Diese Hausarbeit versucht die Fragen zu klären, die sich aus der Arbeit eines Bildungswissenschaftlers in der Personal- und Organisationsentwicklung ergeben. Um das Aufgabengebiet dieser Berufsgruppe einzugrenzen, werde ich mich in diesem Aufsatz auf einen Teilbereich der Personalentwicklung (PE), nämlich die interne Schulung von Führungskräften, konzentrieren.
„Die Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource des Unternehmens.“ Diese Aussage hört und liest man immer wieder und sie verdeutlicht, dass das Thema Personalentwicklung in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat.“ (Gutmann & Klose, 2005, S. 12).
Der Wandel von der Industrie- zur Informations- und Wissensgesellschaft macht es erforderlich, dass das Wissen und die Kompetenzen der Mitarbeiter sich an die sich schnell verändernden Bedingungen anpassen. Zudem ist die demographische Entwicklung zu berücksichtigen, die Unternehmen dazu zwingt, typische Fähigkeiten der internen Mitarbeiter aufzubauen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben (Thom & Zaugg, 2005). So wird die Qualität der Mitarbeiter, insbesondere der Führungskräfte, zu einem entscheidenden Faktor für den Unternehmenserfolg und Personalentwicklung zu einer wichtigen Bestimmungsgröße in der Personalplanung. Die ständige Wissensvermittlung hat großen Einfluss auf die Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Einzelnen. Das lebenslange Lernen erhält damit eine immer größere Bedeutung und Akzeptanz in der Gesellschaft.
Das Ziel dieser Arbeit soll die Vorteile und die Handhabung von Instruktionsmodellen aufzeigen. Das Vier-Komponenten Instruktions-Design-Modell (four-component instructional design model (4C/ID)) ist ein Modell, das von Jeroen van Merriënboer vor allem für das Trainieren von komplexen kognitiven Fertigkeiten entwickelt wurde. Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird das 4C/ID Modell entlang eines praktischen Beispiels erläutert. Anhand des im Titel genannten exemplarischen Beispiels wird das 4C/ID Modell beschrieben und auf diesen Tätigkeitsbereich angewandt. Im dritten Kapitel folgt eine theoretische Einordnung des Modells, bevor Möglichkeiten des Einsatzes von Medien im Rahmen des 4C/ID Modell erör-tert werden. Ein eigenes Fazit rundet diese Arbeit ab.
Zur Leseerleichterung wird ausschließlich die männliche Form für Personen verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das 4C/ID Modell in der praktischen Anwendung
2.1 Analyse der Kompetenz / Fertigkeitshierarchie
2.2 Sequentialisierung der Aufgabenklassen
2.3 Entwurf von Lernaufgaben
2.4 Unterstützende Informationen
2.5 Just-in-time Informationen
3 Das 4C/ID Modell in der Theorie
3.1 Lerntheoretische Überlegungen
3.2 Situiertes Lernen
3.3 Didaktische Szenarien zur Integration in das 4C/ID Modell
3.4 Medien zur Unterstützung des Blueprints
4 Zusammenfassung und eigenes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung des 4C/ID-Modells (Vier-Komponenten Instruktions-Design-Modell) auf das Berufsfeld des Bildungswissenschaftlers in der Personal- und Organisationsentwicklung, um dessen Vorteile für die Planung komplexer Schulungsprozesse aufzuzeigen.
- Grundlagen und Struktur des 4C/ID-Modells in der Praxis
- Entwicklung von Fertigkeitshierarchien und Aufgabenklassen
- Integration lerntheoretischer Konzepte und situierter Lernformen
- Medieneinsatz zur Unterstützung des instruktionalen Designs
Auszug aus dem Buch
2.3 Entwurf von Lernaufgaben
Lernaufgaben sind, dargestellt als Kreise (siehe Abb. 1), in Aufgabenklassen eingebettet. Zur Bearbeitung der ersten Aufgabe einer Lernsequenz benötigt der Lernende viel Unterstützung und Lenkung (gefüllte Kreise) von Seiten des Lehrenden. Mit steigendem Sachverstand des Lernenden nimmt diese Hilfe ab, was durch die unterschiedlich gefüllten Kreise dargestellt wird. Der Fachbegriff dafür, ‚scaffolding’, ist ein didaktisches Verfahren, beim dem der Lehrende den Lernenden zu Beginn maximal unterstützt, indem er die Lernaufgaben vorführt. Nach und nach zieht sich der Lehrende aus dem Lerngeschehen zurück, der Lernende übernimmt somit stufenweise mehr Verantwortung bis die Unterstützung bei der letzten Lernaufgabe jeder Aufgabenklasse entfällt (leere Kreise).
