bildender Kunst hinsichtlich der Großstadtthematik
Auszug aus dem Buch
1.1 Heutige Definition
In der Anthropogeographie beschäftigt man sich schon seit vielen Jahrzehnten mit einer korrekten Definition des modernen Stadtbegriffes. Das Problem der Abgrenzung zwischen ländlichen und städtischen Siedlungen steht hierbei im Vordergrund, da eine Begriffsdefinition je nach Autor und Untersuchungszweck sehr variabel ist.
Heineberg stellt in seinem Buch eine Reihe von Merkmalen zusammen, die den geographischen Stadtbegriff näher beschreiben und charakterisieren sollen:
- Große Siedlung (ab 10.000 Einwohnern = Großstadt)
- Mindestmaß an Zentralität
- Kompakter Siedlungskörper
- Hohe Bebauungsdichte
- Überwiegende Mehrstöckigkeit der Gebäude (Stadtkern)
- Deutliche funktionale Gliederung
- Hohe Wohn- und Arbeitsstättendichte
- Städtische Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsformen
- Hohe Verkehrsdichte/ Bündelung wichtiger Verkehrswege
- Weitgehend künstliche Umweltgestaltung
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsannäherung „Großstadt“: Dieses Kapitel erläutert die geografischen und soziologischen Definitionen einer Großstadt und beschreibt die historische Urbanisierung ab 1800 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.
2 Ästhetische Auseinandersetzung mit der Großstadtthematik Anfang des 20. Jahrhunderts: Hier wird analysiert, wie die Epochen des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit die Großstadt als zentrales Motiv in Lyrik und Bildender Kunst verarbeiteten.
3 Bertolt Brecht und de Großstadtlyrik: Dieses Kapitel konzentriert sich auf Brechts spezifisches Verhältnis zur Stadt Berlin und analysiert die expressionistischen Grundzüge seiner Lyrik sowie einen Vergleich ausgewählter Gedichte.
4 Anhang: Der Anhang enthält die primären Quellentexte, darunter Gedichte von Heym, Brecht und Borchert sowie Bildnachweise zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema.
Schlüsselwörter
Großstadt, Bertolt Brecht, Weimarer Republik, Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Urbanisierung, Lyrik, Bildende Kunst, Berlin, Industrialisierung, Moderne, Entfremdung, Ludwig Meidner, Otto Dix, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und künstlerischen Rezeption der modernen Großstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel Bertolt Brechts und seiner Zeitgenossen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rasante Entwicklung der Großstädte während der Industrialisierung, die Darstellung des städtischen Lebens in den "goldenen Zwanzigern" und die Spiegelung dieser Erfahrungen in der Kunst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die ästhetische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Großstadt nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Epochen wie Expressionismus und Neue Sachlichkeit dieses Sujet interpretierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fachwissenschaftliche Literaturanalyse sowie den inhaltlichen und strukturellen Vergleich von literarischen Texten und bildender Kunst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Urbanisierung, die Stilepochen der Moderne sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Werk Bertolt Brechts im Kontext seiner Berlin-Aufenthalte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Großstadt, Urbanisierung, Expressionismus, Neue Sachlichkeit und Bertolt Brecht bestimmt.
Wie beeinflusste der Expressionismus die Großstadtlyrik?
Der Expressionismus radikalisierte Eindrücke der Hässlichkeit und Unüberschaubarkeit, um die Zerrissenheit des modernen Menschen in der anonymen Masse darzustellen.
Inwieweit unterschied sich die "Neue Sachlichkeit" vom Expressionismus?
Die Neue Sachlichkeit wählte einen distanzierteren Blickwinkel und legte den Schwerpunkt auf eine sachliche Wirklichkeitsdarstellung statt auf subjektive emotionale Überhöhung.
Wie veränderte sich Brechts Verhältnis zu Berlin im Laufe der Zeit?
Brechts Verhältnis wandelte sich von anfänglicher Ablehnung und dem Gefühl des Fremdseins hin zu einer "inneren Urbanisierung" und einer bewussten Auseinandersetzung mit der Großstadt als zentralem Ort seines Schaffens.
Welche Rolle spielten Bildwerke wie das Triptychon von Otto Dix?
Werke wie Dix' "Großstadt" verdeutlichen die Schattenseiten der goldenen Zwanziger Jahre, indem sie den schillernden Glanz mit der Armut und dem Verfall der Gesellschaft kontrastieren.
- Arbeit zitieren
- Katrin O. (Autor:in), 2010, Die Großstadtthematik zu Anfang des 20. Jahrhunderts , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182721