Ursprünglich stammt dieser Vorgang von Vygotski’s Zone der proximalen (nächsten) Entwicklung (Vygotski, 1978) und wurde daraus abgeleitet (Bastiaens et al., 2010, S. 93). Die anfängliche Unterstützung seitens des Lehrenden ermöglicht dem Lernenden seinen Fertigkeitsbereich zu erweitern. Die fehlende Unterstützung der letzten Lernaufgabe einer Lernsequenz kann auch als Lernkontrolle gesehen und entsprechend eingesetzt werden. Mit jeder neuen Aufgabenklasse steigt die Schwierigkeit der Lernaufgaben an. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Unterstützung während des Trainings (typisches ‚Sägezahn-Muster’).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Berufsfeld der Personalentwicklung und stellt das Ziel vor, das 4C/ID-Modell zur Gestaltung effektiver Weiterbildungsprozesse für Führungskräfte zu nutzen.
2 Das 4C/ID Modell in der praktischen Anwendung: Dieses Kapitel erläutert die praktische Implementierung des Modells, von der Fertigkeitsanalyse bis zur konkreten Gestaltung von Lernaufgaben, unterstützenden Informationen und Just-in-time-Hilfen.
3 Das 4C/ID Modell in der Theorie: Die theoretische Einordnung erfolgt durch die Verknüpfung des Modells mit Lerntheorien, dem situierten Lernen, spezifischen didaktischen Szenarien und einer medienpädagogischen Reflexion.
4 Zusammenfassung und eigenes Fazit: Das Fazit resümiert die Eignung des 4C/ID-Modells für komplexe Lerncurricula trotz des hohen Ressourcenbedarfs in der Erstellung.
Schlüsselwörter
4C/ID-Modell, Instruktionsdesign, Personalentwicklung, Bildungswissenschaft, Lernaufgaben, Scaffolding, kognitive Fertigkeiten, situiertes Lernen, Didaktische Szenarien, Medienwahl, Blueprint, Personalplanung, Kompetenzentwicklung, Wissenstransfer, Führungskräfteschulung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Planung und Gestaltung von komplexen Weiterbildungsmaßnahmen für Bildungswissenschaftler in der Personalentwicklung mithilfe des 4C/ID-Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Instruktionsdesign, kognitive Lernpsychologie, die Strukturierung von Aufgabenklassen sowie die gezielte Auswahl von Medien zur Unterstützung des Lernprozesses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Vorteile des Vier-Komponenten-Instruktions-Design-Modells aufzuzeigen und seine Handhabung anhand eines praktischen Beispiels aus der betrieblichen Bildung darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und wendet diese durch einen eigenen Entwurf (Blueprint) auf das spezifische Tätigkeitsfeld eines Bildungswissenschaftlers an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die praktischen Komponenten (Aufgaben, Informationen) und die theoretische Fundierung (Lerntheorien, didaktische Szenarien, Medieneinsatz) des Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Das 4C/ID-Modell, Instructional Design, Personalentwicklung, Kompetenzentwicklung und Transferförderung sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen unterstützenden Informationen und Just-in-time-Informationen?
Unterstützende Informationen dienen dem Erlernen nicht-wiederkehrender Fertigkeiten und bieten eine Brücke zur Theorie, während Just-in-time-Informationen bei der Ausführung wiederkehrender, routinierter Aufgaben zur Automatisierung bereitgestellt werden.
Warum wird das "Sägezahn-Muster" für die Lernaufgaben verwendet?
Das Muster verdeutlicht den Prozess des "Scaffoldings", bei dem die Unterstützung durch den Lehrenden zu Beginn hoch ist und im Laufe des Lernprozesses sukzessive abnimmt, um die Eigenverantwortung des Lernenden zu fördern.
- Quote paper
- Margit Benesch (Author), 2010, Das 4C/ID Modell am Beispiel „Bildungswissenschaftler/in in der Personal-, Organisationsentwicklung“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182525